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Neue jüdische Presse · 1920-12-31 · Heft 48 (31.12.1920) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 48 (31.12.1920)
Date
1920-12-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5 Nr. 48' . Neue Jüdische Presse. teiDTarif zu versteuern. Die Generalversammlung trat iiWimmig dieser Forderung bei. So ist. also die Freiwilligkeit, auf die die Religionsgesellschast stets stolz war, auch noch weiterhin gewahrt Zur Zwangsbesteuerung soll erstmals letztes, hofsentlich zu vernieidendes Mittel gegriffen weichen. Der den Mitgliedern vorgelegte Bericht brachte eine iiichtcndenwollende Liste von Beiträgen für die verschiedenen Institutionen der Religionsgesellschast, hob den 70. Geburtstag des Rabbiners Dr. Breuer hervor, der, da der Herr Rabbiner jede persönliche Gabe ablehnte, durch Errichtung einer Fürsorgekasse — 200 000 Mark einmalige und, 7000 Mark jährliche Beiträge gingen bereits hierfür ein —-'geehrt wurde und gedachte neben Babctte Goldschmidt und Joseph Lewin besonders des hochverdienten Hermann Krämer, dem das Rabbinat an der Bahre den " Chower verlieh. ' Die Wahl ergab: N a f t a l i S ch w a b a ch e r (Vorstd.), Meier .Nußbaum und Jsaac Wolfs (Ausschuß). Innerhalb des nächsten halben Jahres wird eine außerordentliche Generalversamnilung über neue Statuten, die eine bedeutend vergrößerte Verwaltung vorsehen, beschließen. Ein Thorafeft. Ein glänzendes Thorafcst beging mit einer Doppel- Sijumfeier die Thora-Lehraüstalt (Jeschiwoh) der Jsr. Rcligionsgesellschast und ward damit der Religionsgesellschaft selber zum Ruhme. Nicht weniger als 260 Gedecke waren im großen Saale der Frankfurt-Loge aufgelegt, und es wäre noch viel mehr 'geworden, wenn viele nicht ersten den letzten Tagen ihre Anmeldung eingereicht hätten und deshalb keine Berücksichtigung mehr finden Konnten. : Reden hielten nach der Begrüßungsansprache des Ver- Iraltungsmitgliedes Arthur Oppenheimer Rabbiner Dr. Breuer, der Schöpfer und unermüdlich um ihr^ Entwicklung sorgende Leiter der Lehranstalt, Rabbiner Dr. B 0 n d i - Mainz, Rabbiner Dr. Breuer- Aschaffenblirg, Rabb.-Asscssor Posen, Emil Goldschmidt, Redakteur S ch a ch n 0 w itz und die Hörer der' Lehranstalt Minsk und Rabi nowitz. Eine Fülle von Perlen jüdischer Weisheit wurde der Tischgesellschaft beschert, und dw Tischgesellschaft quittierte ihren Dank dafür dadurch, daß sie die Versteigerung des Tischgebets zu Gunsten der Thora-Lehranstalt auf über 30 000 Mk. brachte. 'lieber die Bühne gingen Szenen aus der Geschichte der Anstalt, gemalt von Nathan Jeidcl und gedichtet von R 0 bcrt Ar 0 n. y- Vorträge. ' ' Der Bortrag des Zahnarztes E h r m a n » in der Wg.udas Jisroel-Jugcndgruppe über das „Verhältnis zwischen Arbeitgeber und A r -f beitnehm er nach jüdischem Recht" beschritt ein Gebiet, von dem wir wünschen, daß cs von jetzt an recht häufig in diesem Kreise behandelt werde. Wie der Redner zeigte, daß in der jüdischen Auffassung des Dienstverhältnisses nicht nur , die heidnische des Altertums und die christliche des Mittelalters, sondern auch die individualistische der Neuzeit übertroffen wird, so ließe sich auch auf anderen Gebieten des RechtslebeuS der Unterschied zwischen der jüdischen und der herrschenden Auffassung belenchten. Kleine Notizen. . Eduard Schwarzschild in Finna Schwarzschild-Ochs, erhielt 'die Rote Kreuzmedail le. 4, Anläßlich der Jahrzeit ihres Gründers und Bor- Muds Martin Feist j.. A. veranstaltet die Mg u d a s Wsr 0 e l - I u g c nd g ru pp e am morgigen Sabbat 3(0 Ifc ein Jahrzcitslernen. Die Mitglieder der Gruppe schvie Freunde des Verewigten sind srcundlichst cingeladen., . Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe hat unter Leitung bfS Herrn Herz Halpern einen „S u g g i o-S ch in r" aüfgenommen, der erstmalig am morgigen Sabbat 103/i Uhr stattfindet. Der Kurs beginnt mit einer Behandlung von. „Berciroh." Personalien. > Geh. Sanitätsrat Dr. E. R 0 s e n b a u m , der sich atz langjähriges Vorstandsmitglied der Israelitischen Religwnsgescllschaft und als Chefarzt des Rothschild-Svital - uyd -Kiudcrspital große Verdienste erworben hat, beging ahr 24. Dezenrber den. 70. Geburtstag. - Mit LevH Teplitzky verschied hier in Frankfurt, das ihm die Fremde war, ein Mann, dessen Namen in der jüdischen Oesfentlichkeit Rußlands einen guten. Klang als Komponist und Lehrer zahlreicher Kantoren hat. Die Gesellschaft für jüdische Volksmusik in Petersburg verglich ihn mit dem berühmten Weintraub. Doch auch als Jude istder Verstorbene zu rühmen; er war sehr bewandert in unserem Schrifttum und lernte buchstäblich Tag und Nacht in ihm. Er hatte stets schwer um seine Existenz zu kämpfen, bis sich in den letzten Jahren seine Kinder cmporarbeiteten. Frankfurter Veranstaltungen. T a lm u d-T ho ra v e r c i it, Hörsaal Börneplatz, Freitag n. Mariw: Bortrag (Dr. May), Samstag, n. Schacharis: Hastoro (Dr. Rabin), 1t: Schnlchan Aruch*) (Unna), 3lA: Raschi (Lipinski), nach Mincha: En Jaakquw (Unna), Sonntag, nach Schacharis: Mischna (Groß), 9Vi: Schulchan Aruch (Lipinski), 0'/-: Gemoro*) (Unna), Mittwoch nach Schacharis: Mischna (Groß) Donnerstag, 8: Gemoro*) (Unna), Fortbildung für Knaben, Samstag, 3: Schulchan Aruch, Dienstag und Donnerstag, Mischna. Genioro. Schiur für Damen, Sonntag, 5»/-: Tinim (lftina). M e k 0 r C h a j i m, Freitag, nach Mariw: Mikro (Emil Gottlieb), Samstag, 12: Mclochim (Prof. Weyl), Sonntag, 6: Jecheskel (Dr. Breuer). Agud. Jisroel, Freitag, nach Mariw: Gemoro (Oppenheimer), 8: geniütt. Slbend, Samstag, :0'/e: Genioro (Dr. Posen, Tiergarten 42), 10-4: Gemoro (.Halpern), 11»4: Mischna (Hirschberg), 3: Gemoro (Dr. Hofmann), Sonntag, 8: Raschi (Oppenheimer), 2^4: Thillim, 31/2: Semiräus (Goldc)Z, 8: Geschichte (Schachnowitz)H, 9: Hebräisch (Jelen)H Montag: 9: - Gemoro (Ehrmann), Dienstag, 8: Tefillo (Kaufmann), 8h4: Gemoro (Dr. Hofniann), Mittwoch, S3A: Newiim (Unna, Kl. Oberniäinstraße 30), 9: Genwro (Ehrmann), Mädchengr., Freitag, nach Mariw: Sidra, Samstag, 4: Tauroh (Hirschbcrg), Montag, SVa: Dinim (Schachnowitz), Mittwoch, 7i'.,: Hiob (Ehrmann), 8: Chumesch (Joel). Tiferes Bachnrim, Langestr. 33, Sonntag, 8»/-: Vortragszyklus (Direktor I. Grombacher). *; ReligionSschule Hcrmesweg 27. 1j Auch für Damen. Bekanntmachung. Betreffend : Mazzosdersorgurrg 1921. Für den Bezug von Mazzos sind folgende behördliche Anordnungen ergangen, die wir hiermit zur Kenntnis unserer Mitglieder dringen: 1. Bezugsberechtigt sind diejenigen Mitglieder unserer Gemeinde, die eine eidesstattliche Erklärung abgebe», daß sie während der Pesachwoche sich des Genusses von Gesäuertem vollkommen enthalten oder der Mazzos zur Abhaltung der religiösen Sederfeier bedürfen. 2. Die der zuständigen Menge entsprechende Anzahl von Brotscheinen wird für die Pesachwoche gesperrt. 3. Die Bestellscheine sind auf unserem Geschäftszimmer, Hochstraße 12, in der Zeit vom 3.—31. Januar 1921, vormittags zwischen 9—12 Uhr. zu beziehen und auszufüllen, wobei der Lebensmittelausweis vorzulegen ist. - 4. Die Bäckereien nehnien in diesem Jahre lveder Bestellungen entgegen, noch geben sie Bestellscheine ans. Die Bezieher haben vielmehr bei Abgabe des Bestellscheines mif dem Gemeindebüro anzugeben, welcher Bäcker ihre Bestellungen cmsführen. soll. 5. G a st h ö f e, Pensionen, Krankenhäuser und ä h n l ich e A n st a l t e n mit wechselnder Besnchsziffer haben mit ihrer Bestellung einen Ausweis des Lebensmittelamtes über die Höhe ihrer durchschnittlichen Besucherzahl vorzulegen. Die genmie Beachtung vorstehender Bestimmungen ist im Interesse jedes einzelnen Bestellers unerläßlich. Insbesondere wird darauf hingewiesen, daß die Anmelde - fr ist pünktlich eingehalten werden muß, da infolge behördlicher Anordnung nach dem 31. Januar 1921 Bestellungen nicht niehr angenommen werden können. Frankfurt a. M., den 20. Dezember 1920. Der Borstaud der Israel. Gemeinde. Literarische Rundschau. Jüdische Geschichte in EharakterdilderNt (Bon S. Müller. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage. Stuttgart 1921.) Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß ein jüdisches Geschichtsbuch in so verhältnismäßig kurzer Zeit — die erste Auflage erschien 1913 — in dritter Auflage erscheinen kann. Das Buch ist neu bearbeitet unter Mitwirkung von Rabbiner Dr. Be er mann-Heilbronn und ist nun etwa 70 Seiten stärker als die erste Auflage. Berücksichtigen mir vor allem die Aenderungen, so läßt sich von vornherein urteilen: Sie geschahen zum großen Vorteil des Buches; selbst die ganz äußerlichen, die.zur größeren Ueberjichtlichkeit tins frühern Nebenabschnitten unter fettgedrucktem Titel neue Abschnitte machen, erleichteren wesentlich die llebersicht des Lernenden. Die neu hinzugekommenen Abschnitte selbst wie z. B. Altertum 3. Abschn: „Die Sehnsucht nach der Heimkehr" Ware» notwendig. Der Abschnitt gibt vielleicht zu viel Citate. Dagegen ist Abschn. 11: „Die Entstehung des Christentums" in diesem Rahmen gut Gehandelt, llnter 13. bildet der Abschnitt von den .Helden v. Massada eine glückliche Ergänzung; des weiteren ist die Charakteristik Gamliels, wenn auch kurz, doch klar durchgearbcitct, und schließlich hat Abschn. 20 dieses Textes durch Einfügung ausgewählter Mischnahabschnitte — wie Abschn. 23 durch die. Proben aus dem Talmud — eine wesentliche und dankenswerte Aenderung erfahren, was auch betr. Charakteristik einiger Persönlichkeiten des Talmud gilt. Der Abschnitt Mittelalter enthält eine wesentlich eingehendere Würdigung Chisdais, Gabirols und Nachmaniües und einen ganz neuen Abschnitt über die Kabbalah, der die wesentlichsten geschichtlichen Momente dieser Bewegung von ihrem Auftreten im 12. Jahrhundert bis zur Entstehung des Chassidismus an uns vorüberziehen läßt. / Der Abschnitt Neuzeit hat eine Umgruppierung erfahren, insofern Dichter der neueren Zeit, die atz Juden geboren, jedoch in ihrem Fühlen und Denken ganz in das assimilatorische Fahrwasser des 19. Jahrhunderts 'geraten waren, nun ans Ende des Abschnittes verwiesen wurde»; man hätte sie bis auf Kompert füglich ohne Schaden ganz weglassen können, llnter deni Titel^jage der heutigen Juden ist die veränderte Lage in Palästina taktvoll berücksichtigt. Im großen und ganzen leidet jedoch speziell dieser Teil doch zu sehr unter der Kritiklosigkeit an den Urteilen, die im 19. Jahrhundert über die führenden Geister und die vorausgefallencn Ereignisse gefällt worden sind. Eine Betrachtung, wie sie Dubnow anstellt, trotz ihrer einseitigen Einstellung zu berücksichtigen, wäre vorteilhaft ge- . wesen; man urteilt dann anders über Mendelssohns Bibelübersetzung und de» Massef resp. dir Massim, anders über das Toleranzedikt Josevh U. und das Sanhedrin Napoleons, man kommt aber auch ohne Dubnow z» einer wesentlich veränderten Geschichtsauffassung des 19. Jahrhunderts. Und das niuß endlich auch in unsern Schulen zur Geltung kommen. Sollte also dieses Buch, dem ein großer Leserkreis sehr zu wünschen ist, und das man gern auch in der Hand des Schülers sehen darf, bald eine Neuauflage beschieden sein, dann dürfte eine wesentliche Neubearbeitung des 3. Teils es zu einem unserer besten Schulbücher gestalten. May. Probe aus „Der Rote Mond'" von Eugen Hoefl i ch (Jlf-Verlag, Wien VIII, Josefstätckerstr. 9), einem Gedichtband, der in Palästina und Syrien entstand: Seite 14. » Wir alle waren einmal nahe daran. Unser Geheimstes aufzugeben. Die Mutter zu verleugnen und dcrs .Heißersehnte, Den schwersten Wunsch, der Jugend tiefste» Heiligtum Vergessend zu vergessen. Wir alle waren einmal nahe daran: Vielleicht, weil unsre Kämpfe unsere Knochen morschte». Weil unser Denken uns zu Boden warf. Vielleicht, weil rufend wir nach tausend Jahre» Wandern - Den Kopf in Hände beugen wollten. Die wie ein herber Frühlingswind Durch unsere Haare streichen. Wir alle waren einmal nahe daran, uns zu verlieren. Und nur Der konnte wciterschreiten. Der sich noch fand - im letzten Augen—Blick. Montag, 3. Januar, beginnt unser I Zeit 1181122 In allen Abteilungen zurückgesetzte Waren zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Es lohnt sich, auch für späteren Bedarf za kaufen. Frank ABaer 1981122

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