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Neue jüdische Presse · 1921-04-21 · Heft 16 (21.4.1921) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 16 (21.4.1921)
Date
1921-04-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FrankfurierIsraelitisches Familienblait Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galh Gei- IS. Jahrgang. Donnerstag, de» 13. Nissan 5681 (21. fljnrtl 1921» Rr. 1b. JnsertionspreiS für die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile lüOPlg., für die ReNamezeile ML 3.— sowie 25% Teuerung. Zuschlag. Platz- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annohme bei der Expedition und in allen Annoncen-BureMls. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, auswärts bei der Post abonniert Mk. 4.50 stei ins Haus. Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland Mk. 30.00, für alle übrigen Länder Mk. 40.00 jährlich, im Voraus zahlbar. Einiges znr Wahrnngsfrage in Palästina. Von Jakob Wolff, Frankfurt a. M. Seit 2V-* Jahren steht Palästina unter der Mandatar- Herrschaft Englands; unter den vielen Problemen, die sich ihm dort erösfneten, steht wohl nrit an erster Stelle die Währnngsfragc. Eingeführt ist z. Zt. das egyptische Pfund, das einen noch höheren Wert darstellt als das englische (Lstr. lOO engl. Pfund gleich 97V-' eqljptische Pfund.> Kein Zweifel, paß durch diese Währung die Lehenssiilwung in Palästina auf das äußerste verteuert wird, lein Zweifel aber auch, daß hiervon nur ganz wenige Menschen Vorteile haben. Was sind nun die Nachteile der egyptischen Währung snr -Palästina, und kann dieselbe unter Umständen eine, Gefahr für den Aufbau Palästinas bedeute»? Ich will hier von jeder politischen Seite des' Problems völlig absehen, da ick hoffe, daß auch diese Seite eingehend von berufener Feder ' gewürdigt . werden wird, hier soll nur dir rein national-ökonomische Seite mit kurzen Strich'.» eine Beleuchtung erfahren,'und ich hoffe, daß sich an meine Ausführungen noch weitere 'Auseinandersetzungen knüpfen ioerden.. Ich darf voiaussetzeu, daß »ach meiner Kenntnis der Tinge die palästinensische Regierung crti dieses Problem „und rvohl zweifellos ans englisch-politischen Gesichtspunkten . feraus irnv sehr schwer Herangehen will, möglich sogar, 'paß' ihr oie Erörterung der ganzen Materie ' nicht sehr? willkommen ist. Für uns Inden aber,; die wir den Aufbau Palästinas als eine LcbenSnotweridigkcit für das jüdische Volk, betrachten, erweist, es sich als eine gebieterische Pflicht, 'grade jetzt scharr dieses Problem mit aller Schärfe ins.Auge p fassen, denn je weiter die Entwickelung des Landes fortschreitet, je mehr Geld ins Land hincinfließt iind je mehr Gesellschaften in Aktienform sich aasniachcu, desto schwieriger wird, es sein, in einein späteren Zeitpunkt, wenn sich die jetzige Währung als un- . möglich erweisen 'wird, dann die Umwandlung in eine andere oorzunehmen. Es ist, aber kein. Zweifel, daß diese Frage z. Zt. bereits in den bürgerlichen hebräischen Zeitungen Palästinas z. B. „Toar Hajom" eine Rolle spielt, wie ich da§ in einer Unterredung mit dem Redakteur dieser Zeitung feststellen konnte. Palästina ist im Gegensatz zu England oder Egypien cm sehr armes Land, in welchem gradezü alles auf dir Entwickelung und den Ausbau wartet. Es gibt kein eigenes Bankwesen: die Banken, die dort an den größeren Plätzen domizilieren, sind von außen gekommen, verfolgen rein lciirmer.zielle Zwecke, vielleicht mit Ausnahme der Anglo Palästiiie Bank, die bekanntlich dem zionistischen Prinzip dient. Das Effektenrbesen ist völlig unansgeüildet, der Hanpterirerbszrveig der Banken ist Kontokorrent, Schrckuiid. Dcvisegverkehr, ferner Kreditgewährung.' Die Banken rechnet! z. Zt.mil Spesen und Provision etwa 13°/» Zinsen, die gefordert und bewilligt' werde». An Hypothekenbanken 'fehlt es noch vollkommen, und Hypothrken- Krehite auf Annuitäten in Palästina zu bekommen, gehört säst zu den Unmöglichkeiten, wodurch besonders den Kolonisten das Leben zur Unmöglichkeit gemacht wird. Hier dürften sich hoffentlich in nächster Zeit nach meiner Kenntnis- Acnderunge» grundlegender Art vollziehen. Die Indiistrje steckt durchaus noch i» den Anfängen unb hat bislang kaum irgend eine Bedeutung. Das hat auf der anderen Seite bei der derzeitigen Sfrtie das Gute gehabt, «daß von ZahlungSstockungen irgend welcher nciineuSiocrten Größe keine Rede war. Das Eisenbahn- und' Transporttvejen beginnt unter der Arbeit der palästinensischen Regierung, srch langswn zu entroickeln, und auch der Straßenbau dürste in etwa zwei Jahren so weit, gefördert sein, daß dir derzeitigen »nmögliären Wegverhältnisse als gesunde zu bezeichnen sein werden. Somit kann man ohne Zweifel 'feststellen, daß bereis in Palästina Werte geschaffen sind, allerdings, nochnicht i» irgendwie genügender Art. Diesem Mangel ninß in Bälde abgeholseu werden,' und auch dafür gibt es Anzeichen. . Im Gegensatz zu dieser nach.meiner Auflassung leider viel za langsamen Entwickelung steht nun zunächst der enorm gesteigerte Wert für Grund und Boden, riic Gebäude und Privatwohnungen. Tie Mieten in allen Studien sind so enorme, daß sie allein einen ganz erbebk i ch eir Teil des normalen Ei rrk o in men s absorbieren, trotzdem ist nicht einmal eine schn'.ale Rente für den geforderten und leider auch ost bewilligien Preis aasznrcchnen. Man leidet in dem armen Palästina — so paradox das klingt — an Ueberkapitalisierung. Und fragt man sich, wie das möglich ist, so gibt es darauf in 'der Tat nur die eine Antwort, nämlich^ daß an diesem, man dark wohl sagen, nationalen Unglück einzig und alle,'» die Währungssräge schuld ist. Früher mär man gewohnt, mit Francs zu rechnen, heute glaubt jeder in Palästina, dos Recht zu habenstatt in Francs nrit Pfund rechnen zu dürfen, und die Vorstellung geht dahin, daß man für etwa frühere 5 Francs ruhig ein eghptisches Pfund in Ansatz bringen dürfe. Das Psund ist aber für ein. io armcS Land wie Palästina eine viel zu schwere und viel zu gewichtige Währung, und so gut es sich für ein reiches Land eignet, eine ebenso große Gefahr ist es für ein! armes. Man gibt sich in Palästina doch wohl nicht genügend Rechenschaft über die Bedentung von etwa 1090 Lstr. und fordert sie mit ebenso kalter Miene, wie man srüher etwa 5000 Francs verlangte; ja man begegnet gar oft der Auffassung, daß das, was mau srüher für etwa 500C Francs verlaufen konnte, heute doch einen unbedingten Wert von 1000 Lstr. haben müsse, nachdem der Wert des Geldes in Palästina so erheblich gesunken ist. Wenn man bedenkt, daß bei vorsichtiger Schätzung in ganz Palästina 1000000 Lstr. bis 1509 000 Lstr. egqptischcs Papiergeld zirkuliert, und daß trotzdcnr für die niedrigsten Dinge im Vergleich zu den Preisen in allen anderen Ländern ungewöhnlich hohe Preise gezahlt w.wden, so wird man verstehen, wie gefährlich es ist, die Bevölkerung über de» Wert des Geldes und darüber, wie sparsank inan mit demselben umzugehen hat, nicht völlige Klarheit zu geben, und ich darf behaupten, daß iiraii zeitweise in Palästina die Bevölkerung, und speziell die jüdische Bevölkerung, nicht recht über den Wert des EÄdcs hat zur Besinnung kommen lassen, das war zur Zeit/ als verhältnismäßig viel Geld besonders von Amerika ins Land strömte: ich glaube, daß diese Andeutungen genügen. Welche Nachteile die egyptische Währung Palästina bringt, sind nicht abzuschätze». 'Wenn man üede.nkt, daß etwa lVt Millionen egyptische Pfund Papiergeld in Palästina zirkuliere», darf man annehmen, datz bei den derzeitigen egyptischen Zinsverhältnisse» die egyptische Regierung cinen Nutzen von mindestens 100 000 Lstr. pro Jahr nach Abzug der durch die Notenpresse entstehenden Spesen macht. Irgend einen Einfluß auf die Ausgabe der egyptischen Noten und das Deckungsverhüliuis-. »at die palästinensische Regierung nicht. Die Bevölkerung Pakä- , stinanimnkt unter vollem Vertrauen auf die egyptische Währung die Noten an, hat hierfür keine auch wie geartete Deckung und auch keinen wie gearteten Nutze',r, .nur Risiken, gar keine Chance. Es liegt zweifellos im Interesse Englands, den ihm so nahe stehenden Ländern Egypten und Palästina möglichst die gleiche Währung zu geben, aber England und vor allkn Trugen die palästinensische Regierung sollten doch bedenken, daß gerade diese egyptische Währung der Entwickelung Palästinas enorm im Wege steht und damit auch nickt im Interesse Englands gelegen ist. Ohne Zweifel ist. daß bei den heutigen politischen Verhältnisse» und den nahen Zusammenhängen Palästinas und Egyptens die Währung in Palästina so eingerichtet werden müßte, daß sie ganz gleichartig mit der englischen ist. Ich glaube daher, die Anregung geben zu sollen, daß dir Einheit der Landeswährung.der fünfundzwanzigste Teil eines Pfundes ist, daß somit 40000 Lstr. gleich 1000000 etwa Schekel benannt, darstellen. Der Schekel könnte dann in 100 Prutim geteilt werden. Ich gehe dahei von der Erwägung ans. daß durch Einführung einer so schmalen und lleinen Währung. die derzeitigen, kapitalistisch Überspannten Verhältnijse Palästinas entspannt würden, vor allen Dingen aber, daß es viel leichter für einwandernde Inden, auch für die, die aus den Ländern mit gesunkener Währung kommen, wäre, in Palästina festen Fuß zu fassen. ES ist. rein. psychologisch genommen, ein ganz anderes Ding, ob man etwa für einen bestimmten Grundbesitz 1000000 Schekel ober 40000 Lstr. fordert. Ich bin Mir bei diesem Vorschläge, durchaus bewußt, daß ich vielleicht den Widerspruch der derzeitigen kapitalistischen Welt in Palästina, erfahren werdedie in der Tat glaubt, daß in gar nicht allzu ferner- Zeit der von ihr chigekauste Grund und-Boden noch weitete starke Erhöhung erfahren wird: Um aber zu einem gesunden Wirti'chairSleben in Palästina zu kommen, mutz es nach meiner Außsrskung — und das hat nrich mein längerer Anseiuhalk in Palästina gelehrt — zu einer anderen Währung in Palästina kommen. Dabei hat aber in. erster Linie die „Zionist ssornmission" mitzuhelfe», indem sie den von ihr erworbenen Grund und Boden zu ganz mäßigen Preisen, und niöglichst ohne jeden Gewinn abgrbt, und jedem Spekulanten — fei er nun Palästinenser oder sonstwoher — energisch ihre Mitwirkung dadurch versagt, daß sie selbst oder auch der Nationalfonds zu so ungewöhnlich hohe» Preise», wie sie jetzt in Palästina gesorbert und auch des öfteren bewilligt werden, weder Boden .r.vicbt noch verkauft. ' Einkommensteuer nnv Maatzer. Bon Dr. I. Adler. Im Hinblick auf die in diese» Tagen.zu serrigende Einkommenstenererklärung dürften dem jüdischen Leserkreise einige Angaben über die Anrechenbarkeit der als Maatzer verausgabten Beträge auf die Einkommensteuer vor, Interesse sein, zumal die einschlägigen Bestimmnn.qeir des' Einkommensteuergesetzes in der Novelle vom '24. Marx 19'21 Abänderungen erfahren haben. Ausgaben zu bestimmten, weiter nuten näher zu bezeichnenden Zwecken können von dem Gesamtbetrag der Einnahmen in Abzug gebracht werden. Es handelt sich also, wie zur Richtigstellung teilweise ausgetretener irriger Meinungen vorweg festgestellt sei, nicht darum, daß däS Maatzer an der Steuer selbst gekürzt werden kann, vielmehr wird die Steuer von dem um de» zehnten Teil vernrinderten Einkommenbetrag berechnet Die gesetzliche Bestimmung lautet in dem ursprünglichen Einkommensteuer-- geseh (8 13, Ziffer 7 E.-St-G.) wie folgt: „Von dem Gesamtbetrag der Einkünfte sind in Abzug zu bringen: Beiträge an kulturfördernde, mildtätige, gemeinnützige und politische Bereinigungen, soweit ihr Gesamtbetrag 10 vom Hundert des Einkommens LcS Einkonrmensteüerpflichtigen nicht überschreitet." In dieser Fassung hak die Vorschrift Gesetzes kreil für die Zeit vom 1. April 1920 bis 31. März 1924. Am I. Slpril 1921 trat an ihre Stelle folgende Fassung: (Artikel I, Ziffer 5o und Artikel V. Absatz 3 des Gesetzes vom 24. März 1921). - „Bon dem Gesamtbetrag der Einkünfte sind in Abzug za bringen: Beiträge an inländische Bereinigungen, dir ausschließlich wissenschastkiche. künstlerische, kirchliche, mildtätige oder gemeinnützige Zwecke versolgen, soweit der Gesamtbetrag dieser Beiträge zehn vom Hundert des Eiükommens des Steuerpflichtigen nicht übersteigt. Das nach Abzug dieser Beträge verbleibende stcuerbale Einkommen wird mit dem gleichen Hunderisatze besteuert, der sich ohne diesen Abzug ergibt." - Eine Vergleichung der beiden Fassungen der Vorschrift ist nicht ohne Interesse: abgesehen von dem erfolgten Ausschluß der Zuwendungen an politisch« Vereinignnqsrfl ist der Begriff „kulturfördernd" ttarer präzisiert, insbesondere sind die Zuwendungen für kirchliche Zwecke aus-- drücklich als abzugsfähig anerkannt worden. Tie steuerliche Wirkung der zitierten Vorschriften sei anhand einiger Beispiele erläutert, unter Annahme eines mittleren, eines mittelgroßen sowie eines großen Einkommens. Einkommen vor u. nach Maatzer- Abzug Mk. 25 000.— 22500.— 120000.— 108000.— 1000000 — 900060.— Steuer Mk. 2 600.— 2250.— 41600.— 36 200.— 551600 — 491600.— Steuer Ersparnis Mk. 350.— 5 400 — 60000.— Ersparnis irr % ca. 13p<%, ca. 13»»' ca, U&'o Vorstehende Berechnung gilt für das Einkommen des Jahres 1920 und ist auch denjenigen Aufwendung«,r für Maatzer zugrunde zu legen, die vor dem 1. April 1921 erfolgt sind. Nach dem 1. APrll 192b tritt eiuLgerura» fügige Berschlechterunq zu Lasten des Steuerpflichtige» insofern ein, als die Steuer sich, nicht mehr nach.hem um 10 Prozent gekürzten Einkommen errechnet, sondern der prozentuale Steuersatz, der für daS gesamte Einkorn-

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