Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 33 (1.9.1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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w Erscheint wöchentlich am Donnerstag. B e z u g s p r e i S p t o Viertelsahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, auswärts bei der Post abonniert Mk. 4.50 frei ins Haus. Bei Zusendung durch Streifband für Deutsch. land-Mk. 30.00. kür Ausland 10 franz., 5 schweiz. Frcs„ 3 holl. Fl., 6 Shilling, 2 Dollar jährlich. im Voraus zahlbar. Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber : Saly Geis JnsertionSpreis für die sechsgespalteneNockparrille-Zeile 150 Pfg., für die Reklamezeile Mk. 3.75. Platz» und Datum- Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Nnnoncen-Annahme bei der Expedition und in allen Annoncen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. 19. Jahrgang. Donnerstag, de» 88. Aw 5681 (1. September 1981) Nr. 88. Aeutzerunge« zum Ziouisteukongretz. Die Jud. Preßzentrale hat durch ihre Vertreter verschiedene Persönlichkeiten der zionistischen Bewegnng, inter-" uteroen ■ lassen, deren Ansichten hier wicdergegeben seien. ' r» . . Robert Stricker, der Führer der österreichischen Zionisten, sieht die .jüdische Heimstätte in Palästina als gesichert' an und ist Optimist. Das. größte Hemmstis sei Herbert Samuel mit seineiy Beamtenstab. Samuel.werde in. /absehbarer Zeit zurücktreten müssen, da er seine Versprechungen den Arabern gegenüber nicht einlösen, könne, — und es sei deshalb vernünftiger, er gehe aus zionistische Veranlassung, damit sein Nachfolger mit den Zionisten rechne. Samuel, der die Pogromanstister wie die Generale Bols und StorrS nicht entlassen hat, habe damit, bewiesen, daß er kein Zionist sei. - Stricker betrachtet die Hauptaufgabe des Kongresses in der Wahl einer guten Leitung. Hinsichtlich der Ansiedlungsmethoden in Palästina ist Stricker im Prinzip Anhänger der kooperativen Ansiedlnng und der Nationalisierung des .Bodens. ~ Ein rnss i scher D el e gi ert er sprach sich wie folgt aus: . Da es in Rußland unmöglich ist, Schekel zu sammeln, muhte die Wählerzahl zur russischen Landeskonferenz 1017 zum Maßstab genommen werden. 'Nach den damaligem 110000 Schekelzahlern hätte Rußland Anspruch auf 70 Delegierte. 22 Mandate wurden russischen Führern übertragen, die sich im Auslande aufhaltcn. - In wirtschaftlichen Fragen ist die Stimmung ausgesprochen reaktionär. Man ist gegen jede Art von Nationalisierung und Sozialisierung mißtrauisch. Die meisten Gesinnungsgenossen stehen auf dem Standpunkt, daß Palästina privatkapitalistisch aufgebaut werden soll. Die russischen Jude» können allerdings wenig beitragen, aber es gibt eine ganze Anzahl Leute mit 200—600 Psund, die etwas in Palästina unternehmen wollen. Die zentrale Frage, die die russischen Zionisten interessiert, ist die Legalisierung der Emigration. Das ist auch die einzige Forderung, die wir zum Kongreß mitbriiigen. Prof. Dr. Alexander M a r m o r e k - Paris, der alte Opponent, bleibt dem Kongreß fern „wegen' der Art, in'-der die Kongreß-Debatten gemacht worden seien." Man habe.die.Föderationen in große und kleine eingetcilt, den ersten. Privilegien gewährt und die lebten ihrer Rechte beraubt. Nirgends habe man derart, die Macht 'mißbraucht:. eS sei dies uur mit der Absicht-geschehcn, die Stimmen .der Opposition zu ersticken. Der Exekutive und dem Großen A. - C. sei sehr-wohl bekannt, daß es auf dem Kongreß sehr viel Dinge zu sagen geben würde, sie fürchteten sie "und hätten^ deshalb den Weg versperrt. Pn' all den Krisen, die die Bewegung jetzt durchmacht, iseienWeizmann und Ussischkin schuld, die'Julius Simon 'und de Licme . ausschalteten und i» Amerika Mißstimmung säten. . Er; halte es sür. die erste Pflicht des Kongresses, Kommissionen von unabhängigen Personen einzusetzeu, wie die politische'und die finanzielle Führung der Exekutive und des Waad Hazirim prüfen. Das sei das einzige, was die Opposition Dom Kongreß verlangt. .Pros/ Albert Ein sie in - Berlin sprach sich nur über die Frage der jüdischen .Universitär in Jerusalem Als. Ev glaubt, daß eine jüdische Universität von ipterngtionaleiii Ansehen dazu beitragen werde, der beschämenden Neigung vieler erfolgreicher geistiger Arbeiter unter den Juden,, ihre Stammeszugehörigkeit zu verleugnen und ängstlich zu verstecken, entgegenznarbeiien. Jene. Erscheinung beruhe, keineswegs, immer ans Charakterlosigkeit, sondern vielmehr darauf, daß der einzelne dem suggestiven Einfluß seines nichtjüdischen Milieus unterliegt, wenn in diesem antisemitische Gefühlseinstellung vorwicgt. Prof. Otto War b u r g - Berlin, der demnächst seinen Wohnsitz nach Palästiiia verlegt, hält in der zionistischen Bewegung die kolonisatorische Frage für die schwierigste aller palästinensischen Fragen. Selbst, wenn das Geld vorhanden sei, lasse sich die Massenkolonisation nicht durchführen, Es fehlen die notwendigen kolonisatorischen Vorstudien, — und cs müsse darum im 'Großen experimentiert werden. Ans dem Kongreß werden sich die Debatten nm Schlagworte drehen. - Doch die Wirklichkeit sucht sich ihre eigenen Wege und wird sie allmählich — wenn auch nach mancherlei Rückschläge» finde». Es sei daher völlig verfehlt, ein bestimmtes Kolonisationsprogramm zu fordern. Selbst ein Kongreß von kolonisatorischen Fachleuten könne keinen absolut gangbare» Weg angeben. Es ist eben eine Frage'der Praxis. Der Kongreß werde zweifellos bereit sein, den von der Leitung geplanten Kolonisationsversuchen seine Zustimmung zu geben, — er muß sich jedoch darüber klar sein, daß es sich uni Versuche und nicht um Systeme handelt. Die Selbstversorgung des Landes mit Nahrungsmitteln und Jndustrieprodukten sollte unbedingt das erste und bei. weitem wichtigste Ziel jeder Kolonisation sein. Daraus ergebe sich aber die politische Aufgabe, die Gesetzgebung des Landes so zu becinslusscn, daß durch Beihilfen, Prämien und Zölle die Entwicklung einer die Bevölkerung ernährenden Landwirtschaft und einer sie mit allen lebenswichtigen Produkten versorgenden Industrie ermöglicht wird. To werden also auch in Zukunst kolonisatorische und politische Bcstrebuiigen in der zionistischen Bewegnng Hand in Hand gehen müssen; die einen ohne die andern sind nicht existent fähig. Esra-Füyrertag. «Schluß.) Es solgte ein Referat Arnold M e r z b a ch-Berlin über die Ausbildung der Kleinen. In wunderschöner Form und in äußerst anziehender Weise behandelte Referent die Tätigkeit in den Gruppen der sieben- bis neunjährigen Kleinen. Man merkte aus seinen Ausführungen, daß 'er sich ausgiebig mit Kinder-Pshchologie beschäftigt hat, und das; er weiß, wie ein Kind denkt, und was ein Kind will, und'wie es möglich ist, de» Geist eines Kindes in die Wege hinein zu bewegen, in denen man es später gern wissen möchte. Es folgte dann eine Beratung über die 'Nadel, 'und nach langen, lebhaften Debatten konnte man sich dann ans einen Entwurf einigen, der für den ganzen Esra verbindlich sein soll. 'Abends fanden zwei Kommissions-Sitzungen statt, eine zur Vorberatung des organisatorischen Aufbans im Esra, die andere zur Dnrchbesprechung sür die Neuorganisierung der Führerschaftsblätter. - Die Kommissionsbeschlüsse wurden am folgenden Morgen vom Plenum angenommen. Der Bundesvorstand besteht nunmehr aus vier Mitgliedern, die an einem Orte wohnen und fünf, -die in den deutschen Gruppen zerstreut ihren Sitz habe». Diese fünf Bundes-Vorstands-Mitglieder sind gleichzeitig die Kreisleiter, d. h„ sie haben die in ihrem Bezirk gelegenen Esragruppen zu besuchen, und sür die Durchführung einer intensiven Esra-Arbeit in ihnen zu sorgen. - Die höchste Entscheidung des Waad Horabonim der Agudas Jisroel bleibt bestehen. Daneben wird jedoch bestimmt, daß bei schwerwiegenden Fragen der Rat von' rabbinischen Autoritäten eingeholt werden soll. Die F ü h r e r s ch a s t s b l 8 t t e r sollen wieder all» monatlich erscheinen, und zwar wird jede Nummer von einer anderen Gruppe zusaminengestellt werden. Es folgt dann die Wahl für den Bundesvorstand. Als Vorort wird M ü n ch e n wieder gewählt. Jetty Levin ger - München berichtete sodann über die Verhandlungen der M äd che n s itzu n g. Sie erzählt von den Beschlüssen bezüglich, der Unterstützung des Hitzs» Werks für die Ukraine, insbesondere durch Näharbeiten, von der 'Absicht, Ferienheime zu gründen, Nachhissezirkel einznrichten. Es wird ein weiterer Beschluß der Mädchen be» - kannt gegeben, daß Wanderungen und Heimabende bei Kinder» von 12 Jahren für Jungens und Mädchen getrennt sein sollen, daß Tresfahrten jedoch gestattet sind. Die Mädchen hatten weiter beschlossen, sich einer einfachen Kleidung zu befleißigen, sowie des ferneren; den Führerinnen das Tanzen zu untersage». Ueber den letze» Beschluß entspann sich eine scharfe'und aufgeregte Diskussion, in der aus die schweren Folgen eines solchen Beschlusses hingewiesen wurde. Es wurde gesagt, daß in manchen Gruppen dadurch die Arbeit sehr erschwert würde, weil es an Führerinnen ' mangele, die nicht tanzen. Es sei deshalb doch sehr zu überlegen, ob man die Verantwortung tragen könne, solche Gruppen einfach eingehen zu lassen, nur um diesen Beschluß ' aufrecht zu erhalten. ~ Die Mädchen zogen dann nach langer Diskussion ihre» Beschluß zurück zu Gunsten eines Kompromiß-Antrages von Landau-Fürth, der besagte, daß'der Esra das Tanzen prinzipiell verurteilt, daß aber ein Führer, bczw. eine Führerin, die doch tanzen, deshalb doch nicht aus der Führerschasi^auSgestoßen werden sollen. Es sprach dann noch. Lalomon Adler -Frankfurt über „Profane Bildung". Er meint, man könne auch die sogenannten profanen Fächer so erteilen, daß aus - jedem Fach die Jüdischkeit Siärkung erfahre, und die jüdische Erziehung des Geistes gefördert wird. LouisLevinger- Müncken h elt dann das Schlußwort, indem er besonders daraus hinwies, daß dieser -Führertag der erste sei, in dem -von einem gegenseitigen Vertrauen die Rede sein könne, wo die Führerschaft nicht nur Beschlüsse saßt, die sie der Bundes leikung zur Durchführung anfgibt, sondern, wo in einem harinonischen Verhältnis zwischen der Bundcsieitung und den Führern und Führerinnen von allen Seiten versuchtwird, den Esra nach Möglichkeit zu heben und zu vergrößern. Erez Israel. Für die medizinische Fakultät in Jerusalem. Um die von dem 'Amerikan.-Jüd. 'Aerzteoerband für die Jerusalemer medizinische Fakultät gezeichnete eine Million. Dollar zusamnienzubringen, werden sämtliche im letzten Kriege tätigen jüdischen Aerzte — mehr als 2000 — als- Sammler organisiert. Verschiedenes. 'An Stelle von Dr. Eder, der sich nach Europa begeben hat, soll laut „Doar Hajom" Leonard Stein, s. Zt. Verwalter von Tiberiäs und Verbindungsoffizier zwischen dem Waad Hazirim und der britischen Militärverwaltung und dann Leiter der politischen Abteilung der Zion. Org. in London, der cun'-l. 'August An Jerusalem eingetroffen ist, die Leitung des Saas Hazirim übernehmen. — 'Am 3. Juli landeten «.SO Einwanderer in Haifa, darunter die Schriftsteller Drujanow, Rawnitzki, F e u e r st e i n, R a b i n o w i t s ch u. a. Auch der Bruder Bialiks ist mikgekommen, während Bialik selbst sich vorerst nach Karlsbad zum Kongreß begibt. — 'An Stelle von Be» Z w i har Lamuel den bekannten Kolonisten von Rechoboth E i s e n b e r g zum Mitglied des Advisory Council ernan nt. Deutsches Reich. Wie die Saat christlicher Liebe gesät wird! Das „Stuttgarter Evangelische Soirntagsblatt" bringt nach der „Allg. Eoang.-Luth. K i r ch e n z e i t u n g" unter dem Titel „Ein jüdisches Welt- SM»«