Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 31 (27.8.1920)
- Date
- 1920-08-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2692297-2693178-2693209--11198-2706625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr 31. Seite L. . Neue Mische WxZse. j,' In trabet} Äen eröffnet! Zell 38 Visavis dein alten Polizeipräsidium. Angenehmer Familienanfenthalt Inhaber: L. Rubnar. Sie Lammen. Mel Männer, viel Frauen. Es sind Hie BLter, Großväter und Urgroßväter, es sind die Mütter, Großmütter und Urgroßmütter, die da kommen und eintreten, ohne daß das Fenster klirrt oder die Tür aufgcht, in dieser Wacht vor der „Bar-Mizwa". Sifamnreln sich um bas Bett des Knaben, der am andern Morgen den Segen sprechen soll aus das Sepher. . . Siehe, da teilt sich der Hanfe, und heran tritt der Ahn des Hauses, — Jahrhunderte deckt die Erde seine Gebeine schon. Eine HoHe hagere Gestalt, mit langem, grauen Seibenkastan angetan, einen dunkelgrünen Bund um den Leib gegürtet, eine-hohe Pelzmütze aus dem Haupte; grau fallen die langen Locken tief über den MSttä hinab; er stützt sich auf einen großen Knotenstock. Er tritt heran. Der Haufe' schließt sich hinter ihm; er tritt ans Lager, breitet die Hände Wer des Knaben Haupt und spricht: „Sag' deinen Mamensspruch her, item Knabe!" und den Lippen des schlummernden Knaben entfließen einige lMräische Worte. ,Mohl, mein Knabe; so sollst du werden eine Säule der Synagoge, eine große Leuchte in Israel, die Kvgpe der Lehre falle niemals von deinem Haupte/ werde immer größer durch deine Schüler, aber von diesen werde keiner größer als du, außer dämm Sohne!" Er trat zurück und heran rauschte die Ahnfrau der Familie; eine statUiche Frau, eine goldene Mütze mit breiten Spitzen ümsetzt, schloß eng um den schönen Kopf der Greifiu, der stütz auf dem Alacken sich hob, strenge ZLgch ' aber 6« Siehe wohnte unter der Strenge und tooä> sichtbar dem tiefer« Blick. Sie faßte prüfend die Troddeln des Arba Kanfot, das auf dem Stuhl neben bau Bette lag, und befand sie wohl richtig, Herrn sie 'nickte mit dem Kopfe. Sie legte die Hand auf die Stirn des Knaben und sprach: „Segen sei auf dir, für und! kür!" Und als auch diese zurückwich, da teilte sich der Haufe noch einmal, und aus der hintersten Reihe desselben trat schnell eine viel jüngere Gestalt heran, ein Mann in Jbec Blute der Jahre, cs war der Vater des Knaben, dahin- . geschieden, als $gz Knabe noch Kind lein war, imd er Sonnte bas Antlitz des Vaters gerade nur so viel, wie das Lk8 Urahns; er wußte int Traum der Seele, wer es ist, aber er bqpnte ihn nicht Und siehe, der Knabe lächelte im Schlafe und lispelte ein Wort, ein Wort, das er wachend noch nie gesprochen,, o jenes heilige, zweisilbige Wort welch^ das Höchste, Ehrfurchtsvollste bezeichnet in dieser Well, denn im höchsten Schwünge der Seele hast du auch für Gott nur dieses Wort —r „Vater!" Und der Schatten kämpfte mit sich selbst eine lange Zeit, dann beugte er sich tief über den Knaben, fast bis zur Berührung, und sprach: „Aus allen Kämpfen, die dir be- ' vorstehen, gehe siegreich hervor, und die schwersten habe in Heiner Jugend zu kämpfen, und alle deine Feinde sollen deine Freunde werden!" - "Da streckte der Knabe die Glieder, und die Glocke schllrg «ns an, und der Vollmond ging vorüber am Feusterchen, daß fein Strahl nicht mehr hineinfiel. Memmck war mehr im Dachkämmerchenaußer dem schlafenf>en Knaben. \ Das Lied.*); Seid ihr einmal nachts durch die Gärten gegangen und habt ein hckbräisches Lied von einem Dache herüberschweben Höven? Nicht aber ein Lied, meine ich, dessen Warte nur hebräisch sind, sondern ein wirllich jüdisches Lied. ' Wenn, ihr das nicht gehört habt, dann schweigt, *) Ans dem wundersamen Skizzenbuche „Feuer i m Osten'? von Eugen Hoeflich, bas den Sieg des Idealismus und der BrWerlichleit des asiatischen Geistes über bas Zweckmäßigteitsstrchen und den brudermordeaderr Materialismus des europäischen Geistes kündet Verlag E. P. Tal & Co., Leipzig, Wien, Zürich. wenn von wunderbaren Dingen gesprochen wird.; Ein hebräisches Lied ist wie eine ausgesternte Wüstennachr, wie singende Sandwirbel im Mondlübt, wie rasende Sehnsucht, wie schinerzzerrisseiie, aufopfernde Liebe, wie zum Hiniiiicl lispelnde Pal ine, Hoffnung,. Tod, Erkenntnis, Erde, Land,, sandige, fruchtbare Erde. Ein Lied, ich weiß nicht wie es heißt, erinnere mich nicht seiner Worte, nicht seiner Töne, folgt mir durch alle Welt. Mle Sehnsucht nach dein Osten rast durch mich, wenn es mein Gefühl durchschwingt, keucht Blut aus meinem Herze» in den Kopf und wirft einen Schrei in mir hoch, der wie ungeheure Flamme schwillt. Aus diesem Liede wird einmal ein Ruf durch die Welt sich schwingen, furchtbarer denn die Posaunen von Jericho, blutzcrbrechend, Schrei, der nichts von den Hirnen will, sondern das Letzte aus den Herzen, die harte, hassende und hingehende Liebe. Dann werden wir uns wieder der ausgehenden Sonne znwenbeil. Dann werden wir gehen, woher wir kanien. Unsere Herzen werden nach dem Osten gehen und unsere Lehre wird wieder anfstehen unter den Lehren des Ostens. Geht durch die Gassen Jerusalems, vielleicht hört ihr das Lied. Doch schwört, ehe ihr geht, ihr, die ihr mein Blut tragt, dpß ihr dein Liede folgen werdet, wohin es führt, denn, wie in der Wolke, schwebt Gott in dem Liede vor euch her. Literarische Rundschau. Jüdisches Elend t« Men. (Bilder und Daten von Bruno Frei, 94 Seiten und 32 photographische Aufnahmen. Brosch. M. 9. Wien I, K. Löwit Verlag.) Nicht nur in Osteuropa, sonder» auch in Westeuropa haben wir Juden ein Proletariat, Luftmenschen, die, weil ihnen als Juden der Haß die Existenzmöglichkcit auf Schritt und Tritt verschließt, viel bedauernswerter sind als das nichijüdische Proletariat. Wurden sich die jüdischen oberen Zehntausend um das jüdische Proletariat kümmern — sie, die so gern Vogel-Strauß-Politik treiben und sorglos wähnen, da sic leidlich leben, gebe cs keine jüdische Frage —, so würden sie sicherlich ihre Intelligenz .aus die Lösung des unhaltbaren Judcnproblems verwenden. Frei gibt an Hand von Zahlen einen Einblick in jüdisches Elend. Möge sein Buch in den Kreisen unserer jüdischen Bourgeoisie weite Verbreitung finden, damit cs seinen Zweck erfiille. . RoKzeu. Zu dem am 22.-24. August in Berlin stattgehabten 8. Turntag erschien ein 54 Seiten starkes Heft der. J ü d. Turn- und Sportzeitung. Das Heft erweist die segensreiche Wirkung dieser jüdischen Jugendbewegung: Gesundung des Körpers und Gesundung des Geistes. Bei L. Sänger Verlag, Frankfurt a. M., ist von der Broschüre Dr. Nathan Birnbaum „Vor dem Wand e.rsturm" soeben bereits die 2. Auflage erschienen. * : Offenbacher Drucklnft-Anlage Offenbaoh. a. M. Telefon 123. Unübertroffene Teppichreinigung mittelst Druckluft Wochen-Aalender. Samstag, 28. August (14. Ellnl). Sabbat-Anfang in Frankfurt 6 ,Uhr 55 Min. (Gerneind'e), 6 Uhr 45 Min. (Religiorrsges.). — Sabbat-Ausgang in Frankfurt 8 Uhr 10 Min. (Gemeinde), Lllhfr! 5 Min. (Religionsges.). Wochenabschnitt: Ki-Scizei. Wochenaattesdienst morgens 6 Uhr 15 Min., nachm. 6 Uhr 30 Min. in den meisten Synagogen. kür kunstfertige Ausführung Prämiiert Düsseldorf 1902 HodemeHolerei feinen Anstrich u. Lackiernng führt preisweit aus. — Ia. Referenzen. — W. Beolter Hochstrasse 59. Tel. H 6866. Atelier Schäfergasse 15. Auswärtige Familiennachrichten. Gestorben. Viktor Ullmaim, 72 I., Bockenheimer Laubstraße 93. — Sälly Löwenberg, 72 I., Ostendstraße 27. — Adolph Kirsch, 78 I. Krtmlsurter KamMennnchrichte». Gestorben. Josephine Rothschild, geb. Goldschmidt, 72 I., ^)ffenbach. — Herrn. Heß, l>5 I., Karlsruhe. — Jacob Million, Gensinge». '£ Briefkasten. S. In Buenos Aires, der Hauptstadt Argen! iirieus, wohnen an 70,00» Juden. Eingesandt. Gesucht von ihren Ungehörigen werben Laon Aronsohn und Frau Felia A. ans Wilna, Israel Ran aus Griwn- Semgallen (bei Dünaburg). Gefl. Nachrichten an Rabbiner Dr. E. Ainnk-Berli». Allgemeine Mitteilungen. Die Firma Stempel-Hans Paul, Biebergas>.e, weißt ausdrücklich darauf hin, daß sie nicht identisch mit der Firma ähnlichen Namens in der Katharinenpforte ist. Letzte Berichte. Würz bürg, 23. Aug. 38. Ge » eral ver s a m inl n n g des j ü d i s ch e n L e h r e r v e r e i n s in B a y e r n. Der Vorsitzende, Lehrer Dingfelder -München, eröffnet«: heute früh 10 Uhr die außerordentlich stark besuchte 38. Generalversammlung, die gleichzeitig das Jubiläum des 40jährigen Bestehens bedeutet. Von den zahlreichen anßerbayerischen Gästen - verwandter Korporationen und anderer Organisationen brachte bann Lehrer Stein-Berlin als Mitglied des Hauptvorstandes Grüße des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jiid. Glaubens und Lehrer Rosenberger -Sinzhcini die des Jüd. Lehrervereirrs in Baden. In seinem nun folgenden Geschäftsbericht schilderte Dingselder die reiche Arbeit des letzten Geschäftsjahres (b. h. ab 1. Januar 1920). Neben der hohen Ziffer an Korrespondenzen sind es vor allem wichtige, umfassende Denkschriften und Verträge: Normalvertrag sür Anstellungen als Religionslehrer, Kantoren, die auch Nicht- Mitglieder» zur Förderung dienten. Prinzipiell ließ sich die Verwaltung des Vereins von dem Gedanken leiten, alle Angelegenheiten aus eigener Kraft zur Entscheidung zu bringen und erst in zweiter Linie andere Verbände heranznziehen. So wurden zahlreiche Eingaben an das Ministerimn für soziale Angelegenheiten, ans Kultusministerium gerichtet. . * Bei Inseraten wird 25°/o Teuerungszvschlag berechnet. Reue Jüdische Presse. ffiterdegtfther CoQnac 9 am XjjpHIl In den einschlägigen Geschäften der Genussmittelbranche wieder erhältlich. General-Vertreter: Oerbardt de Jangsen, rrantfnrt a. M.. STiddagtirasse 56» Telephon Hansa 1889. Autoteilen, Reparieren, Nenanlertigen ’:V: von Laubhütten empfiehlt gandweg 30, Gartenhaus. Ia. Beferenzea. — Gewissenhafte, schnellste Bedienung. Anzüge, Ulster, Paletots Nen-Anfertigang, Wenden, Umarbeiten innerhalb 8 Tagen za den billigsten Preisen prima Verarbeitung, tadelloser Sitz. ITBEIMAlSrir, Langestrasse 22. Kauf, Verkauf, Ausbesserung, Vervielfältigungen KetluiHninstr.il immiiimmmmttf 1. Stock. MOD. fhtbet 6t Stellenrermitt] Ffirsorge, Lange welbl 30 p.