Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 26 (7.7.1921)
- Date
- 1921-07-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Seae güdiMe OeEe. Nr. 26. Nr. H. Ploehmaim, Verwalter JffftnanerlariflidT- 2 Telephon: H 2802 Artikel zur Krankenpflege Ia. Ycrhand-Wattc, 'Bindenj Moll. redete eine gar saute Sprache, und willig schenkte sie dieser -'Sprache Gchör. Was sie aber hinderte, die Sache zum Abschluß zu bringen, war Alices Frau Mahlow scheute es doch, einen zweiten ' Gatten in das Haus des ersten zu führen, so lange ihre ernste älteste Tochter noch in diesem Hause weilte. Hätte Alice gewußt, imlche wichtige Rolle 'sie bei den Entschlüssen ihrer energischen Mutter spielte, so wäre - chr bei ihrer Weichrnüttgkeit und Gutherzigkeit sicherlich eine gelinde Rührung überkommen, obwohl die Triebttaft der Mutter nicht die Liebe zu ihr, sondern, moralische Feigheit war. Aber in jedem Falle hätte es " chr einen kleinen Rückhalt gegeben,- den eigenen Lebenskampf etwas mutiger zu führen. Doch Frau Mahlow war nicht die Person, ihre Tochter ins Vertrauen zu ziehen; — es gab einen viel besseren, einfacheren Ausweg, den vorwurfsvollen Augen der Tochter zu entgehen und die Sache ins richtige..Gleis zu bringen: es gab einen steinreichen Adolf Burger, der an. der schweigsamen Alice förmlich einen Narren gefressen hatte, und eine weltkluge Frau Mahlow, die-hinter dem Freier starrd. Kortsetzung folgt.) - Literarische Rundschau. Derech te-talmvd. . (Bon Ch. L i v e r h a n t. 96 Seiten.) Wenn heute ein neues Lehrbuch erscheint, ösfnet man es -mit weit größerer Spannung als früher. Jedermann weiß, - welche großen materiellen Mittel zur Herstellung eines Buches nötig sind, und wer auf den, jüdischen Büchermarkt heimisch ist, weiß, wieviel Idealismus von seiten des Verfassers schon zu Friedenszetten dazu, gehört hat, sich der Schaffmlg eures pädagogischen Werkes hinzugebeu. Erfüllt das Buch, von Liverhant die Erwartung des , Lehrers und des Schülers,, die es zur Hand nehmen? .Denn es ist für beide bestimmt, wenn auch sein Untertitel besagt, daß es Schüler durch Len Talmud führen und zum selbständigen Lernen darin befähigen soll. Jeder. Lehrer aber, der nicht gerade in dem' Kreise lebt, wo Kinder sich . hauptsächlich und fast ausschließlich -dem Lernen des Hebrä- .ischen hingeben, sondern nur wenige Wochenstunden dazu : ausbrintzen, weiß die Gabe eines solchen Hilfsbuches durchaus zu. schätzen. Von diesem Gesichtspunkte aus gebührt - Herrn Liverhant Anerkennung fiir seine Arbett und Daitt. Aber auch inhaltlich zeigt.sich in dem, was er geschaffen, daßein Mämi an der Arbett war, der bei seiner Tätigkeit .die Bedürfnisse und Interessen des Kindes wohl jichrelang beobachtete und bei seinenr Unterricht methodisch zu Werke ging. ,Der Verfasser will den Verstand des Schülers anregeik und ' fein ethisches Gewissen schärfen, .daher wählte er hauptsächlich ,MiL denesikin" als Stoff, geht aber von dem Bekannten erst allmählich zum Unbekannteren und.nimmt daher hie „Dirke Kwoth" zum Ausgangspunkt, kommt über eine -Auswahl aus ,Merachoch" Zu dellen ans ,Mes. Nesikin" und fügt am Schttlsse Unige „Agadoth" an, die, um es gleich zu sagen, nicht am glücklichsten ausgewählt sind»; Dagegen--kann, die Auswahl aus „Misch na" und „Gemora" als glücklich bezeichnet werden. Nicht richtig ist in dieser Auswahl die .Ikaschi" auch da abzudrucken, wo es heißt: „bigmeka mefaresch^, da das - im .Abschnitt z. B. S. 25 und S. 46 nicht erfolgt, wo «K sich um Erklärung des griechi- - scheu Wortes „<Änporütt' handelt, das nicht, wie Vers. meint, Zweifel/ Ungewißheit bedeutet, sondern Handel-, also Handelsware heißt. S. 28 Untere letzte Linie sind bei Angabe . der Talmudstelle 2 Punkte ausgelassen. S. 36 dürfte es kür kunstterdge Laskübrung Hodene Malerei feinen Anstrich mLackiernng führt preiswett ans. —— Ia. Referenzen. — . üiSnuieri Düsseldorf 1902 W. Beolx.Gr Hochstrasse 59. Tel.H 6866. - Atelier Schüfergasse 15. „meschane" heißen, wie auch schon R. Chananel liest. Es ist in den Erklärungen manches gegeben,, was besonders, da diese für den Lehrer sein sollen, überflüssig ist, während anderes da, wo schon Raschi sein,Maumcr" bemerkt hat, notwendig gewesen wäre. Hinweise auf andere Talmudstellen in der Raschi, wie bsp. S. 42 ohne, wie der eigentliche Talmud es tut, die Seitenzahl anzugeben, sollten lieber in Wegfall komme». Es find dies und noch manches andere Kleinigkeiten, die zu bemerken sind. Es' sollten viele Eltern wünschen, daß beim Unterricht ihrer Kinder dom zehnten bis dreizehnten Jahre dies Büchlein durchgearbeitet wird. Das wäre der schönste Lohn für die mühevolle Arbeit, der sich der Verfasser unterzogen und angesichts der, da er sie als 1. Teil bezeichnet, man ihm nur ein „Zelach urchav" zurusen kann. ' May. Aus Gustav Landauers Nachlatzwerk. Gustav Landauers umfangreicher literarischer Nachlaß wird jetzt von verschiedeneil Verlagen hcrausgegeben. Mit das Bedeutendste aus diesem schriftstellerischen Vennächtnis Landauers stellt das nun in zwei Bänden vorliegende Werk über „Shakespear e" dar (bei Rütten u. Loening, Frankfurt a. M.). 2lus 17 Vorlesungen über Shakespeare und sein Weck inr einzelnen ersteht die geistige und-künstlerische Welt des Dichters. Landauer hat mit seinem Werk, einem Zeugnis »achschöpscrischer Dcutungs- und Gestaltungskraft, ein Epos des Menschen, des Denkers, des Künstlers Shakespeare geschrieben. Die Lebensproblematik in Shakespeares Dramen, die moralischen und die seelischen Konflikte in seinen Helden, ihre Nöte und ihre Glücks, — kurz der gestaltenreiche Mikrokosmos des großen Briten wird von Landauer aus nacherlebender Seele dargestcllt, aufgebaut. ~ Allerdings entsteht hier nicht ein schlechthin objektives, in allen Einzelheiten richtiges Bild von Shakespeare; cs ist die Gestalt des Shakespeare, wie ihn als Gesamtpersöulichkeit Landquer sah, begriff, bewunderte. „Shakespeare" ist darum nlittelbar auch ein Bekenntnisbuch des Menschen Landauer, ein Bekenntnis seiner Lebensanschanung, seiner Moral, - seines Ethos. So ist es leicht verständlich, daß mit Landauers Menschentum sein Judentum in-seinem Werke, über Shakespeare durchbricht und sich darin lundgibt. Landauer sieht in dem Gesamtwerke Shakespeares folgendes Grnndproblem immer wieder aufgeworfen (nur in de» einzelnen Werken, verschieden künstlerisch geformt), das Prob l e m: G e i st oder Trieb? Allmählich ringt sich bei Shakespeare die Erkenntnis durch, daß zNletzt der Geist doch den Trieb zu überwinden oder doch zu veredeln, versittlichen vermag. Ist aber der Gegensatz, innerhalb dessen Landauer die ganze menschliche Problematik Shakespeares spannt, der Gegensatz Geist - Trieb nicht zuerst uitd am tiefsten vom j ü d i - s ch e n Geist erkannt, und lautet nicht die jüdische Lösung radikal/ der Geist muß und kann den'dumpfen, niederen Trieb bezwingen? Landauer saßt den Begriff des höheren Geistes weit, indem er mit der vernünftigen Erkenntnis die moralische Einsicht Und' die edle Empfindung zu einer Einheit verbindet. Was anders ist aber der jüdische Begriff des Geistes als Weishett, Edelsinn und Sittlichkeit ' in einem? — Wie Landauer die Behandlung des Problems - bei Shakespeare darstellt, daß er darin das zentrale Problem Shakespeares überhaupt sieht, verrät eindeutig seine eigene Stellung zu dieser Grundfrage menschlicher Gesinnung, und stellt nichts anderes dar, als ein Bekenntnis zum überwindenden sieghaften, befreienden Geist. Ueber die Einzelheiten war 'hier nicht zu reden. (Neben-- bei: Landauer gibt eine feine Deutung der Gestalt Shylocks, dessen Tragik-in seiner seelischen Härte und Unwandelbarckeit liege.). Es.' galt .hier nur kurz hinzuweisen ans das literarische Vermächtnis Gustav Landauers,' es galt das Andenken an den Menschen und den Juden. Landauer wieder zu erneuern. —tz. v Neue Bücher. 7,Die russische Geistigkeit und die russische Formgebung" zu deuten unternimmt Karl Nötzel in einer längeren „Einführung in deiirussischeii Roman" (die loie die unten genannten Schriften im' Musarion-Verlag, München, erschien). Für Mtzel ist das beherrschende Problem der russischen Geistigkeit das Problem der Gemeinschaft. Auf dem Boden des Gemeinschaftserlebnisses baut sich denn auch der große russische Roman, darum eilt wahrhafter Kultur-Roman, auf. An den beiden größten Dichtern Rußlands. Tolstöj und Dostojewski, weist Nötzel diese menschliche Einstellung auf die Gemeinschaft überzeugend nach („Tolstoj und Witt/, „Dostojewski und ivir"). Wir können hier nur aus die feinen, anregenden Schriften Nötzels verweisen. . Den Geist des heutigen Rußland unter Führung und Herrschaft des Bolschewismus sucht Leo Matthias auf- Frankfnrter Kimstlerspiele Kaiserstrasse 6V. Beginn 8 Unr. Tel. Hansa 5516. --- 1 Täglich 4 Uhr-Tee unter Mitwirkung erster Knnstkr&Fte. zuzeigen — in einem lesenswerten Werk: „Genie und Wahn sinn in Rußland" (bei E. Rowohlt, Berlin). Aus der Darstellung Matthias' erkennt man, daß in Rußland hem uin nichts geringeres, als um eine neue Lebe n's f o r >n gekämpft wird. Matthias stellt nur das Problein — wobei c, eine interessante Parallele zwischen dem russischen und den jüdischen Geist der absoluten Idee zieht —; wie und ob überhaupt die angestrebie Lösung möglich ist, kann ci und kann heute niemand sicher sagen. —tz. Der Insel-Verlag, Leipzig, hat Gogols „Tote len" in einer neuen Ausgabe herausgebracht. Das großaru., satirische Epos vom „heiligen", heute nun schon halb cih schwundrnen'Altrußland packt immer wieder nicht mrr durck die Eigenart seines Stoff- und Menschenkreiscs,- sonden ebenso sehr durch seine plastisch-lebendige künstlerische Wc staltung. _ bj. Hrinkfurter A««Uie»»achrichte»- Barm i.z w o s. Fritz Brandt, Cronbergerstr.. 10, Syna goge Unterlindau. — Siegfried Süß, Lnisenstr. 7, Jakol Schloß, Friedbergerlandstr. 23, Synagoge Börneplatz. Gestorben. Henriette Mela Wwc., 78-I., Hanauer landsttaße 27. — Julie Mayer-Baß Wwe. geb. Baß, 8! I., Staufenstr. 28. — Jacob S. Bettina»», 76 I., Brentaiw straßc 4. Auswärtige Aamilieuuachrichteu. G estorbe in Therese Dreisuß geb. Guggenheim, 79 Enbingen. — Adolph Mayer-Reinach, 77 I., Mannheim. - Philipp Ellinger, Wiesbaden. — Berta Katzenstein geb Waller, 44 I., Aachen. — Johanna Cassel geb. Loeivenbeeg. 79 I., Berlin. — Nathan Siesel, Mannheim. I-,. Fassbenders wieder in Frankfurt in Frledensqunlltät. Kaiserstrasse 33. tHoiQessAtaicmu*« . Samstag, 9. Juli (3. Tamus). Sabbat-Änfang in Frankfurt 734 Uhr. Sabbat-Ausgang in Frankfurt O’/e Uhr. . Wochenabschnitt: K aura ch. ' Wochengottesdienst ßl/i morgens, 7(4 abends iii\ den meisten Synagogen. _ , . Sveude». Bei der Nationalsondskommission. (I. Heimann, Postscheckkonto 41441) gingen ein: „ Rechtsanwalt Dr. Schoenberg 50 M. Straßburger u. Oppenheimer in Bieber 100 - M. Jsaac Heimann anl. Jahrzett f. s. sel. Vater, L9. Siwan 4 Bäume im Hans Hemrann-Ga ten 100 M. - Bei N. I. Pr. gingen eine -Sigm. Singer u. Frau grat.- z. Hochzeit Horovitz/Eit linger: (Tachkemonischule) 10 W. Briefkasten. D- Entstein wurde 1879 in UlM geboren und besuchte in München die Schule. 1896 bis 1900 studierte er in Zürich, 1902 bis 1909 war er Ingenieur am Schweizer Patentamt -1909 bis.1911 außerordentlicher Professor an der Universität Zürich, 1912 ordentlicher Professor in Prag, dann zwei Jahre in gleicher Eigenschaft an dem' Polytechnikum in Zürich, und dann erhielt er einen Ruf »ach Berlin als Nachfolger von van Hoff. Die glflcfcliehe Gehurt eines gesunden Jungens zeigen an Leo Rosenblatt u. Frau Erna geh. Karo. Charlottenburg, am 24. Siwan 5681. Grolmanstraese 3. und Gehr. Holfter. Hardenbergstrasse 9-11. Telephons Hansa 1866. 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