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Neue jüdische Presse · 1920-08-27 · Heft 31 (27.8.1920) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 31 (27.8.1920)
Date
1920-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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jiiHUTmiiiimnnmiinnminnmnyunimiiiiniiiiiimniimmin; [ Lsthelnl wochenillch am Freitag. Äezügspreis pro Ltertesi j \ jahr: Zn Frantjurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, :; auswärts bei der Post abonniert Mk.3 .SO, ftei ins Haus 15 Pfg. : : mchr./AeiZusendung durch Streifband fürOeutschland Mk.20.00, : - für alle-übrigen Länder Mr.30.00jührlich, im Voraus zahlbar.; ^....................„........--..—..-.»-..,-.«,»»»»»»»»,»»»»»»„,»»„»»,»1- . Redaktion und Expedition : Frankfurt a.M, Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis : Inserlionsprels für die fechsgespalteneRonp.Zeile'MPfs.kic : : die Reklamezeile 2M.3.—. Lei Wiederholungen enitzrrecheader : : Rabatt. / Platz- und Datum-Lorschrist ohne Lerblndllchleit. / : j AnnoncenÄnncchme bei der ctzped.und in a. Annoncen-Lureaus. : I : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4S64. : 18. Jahrgang. Freitag, de» IS. Ellul §680 (27. Angnft 1020) «r. S1. Brnderkampf innerhalb der Orthodoxie. Die vor acht Jahren gegründete Aguda sJiSroel- Organisation hat es durch die Ungunst der Zeit bis heute noch nicht zu ihrem ersten Kongreß, der ihre Gründungsperiode abschließt und ein von der Gesamtheit ihrer gewählten Vertreter gutgeheißenes Programm ausstellt, gebrachr. Die Jniriatioe der Organisation ruht heute noch ganz bei der deutschen Orthodoxie, aus deren Mitte sie. entstanden ist. Ueber das Wesen der während der deutschen Okkupation im Auftrag der Agudas Jisroel von Rabb. Dr. PinchaS Kohn und Dr^.Carlebach in Polen begründeten Schlimme Emunei Jisroel^ die den polnischen Landesverband der Agudas Jisrcel darstellt und über 159,000 Mitglieder zählen soll, fehlt uns der lleberblick, — und was sonst in der Welt von der Agudas Jisroel vorhanden ist, sind nur hier und dort einzelne Ortsgruppen und porcrst noch keine eigentlichen Landesverbände. Tatsache ist jedenfalls: Die Zügel der Organisation haben ihre Führer i-k Deutschland. Aus.diesen Gründen ist der in Nürnberg äbgehaltene Delegiertentag. der Agudas Jsroel-Jugendorganisation, der von diesen Führern unter Zustimmung der Tagung beherrscht wurdevon ausschlaggebender Bedeutung. Denn die Führer haben jetzt klar und scharf Stellung genoinmen. .BiS Nürnberg bestand all die Jahre hindurch der Oefsentlichkeit gegenüber Unklarheit. Politisch geschulte Ohren hatten auch schon vorher aus den Aeußerungen der bestimmenden Persönlichkeiten heraus vernommen, wohin das Schiss der Aguda segelt. Doch allgemein war die Auslassung herrschend, die Aguda bedeute die Zusammenfassung aller Abtönungen der Orthodoxie zur Lösung gemeinsamer Aufgaben, sie wolle nicht eine bestimmte Färbung der Orthodoxie sein. * Diese Auffassung hat die Nürnberger Tagung zerstört. In dyn Verhältnis der Orthodoxie zur jüdischen Ge- 'sarntheit und ihren Gliederungen ist als unverrückbare Voraussetzung ausgesprochen worben, daß die Orthodoxie nur dort innerhalb jüdischer Gesamtheiten arbeiten darf, wo - das Thoragesetz verbindliche Grundlage ist. Die Aguda -will nicht nur ihr einzelnes Mitglied dazu erziehen, daß es sein Leben mit dem Thorageist durchtränke, sondern erwartet auch von ihm in seinem gesellschaftlich-politischen Verhältnis zur jüdischen Gesamtheit, daß es diese nur dort anerkenne, wo sie auf dem Thoragesetz basiert. . Dir Folgen dieses Standpunktes bedeuten Kampf gegen die Gemeindeorthbooxie, die in den Gemeinden, in den Bner-Brith-Logen usw. mit Nichtorthodoxen zusammenarbeitet und dort im Geiste des Thorajudentums Einfluß zu gewinnen sucht, und Kampf gegen den Misrachi, dem Ibas nationale Judentum das Feld ist, auf dem er gemeinsam mit andersdenkenden Brüdern jüdische Arbeit leistet. Die Gemeindeorthodoxie ist nicht organisiert, und deshalb hielt man es nicht für nötig, sein Pulver gegen sie zw verschießen. Ganz anders aber der Misrachi, der heute im jüdischen Leben ein Faktor von Bedeutung geworden ist.. Jacob Rosen heim, der Führer der Aguda, hat ihm jetzt offen in schärfster Form den Kampf angesagt. Er sprach es aus, daß er nunmehr zu der llebeezengung gekommen sei, der Misrachi müsse mit aller Energie bekäitchft werden, denn seine Idee sei nach Urteil rabbinischer Größen als dem Wesen der Thora widersprechend anzusehen und der Misrachi habe sich in Palästina immer mehr ins Schlepptau des Zionismus nehmen lassen, denn er entschied sich für das Frauenwahlrecht und kam in der Schulfrage zu Enllchließungen, die die Konsequenz seines Standpunkte, die Beantwortung für das Wohl und Wehe der jüdischen Gesamtheit mitzutragen, ist. 'Mit dem Frauenwahlrecht ist es wirklich eine amüsante Sache. Auf dem Nürnberger Delegiertentag der Aguda waren nicht nur Delegierte männlichen, sondern auch weiblichen Geschlechts vertreten. Es ist nicht einzusehen, ivarum, was der Aguda recht ist, anderen Organisationen der Judenheit nicht billig sein soll. Wenn sich rabbinische Größen des Ostjudentums gegen das Frauenwahlrechr in Palästina gewandt habenso haben sie wirklich damit nichc gesagt, baß sie in Deutschland ffe. l'eine: öffentliche Betätigung der Frau unter Männern sind. Nach, ostjüdischer Anschauung verlangt es die Sittschnkeit der Frau, nicht in der Oeffentlichkeit hervorzutreten, — und dieOrthodoxre der Aguda in Deutschland' hat mit. biefci: Änschaüuchj wie - mit" so vielen Anschauungen des Ostjudeiitums"gebroche:r Das zeigt eben, wie esauch auf dem Boden des Thorajudentums einen Spielraum gibt und wie niemandem das Recht zusteht, Juden, die treu den Schabbos halten, die bemüht sind, nach der Thora ihr Leben zic gestalten, nur deshalb als nicht vollwertige Thorajuden anzusehen, weil sie für die jüdische Politik andere Wege für richtig halten. Auch für Gemeindeorthodoxe wie für Misrachisten ist die Wleinherrschaft der Thora eine Selbstverständlichkeit; da die Thora aber leider in der Judenheit keine Alleinherrschaft «msübt, so suchen sie nach Wegen, ihren Einfluß zu stärken, sie diesem Ziele zu nähern. Auch die Führer der Aguda. sprechen vou einem Bcrpslichtungsgefühl einer jeden von einer jüdischen Mutter geborenen Seele gegenüb«, — sie bleiben aber die Antwort schuldig, wie sie dieser Verpflichtung gerecht werden. Gemeinbeorthodoxe und Dtisrachisten können die Antwort geben. - °, i Die Aguda, von der man annahm, daß sie die gesamte Orthodoxie umfassen wolle, hat sich nun zu einer Rumpsorganisation gemacht und dem ihr nicht folgenden Teil der Orthodoxie den Kamps angesagt. Uns schmerzt diese Tatsache aufs bitterste, wir hätten gern in der Aguda Seite an Seite mit unseren politisch andersdenkenden orthodoxen Brüdern gearbeitet, — wir selbst können jedoch die Tatsache nicht ändern, — und die sie ändern könnten, die wollen nicht. Ein Agudas JiSroel-Programm. In den dieser Tage erschienenen Blättern der Agudas Jisroel finden wir an erster Stelle einen Aufsatz von Arnold Merzbach, aus dem wir im Anschluß an unfern heutigen Leitartikel nachfolgende Mssprüche wiedergebcn: „Demut — nicht Stolz!" „Urteile nicht über deinen Genossen, solange D'.r nicht an seiner Stelle gestanden. Keine zwei Blätter gibts auf der weiten Erde, die sich gleichen. Und gewiß keine zwei Menschenseelen. Wer könnte das Widerspiel der Ursachen und Wirkungen im Denken des Menschen überschauen, daß er sich ein Richteramt anmaßte!" „Alle Referate und Debatten über soziale Angelegenheiten — über Palästina — über Nationalismus — übe: die jüdische Jugendbewegung — über die 'Notwendigkeit zu lernen — mutig beiseite schieben? Dafür aber: Gelegenheit zu Vorträgen und Aussprache schaffru über die Frage, ob wir den Sabbath richtig feiern — ob wir den Materialismus aus unserem Leben verbannt — wie wir die Sexualität verjüdischen — über Selbstzucht — über die Stellung zu den Künsten — wie wir die moderne Gesellschasts-Unsorm abschütteln — über die Ehrfürchtung der Eltern und Lehrer vom Standpunkte der Kameradschaft aus — was wir gelernt und wie wir gelernt." Wahrlich, dies wäre ein Programm für eine wirkliche Agudas Jisroel! Die jüdische Wellhtlfökouferenr i» Karlsbad. jSchluß.) Sonntag nachmittag sprach zuerst der inzwischen eingetrosfene So ko low. Nur in dem brüderlichen Zusammenhalten des ganzen jüdischen Volkes sehe er seine Rettungsmöglichkeit aus der gegenwärtige» furchtbaren Lage. Nicht die Geldgeber, sondern die Geldnehmer müssen über die Verteilung der Hilfsgelder beschließen. Die Konferenz habe politische Ausgaben: Die Hilfstätigkeit in der Ukraine, die Frage der Wanderung sind solche Aufgaben. Die Berichte über die Hilfstätigkeit in den einzelnen Ländern werden sodann fortgesetzt, und sodann wird zu den Referaten über die Formender Hilfstätigkeit uiw zu dem Referate Dr. Goldberg über die Kredit- und Bankfrage übergegangen. Montag, 9. MWst, wurden die Referate debattiert. Anitta Müller-Wien sprach über Kinderfürs o r g e. Motzkin teilte mit, daß der südafrikanische Fonds -über 140,000 Pflust» für die jüdischen Kriegsopfer des Ostens versüß, i;V; * In den weiteren Sitzungen wurde» die Debatten fortgesetzt und eine große Anzahl Resolutionen angenommen. In der Schlußsitzung — Freitag — wurde das Leutrnlorgan der jüdische» WetthUfSzeu1r«le mitSirStuartSamuelals Präsidenten und dem Sitz in London gewählt. Der Zentralrat mit Mitgliedern aus allen Ländern setzt sich wie folgt zusammen: Branrso n, Churgin, Oberrabb- Dr. Chajes, Oberrabb. Dr. Ehrenpreis, Abg. Farbstein, Dr. Hellmanu, Jefroikin, Dr. Jochelmann, Elieser Kaplan, Dr. Krämer, T-r. Klnmel, Dr. Bernhard Kahn, Lyon Kohn, Dr. Klee, Dr. Emil Margnlies, Model, Leon Moykin, Anitta Müller. Rabb. Dr. Niemirower, Prof. Dr. Hermann Pick, Dr." Rachnrielewitsch, Tr. Rosmarin, Dr. Sakkind, «>ir Stuart Samuel, Pros. D. Simonsen, Sliosberg, Minister Dr. Soloweitschi?, WladimirTemkin. AiorrMsche Jahresttrrfererrr (Schluß.) 3tus den weiteren Sitzungen sei nur das Wichtigste erwähnt: Dr. Hantke führte in seinem Referar aber die Organisation aus, baß diese jetzt ,.<160,000 @«ctel|«tle* zähle gegen 140,000 im Jahre 1913. " . Der von Boris Goldberg 'erstattet 'Finanzbericht über 15 Monate schließt mit 582,000 Pfund ab, ein« größere Summe, als die vorhergehenden 22 Jahre zusammen brachten. Das Geld kam in der Hauptsache aus Amerika, Kanada, -süd-Afrika und England. Es wurde ein Kommisfionsantrag angenommen, daß behufs Gesundung und Stabilisierung der Finanzen der Organisation die gesamten Ausgaben für die Ausrechterhaltung der Organisation und ihrer Arbeit ans politischem, organisatorischem, administrativem und propagandistischem Gebiet durch den Schekel vollgedeckt werden sollen. Ueber die Wahlen ist bereits berichtet worden. Auch einen Teil der Beschlüsse haben wir bereits wiedergegeben, es seien hier noch folgende mitgetellt: „Die Zahl der Delegierten für den nächsten Kongreß ist mit 350 bis 400 festzusetzen. Die Exekutive hat feftzustellen, auf wie viele Schekelzahler, ein- Mandat entfällt. Jeder Landesverband mit mindestens 1000 Schekelzahlern hat das Recht aus einen Delegierten. In Länder», in denen es mehrere Grrcppen gibt, die nur eine» D»lSgierten entsenden können, wird dieses Delegierte der stärkste» Gruppe entnommen. Landesverbände, die weniger als 1000 Schekel absühren, erhallen das Recht, sich mit einem anderen Landesverband zwecks Erreichung der notwendigen Schekelzahl zu vereinigen." „Die Zionistische Organisation soll dahin wirken,, daß eine alls'üdische interterritoriale Institution geschaffen werbe, welche dazu dienen soll, aus internationalem Wege, insbesondere aber vor dem Völkerbund, die bürgerlichen, politischen und nationalen Rechte in den Ländern, wo solche aus politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Gründen notwendig sind, z» realisieren, zu schützen und weiter auszubilden. In die;em Sinne begrüßt die Zionistische Organisation den Beschluß des Komitees der jüdischen Delegationen wegen Schaffung eines Waad Haarazoth aus demokratischer Grundlage." Bom Jüdische« NatiormlforrdD. Aus der Zionistischen Jahreskonserenz in London nahmen die Angelegenheiten des I. N. F. einen breiten Raum ein. Der Jahreskonferenz gingen zunächst mehrere Direktoriumssitzungen voraus- Hervorzuhebe« ist aus diesen der Abschluß von Bodenkäufen zwecKk Arrondierung jüdischer Siedlungen, wodurch sich der Grundbesitz des I. N. F. um 5200 Dunam vermehrt hat. Ferner ist aus dem ArbeiterhermstättenfondS für die Errichtung'von Arbeiterfamilienhäusern iit ernekt Jemenitenkolonieein Betrag von achttausend Pfund bewillig worden. In der von der Jahreskonserenz eingesetzten P qlä« stina-Kommission waren die Derhaydlungen über

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