Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 19 (1921)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1921)
- Date
- 1921-02-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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FrankfurterIsraelitisches Familien-latt Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Vierteljahr: In Frankfurt am Main Lei der Neuen Jüdischen Presse, auswärts bei der Post abonniert ML 4.50 frei ins HauS. Bei Zusendung durch Streifband für Deutsch, land Mk. 30.00, für alle übrigen Länder Mk. 40.00 jährlich, im Voraus zahlbar. Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M.,Langefiraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2963 Herausgeber: Satz Geis Jnserttouspreis für die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile 100 Pig., für die Reklamezeile ML 3.— sowie 35% TeuerungS» §uschlag. Platz- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. nnoneen-Ännohme bet der Expedition und in alle» Annoncen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M unter Nr. 4864. 19. Jahrgang. Freitag, de» 3. Adar I. 5681 (11. Februar 1921) Rr. 6. Legio«e«. Wir gaben in Nr. 3 unserer Zeitung ein Interview mit dem jetzt in Europa weilenden Gründer der jüdischen Legion ittPalästina und gegenwärtig Mitglied des Londoner Direktoriums des Keren Hajessod, Jabotinsky, wieder. Aus diesem Interview ging hervor, daß diese kraftvolle Persönlichkeit mit aller Energie für eine ständigejüdische MilitärmachtinPalästina arbeitet. All , unser Leid in den 2000 Jahren unserer Golusgeschichte würde gerechtfertigt, wenn wir, kaum zur Selbständigkeit gelangt, es machen würden wie die Völker der Welt, gegen deren ungerechte und lieblose Machtpolitik wir mit unserem Sein stets still protestierten. Nicht auf Macht, sondern nur auf den Grundsätzen der Menschenliebe nnd der sozialen Gerechtigkeit darf sich ein jüdisches Palästina aufbauen,'— oder es baute sich besser überhaupt nicht auf. Durch Freundlichkeit des Verlags der Freien Zion. Blätter (Heidelberg, Rohrbachstr. 75) bringen wir nachstehend im Auszug den Vorabdruck eines Artikels „Legionen" von Hans K o h n, Paris, der in dieser Frage gleich Uns denkt. » .- . Die Legionen sind bei uns bereits ein histoisches Faktum, und Mir die spätere Geschichtsforschung ird. über ihre Zweckmäßigkeit entscheiden können, ohne n den Fehler der Kurzsichtigkeit zu verfallen, Ich! will s so sagen: wären die Legionen noch so zweckmäßig ewesen. Hätten sie uns noch so großen Erfolg gebracht, jo waren sie dennoch unrecht und haben in unserer Bergung keinen Raum, Jede Legion ist Militär, und Militär bedeutet immer ewalt, Unterdrückung, Herrschaft. Jede Legion gebiert ilitarismus. Es kann nicht anders sein und es ist nie nders gewesen. Sie bringt mit sich die völlige Verhunz und Abstumpfung, in der wir letzt Europas Jucnd aus dem Kriege hervorgehen sehen. Sie führt notendig dazu, ein Instrument in der Hand der herrschenen Schicht zu werden und damit eine Waffe gegen jeden rtschritt, gegen jede Neuerung. Sie führt zur Bilanz einer Kaste, deren Lebensberuf nicht der Krieg, sonxit die stete Kriegsdrohung ist, die Brutalität für Männjichkeit hält. Wer den Krieg mitgemacht hat, kann darüber acht im Zweifel sein. Wir wollen die Legion auch nicht, um so einer größeren Anzahl ökonomisch den Aufenthalt in Palästina zu möglichen. Uns handelt es sich um die Ansiedlung pro- «ktiver, arbeitender Menschen. Uns kann nicht jedes Mittel jllkommen sein, mit dem wir Einwanderer nach Paläna bringen. Eine jüdische Legion in Palästina kann nur dazu dienen, egen die Araber verwendet zu werden und ihre Freiheitsestrebungen zu unterdrücken. Wir waren lange genug die )pfer des Militarismus und der mit ihm verbundenen! ieaktion, so daß ich mancher Gelüste verstehe, selber jetzt as Herrengewand anzuziehen. Es mag manchmal die Notwendigkeit entstehen, sein leben zu verteidigen; dann möge man die Arbeiter beaffnen und ihnen die Verteidigung übertragen. Aber jede ständige militärische Jnstituion.ist unserem Geiste fremd und muß ihm fremd in. .Wir^lehnen, sie aus prinzipiellen Grünen ab. , . . . Wir fürchten sie auch, nicht nur, weil sie die Züchtung aller bösen menschlichen Triebe. und^Trägheit" fördert, sondern weil sie die Wiege nationalen Chauvinismus zu werden droht. Durch Jahrhunderte .ist das Rassen- oder Bolksgefühl im Juden auf Kosten seines Menschentums überwuchert. Im Zionismus, der uns über die Assimilation gekommen ist, sehen wir einen Durchbruch zum Menschlichen unter Bewahrung unserer geschäftlichen Zusammenhänge, eine Freiwerdung unseres Geistes. Aber die Gefahr droht, daß wir in Palästina das Menschliche verlieren und durch das Machtgefühl das Nationale steigern. Alle Anzeichen deutenauf eine solche Entwicklung. Sie wäre für uns eine Katastrophe. Di» Legionen aber wären die Brutstätten dieses Chauvinismus, die'Leibwache um alle Demagogen, die den nationalen Egoismus, den Sacro Egoismo im Volle wachrufen. - Im Zionismus handelt.es sich nicht um eine Kolonisierungsunternehmung mit den Waffen der modernen Technik und im Geiste der entarteten heutige» Welt der Gewalt. Wir wollen nicht, daß die Worte, die unsere Führer und wir so oft sprachen, daß es hier um einen vorbildliche» Versuch des Frizens und der Gerechtigkeit gehe, ebenso Lüge seien wie die offiziellen Heucheleien anderer Völker. Wir glauben nicht daran, daß sich auf Wasfendrohung ein innerlich gedeihendes Zusammenleben aufbauen könne. Und vor einem warnen wir vor allem: man machekeinen. nationalen Heroismus. Man schämt sich, bei uns heute Aehnliches zu lesen, wie man es während des, Kriegs in der großen Presse las. Dinge, die traurig, vielleicht notwendig sind, werden .heiliggesprochen. Es mag vielen als Sakrileg erscheinen, wie es während des Krieges viele» erschienen ist. wen» irgendwo die Stimme der Vernunft sich hören ließ, aber es muß gesagt werden: Es ist traurig, es ist jammerschade, wenn ein junger Mensch, der angegriffenes Leben verteidigt — was seine Pflicht ist — fällt, aber spinnt nicht darum die Phraseologie der Heldengeschichte derer, die in Verteidigung „unserer hellige» 6rbe" gefallen sind! (O Sozialisten! O euer heiliges Eigentum!) Das jüdische Voll hat einst die Pogrome in unwürdiger Feigheit hingenommen, es fteut uns, daß es sich, angegriffen zur Wehr setzt; aber wir wünschten, alle diese jungen Leute,, unsere Besten, könnten uns anders dienen als-durch ihren Tod. Es ist bellagenswert, daß sie fallen mußten, »icht rühmenswert. Aber ständige Legionen sind daran interessiert, daß dieser falsche Geist national-chauvinistischer Heldenverehrung festgehalten wird. Sie führen unweigerlich dazu, in Palästina einen ähnlichen Zustand des Geistes und der Dings zu schaffen, wie er in den Staaten Europas herrscht. Das wollen wir nicht. Den» das würde all dem widersprechen, was wir unter Zionismus verstehen. Aus diesen prinzipiellen Gründen trete ich gegen die Legionen auf. Ihre Zweckmäßigkeit bleibe unerörtert. Aber wir müssen imstande sein, selbst (scheinbare) Zweckmäßigkeit der Idee und ihrer Wahrheit zu opfern. Aber ich fürchte, daß weder die Rechten noch die Linken in der zionistischen Bewegung mich verstehen werden. Denn das Prinzipielle in seiner Reinheit liegt ihnen ebenso ferne wie das Sachliche. Und vielleicht hängt das zusammen. Der Jüdische Natioualfonds im Jahre 1929. Der Jahresertrag 1920 an NF-Spenden aus aller Welt beträgt L st r. 160114.—, das sind zu den Kursen am Jahresschluß fr an z. Fr. 9567000.— bezw. in unserer Landeswährung Mk. 41120 000.—. Diese Jahressumme bedeutet gegenüber jener des Vorjahres von Fr. 5552000.— eine Steigerung vo» 72»/», Was umso höher zu schätzen ist, als die Entwertung der Valuten in allen Ländern Zentral- und Osteuropas rapide Fortschritte gemacht hat und als gleichzeitig überall große Sammlungen für jüdische Wohlfahrtszwecke aller Art, so zur Unterstützung der Palästinawanderung, durchgeführt wurden. Zu obiger Summe kommen noch die laut Beschluß der Londoner Jahreskonferenz (Juli v. I.) aus den Einnahme» des Keren Hajessod dem MF abzuführendew 20»/o hinzu. Bei Annahme von 15 Millionen Juden, entfällt von obengenannter Jahressumme auf den Kopf eine Beitragsleistung von 64 Centimes. Die Jahressumme verteilt sich in Fr. auf die 4L Beitragsländer wie folgt: Nordamerika 2392000, England 1172000, Argentinien 918000, Shanghai 759000, Mesopotamien 621000, Deutschland 494000, Polln 269000, Südafrika 268000, Tschechoslovakei 245000, Ru-" mänien 194000, Erez Jisrael und Syrien 194000, Llllstralien 191000, Canada 188 000, Jugopavien 183 000, Oesterreich 171000, Holland 170000, Belgien 128000, Griechenland IM 000. Türkei 115000. Ostgalizien 112000, Italien 92000, Schweiz 83000, Westgalizien 82000, Frankreich 51000, Bessarabien 48000, Elsaß-Lothringen 46000, Litauen (Wilna) 34000, Litauen (Kowno) 26000, Ukraine (Wolhynien) 21000, Bukowina 20 000, Weißrußland 19 000, Dänemark 19000, Aegypten 18000, Niederl.-Jndie» 17000, Brasilien 16000, Schweden 15000, Ungarn 13000, Neuseeland 11000, 8 weitere Länder 31000. Unser Land mit ca. 600 000 Juden steht demnach an 6. Stelle. Es weist per Kopf eine Beitragsleistung, von 82 Centimes und gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung von 18°/» auf. > Seit Gründung des MF im Dezember 1901 sind die Spendenerträge in fast ununterbrochenem Wachstum begriffen und haben bis nun eine Summe von über 27000000 Fr. ergeben. Der INF hat sich schon bisher als die populärste und ertragreichste jüdische Institution. erwiesen. Bon der Londoner Jahreskonferenz einhellig zum Träger der jüdische» Bodenpolitik beim Ausbau von Erez Jisrael bestimmt, wurde er jüngst von der palästinensischen Regierung als „gemeinnützige Institution" im Sinne des Gesetzes ausdrücklich anerkannt. So von den Fesseln des alten Regimes befteit und zu großzügiger Arbeit berufen, steht der MF vor einer neuen, mächtige» Entwicklung. Bo« de« Leistunge« der deutsche» Jude». Das jüngst bei G- Allen & Urwin in London erschienene Buch „The Upper Silesian Question and Germany's Coal Problem (Die oberschlesische Frage und Deutschlands Kohlenproblem)" des Englärwers Sidney Osb o r n e enthüll, wie der „I. P. Z." mllgetellt wird, auch interessantes Tatsachenmaterial über die gewaltigen schöpferischen Leistungen der Juden für die Industrie des jetzt im Brennpunkt des öffentlichen Interesses stehenden Oberschlesien. Dabei bilden die Juden nicht einmal 1 Prozent der Bevölkerung dieses Landstriches. Die größten Werke Oberschlesiens find von Juden gegründet worden. Der Grundstein zu der gewaltigen,/Oberschlef. Eisenbedarfs -A. - G." wurde 1840 von Moritz Friedlaonder, Sinai Levy und David-Lüwenfeld gelegt-Die Gründer des nächstgrößten Werkes, der ,Bismarckhütte heißen Elias Sachs u. Salomo»