Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 41 (12.11.1920)
- Date
- 1920-11-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Hanauerlandstr. 2 Telephon; H. 2802 Reiche Answahl in Seifen, Uantkrems, Ffosüniiielo. Zur Psychologie Jakobs und Esaus. Der von nichtjüdischcr Seite verständliche Versuch, in der EtzarlActerisiernng des Brüderpaar^s Ja tob uiw Esau r-en Schatten auf Jakob und das Licht aus Esau zu legen, Jalob als einen verschlagenen und' Esau als offenen, geraden Mensche» hinzusrellen, ist nicht ohne Wirkung auf die Auffassung in jüdischen Kreisen geblieben. Die beschämende Unwissenheit des größten Teils der westeuropäischen Judenheit in dem Elementarwisjen ihre-: Religion gewähre dem wissenschaftlichen Antisemitismus kritikwsen Eingang als Wolf im Schafspelz, und so kann man häufig unter uns Juden Anschauungen hören, deren ein Jude sich schämen müßte, wenn er nur eine Ahnung von jüdischen Dingen hätte. - Maßgebend kann bezüglich der Beurteilung deS Brüderpaares Jakob und Esau nur der hebräishe Originaltext der Bibel sein. Die Bibel nennt Jakob einen „Jsch tom jauscheiw auholim", einen schlichten, einfachen, dem Getriebe der Welt mÜ ihren Tücken abholden Menschen und Esau einen Jager nicht nur in seinem Handwerk, sonoenr auch ia seinem Denken — „Zajid besi", Hinterlist uns Verßchlagenhcir w-ar in seinem, Diunde —, mld diese Lharalleriiicrung der Bibel muß das Leitmotiv sein bei den Begebenheiten, die sie gleich darauf, przählt, bei dem sogenannten Verlauf der Erstgeburt und der von der Mutter Jakob befohlenen Täuschung seines blindes Vaters. .Jakob und Esau, waren Gegensätze. Esau,Härte als der Erstgrboiene die Abraham-Tradition des Hausest übernehmen müssen, er verachtete aber dieses. Erstgeburtsrecht. Es mußte deshalb Jakob oaran liegen, als . der Träger dieses Einerlei' materiellen Vorteile, sondern nur ideale Pslick-ten amerlegeaden Erstgeburtsrechts anerkannt zu werden. Trotzdem Esau mit dieser Anerkennung nichts „ndi-res tat, als was mit seinem Willen durch sein Leben schon in der Tat bestand, so hätte dieser Materialist -ohne Stutzen' dem Bruder diese Selbstverständlichkeit nicht gewährt, uiw Jakob mußte deshalb eine Gelegenheit ab- «arten, sich Mau zu verpflichten, und das Linseiigericht, das er gerade gekocht hatte, und nach dein es Esau verlangte, bot diese Gelegenheit. Bei exaktem Verständnis des Textes der Bibel sieht der Leser übrigens sogleich, daß Jakob den, Esau sofort seinen Wunsch erfüllte —, „Saafcufc nosan", Jakob hatte gegeben — und erst dann die Gegenleistung einer offiziellen Uebertragung des Erstgebnrtsrechts vorjchlug. Kaffee Kaisergarten am Opemplata ICiyilrliuMfgea Famillen-Kaifee Täglich von 4 Uhr ab; Künstler - Konzert. durch ein Hinterpförtchen, das die Perser außer Acht gelassen, unter ihnen der Anführer der Römer, Amrnianus MarcelliUus, der uns die Kunde von dieser merkwürdigen Belagerung hinterlassen hat. Der Rachedurst Sapors war „befriedigt, über den Grabhügel seines Sohnes war ein Monument von Trümmern und Lerchen anfgetürmt. Aber in dieser Gruft lag auch der große Plan, Roms Herrschaft in Asien»zu vernichten und die asiatischen Nationen von diesem Joche zu befreien, begraben. Der Sommer war zu Ende; Stürme und unaufhörliche Regenschauersuhren von den Gipfeln der rauhen armenischen Berge herab. Aber auch ohne dies war das persische Heer so geschwächt, daß an eine Fortsetzung des Feldzuges nicht zu denken war. Dreißigtanseikd Perser lagen um dir Mn inen Amidas. Grimm und Verzweiflung im Heiden -stießen die Männer des babylonischen Juda ihre Schwerter in dir Scheide zurück und folgten dem Befehle zur teimkehr nach einem eben so nutzlosen wie schmachvollen eldzuge. Das persische Heer ging über den Tigris zurück. - .! . Aberfrüher .schon war ein, anderer Uebelstand. eingetrcten. Ursicinus war weder gefangen noch getötet. Es -war ein falsches Gerücht, das sich in Syrien und Galiläa .Hierüber verbreitet hatte. Allerdings war er, als er Amida vor dem Heranzuge der Perser verlassen hätte, auf eine starke Streifschar der letzteren gestoßen. Sein kleiner Trupp wurde überwältigt und niederaeMwn. Er stlbst aber mft wenigen Begleitern rettete sich durch die Flucht, urck: sah es gewiß gern, daß die Perser ihn unter. denErschlagenen glaubten, weil er um so leichter ihrer Verfolgung entkimmen konnte. Er wars sich in die armenischen Berge und irrte hier lange Zeit umher. Ja, er verlor eines Tages auch seine Begleiter, die sich Um Mchnmg zu suchen zerstreut hatten^ und niutzte unter großen Mühseligkeiten seinen Weg allein fortzufttzen suchen. Aber endlich gelangte er nach Syrien und erfuhr hier zu gleicher Zeit den Aufstand der galiläische:,! Jude;, und die Belagerung Amidas durch die Perser. Sein Entschluß war schnell gefaßt. Er wußte, daß er sich auf die Festigkeit Amidas und die Tapferkeit her römischen Besatzung verlassen konnte; er wußte daß ec nunmehr von den Perfern nichts mehr zu fürchten habe. Er. eilte daher zu dyn Heere am Euphrat, zog so viele Truppen zu- Jannncn, wie ihm der eisersiöhtige SabinianuS nur gcfdatldte- und rückte mit ihnen an die Grenzen GaliläaS Neue. Jüdische Presse.. - ' Nr. 41 Es hätte min Esau die Folge ziehen müssen, daß Jakob dec Segen des Vaters für. dendie Traditionen des Barer Hauses übernehmenden Erstgeborenen gebühre, — doch er dachte gar,licht daran, >ei» Wort einzulösen. Der blinde Vater aber sah nicht, was um ihn vorging, unv ließ sich durch Esaus Männlichkeit, so sehr bestechen, daß er nur durch ein ganz drastisches Mittel über seinen Fehler aufgeklärt werden konnte. Die Aufdeckung der von Rebccka veranlaßtcn Täuschung mußte ja sofort nach Esaus Heimlchr erfolgen! Diese Aufdeckung aber war das drastische Mittel. Esau schenk vor dem Brudermord nicht zurück, und Jalob muß fliehen. Eiau hat eine. Fülle von Untergebenen und von He ree ii, Jalob nichts als den Wanderstab und der führt ihn zu einem Labair. Kampf ist das Lebe» des Kämpfen abgeneigten Jakob, weil er den Idealen seines VarerhauscS die Treue wahren will; auch in der Umgebung eines Laban fern vom Vaterhause war er ihnen treu, so daß er sich den Namen „Israel", Gottcskämpser erwarb. Wen« man «ach Bndapeft fährt. . . Von H. H, W. Gibt es heute poch einen Terror in Ungarn? Soweit eine kleine Reise -und ein, kurzer Aufenthalt genügenden Einblick gewähren können, muß die Frage bejaht werden. Die berüchtigten Detachements sind trotz der hekannten Forderung des ^Höchsten Rates" in Paris noch, immer nicht aufgelöst und in reguläre, dem Kriegsminisicc gehorchende Truppen eingeteilt worden, sie bestehen und blühen weiter, ja sie sind jetzt zu Streitkrästen der Roya» listen-Partcien geworden. Die Detachements leben nicht von offiziellen Bezügen, sondern von Requierungen und konfiszierten Vermögen oder dem Kciegsgewinn einiger „verstorbener" Juden. Man erlaubt ihnen schon. zu handeln, wie sie es sich einrichten. Und wenn nicht? Sind doch sie die „Rechtsquellen"! Unser Personenzug ging von Kiskun-Laczhaza ab und trachtete die Hauptstadt zu erreichen. Plötzlich wurde — der Zug hielt gerade an einer Station — einer der Passagiere sehr unruhig-und murntclte: „Sie kommen schon!" Er chatte das Wort kaum gesagt, da stürmten Soldaten herein, wild umschauend und alle Ausgänge verstellend. , „Pst, die Hejjas" slüstertc mir mein Nachbar zu und gab mir ans diese Art zu wisse», daß auch, ich rasch meine Dokumente herauszuholen habe. Nasch, holte ich meine» Taufschein hervor. Ein Leutnant sah mich und meinen Schern schief und -mißmutig an, vier Feldwebel jragten nach dem Inhalt des Reisegepäcks, ich war-nicht verdächtig. Umsomehr war es aber einer, der keinen Taufschein hatte. Zuweilen kann man auchin Verdacht kommen, obwohl man ihn bel sich, führt, aber den Herren nicht zu Gesicht steht, denn einer der „Herren" meinte bei einem Reisenden verächtlich: „Heutzutage hat schon jeder einen -Taufschein." Lea Manti Kimstlerspiele Kaiserstrssse 69. Beginn 8 flirr. Tel. Hansa 5516. - Slanti’s Weinrestaurant ~ ab 6.Ubr abends wanne Beeisen ä la caitn. _ Der aber, wie schon erwähnt, keine» hatte, wurde ausgefordcrt: „Und Sie, Sie kommen mit!" Der Man» nahm es leicht auf. Lächelnd meinte er: »Ich hu», ja kein Jude!" Er ließ sich. Zeit mit seinem Gepäck. Die Mitreisenden flüsterten: „Aber se erwas!"' Von der Tür her wandten sich uns strenge Blicke zu. „Also!" , rief man unserem „Juden" zu. Da erscheint der Schaffner und legt init energischer Stimme gegen den Vorgang Verwahrung ein. Er wendet sich sogar an den Stationschef. Die Slationswache,, zwei Gendarmen, die es sonst als ihre Aufgabe betrachten, die ankommenden Züge zu empfangen, ist, verschwunden. Es folgen Unterhandlungen zwischen den Soldaten, dem Stationsche> und seinem Personal. Doch das Detachement ist zahlre.icher vertreten — jetzt erst sahen wir, daß es wenigstens - ihrer 15 waren —, und die Angelegenheit ntrd unter Schimpfworten und hochgehbbenen Fäusten näher erörtert. "Das Reisepublikum scharte sich um sie und forderte die Freilassung der Juden und die Weiterreise., Offiziere, die nicht znm Detachement gehörten, stiegen ans ihrem Coups^um die Parteien zu versöhnen. Das Publikum begann einznsteigen.. Der Schaffner wird vom Stationsvorstand seinen Gegnern überlassen. Die letzteren steigen auch ein und stimmen das bekannte, geistreiche Lied „Erster, Berger, Schoißberger" an. Unter unserem Fenster brummt noch der Schaffner und spricht von einer Genugtuung, die er sich für die ihm zugeschleudcrten Schimpstvorte schaffen wolle. Der Zug rollt - weiter. „Erger, Berger" schallt weiter. . . Plötzlich wird Wehgeschrei hörbar. Das Wehgeschrci dauert fort. Was ist denn das? Die Notbremse? Der Zug beginnt langsamer zu rollen, ei» Jude fliegt aus dem Zug heraus. ' ■ Auf offener Strecke halten wir. Diesmal verweigert aber das ganze Zugpersonal den Dienst. Die.Soldaten werden wild, worauf der Maschinist den Feuerrost abezieht. Glut strömt zwischen die Geleise, .Heißwasser fließt nach allen Seite», und ein langandauerndes Pfeifen begleitet den entschwindenden Dampf. Tie Lokomotive steht kalt, stumm und regungslos da. Die Empörung des Publikums erreicht den Gipfelpunkt Wie ein Mann gehen alle gegen die Tyrannen, die , zu ihren Waffen greifen und Schläge austeilcn. Die Soldaten wollen die Lokomotive besteige» und drohen mit Todesstrafe wegen des Widerstandes. Die Baroerstrasse 149. H. 4642. Best bewährteste Teppich* n. Bettfedem-Beinfgang. 17. Abermals flammten die Feuer auf den Bergen, Galilä/iS. Aber diesmal nur von einer Richtung von Norden her, von Dan und Kedes bis nachj Sepphoris. Und .sie waren keine Zeichen des Jubels und des fröhlichen Sieges, sondern die Verkünder des Angriffs, daß ver .Feind erschienen wäre und bereit» in die Marken des Landes ju. dringen. ' Die nach und nach eingetrosfenen Nachrichten, daß Ursicinus lebe und an der Spitze eines Heeres heranziehe, zugleich ein Beweis, daß er von den Persern nichts zu fürchten, die Juden also nichts zu hoffen hätten, hatte die Gemüter tief erschüttert, aber den Mut derer nicht gebrochen, welche an der Spitze der Erhebung standen. Jnsonoers Patrika, Obgleich er xinsah, wie schwierig der Kamps 'des kleinen Volkes gegen das noch immer gewaltige Rom sein würde, rechnete zu sehr auf die Gerechtigkeit ihrer Sache, aus die Schwäche der römischen Regierung - und auj die Hülfe, die der Herr durch! seine Fügung, wenn nur der Kamps sich in die Länge zöge, ^ihnen schassen könne, um nicht seine ganze Freudigkeit sich zu bewahren. Er trat hinaus vor seine versamnielten Scharen und das sie umringende Volk, und sprach zu ihnen Worte der Begeisterung. Lauter Ruf der Zustimmung, des Mutes, der Hingebung folgte auf seine. Worte, und wie die Strahlen der Sonne auf diese Männer und Jünglinge, aus ihre begeisterten Angesichter/ ihre Mut blitzenden Augen, ihre erhobenen Arnie und Waffen fielen und den belebten, beweglichen und entschlossenen Haufen zeigten, konnte die freudigste Zuversicht in das Herz ihrer Führer einziehen, und die feurige Einbildungskraft Zeiten des Sieges, Tage de? Glückes voraussehen. . . . - ' Ursicinus hatte beschlossen, wenn auch feiit Heer noch klein und kaum mit den nötigen Vorräten versehen war, einen raschen Zug in das aufständische Land zu wagen. Teils verachtete er die Juden zu sehr und hatte keine Vorstellung von ihrer Widerstandskraft und daß befähigte Führer an ihrer Spitze stehen könnten, teils glaubte er sie. überraschen zu können und durch seine Kühnheit ihnen den Mut zu benehmen.. Endlich stand ihm das vrohende Gespenst der kaiserlichen Ungnade vor der Seele, wenn seine mächtigen Feind: in Rom den galiläischen Aufstand ihm, seinem Verfahren und seiner Härte zuschrieben. Je schneller er also diesen unterdrücken würde, desto eher entwand er seinen Gegnern diese Waffe. Aber auch Patrika war ebenso schnell entschlossen, ihm kräftig entgegen zu treten. Er zitterte nicht vor dem Gedanken, eine Feldschlacht mit den erfahrenem Feldlierrn unv seinen erprobten Soldaten zu wagen. Sich jetzt schon hinter die Mauern der Städte zu bergen, wäre ein Eingeständnis der Schwächegewesen, bas jeden Erfolg .abgeschnitten hätte. Alle Männer, die er zu Führern seiner Rotten eingesetzt, stimmten im Rate hierin mit ihm überein; 'seine Boten durcheilten das Land; die Kriegstrompeten erschallten an allen Orten, und die im Voraus bestimmten Mannschaften stellten sich an den Sammelplätzen ein. Die Stunde des Abschiedes war gekommen. Patrika stand in seiner Waffenrüstung vor Mirjam, neben ihm Amnon. Sie selbst hatte ihm den Panzer unr die Brust befestigt» das Schwert um die Hüfte gegürtet, den Helm ihm in die Rechte gegeben. Nun stand sie vor ihm» und ihre Augen waren in einander gesenkt, und ihre Lippen Lebten unter dem Worte des Abschiedes. Da konnte sie den Sturm ihrer Gefühle nicht mehr zurückhalten; sie wars sich an seine Brust, schlang ihre Arme mm seinen Nacken und ein Strom von Tränen siel auf das stählerne Brustkleid nieder. „Mirjam," - flüsterte Patrika ihr zu, „fasse Dich, mit Gott sehen wir uns bald wieder itttb feiern den Triumph unserer heiligen Sache miteinander. . . safte Dich, es muß so sein." — Da erhob sich Mirjam, mit aller Kraft sich überwindend, daß wie ein letzter Krampfschauer durch ihre Glieder zuckte, aus seinen Armen, und mit anfgerichtetem Haupte sprach sie: „Ja, Patrika, ich will die Tochter des Patriarchen Hillei, ich will das Weib des Helden von Sepphoris sein! Geh, Gesegneter des Herrn, und streite für Dein Volk, für Deine Mirjam, für Dein Glück! ... Und. wenn die Stadttore sich hinter Dir schließ:», sei ruhig, ich werde den Turm besteigen und ausschduen Tag und Nacht, bis Dein Bote kommt, der uns Sieg verkündet! Aber dennoch, mein Patrika, bedenke Ein^. Mit Dir sänke das Haupt dieses Volkes mit Diralle Hoffnung, aller Erfolg. Darum schone Dich und setze Dich nicht mehr ans als notwendig. Ja, Du wirst zürückkehren, mein Herz sagt cs mir!" ... , . -- , , ^Fortsetzung folgt-) Nr. 4 istnbahri is der ajfnen. Die - jten er!>m dir und )UpsS < crigen. er. ob Als i wiede i der r Lärn eräusch i nmrd ' Per 8< SS gebt Oife Unfibe Sam Sab! > Min. Sabk i Min. Woch Woch nften § fetjl “fl Refe Gei Xoct l 'a Son( Bon ' -:--l boi.jl s ' 6