Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 32 (3.9.1920)
- Date
- 1920-09-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Neue FWsche Mejse. Leite 3. religiöser Grundlage und verfolgen in freier Liebestätigkeit gemeinnützige Ziele im Dienste der Allgemeinheit. - Die Tagung erhebt daher Widerspruch dagegen, den Bestimmungen der neuen Gewerbesteuergesetzgebung unterworfen zu werden. 2. Durch die Anstellung kontraktbrüchig gewordener oder disziplinarisch entlassener Schivestern wird das Ansehen der jüdischen Krankenpflegerinnen-Sache auf oaS Empfindlichste geschädigt. Alle jüdischen Wohlfahrtsstellen werben daher« ersucht, vor Anstellung von Schwestern über deren frühere Tätigkeit Auskunft einzuziehen. Verband Jüdischer Frauen für Knltnrarbett in Palästina. Dtt Verband (Adresse: Berlin C. 2, Burgstr. 27. Büro 22), der im vergangenen Jahre 23,360 M. Jahresbeiträge, 11,920 M. Spenden, 1132 M. Zinsen und 5430 M. Waren-Gewinn vereinnahmte, berichtet u. a. folgendes über seine Tätigkeit: Frau H o v f i e n, die Vertreterin des Verbandes in Jaffa, gründete eine Waschanstalt, die gut reüssiert, übernahm Flickarbeit fürs Militär und ließ Spitzen nähen, die infame der Valuta nach Amerika, England und Holland gehen. Frau Dr. Me i s e l-S ch e ch o t h ist um den Erwerb eines Terrains für die zu eröffnende Mäochenfarm bemüht. Der Verband läßt in Teutschland junge Mädchen für Palästina ausbilden. Deutsch-Oesterreich. Judenausweisungen ans Wt«n. „Pravo Lidu", das Organ der tschechischen Sozialdemokratie, schreibt: „Bon der Ausweisung werden etwa 70,000 Personen betroffen; sic ist ein Werk der Christlichsozialen. Zum Vorwand für die Maßregel werden die.Ernährungsschwierigkeiten der Wiener Bevölkerung genommen. In Wien befinden sich außer den jüdischen Flüchtlingen auch andere Fremde in namhafter Zahl. Werde» auch diese ausgewiesen werben?" _' P-le«. Sine viertel MMton Inden obdachlos geworden: Der nach Minsk entsandte Korrespondent des Londoner „Daily Herold" berichtet, daß die Polen bei ihrem Rückzuge alle jüdischen Städtchen systematisch niederbrannten. Mehr als eine Viertelmillion Juden seien obdachlos geworden. In Warschau hält das Amerik. Jüd. Hilfskomitee fortgesetzt Sitzungen ab über die Frage der Heimlosen. Frankreich. ..Wir bleibe« dieselben." Frau Hemba BeN Jehuda aus Jerusalem hatte bei ihrer Anwesenheit in Paris eine Unterhaltung mit B i g a r t, dem Generalsekretär der Alliance Jfraelite Universelle, ■ über die Schulen dieser Organisation in Palästina. Sie fragte .ihn, ob die Alliance den Wandel der Zeit in Palästina berücksichtige. Wgart erwiderte: „Nein, wir haben keinerlei Beziehungen-»;» den Zionisten. Wir bleiben dieselben." w Modell-Hüte sowie letzte Nenheiten Putz-Zutaten sind eingetroffen. Umänderungen werden nach neuesten Formen billigst ansgeffihrt. ROBINSOHN Zeit 127. Kurze politische Nachrichten. - Berlin. Der berühmte Physiker Professor Dr. Albert Einstein will wegen der Planmäßigen antisemitischen Hetze gegen ihn Deutschland verlassen. Eine antisemitische Ncugrjmdung „Arbeitsgenossenschaft der Naturforscher zur Erhaltung reiner Wissenschaft" hat öffentliche Versammlungen zur Diskreditierung seiner Theorie veranstaltet. Allenstet«. Nach dem hiesigen „VoUsbl." wurde in Chorzele, bas von den Polen, besetzt ist, der größte Teil der hauptsächlich aus Juden bestehenden Bevölkerung von den Polen niedergemacht. Myülowttz. Die Polen erpressen von jüdischen Kaufleuten beträchtliche Summen. Der hiesige Stadtrat Silberberg sollte durch die Explosion einer Handgranate zur Herausgabe von Geld genötigt werden. Der ohnehin kränkliche Mann war sofort tot. . Bukarest. Die Regierung hat em Zentralkomitee für soziale Hilse ernannt und als Vertreter der Inden Rabbiner Dr. Niemirower in dieses Komitee berufen. Riga (Lettland!. Die Universität hat sich gegen die Zulassung von ausländischen Studenten (lies:- Jiiden) ausgesprochen. Krakau. Abgeordneter Dr. Thon und Abgeordneter Dr. Hilfstein intervenierten bei der Regierung wegen der fortgesetzten Judenexzesse in Galizien. Paris. Zn La Goulette lTunis) fanden seitens des Akilitärs schwere Ausschreitungen gegen die Juden statt. Fischhaus llaei* Teplitzky, Frankfurt am Main 45 Hanauerlandstrasse 45 Täglich frische Zufuhren von Flussu.Seefischen Lieferungen fre» Hans. Telefon: Römer 541. Fisctihaus T Sepphoris rmd Rom. Ein historischer Roman aus dem vierten Jahrhundert. Bon Ludwig PhUippsoha. " (Fortsetzung.) Er stürzte auf Mirjam los, ergriff ihre Hände, preßte sie zusammen und wollte sie»mit sich ziehen- Das Mädchen schrie voll Entsetzen um Hilfe nach Patrika, nach Amnon — da nahten eilige Schritte den Garten herab. „Wer ruft? Was ists? Ich komme, DkirjaM, uh komme!" tönte es schon aus der-Nähe; der Mann blickte sich um, er gewahrte den Nahenden, ließ Miriam los, und mit einem gräßlichen Fluche hatte er sich über die niedrige Mauer geschwungen und war schnell im Zwielicht der hereingebrochenen Dämmerung verschwunden. Patrika stürzte in die Weinlaube mit dem Rufe: ,Mas ist geschehen,' Mirjam? Was geht hier vor? Warum riefst Du nach Hilfe? Wer war der Mann, der hier: war, unv wo ist er geblieben?" Aber Mirjam konnte nicht sprechen, sie eilte Patrika entgegen und warf sich schluchzend an seine Brust. „Fasse Dich, Mirjam, beruhige Dich, was hat Dich so aufgeregt, sprich..." > Mühsam gewann Mirjam das Wort: ,O. Patrika, es ist schrecklich : . . Wir sind verloren . . . Der Abgrund öffnet sich zu unfern Füßen . . . Rette mich. Dich, den Vater . . Der Mann> der eben verschwand, er ist: entsetzlich, es ist — Joseph, der. Abtrünnige . . ." Die Mnnung dieses Namens wirkte auch auf Patrika mit vollem Schrecken. „Ich habe von ihm gehört", sprach . er erbleichend- „aber ich. kenne ihn nicht. Seine schstchten Händlmmen gegen unsre Brüder in Cilicien hat man mir erzählt. 'Aber wie kommt er hierher? Was hat er mit -Dir zuschaffen?" . Mirjam hatte sich jetzt gefaßt, richtete sich aus den Armen Patrikas auf und "sagte: .Komm herein, Patrika, ich will Dir Aufschluß geben. Aber dem Vater muß es verbokgen bleiben; sein Name darf nicht vor. ihm genannt werden, es könnte sein Tod sein." Are verließen den Garten und gingen in das Haus. ' . ,■ - ---■ .. ’ ö. - , , . ... " Bor ungefähr sechs Jahren klopfte ein junger Mann mit zerrissenen Kleibern an diel Pforte des Hauses deS Patriarchen Hillel und verlangtevor den Nassi gelassen zu werden. Mit beweglicher Stimme und hier Und da Tränen vergießend, erzählte der Fremdling dem Rabbi! seine Lebens- und Leidensgeschichte. An der östlichen Küste Arabiens hatte er das Licht der Welt erblickt, in der Mitte eines Wüstenstammes, der unter dem Könige Saul vom Stamme Simeon nach dem südlichen Teil der arabischen Halbinsel ausgewandert war. Die Beschäftigung der Horde bestand in der Tätigkeit als Hirten, im schlechten Anbau einiger Felder da, wo sie sich zur Saatzeit gerade befand, und in oer mannhaften Berlcidigung gegen die benachbarten heidnischen Stämme» mit denen der Krieg ein ewiger war. Seit vielen Jahrhunderten daher in einem Zustande der Verwilderung, hätten diese Abkömmlinge Jakobs alles vergessen, bis aus einige Lehren und Gesetze, die sich durch Ueberlieferung bei ihnen erhalten hatten, urck» welche sie mit um so größerer Zähigkeit und Strenge ausübten. Der Knabe hatte weder Eltern noch Verwandte, die entweder in irgend einem' -unglücklichen Gefechte oder durch eine Seuche, wie sie nicht selten jene Länder durchzieht, ihr Leben verloren; er selbst wußte es nicht und Niemand sagte eS ihm, denn es kümmerte sich Keiner um ihn. Mißachtet und nicht selten mißhandelt, jeder Liebe und Fürsorge beraubt, sträubte sich sein Herz gegen biese^ Verlassenheit, sein Scharfsinnwetzte sich an den kleinen »Schwierigkeiten, die ihn umgaben, und trotz eines schwächlichen Körpers, der bet seinen wilden Genossen den Spott hervorrief, beherrschte er durch seine Klugheit bald alle seine Genossen. Ins Jünglingsalter getreten, wußte er sich durch seine List und die Fähigkeit, in allen Schwierigkeiten einen klugen Ausgang zu finden, Ansehen und Einfiutz zu gewinnen. Vor einigen Jahren streifte er einst durch die Wüste, als er einen Pilger ausgestreckt auf dem Boden fand, der dem Verschmachten nahe, ergeben seinem Ende entgegensah., Er richtete ihn auf, gab ihm von seinem Wasser "und seinen Datteln und trug und führte ihn bis in das Zeltdorf seines Stammes. Der Mann nannte sich Aahum und war ein Gelehrter, der heimatlos von Land zu Land pilgerte, überall die Stätten seiner Glaubensbrüder aufsuchend, bei denen er stets gastliche Aufnähme zu finden gewiß war. Das Schick- , sal hatte ihn auch in diese entlegenen Gegenden geführt. Seit langen, längen Zeiten war er der eijle Rabbi, der sich zu der kleinen Korde verirrt,, die chn deshalb mit Aio«istiWe Rschrichte». Berlin. Der erste Bundestag des Bundes Zionistischer Korporationen (B. Z. K.), etwa 80 Vertreter und Angehörige der im Bund vereinigten zionistischen Studentenverbindungen .waren anwesend, schuf dem neuen Kartell seine Organisattonssorm. Er will seine Mitglieder im Sinne der nationalen Pflichten erziehen» die die Erneuerung des jüdischen Volkes, den Wiederaufbau von Erez» Israel und die Verbreitung der zionistischen Idee erfordern. Dem B. Z. K. gehören an: Der Verein Jüd. »Studenten Cadimah an der Universität Berlin, die Akadem. Zionist. Verbindung Hasmonaea in Frankfurt a. M., Querstr. 2, die Akadem. Zionist. Verbindung Zephirah in Breslau, die Akadem. Zionist. Verbindung. Jvria in Würzburg, die Wadem. Zionist. Verbindung Betharia in München, außerdem eine Anzahl zu Stammtischen vereinigter Bbr. Bbr. in Heidelberg und Hamburg und Mtherren-Verbände. Die Leitung des Bundes ist vonDr. WalterSteinitz-Breslmr auf Dr. Isaak Zwirn-Berlin, Potsdamer Str. 6t, übergegangen. Perstmulie»«. ttetee Offeubach a- M. Eimen schweren Verlust hat unsere Gemeinde durch ben Tod von Frau Josephine Rothschild W w e. erlitten. Die Entschlafene verband mit lauterer Innigkeit edlen Wohltätigkeitssinn. den fie sowohl im Stillen als auch in Vereinen eifrig betätigte. Sie gehörte viele Jahre dem Vorstand unseres Frauenvereius an und war Mitgründerin unseres Ehanukavereins. A«S dem Landkreise Lffeubach. Kreisrabbiner Dr. D i e n e m a n n hat nun seit seinem Amtsantritt in Osfenbach bei den meisten Landgemeinden» des Rabbinats Inspektionen abgehalten und hatte überall einen herzlichen Empfang. Mir der Inspektion verband er zunächst einen besonderen Abendgottesdienst und hielt eine Ärsprache aus Grund der Sabbat-Paraschah, wobei er sich aw tüchtiger Kanzelredner erwies. BreSln». Rabbiner Dr. Rosenthal hat nach 33jähriger Amtstätigkeit um seine Pensionierung nachgesucht. Teplttz. Dr. Friedrch WeiS ist hier als Rabbiner eingeführt worden. Wien. Der hiesige Verein »SpitalShilfe für Palästina" empfing von Bürgermeister David Jell i n--Jerusalem eine Depesche über die Notlage der jüdischen Augenklinik in Jerusalem. Mansende Spenden an Deutsche Bank» Berlin, für Konto Spitalshilfe für Palästina, Hofiat Dr. Julius Schlag, Wien ll. Obere Donaustr. 100. ' Wie». Im 85. Lebensjahre verschied der berühmte Ohrenarzt Hofiat Prof. Dr. Adam Politzer. Vorsitzender des „Jüd. Museum". Warschau. Im Alter von 88 Jahren starb der Arzt. Dr. Tobias Hi »des, eine der angesehensten Persönlichkeiten ber/Warschauer Judenheit'und einer ihrer tatkräftigsten Führer. Hinbes, der zweimal in Palästina war, gehörte auch von Anfang an ganz der zionistische« Bewegung an. Re« Nork. MitSchalomAsch.DadtdPinski, Abraham Reisen usw. hat sich ein Komitee z»r Unterstützung notleidender jüd. Schriftsteller und Künstler in Osteuropa" gebfldet. großer Verehrung aufnahm. Mit tiefem Kummer gewahrte Nahum die völlige Unwissenheit dieses Häufleins undbeschloß daher, länger» Aufenthalt zu nehmen. AbererÄevzeugte sich bald, paß, so unbegrenzt die Liebe dieser Menschen zu ben geringen Ueberlieferungen ihrer Väter war, ihnen doch in chrem wilden Zustande Me Fähigkeit fehlte, sich zu unterrichten und ein größeres Mast geistiger Bildung in sich aufzunehmen. Nur in Joseph» seinem Retter, verspürte er einen Geist, der die Keime büeuteuder Entwicklung in sich trug. Keime, wie sie die Hand Gottes in alle Zonen, alle Rassen, alle Böller, alle Stämme auSstreut Er brachte ihm, fo gut es ging, die Kunst deS LefeuS und Schreibens bei, belehrte ihm über Vieles» und als er aus Mangel an Men Hilfsmitteln nicht weiter mit ihm gehen konnte, forderte er ihn. auf, feine Heimat zu verlasst« und zu,den Brüder» im heiligen Lande z« pilgern, woi es ihm an Forthilse nicht fehlen werbe. Es waren unsägliche Mühsafo» die Josephs warteten. Denn nur selten traf er auf Ortschaften, in welchen er bei Glaubensbrübern eine Zntläng der Ruhe pflegen und sich erholen konnte. Ost mußte er, um sich von stmdlich gesinnten Arabern zu schützen, in Einöde» und Höhk« Zuflucht suchen: oft Mußte er mit den wilden Tiere» um sein Leben kämpfen; am öftersten war er dem Tode durch Hunger und Durst nahe. Dennoch hielt er sich aufrecht, und die Hoffnung, endlich den Preis seiner Mühen zn erreichen, stählte chn gegen alle Gefahren und Drangsafo. Biele Monde war er so unterwegs und kam endlich innerhalb der Grenzen Judäas an. Aber auch hier fand er' überall öde Stätten und Krümmer, und wenn er auf eine» Mann feines Volles traf, so lohnte tiefec nichts für chn tun, als chn nach Liberias zum Patriarchen verweist». Jetzt stand er vor diesem, und von dem nächsten Angenblicks hinss"snnMnzesGischickäb-.. Hillel war nicht der Mann, der solchem anßervÄient» lichen Begegnis sein Herz verschließen konnte. Er-nahm de» jungen Mann unter seine Hansgenosstn ans, bekleidete und nährte ihn vier Jahre hindurch. Keß chn von angemessenen Lehrern unterrichten und gesellte chgr dann feinen Jünger» zu. Aber? biest Wohltaten fiüen <ürch <n$ eines fruchtbaren Boden. Mit einer ebenst» bewunderungswürdigen Geisteskraft, wie' einem unermüdlichen Weißen der Tag und Mchp nicht abließ, errang Jofqch dir außerordentlichsten Mwtze.. .. Eortsetzung fotzd> .