Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 18 (12.5.1921)
- Date
- 1921-05-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint, wöchentlich am Freitag. Vezugsprei 8pro Vierteljahr: In Frankfurt am Main Lei- Ler Neuen Jüdischen. Presse, auswärts bei der Post abonniert Mk. 4.50 frei ins HauS. Bei Zusendung durch Streifband für Deutsch, land Mk. 30.00, für alle übrigen Länder Mk- 40.00 jährlich, , im Voraus zahlbar. . ' Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße I Fernsprecher Amt Hansa LS03 Herausgeber: Galy Geis Jnsertionspreis für die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile 100 P'g., für die Reklamezeile Mk. 3 — sowie 25% Teuerungs- Zuschlag. Platz- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Expedition und in allen Annoncen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. 19. Jahrgang. Donnerstag, de« 4. IZ»r 5681 (12. Mai 1921) Rr 18^ Die Inden im Wirtschaftsleben Deutschlands. Dr. Felix A. Theilhabcr, Berlin-Wilmersdorf. Zombavt fiat in dem Werk „Die .Inden und diw Wirtschaftsleben" die Inden als Griindernaturen im besten Zinne des Wortes bezeichnet (Ä 122). Nicht lüitfoiii* habei» weitsichtige Fürsten Dcntschlands Hugenotten und Inden in ihr Land aufgenommei», da-sie sich von beiden fremden Elementen eine für das Wirtschaitslebe» ihres Landes anregende Tätigkeit versprachen. Der Niedergang IpanicnS nach der gründlichen Ausrottung des jüdischen Elementes bezeugt gerade nicht die Wahrheit der Beb-mptnng, dass der Jude das Land ruiniere, in dem er sich aüfhalte. Mag Holland bereits im Aufblühen gewesen sein, als die Juden cinwanderten — die Entwicklung Amsterdams ist durch diesen Zuwachs günstig bceinflusit norden. In Deutschland blieb die Wirtschaftskraft der Juden seit de» Kreuzzügen durch stete Verfolgungen und Landesverweisungen, durch die Einschränkung ans wenige Berufe und durch tausend Bedrückungen gebrochen. Ein kleines Beispiel zeigt, wie der kaufmännische Geist der Juden sich aber stets wieder Bahn brechen wollte. Der 30 jährige Krieg hatte Handel und Wandel in Deutsch, land lahingelegt, der Rest der jüdische» Bevölkerung, die im ■ Lande angctrofsen wurde, tvar verarmt. In dieser. Zeit klagt eine Petition der christlichen Kanslente vom Jahre 1047 darüber, daß „die Juden die Freiheit hätte», fremden Personen höhere» und niederen Standes, sobald sie nach Frankfurt kämen, ans allen Straßen mit aller- > Hand Ware», Tüchernwie die Kamele und Esel beladen, eiitgegenzulausen." Dagegen galt cs als »»christlich. Ne-, tlamc zu betreiben, die Preise zu unterbieten. Man vergegenwärtige sich, daß die Frankfurter Messe. des Jahres 1920* nur eine moderne Form jenes Handclsgeistrs darstcllt,. den die Inden schon 2*4 Jahrhundert ehedem vrvpagiertenwofür sie schlechtweg als unmoralische Elemente ausgcschöltcn wurden. Die freie Reichsstadt Frankfurt, die über kein eigenes Hinterland verfügte, entwickelte sich zum bedeutendsten Handelsplatz Mitteleuropas. Es war das die einzige Lebens-, Möglichkeit für die Stadt, die keinen Regierungssitz/ keine Residenz von Fürsten oder Bischösen auswies und von den seltenen Kaiserkröiiungen nicht leben konnte. Tie Frankfurter Messen erregte» aber den Zorn guter Deutscher, von denen z. B. Martin Luther schält: „Frank-. s»r! ist das Silber- und Goldloch, dadurch ans' deut-. scheu Landen fleußt, was nur quillt, wächst, gemünzt oder geschlagen' wird von uns,. wieviel Gold fressen dir Frankfurter. Messen . . . . Französische -und niederländische Kanslente fanden sich ein und betrieben mit Juden und Deutschen das Wechsel-lind Bankgeschäft. .Frankfurts Börse, die fast nur.von Juden getragen wurde, machte schließlich Frankfurt km Ith Jahrhundert zum tonangebenden Institut Deutschlands. Es gab foviele deutsche Städte, die günstiger lagen.und. größer waren und doch nicht Frankfurts Bedeutung erreichten. - Während die Börsen anderer Städte im. Berböraenci» - blühten, finanzierten Frankfurts Juden die deutschen Slaaten und Oesterreich, arbeiteten mit England und banlcn Amerika auf. Biele Eisenbahnlinien in den Bereinigren Staate»» konnten nur durch die Unterstützung Frankfurts gelegt werden: Die wirtschästliche Erschließung des Balkans und des fernen Ostens, die Fundierung Italiens und Portugals erfolgten durch das Genie Frankfurter Juden. In den meisten anderen größeren Städten Deutschlands sind , die Juden, erst im 19. Jahrhundert zugewandert. Berlin, München,- Leipzig, Halle, Magdeburg »sw. waren noch zu Beginn der Emanzipation überaus iudenarm, sobaß die wenigen Exemplare nicht einen entscheidend.'» Ei».- ilnß auf die Gestaltung der Wirtschaft ansüben "konnte!:. .Anders iin-Fraiifürt, wo »vir sie den Handel organisierenZfthet»,,Webwaren, Seide, Spitzen stapelten sie in Frankfurt auf) sie brachte»'es dazu, den Frankfurter Leder? (andelzix allererster und führender Stellung Deutschlands. und Mitteleuropas zu entwickeln, demspäter, die Leipziger Inden eine siegreiche Konkurrenz an der Pleiße schusen. Wer das Frankfurter Wirtschaftsleben' kennt oder diü.EtztlHicklung. des.deutschen.Mejallhandcls überblickt,- weiß, daß "einer der kräftigsten. Handelszweige Frankfurts/ der Metallhandel, aussHliehlich durch Juden Organisiert wurde. Begründet? wurde 'e» in >den 30er Jähreit-, des. vorigen. JichrhlmdstS, durch die Firnia/ Pch i 1 ip.tz A b r äh am. Cohen, welche sich ursprünglich mit dem Vertrieb der Brannschtveig-Haniioverischei» Bergwerksprodukte befaßte. Das von der Firma begründete Metallgeschäst ivnrde svütcr zur Metallbank und Äietällurgische Gesellschaft un'.gewandelk. . Es ist müßig, sich darüber anszulassen, wie dain sich zerfallene, durch hundert Zollgrenzen getrennte, zerstückelte Deutschland, das durch seine mangeltzaste politische Einstellung, die nur noch von den Polen üoerbvten wurde, durch stete Kriege, insbesondere die ReligionSfehdcu, und die dreißigjährige Verwüstung, die napoleonische Unterdrückung »sw. sich die schwersten Wunden schlug, ohne die Inden aussehen würde. Im Wesen des Denlschen liegt, trotz der. Derknöcheriing des Wirtschaftslebens im Zunftwesen, nicht das verknöchernde Ausmaß des chinesischen! Kastengeistes, nicht die leichte Sorglosigkeit des'Südländers oder der russische Zug zum Tich-gehen-lassen. Aber die propagatorische Kraft, die das jüdische Element in das deutsche Wirlschastsleben hineintrug, ivar nicht nrdcutsch. Sombart 'weift'schon darauf hin: „Seit den Zeiten der Rothschild ist durch Jahrzehnte hindurch das Grttndnngsgeschäft recht eigentlich ein Geschäft jüdischer Ge- - schäftsinänner geblieben; ' ganz große Gründernamen, >vie die etwa des Baron H i r sch oder Dr. S t r o u s be r-g, hatten Juden als Träger, und auch die Masse der kleineren, und gewerbsmäßigen Gründer bilden Inden." . . Wo Licht ist, fehlt auch' der Schatten nicht. Das Mißlingen vieler der Gründungen ist Selbstverständlichkeit: darum lächeln wir heute, wenn wir alte Zeitungen lesen,, in denen von jüdisch-schwindelhafte» Eisenbahnbautei», von dem Bluff der Jndustriewerkc, unter denen z. B. die Laurahütte' besonders hervorgehoben wird, voii dem Wahnsinie der Baubänlen und Terraingesellschaste», der Norddeutschen Gaswerke, Brauereien, Päpiersabriken usw. hören. ' Insbesondere hat G l a g a n die Bedeutung der raschen Umstellung Deutschlands nach dem französischen Kriege in ein iiioderncs Industrieland völlig mißverstände». Für ihn blieb die fabelhafte Gründertätigkeit jener Zeit cur ausgemachter Humbug und Betrug, und seine Argumentationen haben die wissenschaftlichen Waffen für die gefühlsmäßige autiseiiiitjschc Gesinnung hergegebe». Diesen Problemen ging Dr. Felix P i» n e r nach. Die. Mitteilungen des Verbands der Jiid. Jngendvereine Deutschlands (4. Jahrgang, Heft 5) brachten einen leider! kaum beachteten Artikel „Der jüdische Einschlag im deuteschen Wirtschaftsleben." Pinner schreibt der Umstellung des deutschen Bottes in ein Volk der Kanslente und Industriellen der jüdischen Art und jüdischer Arbeit einen nicht üiibetväch'tiichen Einfluß zu. Zur Umstellung bedurfte cs. dreier Vorbedingungen: 1. der technischen modernen Fabrikationsmethoden (maschineller Betrieb), 2. der modernen technischen .Perkehrsmittel, 3. der A>»ssn»«»lu»g großer.Kapitalmassen. Erst spät hat der deutsche reiche Adel mit seinem Geld die deutsche Industrie befruchtet und dabei die teure Erfahrung gesammelt, daß Geld allein keine nutzbringende» Werte schassen kann. Viel schlimmer als der Zusammenbruch einzelner jüdischer Spekulanten in den 70er Jahren war das wirtschästliche Fiasko des FürstcnkonzernS, und lediglich der Gemahl einer Jüdin, der Gras Henkel, von Donnars» - märet, hat sich als erfolgreicher Unternehmer auf. dem Parkett der Gründungen behaupte», könne!» (»vobei er sich ausgesprochen jüdischer Mithilfe bediente). Die geistige Schwerfälligkeit, die Jnteressenlosigkeit der deutsche»» Reichen verlangte also iiach einer Schicht Menschen, die Deutschlands Wirtschaftsleben umstellen mußten: diese wären die Juden. - " „Der jüdische Charakter" — ich folge hier Pinner — „ist von Natur aus (und diese natiirlikhe Pernnlaguckg ist durch eine vielhundertjährige Geschichte, bis zur Einseitigkeit verstärkt worden):- beweglich. schweifend, tauschend händelsüchtig, einer ruhige», breiten und selbstzufriedenen Geschäftigkeit nicht geneigt. Er vermag sich nicht -damit zufrieden, zü. geben, konservativ »u,d traditionell auf einer Schölle zu sitzenund seinen Besitz langsam und abivartend zu mehren. Er drängt »ach Umsatz, Transaktion, Wechsel und sucht .dabei'sein Vermögen und seine Wirtschaft schnell, kühn/ inanchnial' sprunghaft, zu 'mehren und auszudehnen. (??-D. Redatt.)" .. Jede Kultunasse neigt z»»m Handel.' Das griechische Volk mit seinen vielen schönheitsdurftigen Künstlern, Dichtern und Denkern stellte neben de»,» Phöniziern, die Kaufq leute der vorchristliche»» Zeit. Selbst die ursprünglich bäuerisch-kriegerischen Rögner terntcn de»» Handel ganz gut tenncn. Und später treffen »vir fast stets, dort, »vv die Kunst blüht, — den größte»» Händel. In Venedig und Mailand, in Antwerpen und Anlstcrdau», in Augsburg und Nürnberg. (Schluß folgt.) Ei« Blutbad in Jaffa. Anläßlich des 1. Mai sand in Jassa ein von den Behörden belviltigter Umzug jüdischer Arbeiter statt. Ter Umzug wurde von einigen Koinmuniste» gestört, und die dadurch entstandene Berivirrung benutzten Araber z>.» Ausschreitungen. Sie plünderten jüdische . Geschäste und stürmten u. a. das Einwandererheim. und iöteiezr Männer, Frauen und Kinder. Die Zahl der Getöteten beträgt 3 2, die der Berivundeten etwa 10 0 Oberst M a r g o l i n, der ehenialige Kommaiidant der jüdischen Legio», organisierte sofort eine Selbüwe h r. Tie Regierung hat sofort ei» außerordentliches U n t e r s u ch»»>» g s g e r ich t eingesetzt. Bei den Unruhen ist der bedeutende hebräische Schriftsteller I. Ch. Brenner, der als praktischer Sozialist, mit dem Chaluzim am Straßenbau Mitarbeiten und sich rvriibergchend in Jaffa aushielt, getötet worden. ,... Telegramm des Oberkommissars Herber Samuel vom 2. Mai. Ülnt 1. Mai' fand in der jüdischen Borstadt Jossas,eine Maifeier statt, die vonjüdischen Kominunisten gestört ivnrde.' Tic letzteren wurden in das mohammedanisch-jüdische Viertel, »voher sie gckammen »varen, znrüÄgcdrängt. Es ist noch nicht aufgeklärt, wodurch es hierbei zu einem ersten Zusammenstoß zwischen Zlrabern und Juden kam, »vobei mehrere Juden nnd Araber getötet tvurdcn. Es wurde»», sofort Regieruiigstruppei» ans Ludd. sowie einige Panzer.- automobile. aus Jerusalem herb'eigerufei», die die Ruhe ohne weiteres Blutvergießen iviederl,erstellten. Tie Nacht verlief ruhig. 2l»n folgenden Morgen begannen die Unruhen von neuem, und einige weitere Juden und Araber Wurden getötet. Es mußten weitere Truppen» Panzerautomobile »ich Polizei herbeigeholt werden. Be» dein ersten Gerücht über die Unruhen begab sich General Tecdes mich Jaffa. Einige höhere Beamte, sowie angesehene Führer der Araber und der Juden gingen durch die Straßen, und es gelang ihnen, das Volk zu beruhigen. Ter Belagerungszustand brauchte nicht verhängt zu werden. Im ganzen wurden über 30 Juden und l0 Araber getötet und 140 Juden und 37 Araber verwundet. Mehrere Läden »vurden geplündert nnd über 00 Personen verhärtet. Im übrigen ist das Land vollständig ruhig 2ln» 2. Mai erneiierten sich die Unruhe,», »vurden aber schnell wieder beigelegt, ohne daß es zu Ztvischenfällen kam. An» 3. Margens kamen nenerlich vereinzelte Ueberfülle vor. Daranshin »vurde das Standrech» proklaprotlamiert. Seitdem ist die Stadt ruhig. Ziveifellos tragen der Maiuiilzng der jüdischen Arb'iter und die Störung dieses Zuges durch eine Gruppe jüdischer Koinuluilisten nicht die Schuld an dem, Blutbad. Die Tinge liegen so. daß der Erfolg der sortgesetzLen Wühlarbeit von geivisser arabischer Seite, zu der . besonders die Großgrirndbesitzcr gehören, iiur auf die Gelegenheit gewartet hat» in Taten »»»»gesetzt z»» »verdcn. Tic Frage ist jedoch die, ob man diese Gelegenheit biete» durfte. Und da »nüssen wir sagen: die Jude»» in '.Palästina haben heute »vahrlich andere Aufgabe» als ei,reit Maininzug. Dieser Maiumzug zeigt, das; seine Teilnehnre»: ihr Golils noch nicht abgelegt haben, sonst hätten sie soviel Tisplizii» in sich, heute noch dnrchaus verfrühte politische Demonstrationen zu unterlassen. Den Kommunisten auch ein Wort! Sie sinduns eine kleine Gruppe an Zahl, aber durch ihren Radi? kalisnins »ind ihre Wildheit »verdcn sie trotzdem, wie. auch das Jaffaer Blutbad zeigte, leicht zu verhängnisvoller Be» dentluig. Diese entivurrelten Hirnme»,scheu, denen jedes. Berständnis für die Realität der »Dinge ab geht, sind-- in Palästina Verbrecher anr jüdischen Bolle und als solche zu werten