Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 36 (8.10.1920)
- Date
- 1920-10-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IrankfurterHsraelitisches Familienblatt Re-aktton und Üxpeditton: Frankfurt a.M, Langestraße I Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis / - 18. Jahrgang. Freitag, de« 2«. VlsoKrt S681 (8. Oktober 1S2V) «r. 36. : Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Vkeriesi : : fahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, :; auswärts bei der Post abonniert Mk.Z LV, ftel ins Haus 15 pfg. : | mehr./ÄelZusendung durch Streifband sürOeusschland Mk.20.00, ■ i sür aste übrigen Länder Mk.N.00/ährlich,lm Voraus zahlbar, i t......... jiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimm»nmiuniuiniiiiiiiiiiiiiiiimiufmiiniinnm. | Insertionspreis für die sechsgeßralteneNonp.ZelleiaWfg., sur : die Nellamezeile Mk.3.—. Lei Wiederholungen entsprechender : Rabatt. / Platz, und Datum-Dorschrist ohne Verbindlichkeit. /? : Annoncen-Annahme bei derLhped.und kn a.Annoncen«Äureaus. j; Konto bei dem Postscheckamt ln Frankfurt a.M. unter Nr. 4864. : Der Sabbat der Schvpfuug. (Nach S. R. Hirsch s. A.) Zn dem Anblick des Himmels uiib der Erde, der ganzen großen Schar von Wesen, die Himmel und Erde .füllen, all dieser zahllosen kämpfenden und ringenden Stoffe und Kräfte, dieses im Einzelnen und Ganzen ringenden und strebenben'Weltalls — ruft Dich der Sabbat hin und spricht die bedeutungsvollen, inhältschwercn Worte: „Sie wurden vollendet!" „Sie sind Sein Werk!" und ruft segnend und heiligend den Namen „Ä *' t t" durch die Deltenräume, auf den hinweisend, der sie vollendet, ans den, der. Sein Werk.nennt die Himmel und die Erbe.; ' Sie wurden vollendet! Sie sind nicht >mr entstanden in der Zeit, — das Kleinste lote das Größte, das Einzelne wie das Gänze ist der Ausdruck, die Berwirllichung eines Gedanken dessen, der nicht geruht, bis er seinen Gedanken ausgefühirt, bis er seinen Gedanken vollendet. Die Vollendung seines Gedankeiw steht vor Dir, und Ihn, den Denkenden, der den Gedanken dieser Welt so voll von Gegensätzen und Harnronie, so »oller Zwietracht und voller Frieden, voller Haß und voller Liebe, Ihn, der den Gedanken dieser so kämpfenden und doch so einheitlichen Welt gedacht und vollbracht, I h it weist Dir der Sabbat. j Und darum: Botschaft, Sendung, Auftrag heißt das Werk im Geiste, des heiligen Wortes. Jedes Werk ist; Träger, Verwirklicher, Vollstrecker eines Gedankens des Meisters. So lange es ist, so laizge es wirkt, ist es und. wirkt eS im Aufträge des Meisters'; und ob Dü auch'den : Meister nicht siehst, sein Bote, seine Sendung ist Größtes und Kleinstes; es steht da, weil er es. dahin gestellt; cs wirkt und schafft, weil er zu solchem Wirkest und Schafft:» Kraft und Stoff und Form, Bewegung und Leben zützedacht und zugezählt und zugewogen und gegeben und gesprochen: das sei, und das wirke und schaffe! und Sein Wort sind.die Naturgesetze, die Du erspähst! ... Mit dem siebenten Tage erst bol» lendete Gott sein Werk; und wie alles-in den sechs Tagen Geschaffene, wie jeder der sechs Tage ' sein Ziel' erreicht, so wird auch der siebente, der Sabbat, sein Ziel erreichen, ja in Erreichung dieses Sabbatzieles erst allen vorangegan'genen Schöpfungen die wahr: Vollendung 'gewähren; denn siehe, den siebenten Tag hat Gott gesegnet und ihn geheiligt. Der Sabbat in der Schöpfung! Bestinunt, den Menschen durch sein schaffendes und ringendes Wollen ans Erden zu begleiten; und wenn sechs Tage ihm seinen Mck zur Erde gezogen, ihm stets wieder zn heben den Blick und ihm Den zn zeigest, dessen Engel, dessen Bote, dessen ' Auftrag vollfüihrendes Werk diese ganze geschaffene Welt, und dessen höchster Engel, dessen höchster Bote, dessen bewußtvoller. mit frei sich hingebender Weihe seine Aufgabe lösender Diener, dessen Priester auf Erben eben er selbst, der Mensch sein soll! Dieser Sabbat i n die Schöpfung eingeführt, als Ziel und Vollendung, als Grund und Bedingung zu den sechs Tagen der Schöpfung als siebenter gefugt, an hstsest siebenten Tag alte vorangcgangenen sechs Tage, an den Sabbat die ganze sinnliche geschaffene Erdwelt geknüpft! An diesen Sabbat auch das gaiye sinnliche Heil! hes Menschen auf Erden gebunden, auf diesen Sabbat Segen und Heiligung, Gedeihen und Dauer der Schöpfung gegründet. ... Zur Weltschöpfung, zur Weltordnung gehört-der Sabbat. Ein Aufruf -er zlouist. Organisation. Tic Zionistische Organisator! hat an die Judenheit einen Aufruf erlassen, dessen wesentlichster Teil lauter: „Die - Exekutive der Zionistische» Organisation, gewählt -und konstituiert durch die Jahreskonferenz, hält es für ihre Pflicht, dem jüdischen Volke mit allem Nach- . druck auszusprechen, daß die W i e d e r h e r st e l l u n g Palästinas als jüdischen Landes zur Tatsache werden wird, wenn bas jüdische Volk willens und bereit ist, nneinge schr än kte O pfer ' an Gut und Geld zu bringen, und wenn.die jüdischen Pioniere, die i» daS Land gehen, wissen,- daß das hohe Ziel nur durch schwere Arbeit und unermüdliche .Ausdauer erreicht werben wird. Wir laben im Einvernehmen mit der Regierung'des Landes die Bedingungen für produktive Betätigung zu säjasselr. Je größer die Mittel sein werden, die das jüdische Volk hierzu bercitstellen wird, desto größer die Möglichkeiten. Die .geordnete. Leitung und Aufnahme der Einwanderung erfordert unverzügliche Eknrichtunge-r für döh erste U n t e r b r i ng u ng d e r An ko m m e n d c n, für* die Gesundheitspflege.und has A r b e i t e r f ü r - sorgewesen. Wir müssen'.die gegenwärtigen übermäßigen Kosten des Lebensunterhaltes in Palästina auf ein erträgliches Maß Herabdrücken. Wir haben die Bedingungen zu schassen für die Entstehung eines s e ß h asten jüdischen Bauern st an des und Organisationsformen zn entwickeln, 'welche, dem jüdischen Arbeiter im Lande den Stärkung .des jüdischen.Gewerbes im.Lande, .unsere bestehenden Institutionen auszugestalten und die Bildung neuer Institute zu fördern zur Schaffung und für den Ausbau des jüdischen Palästinas ist von. der Wir haben die Errichtung, öffentlicher Werke und die Ausnutzung der natürlichen Hilfsquellen des Landes anzastteben, um dem Lande Produktivität und der jüdischen Arbeit lohnend- Beschäftigung zu geben. Wir . haben die hebräischc Sch ule, die Stätte unserer Erneuerung, die dem Volke seine. Sprache Und ein bodenständiges, schaffendes Geschlecht geben soll zweckmäßig auszubauen.' Daq nationale Unterrichtswesen soll seine Krönung' finden in einem Sammelpunkt ursprünglichen jüdischen Geistes, in der hebräischen Universität in Feriisakem. Einwanderung und Siedlung, die ^wirtschaftliche Erschließung und das soziale und kulturelle Werk erfordern vom jüdischen Volke die Anspannung aller moralischen und materiellen Kräfte. ras ganze jüdische Volk in all seine« Schichte« muß sich an der Durchführung dieser gewaltig e n Aufgabe beteiligen. Die Zionistische Organisation ist offen für alle; die an dem großen Werke innerhalb der. Organisation mitzuarbeiten bereit sind. Die ZionisiisSe Organisation ruft zur Zusammenarbeit aus anch alle diejenigen Körperschaften. welche außerhalb der Organisation .' willens sind, alt der.Errichtung des jüdischen nationalen Heimes mitzuhelsen. Die Zionistische Organisation wird dafür Sorge zu tragen haben, daß der ganze Komplex der Arbeiten dem nationalen Ziele öicnt. Zum Zweae der Aufbringung der nationalen Miltcl für den Ausbau .des jüdischen Palästinas ist von der Zionistischen Jähreskonfexenz die Bildung des Keren Hajessod beschlossen worden, der als einmalige großzügige Abgabe des Volkes für den Aufbau Palästinas organisiert werden soll. Durch diesen Fonds ist einem jeden Juden die Möglichkeit gegeben, an her Lösung der größten Aufgabe die unserem Volke gestellt ist, aktiv teilzunehmen. *• Die Urberwachung der finanziellen Gebarung unserer Fonds wird einem „Board oft Trnstecs" übergeben werden. Ein besonderes Oekonomisches Komitee ist in Bildung begriffen, um die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas praktisch zu fördern." Die Bartholomäusnächte im Osten. Wahnwitzige Zahle«. Ob i» dem letzten halben Jahr in der Ukraine seitens der verwilderten, unter General Petljnra Kommandos stehenden Truppen 150,000 oder 300,000 oder gar eine halbe Million Juden, Männer, Frauenj und Kinder, selbst. Greise, Kranke und Säuglinge, vernichtet worden sind. — wer kann es sagen? Polen sorgt durch seine Zensur dafür, daß die Wahrheit unterdrückt wird. ''Tatsache ist jedenfalls, daß überall dort, wohin diese im Namen der Reaktion und des Christentums gege« .Revolution, Atheismus usw, kämpfenden Truppen ihren; Fuß gesetzt haben, alle Juden bis aufbas kleinste Kind, bis auf die älteste Greisin vernichtet worden sind. Die dem Blutbad« entronnenen Flüchtlinge sind Bürgen, für die Richtigkeit dieser unglaublich. scheinenden Behauptungen-. Und die ' christliche Welt, schweigt. Als vor fünfzehn Jahren einige hundert Juden bei den Pogromen von Shitomir, Hornel' usw.; getötet wurden, durchfuhr ein Errtrüstungsschrei mich die gesamte christliche Welt. So tief ist die sogenannte Kulturwelt inzwischen gesunken, so - abgestumpft gegen Scheußlichkeiten, daß. heute' selbst die .tausendmal größere Zahl der Opfer der Vertierung und aller Sittlichkeit entbundener Wollustkein Wort des Mitgefühls mehr erweckt. Wohl hat Präsident Wilson an Rabbiner Dr. W i s e sein großes Mitleid für die furchtbaren Ereignisse im Osten ausgesprochen, doch man kann dieses Bedauern nur als' Phrase gelegentlich der Wahlen werte», Wilson hat wie die gesamte Entente nicht das Geringste getan, die Geschehnisse im Osten zu verhüten, — die Politik der Entente hat sie im Gegenteil begünstigt. Solange Deutschland im Osten herrschte, ist keiner Seele ein Finger gekrümmt worden, — und jetzt? Grauenhafte Berichte auS Lstgalizie». Der „Wiener Morgenztg." wird geschrieben: In T Y.s m-i e n;i c j a n h wurden ermordet; . Der 30jährige Max' Margulies und der 35jährige Aron Vorder: Schwer verwundet wurden: Haller, Markus Kanzelpold-, Gütsverwalter. stark verprügelt wurde der 64jährige Leib Kanzelpold, fünf - Frauen wurden geschändet. Die ganze jüdische -Bevölkerung wurde ausgeplündert. Der Schade« beträgt 400,000 polnische Mark. 1 In Tvsmienica wurden folgende Personen in beilralischer Weise durch Säbelhiebe und Torturenermordet: Der 73jährige Rafael Potlak, der 50jährige Chnne Krieget Und die 54jährige Chane Spiegel. Schwerverwundet sind': Der 70jährige Kaufmann Solomon Stet», der 40jätr,'ge Aron Kock und die 50jährige Greta Mosberg, 35 Frauen wurden geschändet, das ganze Städtchen ausgeplündert. - Der Schaden beträgt 3,000,000 volnischc Mark. In Botszowce wurden folgende Personen schwer verwundet ins Wasser geworfen, wo sie ertranken:- Der 30jährige Klemvner Jakob Lilien, der 21jährige Chaim Broker, der 40jährige Fuhrmann -Lipa Eisenstein, die 35jährige Chane Eisenstein, die 40jährige Ester Zirel Eisenstein und der 38jährige Moische. Freibruun. Außerdem wurden schwer verwundet: Die 38jährige Ester Freibrunn, die lüjährige Rosa Freibruun, welche mit Picken Zerstochen wurde, der 38jährige Abraham Lilien, der 22jährige Mose» Winkler, der 45iährige Israel Broder, der- 40jährige Salomon Besender 18jährige Moses Besen.. Letzterer wurde von -den Wüterichen mit Kerzen an dem Füßen verbrannt-um durch diese Tortur den Aufenthaltsort' seines Baters zu erfahren. Die Banden haben überdies' 30 Frauen und Mädchen vergewaltigt, säniiliche