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Neue jüdische Presse · 1921-04-15 · Heft 15 (15.4.1921) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
19 (1921)
Issue
Heft 15 (15.4.1921)
Date
1921-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FrankfurterIsraelitisches Familienblatt Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen Jüdischen Preffe, auswärts bei der Post abonniert Mk. 4.50 frei ins Haus. Bei Zusrndung durch Streifband für Deutschland Mk. 30.00, für alle übrigen Länder Mk. 40.00 jährlich, im Voraus zahlbar. v Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M, Langestraße I Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis Jnfertionspreis für die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile 100 Pfg., für die Reklamezeile Mk. 3.— sowie 25% Teuerungs- Zuschlag. Platz- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Expedition und in allen Annoncen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4864. 19. Jahrgang. Freitag, den 7. Nissan 5681 (15. April 1931) Nr. 15. Krieges mußten wir uns vom ßirtmnrtic«, Bulgarien und G-Keinem [fern Hilfsverein der deutschen Jude«. Der Generalversammlung an, 4. April ging eine Sitzung des Zentraltomitces voraus, in oer sec Vorsitzende, James 2 i in o n, dem wegen Arbeitsüberlastung chtscheidendeil Miigliede Geheinirat Ttmendorfer »b dkm infolge Uebcrtritts zunr „Joint T istrionlion Eomfmirtcc" aus dem Amte scheidenden Generalsekretär Dr. ein finit- K a fi n den Dant ans sprach und das neue Mitglied Kommerzienrat Mariniiliun Stein bel-niitzte. In der Geireralversanrnilung erstattete sodann nach ci-ilritenben Worten, des Vorsitzenden Dr. Kahn den Jahresbericht. Er gab ein ziisainnixiifasfenoeS Bild übir gewaltige, aufopfernde WohlsahrtstäkiPeit des HilsS- «cinS während des Krieges nird juhc oanu sorl: Beim Ausbruch des Krieges fialteu wir rund 20 Bilrmgsanstolten aller Art mit Oinn Schülern und US iSefircni, davon 30 in Palästina und; der asintischeir Türlei mit 3000 LchiUcn- Die F r i e d e n s ansgaben für dieses gesamte'Tck ulwerl waren le Million jährlich. <vvff-rt bei Ansbrnch des rchulwerk i.i Galizien, schenland zn-.ückziehen. * In hoher Blüte dagegen stand während des ganzen iFricges bis zu der Eroberung Palästinas uird bis zur iBefetzuna Konste.ntinovclS durch die Entente unser 2cf u!-- ’nrert im O rierrt. Die Ausgaben für diese 2chuleu wuchsen freilich sehr beträchtlich. Sie erforderten allein seit Uriegsüegin» au drei Millionen Mari. Jetzt haben wir nirs mul) von diesem Schulwerk trrn- [ncu uiüsien. Unser Koiisrantinopler Schulwerl ist in sei- Weilerbestand gesichert durch seine eigene Kraft und urch die Förderung, die es in Anbetracht der von ihm ’ie i hohen kulturellen Mis.ion bei deir amerikanischen ziibcn gesunden hat. Wir hvsse-i. das; auch das 7 chuln-eri in Palästina on anderer Seite weiter gesichert werden kamr. er Hilssverein ivird nicht anjhöre», für den Orient, iür Paläslina in sozialer uird lultuierler -Arbeit tätig zu Da loir nur soziale, hninanitäre nird charitative ziele verfolge», tonnen Ivir mit allen Parteien für d'.e Äesundung der leitenden Jndcnh.'it arbeilcir. Welche pojlitisihe Form P a l ü st i rr a auch -annehirren »rag, die deutsche Jüdeuheil ivird und soll nicht vergessen, das; es das Land ehrwürdigster Erimrerung und jedcin Juden heilig ist, Mid das; die Mitarbeit au einem neue n A n s - d l ü h e n de s L a n d es P s l i ch! einess e d e ,r I u - te» bleiben Ivird Die Kriegssvlgen sind vielleicht jnr die Massen der östlichen Inden, noch schlimirrer, als cs der Krieg war. Sie haben — mit Ausnahinc vielleicht der Juden Litauens — Schlimmeres jetzt d rr r cl z u m a cli e n als im Kriege. Ihre wirtschaftliche Existenz ist zum allergröstteir Teil vernichtet, ihr Leben, ihre Ehre ist'in siändiger Gefahr. Ich erinnere au die Bersolgnngen iit Polen, ich erinnere an die furchtbare» Zustände, an die Dauerrogrome, die noch jetzt täglich urrd stündlich in der U l r a i n e herrschen. Kein Wuirdcr, wenn die Millionen dort in den Oststaaten sich irr nnbeschrerblicher Panik befinden. Etwa 150 000 Inden jeden Alters und jeden Geschlechts sind mit unerhörter Grausamteil gemordet oder verstümmelt worden! Darüber hinaus sind viele Tausende an Hunger und Elend zu Grunde gegangeir. 132 000 hilislose Waiseiitinder sind in diesen Gebieteir vorhanden. An Dn und Stelle versucht in erster Liirie das Joint Distributiv» Committee mit ganz gewaltige,r Mitteln, die Not SH lindern Für die Regulierung der Auswairderni-.g ist die,,§ic-.3" tätig; auch die „Jra' beginnt, ihre im Frieden bewährte F-iirsorgetätigleit wieder anfzunehrnen. Ge- M die ameritanischen Helfer sind alle andern Nein und ir-te. in Deutschland besonders. Aber das darf uns nicht abhaljen, unsere Menschenpflicht auch in ileinem Maststabe Zu erfüllen, denn gerade wir in Deutschlaird werden am meisten mitbetroffen. Zusammenfassend tamr man sagen: Das Leben der Juden in der lltraine uird irr Sowie t r» st l a n d ist eine Hölle. Kopflose Flucht ist die natürliche Folge. Betrachten wir die einzelnen Kategorien der Flüchtlinge. Es ist bekannt, mit welcher Grausamkeit in ven jetzt Litauen rrnd Lettland genairnten Gebieteir rrnd auch aus Polen die Juden im Lause des Krieges von den Militärbehörden des Zarenreiches rrach deirr Juiiern Ruß« lairds vertrieben worden.sind. Oft :nit r-ner Frist von wenigen Stunden. 400000 von Menschen, Frauen, Kranke, Greise und Kinder ohne Barmherzigkeit. Solcher Pertriebeiren gab es wohl an % Millionen. Was von diesen -I Millionen dem Tod und Perverbcn entronire» ist, sucht jetzt nach den Friedensverträgcn Polens und der Randstaateir mit Soloj-trußland rrach ihrer früheren Heimat zurückzugelangen. Tausende wöchentlich treffen an deir verschiedeneir GrenzpnrrKen der Randstaatcn ein und streben von dort ihrer Heinrat zu Der Zustand, in dein sie ankomnrcir, ist unbeschreiblich: Halb verhungert/halb nackt, jeglicher Mittel entblößt. Und was erwarte! sie in ihrer Heimat? Zerstörte. Hönscr, zerstörte Wohnungen, Obdachgosigkeit, Arbeitslosigkeit. Mangel a» Lebensmitteln und allen Lebensnotwendigkeiten. Diesen Armen ein Obdach zu oeben, Kleidung und Nahrung, Werkzeug zur -Arbeit, deir Kindcrir Möglichleiten, Schulen zu besuchen, dcrr Waiseir ein neues Heim, den Kraulen mediziirische Hilse, deir Alten und Schwachen rrnd Siechen ein Asyl für ihreir Lcbeirsrest, — das sind Aufgabe:, so riesengroß, das; »ran fassungslos davor steht. So die Lage der unglücklichen Heimlehrer, vo>r denen vorerst in alle» Staaten etwa 120 000 zurück' sirrd. Die übrigen 100 000 werden noch erwartet. Noch unglücrliier als diese Heim i eh rer. sind die Hriinsncher, jene, die ein neues Herrn juchen, deverr alles genommen ist, die vor dem Entseylichsteir fliehen, irichi wissend wohin. Sie flüchtet.-:' vor allem sich in die großen Zentren des Westens und der Nachbarstaaten, ergiesterr sich in die Haserrstädte ohire A.rssicht ani ein Wcitertonimcn. An d-'e 300000 solcher Flüchtlinge dürsen wir zähleir. Wir lennen sie auch in Deutschland, wo ihre Zahl allerdiirgs verhältnismäßig sehr gering ist. Das muß gesagt iverden, angesichts der maßlosen ttcbertreibnngen der -Antiscnntcn. Und damr kvmint die gewaltige Schar derjenigerr Flüchtlinge, die eirrigermaßen ein Ziel der Flucht haben, di- A rr s >v andere r. lieber die rvolhynischcir rrnd beisarabi-chen «sreiizeu ziehen ihre Scharen, um durch eiir wahrhaftes Fegefeuer noch den Bereinigterr Staaten oder eines andern überseeischen Paradies zu kommeir. Zwar rverden die Tchwierigleilcn dieser Auswanderer gemildert durch die ausgezeichnete Tätigleit der amerikanischen Organhalronen >r.id durch dir Tätigleit, die die „Jca" wieder zu Gunsten dieser En-.igranten ausgenomrnen hat. Aber zu der Wirksanrlcit dieser Organisarioneir muß sich die un,'orige gcsellen, dcnrr auch die Jnderr irr Tenlschlaud werden von diesem Answandererstrom getroffen. Solche ani der Wandeeung bcsindlichen mit eirrigermaßen geirchrrlcin Ziel, solcher znr Abreise fertigen haben wir heute an 60 000, nachdcnr von Kriegsende bis jetzt fchoir 100 000 in den Bereinigten Staaten oder irr sonstigen Ueberseegedirten gclander iiird. Tie Zahlen erschrecken uns, — und doch ist alles mu eilt Vortrupp. Wir müssen auf weit Schrecklicheres gefaßt fein. Was ist unmittelbar zu tun? Wir müssen für die Regulierung der Auswanderung tätig feilt, damit das Los der Emigranten unterwegs gemildert wird, damit sie richtig beraten, richtig geleitet rverdeir. Wir müssen ferner der kleinen Anzahl Flüchtlinge irr Deutschland uns annehmen, soweit wir unser» Mitteln rnrd Statuten -nach das können. Wir gaben für Volksküchen im Osten 50000 Mk., für dir Unterbringung ntrainischer Waisentinder, die aus der Ukraine herausgereitel werdeir konnten, 200 000 österreichische Kronen und 300000 polnische Mark. Zur Unterbringung österreichischer Kinder in Deutschland füreinige Monate, um diese armseligen Kruder zu kräftigen, haben wir eine größere Aktion eingeieilet. Es >ind ca. 320 solcher Kiirder durch uns in Deutschland in Privatpslege gebracht worden. Dankbar ncnneir wir hör die Namen der Persönlichteiten, die -ich beionders rnn diese Attioir verdient genracht haben: Frau Lisa D e rr t s ch. und Rabb. Dr. L e w y in Mainz,^ Rabü. Dr. Cohn und P l a >o i n in Bonn, und in besonders hervorragender und liebevoller Weise Josef und Else I a e o b s in Trier. Tiere Tätigkeit erforderte eine Aufwendung von “COGOO Komren. Wir gewährten außerdem für österreichische K-nder und Kinder in Oesterreich befindlicher Flüchtliirge, die irr Oesterreich selbst in Erhvlungskolonien geschickt wurden, und für Kinder des Mittelstände? noch 'wer.ere 200 000 K.onen 3000 Mart gaben wir für österrerchische Hinter« blicbcuenfiirsorge, besonders für Kinder, auch iür >irnder rrr Berlin Soweit cs unter den ungeklärteir Ans-varrdernirgsver-- hältnissen irr Dentschlarrd möglich war, naben wir die Fürsorgetätigleik für die Answairdercr wieder ansgenommcn und für die Auswairdererfürsorge 0 i0 OOO Marl ausgegeben Tic Snbvenriorr von 20 000 Marl, die wi-' dem Acl-cilersntsorgeamt der jnd. Organisatione.i gewähren, ist nur ein tleiner Teil der Uirterstütznirg, die wir ihm augedrihep lasscir. Das Dreifache dieser Summe haben 'vir einer Tätigkeit zngcwandt, die die - Borrn-sseyung für die eigentliche Arbeit des Arbeiterfü.'iorge.imtes »itört. Im Garrzcn haben wir für die vcrschieoerren Gel-icte des Hiljsvereins im Jahre 1920 832 000 Mart anfgewe-rbek Wir sind sicher, das; trotz der Schwerder Zeit, die iür Deutschland bereirrgebrochen ist, die .-rutschen In-, beu ihre unglücklichen Brüder im Osten nimt vergessen .aeibeii und uns durch eine verdoppelte r.ud dreifache Gebefrendigke.it in den Traud jene« werdeir, unsere notwendigen -Arbeiten sorizusetzerr. .Dr. P a n l Nathair beleuchtete die Ostindensrage in Denrichland und wandte sich hirrdei scna', nicht nur gegen ihre senrdliche Behandlung seitens der Antisemiten, sondern auch seitens dentschi-jiidifcher Kreise. Es dürften 60 000 Ostjnden eingeivairdert fein, zum Teil a -.f direit.:, n:anchmal zwangsweise Veranlassung der deutschen Bel-öidcn während des Krieges. Die Grenzsverce verhindert übrigens eine weitere Einivandevung, ivährend ein allmäl)liches Abströmen nach dem Westen sich vollzieht Es fanden sodann die Wahlen statt. R e >r g e w ä b l t rvucdcn: Dr B a u in , Fritz Co h n , F r e i r i ch, L n d - >v > g S ch c r k, Direkror S ch o t t l ä n d e r, Kon-.nrerzienrat Stein, Dr. Beruh. Kahn-Berlin, Paul P s e s s e r l o r n - Frankfurt a. M. und D a v i ö 2 t c a n tz- Hagcn. Willkür. Ans der letzten Sitzung der Frautsurter Jsr. Ge-. incindevrrtrclnrrg wrrrde von liberaler Seite die Forderung erhoben, auf dein neuen Friedhof eine tlrnenhalle zu errichten. Verbrennung widerspricht dem Geiste der ,üdischeir Traditiorr. — doch wir wollen hier nickt auf den vorlieger.de» praltischen Fall cingehen — der vielleicht nur Episode war —, sondern nur seine theoretjiche Behandlung als ein Schulbeispiel beleuchteir. Ein Schulbeispiel ist er für die Willtür, die unter dem liberalen Regime um sich gegriffen hat, da ihm das Jndcnüüi! stets, dem im sorlivährcirderr Flretzerr vegrifr-nen Zelraeist :ieichen muß. Schuld ist nicht der Liberalismus alssolcher mir seiner geschichilichen. evolutionististhen Unssassnng vom Judentum, sondern ein Nachgeven dem -Astimilirrue.-ssierben, das sich am Geist der Zeit orientiert. Auch dem Liberalisnius sollte das Judentum als die Religion das- Heiligste fein, das Primäre bleiben im AttSaleich mit der Entwicklung der Zeit, d. h. in ieder Generation sollte er von neuem die Eigenart des Judentums zu crsassen suchen in Verbindung mir der inzwischen sortgeschritlencn Erteuntnis, und die Besten in den Reihen der Liberalen erstrebe» dieses Ziel auch. Doch dies wird durch die Verbindung des liberalen Judentums mit der Assimilation immer wieder und wieder verhindert,^und so reißt eine Will.ür ein, die zerstörend wirten muß. So im vorliegenden Falle. Vvir jeher hat man im Jndentum den Körper der Erde übergeben unter Bcobachtung seiner heiligen Unantastbarteik, - aber da es heute in der Kulturmenschheit eine Strömung gibt, die mit der auch von den Tochterreligionen des Judentums übernommenen Tradition der Rückgabe des inenjchlichen Körpers an die Erde gebrochen hat und den Körper zu Asche verbrennt, ehe sie ihn der Erde übergibt, — flugs macht man sich diese Anschauung zu eigen, ohne sich überhanvt beim Judentun; zu insorinieren. Solche Gepjlogenheit kann nicht anders als zu einer das Judentum zerreißenden Willrnr führen. l->eraoe die Äestattungsacbrürrche zeigen an einem anderen Beispiel in die Augen springend bas Widersinnige eines d-rarci.z-en Tuns. Wäre unsere Zeit nicht so verlogen, wäre ihre Demokratie nicht eine lügenhafte Phrase, sondern woklre sich ehrlich in die Tat rmrsetzen — bann würde sie sich sclüvten, daß die Friedhöfe tragen Klairenger-.t

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