Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 39 (29.10.1920)
- Date
- 1920-10-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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rvnnnvniiT Frankfurter Israelitisches Familienblatt •3 imwmiwuinimuiiumuiunmiu ■mumimuniunnij SkßheliU wöcheaillch am Freitag; Äezugsprets pro Viertel« -a-r: In Fraalprrt am Main bei der Reum ÄdiUen presst, avSwLrts bet ber Post abonniert Mk.3L0,frei inS Haus 15 pfg. «chr^SetZusendung durch Eirelfband sürOentfihland Ml.20.00, fiir «Le übrigen Länder Mk.30.00jährlich, im Voraus zahlbar. 1UUI uuu 1IU HB Jredaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Sach Geis «M Insertionspreis für die sechsgespaltenLRonp.ZeilellXY)^, Wr die Reklamezeile Mk.3.—. Sei Wiederholungen entßrrechender Rabatt. / Platz, und Oatum-Vorsihrist ohne Verbindlichkeit. / Annomen-Annahme bei der OEped.und kn «.Annomen-ÄureauL Konto bei dem Postscheckamt in Franksurt a.M.unter Rr.4SSL L-mnim................... ............................... 18. Jahrgang. Freitag, de» 17. €hesc]iwan 5681 (29. Oktober 1920) «r. 30. Zur Lage in Palästina. Die politische Entscheidung über die Zukunft Palästinas ist im Sinne der zionistischen Idee schon in San Rem» gefallen.Die Arbeit des Wiederaufbaus ist aber noch immer nicht über die Ansätze und die auf kleine Masie abgcstimmte Methodik der Vorkriegszeit hinausgekommen. Die Londoner Jahreskonferenz hatte nach der Erwartung der meisten endlich einen großzügigen Plan für das eigentliche Werk des Wiederaufbaus der jüdischen Welt vorlegen sollen.- Sie hat es nur in begrenztem Umfange getan. Und hat vor allem keine Klarheit über die Leitung, den Zeitpunkt des Beginns, den Umfang der ersten Arbeiten gebracht. Heute, sechs Atonale nach San Remv, vier Monate nach London, ist weder eine Einwanderung größeren Stils im Gange, noch hat die planmäßige Kolonisationsarbeit im Lande relativ viel größere Fortschritte gemacht als in der Zeit kurz vor dem Kriege. Im Lande selbst ist dieser Zustand der Stockung und des Stillstandes in der zionistischen Arbeit als schwer und lähmend empfunden worden; Und das lWort von der „Krise" im ganzen innerpolitischen und wirtschaftlichen Leben des jüdischen Palästina ist dor^ geprägt worden. Und mag die ernste Beurteilung der Dinge, wie sie hier ihren Ausdruck findet, auch übertrieben und zu schwarzseherisch erscheinen, über die Stagnation und den Ernst der Lage im Lande gab das Wort den richtigen Aufschluß; Es war aus einer gedrückten, bangen Stimmung heraus geboren und durfte wohl als Symptom für die jüdische Auffassung von der Lage im Lande genommen «erden. Die eigentliche gefährliche Krise hat das Land in den Tagen des arabischen Angriffs auf die Juden erlebt. San Remo hat den Ausgang dieser Krise zugunsten des Judentums besiegelt. Die Entwicklung in den nächsten Monaten brachte eine fortschreitende, allerdings langsame und imnier wieder unterbrochene Entspannung der jüdischen Lage im Lande. Der Einzug Sir HerbertSamuels schien das Zeichen für den Beginn eines neuen Abschnitts in der Geschichte des Wiederaufbaus von Erez Israel. Das Erscheinen Und die Wirksamkeit Herbert Samuels hat auf die Entwicklung im Lande einen günstigen und förderlichen Einfluß ausgeübt. Die wirtschaftliche Lage besserte sich ei» wenig dank verschiedener Maßnahmen des Gouverneurs. Jnnerpolitisch trat eine sehr fühlbare Beruhigung der Gemüter ein. Das politische Leben begann sich freier und reicher zu entfalten. Die arabisch-jüdischen Beziehungen^ erfuhren eine merkliche Entspannung. Tenn die Person des Gouverneurs gewann bald das Betrauen und die Sympathie der gesamten palästinensischen Bevölkerung für sich. Herbert Samuel betrieb vom ersten Tag seiner Wirksamkeit im Lande eine Politik-der ausgleichenden Gerechtigkeit und der Versöhnung zwischen den einzelnen Teilen der Landesbevölkerung, eine Politik der Klugheit und Ehrlichkeit, die bisher recht erfolgreich gewesen ist und für die Zukunft noch größere Erfolge verspricht. Bei aller Unpartefischkeit seiner Haltung und seiner Politik im Lande ließ und läßt Herbert Samuel keinen Ztrcisel an seiner Absicht und seiner Mission in Palästina aufkommen, nämlich:das Land zuv nationalenHeim» stütte des jüdischen Volkes zu machen, wie es in der Balfour-Deklaration klar als der Beschluß der engfischen Regierung ausgesprochen wurde. lung im Lande. Am 9. Oktober, ist die „Ässifat haniwcharim" nach Ueberwindung mannigfacher politischer Hemmungen zusammengetreten — ein Jahr später als vorgesehen war. Auf der Tagcsordimng der Versammlung stehen vor allem: Die Fragen der inneren Organisierung des jüdischen Jischnw in Erez Israel, des Verhältnisses des Jischnw zur Zionistischen Organisition, der Einwanderung und Kolonisation. Den Berichten Wer den Verlauf und die Ergebnisse der ersten Tagung des „jüdischen Parlaments" muß man mit Spannung und Erwartung entgegensehen. Den» die Juden Palästinas haben der Galutjudenheit viel zu sagen. Vor allem das eine, daß die Arbeit in Palästina nur beginnen kann, wenn die Judeuheit des Galut sich der Dringlichkeit der Ausgabe, "der Notwendigkeit und der Bedeutung des raschen Beginns bewußt wird. Die Judenheit der gesamten Welt muß endlich Ernst machen mit ihrer nationalen Gesinnung und muß alle Atittel in die Wagfchale werfen, um Erez Israel durch die Tat zu erringen. Sie muß in erster Linie■ das Geld für die Kolonisationsarbeit beisteuern, muß den Kerem Hajessod anfbringen, muß mit Leib und Seele beim Werke sein. Nur dann ist das Gelingen gewiß. Ben Jephune. mnzigen, noch so klugen und befähigten Mannes. Und die Entscheidung kann heute nur mehr auf dem Gebiet der praktischen Taten fallen. Die Arbeit des Wiederaufbaus muß endlich 'in großem Stil begonnen werden, unaelumntund mit aller Entschlossenheit. Das Land schreit "ach Menschen, nach tatbereiten, tatkräftigen jüdischen Menschen, nach der aufbauenden jüdischen Arbeit. Ma» höre doch auf die -Stimmen aus dem Lande, die tagein tagaus die Einleitung der Einwandsicung, der aroßruHigen Kolonisationsarbeit fordern. Der heutige Jischnw um sich allmählich zu der Mischen Gemeinschaft, der Zukunst auszuwachsen. L?5.Uürd^»och eine ausgedehnte Organisationsarbeit ge- Essen. Der Anfang dazu ist schon früher «flocht worden; eine-, Etappe auf diesem' Wege ist die Einberufung derjüdischenGründ«ngsversaurm- Der Hilfsverein der Deutschen Juden. Wir brachten in der vorigen Rümmer den Bericht über die Generalversammlung des Hilssvereins der Deutfcken Juden. Dieser Bericht unterscheidet sich wesentlich von seinen Vorgängern. 'Deutschlands Niederlage hat auch für den Hilfsverein einen großen .Verzicht zur Folge gehabt, nämlich den Verzicht aiif seine gesamte kulturelle Tätigkeit, die er mit einem Netz von Schulen. im Orient betätigte. Heute ist der Verein wirklich nichts anderes als das, was sein Name sagt, — und das ist wahrlich auch mich schon viel und in unserer Zeit der größten Not unter der Judenheit des Ostens das Wichtigste. Kühne Träume hat der Hilfsverein begraben müssen- Denn er wollte mit seinem jüdischen Schulwerk iin Orient ein Träger und Verbreiter deutscher Kultur sein. Aber selbst Nenn heute nicht der Zwang der veränderten politischen Situation wäre, so hätte der Hilfsverein sich doch dazu verstehen müssen, seine Schulpolitik wesentlich zu modifizieren. Eines 'hat sich in unserer eisernen Zeit wenigstens durchgesetzr: Das Bewußtsein, daß eine gesamtjüdische Politik grundlegender Faktor ist, — und deshalb kann sich »auch im Orient das Schulwerk nur aus rein jüdischen Erwägungen aufbauen. Selbst' in ihrem Hilfswerk muß heute jede westeuropäische Organisation eine Umstellung vornehmen. Mcht mehr hilft der westeuropäische Jude dem osteuropäischen Juden, sondern der Jude dem Juden schlechthin. Man verkenne nicht den wesentlichen Unterschied: an die Stelle der Bevormundungdieses Wort ohne üblen Beigeschmack gebraucht — tritt die Gleichberechtigung. Es gibt heute eben nicht mehr differenzierte Judenheiien, sondern nur eine Judenheit, der internationale! Antisemitismus, die internationale Judennot dürfte dies selbst Begriffsstutzigen endlich genügend «ingehämmert haben. Ein gemeinsames Schicksal schlingt sein Band um die Judenheiten der ganzen Welt, sie zu einer Einheit verbindend. Die deutsche Judenheit war führend in der jüdischen Welt, — und seit dem Kriege ist sie es nicht mehr. Sie kann cs qber wieder werden, wenn sie mit ihrem deutschen Organisationstalent, ihrer deutschen Disziplin und ihrem deutschen Idealismus sich als Teil der Gesamtjudenheit versteht und einsügt. In diesem Sinne möge auch der Hilfsverein der Deutschen Juden seinen künftigen Weg gestalten, dann wird er auch wieder Gelegenheit finden, kulturell zu wirken. Die Ceutralkomitee-Sitzuug des denlschen Misrachi. Der vielleicht schicksalschwerste Augenblick unserer Golusgeschichte steht heute zur Entscheidung. Die Assimilation, die während der letzte» 160 Jahre ein Problem im Judentum wurde — mü> zwar in stets steigendem Maße — ist heute das Problem des Judentums Werhaupt geworden, sein Weitcrbestehen . in Frage stellend. Wohl gibt es noch einen ansehnlichen Teil der Mischen Masse, der sich treu der Tradition des Judentums um die Erfüllung eines einheitlichen, das Denken ausfüllenden jüdischen Lebens müht, aber alt dieses Streben hat nicht rerhindern können» daß die Assimilation auch hier innner weiter verheerend um sich greift; daß eben die Einflüsse von außen stärker sind als der Wille. Im Galus allein gibt es heute keine jWische Zukunft mehr. Hätte sich nicht \ das noch vor wenigen Jahren unmöglich scheinende Wunder der völkerrechtlichen Anerkennung des Anspruches des jüdischen Volkes auf Palästina vollzogen, wir wären ratlos. So aber können wir uns in Palästina eine jWische Zukunst aufbauen, wenn wir wollen. i Die Zeit drängt. Zlveckbedachteste, intensivste Arbeit, Organisation und äußerste Anspannung aller Kreise, deren Interesse für die jüdische Zukunft noch zu erwecken ist. verlangt das Gebot der Stunde. Dieses Gebot sindet. das meiste Verständnis in der Bewegung, deren Name sich mit Palästina verbunden hat, — und so war cS nur natürlich, daß auch der deutsche Misrachi sein Zentralkomitee zp einer ernsten Beratung nach Berlin ries. Hermann Struck begrüßte die Erschienenen. Als . Tagcspräsidinm wurden Struck, Dp. Bart h-Berlin, Geis-Frankfurt, Tr. Rudolf Möller-Hamburg undPerlmann-Königsberg gewählt. Dr. Barth, Kober, Lazarus Barth, Dipl.-Jng. Schragenheim-Berlin, Zahnarzt Rothschild -LWeck und Dr. Fraenkel-Marbnrg erstatteten die Referate. Referate wie Debatten zeigten Einmütigkeit in dem Willen, de« oewalrigen Ausgaben der 'Gegenwart gerecht zu werden. _ Als eine neu erstandene Aufgabe für die Ortsgotzppe« wurde lebendigstes Berbundensein mit Leu Geschehnissen i» Palästina gefordert. Zn diesem Zwecke solle an Hand der. palästinensische« Zeitungen ständig in den Bersammlungen der Ortsgruppen Bericht erstattet werden. Ter Keren Hajessod, der die Mittel für den wirtschaftlichen Aufbau des jWischcii Palästinas schassen soll, beanspruchte das lebhafteste Interesse der Tagung. Die Verwirklichung eines Lehrgutcs zur Heranbildung von Landwirten, für Palästina dürste nur eine Frage kurzer Zeit sein; denn es ist zu hassen, daß die deutschen Msrachi-Kreise die hierfür erforderliche Summe aufbringen. Es liegt im Charakter einer Zentralkomitee-Sitzung» daß über verschiedene wichtige Punkte der Beratungen der Ocsfentlichkeit nicht sofort berichtet werden kann. Sö auch hier. Es seien daher nur noch die angenommenen Resolutionen 'Dr. Rabin wiedegegeben, die lauten: „Die Tagung des Zentralkomitees beschließt, dem Zentralbüro vorzuschlagen: ' 1. Die Schaffung eines Gencralsekretariats zur Leitung der Organisationsarbeit des Misrachi in Deutschland. 2. Für die Gewinnung einer geeigneten Persönlichkit aus dem Osten zu sorgen, die die Propaganda und, die Kulturarbeit in den ostjWischen Kreisen zu übernehmen hätte." „Die Tagung des Zentralkomitees erkennt die drin- ' gende Notwendigkeit, den Misrachi-Organisationew im Osten Europas zu Hilfe zu kommen, ebenso wie der irn Entstehen begriffenen Organisation des Misrachi in der Tschechoslowakei Förderung zu bieten. \ In der Annahme, daß die Erfüllung üiestor wichtige« Ausgaben infolge der llebersiedlung der Zentrale des' ' Weltiiiisrachi nach Erez Jisroel bedeutend erschwert werde, scklägt das Zentralkomitee der Zentrale in London vor, in dieser Arbeit dem Zentralsüro in Berlin die Führung zu übertragen." Die ostjudische» Einwanderer. Geoenübcr einem Artikel der Kölnischen Zeiümz sei sestoesteüt, daß weder ein Geheimerlaß existiert, »och für Oüfuden besondere Personalausweise ausgestellt werden» vielmehr ist der Erlaß vom l. November 1919» der durch, einen zweiten Ministerialerlaß vom 1. Juni 1920 in mehreren Punkten revidiert worden ist, allen in B-iracht kommenden Behörden bekannt, wie auch die Oessentlichleit. in weiten Kreisen über diese« angeblichen Beheimerlaß unterrichtet worden ist. Was die Ausstellung besonderer onnebt. fa eriolat diese an alle Aus-