Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 27 (27.7.1920)
- Date
- 1920-07-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«ettt 4. A.II.Tliysseii Stets Eingang IS* ■nnheiten in Tapeten 'MW Teppiche Läufer Vorlagen 20 Mene Malnserstrasse 20 Ecke WetBsfraaenstrasse. Telefon: Hanse 1784. Schelme nn» Narren «ft Mischen Kappen." (Bon Heinrich Loewe. Achter Band der „Weltbüchvc". 64 Seiten. 1920. Berlin, Welt-Verlag.) Inhalt: Schckm und Narr — Efrajim Greidiker — Mordche Rakewor und Schalke Feifer — Herschel Ostropolier — Amrazzim — Chelmer Neronim. Eine Monographie über bas Narrentum in der jüdischen Gasse. Die angeführten Beispiele zeigen, daß die jüdischen Narren und Schelme es mit ihren Genossen bei anderen Völkern sehr wohl aufnehmen können. Nachstehend einige Proben: „Ein Chelmer bekommt mitten in der Nacht ein dringendes Telegramm, er solle seinem Geschäftsfreunde Kt und expreß einen Posten Ware schicken, dessen dieser ^eud bedarf. Er seht sich sofort hin und schreibt chm einen Brief: „Ach kenn Aier Bakusche Witte) nit memall« san (erfüllen), wal in Chelem jchlnst men." .Herschel« hat einmal einem armen Talmudjünger gewünscht, Gott soll ihm eine Kalle mit drei Melles (Vorzügen) schicken. Sie soll sein schön, reich und meschiggc. „Zi wus 'sche Reb Hirsch» soll sie gur san meschigge?" „Schafte einer! As si wett san schein in rach in wett dich nemen, is sie doch meschigge." »Herschel hat eine zerkratzte Nase, will aber nicht zugeben, daß sttne Frau das getan hat. „Ich habe mich selbst in die Nase gebissen." „Was soll das heißen? Das ist doch unmöglich. Du kannst sie ja mit dem Mund gar nicht erreichen." „Ich habe mich auf einen Stuhl gestalt"', erwidert Herschel." Der SeagiMe ,»etter Teil: Der Fried ensschlnß (Bo« Georg Brandes. 140 Seiten. 1920. Gotha, Fr. A. Perthes, A.-G.) Jnhtckt: Kais« Probus — Mujahr 1919 - Dtt heilige Allianz — Die ftckustrielle Gefahr für Europa ~ Scheinfriede — Rundschau — Zeichen der Zeit - Fortwährendes Erdbckbeu — Gottesdienst im Tempel der Ideale — Klkunstsphantasien. Condilorel und Caft yniirfa Wendel Altegaase« TdafooB- 128*. 1# Wahrend der Sommermonate bis 10 Uhr ebenda geöffnet. Sein Oheim hatte das erste Jahr für ihn zu seiner äußeren Ausbildung bestimmt, seine Erscheinung abzuglätten, ihm die Sitten und Formen des Kreises, in welchem er lebte, beizubringen und ihn in den Künsten zu unterrichten, deren ein Mann nicht entbehren konnte, welcher mit der Wett zu leben hatte. Auch hier zeigte sich Pattika fähig und gewandt, dennoch aber sich auf das Notwendige beschränkend und überall das Wesentliche von dem Unwesentlichen unterscheidend. Als das Jahr vorüber war, trat er in das Geschäft seines Oheims ein, das and) sein Lebensberuf werden sollte. So freundlich fein Oheim ihn auch behandelte, so mehr sich Pattika eingestehen mußte, daß alle Anordnungen besseren nur väterlich, vernünftig und zu seinem Besten seien» so konnte er doch niemals ein Gefühl der Scheu, ja fast der Abneigung unterdrücken, und alle Borwürfe, die er sich selbst darüber machte, besserten diesen Schaden an seinem damaligen Leben nicht aus und bereiteten ihm nur fortgesetzte Kämpfe mü sich selbst. Um so lieber flüchtete er sich zu dessen Tochter U»do, die, so weit es die Etikette d«S Hauses und ihre in Anspruchs genommene Zeit, denn sie stand dem großen Hauswesen wenigstens der Form nach vor, chr erlmrbte, ihn gern bei sich sah. So fühüe Patrika sich auch an dieser dritten Stätte seines Jugendlebens zumeist allein und auf fick/ selbst angewiesen. Er hatte Zeft und Gelegenheit, viele Echfcchrung zu sammeln, tausendsättige Beobachtungen zu machen, und sein Geist besaß Ruhe und Kraft genug, um sie zu verarbeften. Nähere Freunde, die seinem Herzen teuer geworden, fand er nicht; denn die jungen Römer, mft denen er in Berührung kmn, stießen ihn durch, ihre Frivolität und Sittenlosigttit ab, und von seinen Brüdern ttaf er auch nur auf solche, welche, oberflächlich oder einseittg, eine innere Beziehung ihm nicht gewähren konnten. Je mehr er dicher in seiner Entwickelung fortschrftt, je edler und schöner er sich an.Geist und Körper ausbildete, desto mehr fühlte er sich von Udo angezogen, und desto wllllger widmete sie chm chre Zeft und Gunst und zeichnete ihn uuzwttdeutig aus. Freilich drückte es den jungen Mann, der 4M zu fühlen anfing, ein wenig, daß das ihm alttrsgleichx Mädchen chn zu bevormunden schien und . stets hon chm erwartete, daß er ihren Anordnungen willig Fotze K«e Jüdische ggecffe. Georg Brarckes, der KopenHagener Literat und jjtour» nalist von Weltruf, zeigt auch in seinem neuesten Werke sein Verblüffelches Wissen, seine phanomänale Belesenheit und seine meisterhafte Fassungs- und Kombiuattonsgabe, geleitet von einem gesunden Urtell und von tiefem Rechtsempfinden. Er "entwirrt die Maschen der Diplomatie, die vor, während und nach dem Kriege das Weltschicksal zu schmieden suchte und zeigt chre ttotz anscheinend größten äußeren Erfolges kurzsichtige Stümperei. ' Wir gewinnen hier nach dem Urteil eines Neutralen den Eindruck, daß die deutsche Diplomatte trotz ihres gerüttelt Teils Schuld ftei von dem Jntrigentum war, dessen sich die Ententemächte in unglaublichem Maße bedient haben, um ihren Machtgelüsten zu sröhnen. Wir möchten Brandes nicht in jede Einzelheit ieiner Urteile folgen. Wenn er, der Jude nach Geburt, doch nicht nach Denken, auf jüdische Probleme zu sprechen kommt, zeigt er z. B. Oberflächlichkeiten aus Mangel an Sachkenntnis. Das ändert jedoch nichts an unserut Urteil und an unserm Wunsch, daß das Buch die weiteste Verbreitung finden möchte. Menschen 1« Abgrund. (Roman von Jakob Fingermann, 280 Seiten. 12 Mk. R. Löwit Verlag, Wien und Berlin.) Die furchtbare entsittlichende Wirkung des Krieges entrollt sich vor den Augen des Lesers. Wir 'in Deutschland, die wir den Krieg außerhalb unserer Grenzen sich abspieleu sahen, können bereits ein trauriges Lied von dem Sinken der Moral singen, — doch Polen und Galizien waren fünf Jahre hindurch in wechselndem Spielball der Schauplatz des Kriegsdramas selbst! Der Dichter schildert die Berheermigen des Krieges an der Seele des galizischen Judentums. Es schneidet dem Leser ins Herz, zu sehen, wie die Berührung des Westens mft dem Osten dem Osten nur Fluch gebrachthat, wie die „Segnungen" der westlichen Kultur die Fäulnis in den Bau des Ostjudentmns brachten. Ein schwerer Vorwurf ist Fingermamr' zu machen: wer mit sittlicher Absicht Sittenschilderer sein will, darf nur schamhaft und verhüllt das Häßliche streifen, — Fingermann jedoch spricht ohne Scham aus, was nie genannt werden darf. Dr. Znnz: Die syuagogale Poesie peS Mittelalters (Zwkite, nach dem Handexemplar des Verfassers berichttgte nick durch Quellennachweise und Register vermehrte Auflage. Im Aufträge der Zunzstiftung herausgegeben von Prof. Dr. A. Freimann. 584 Seften. br. 20 Mk., geb. 28 Mk. und 40°/o Zuschlag. Frankfurt a. M., I. Kaufmann, Verlag.) Die Neuhnausgabe dieses heute noch unübertroffenen Werkes kann nur aufs lebhafteste begrüßt werden. Mcht nur der wissenschaftlich geschulte Lehrer, sondern auch der gebildete Laie wird das Werk "mit größtem Nutzen für bas Verständnis unseres Gottesdienstes, unserer Literatur und unserer Geschichte zur Hand nehmen. Besonders das Kapitel „Leiden", das wie eine mächttge Tragödie wirkt, kann des ttessten Eindrucks aus jeden Leser sicher sein, «eftöstliche Tichterklänge. (Jüdisches Lesebuch von Dr. Leo'Deutsch länder. 180 Seiten. Breslau, Priebatsch's Verlagsbuchhandlung.) Dieses illustrierte Lesebuch ist durch die deutsche Okkupation Polens und Litauens während des Krieges entstanden und sollte dein beutscheu Unterricht in den jüdischen Schulen Polens und Lüauens dienen. Es ist aber darüber hinaus ein empfehlenswertes Jugendbuch, das Heranwachsenden Knaben und Mädchen neben willkommenem Lesestoff mancherlei jüdische Anregungen; Kenntnisse und Erkenntnisse gibt. leiste und sie mit dankbarem Gehorsam aufnehme. Aber je länger dieses Verhältnis dauerte, desto sichtlicher änderte es sich.. Der ^reiche, umfassende Geist des Jünglings wuchs über seine Gönnerin hinaus, und der Mel seiner Erscheinung imponiertt ihr. Bald zeigte es sich, daß er ihr überlegen war, und dies reizte sie nur um so mehr, ihn durch, chre Anmut und Liebenswürdigkeit zu fesseln.' War es wirklich das Gefühl der Liebe, das in seinem Herzen sich regte? Oder war es das Bedürfnis für den Alleinstehenden, irgend ein Herz doch für sich schlagen zu wissen, und der Reiz der Schönheit, welchen die liebliche Jungfrau auch aus ihn ausüben mußte — immer inniger, fühlte er sich zu ihr gezogen, und er hing bald mit ganzem Herzen an ihr. Und Jddo verriet unzweideutig, daß der Vetter chr nicht gleichgültig sei. Andere gewahrten dies, nicht wenige mit Neid und Eifersucht, und bald verbreitete sich, das Gerücht, daß die beiden für einander bestimmt seien. Dies konnte auch, dem Vater nicht entgehen und Meschullam schwieg; er störte das Berhällnis nicht und behandelte Patrika mit immer größerer Freundlichkeit, mit immer sichtlicherem Vertrauen. So schienen die Dinge einem gewünschten Ziele Luzureiftn. Da trat plötzlich, ein Ereignis ein, das alle diese wohlgeschürzten Bande zerreißen sollte: Eines Tages befand sich. Patrika in dem Arbeitszimmer seines Oheims, wo dieser mit mehreren Männern vom höchsten Range in einer wichtigen Verhandlung begriffen war. Er bedurfte hierzu eines Dokumentes, und da er sich selbst nicht entfernen konnte, gab er Pattika den Schlüssel zu einem Schrein in einem geheimen Gemache, zu welchem niemand Zutritt hatte, mit dem Aufträge, das Dokument zu holen, dessen Lage und'Beschaffenheit er ihm genau beschrieb. Patrika fand das Dokument, und woltte eben den Schrein wieder schließen, als sein Blick auf ein anderes, daneben liegendes fiel, auf welchem er sosort die Handschrift seines Vaters erkannte und mit Erstaunen die Worte, las: „Meinem Sohne Patrika nach meinem Tode zu übergeben". Es durchfuhr ihn mit einem gewalttgen Schauer, und wie Blitze fotzten in seinem Geistt die Gtt»anken: mein Vater, an mich, und'man hat es mir vorenthalten? . Todesbläsfe bedeckte. Patrikas Antlitz, seine Hand ztttette, aber unbedenklich griff er nach dem Papiere und Nr 27.1 Rr. bekleid? nifche war la bettägt 4000 ii nicht c Kopenh I^chren heit a> fft eS Presse esse zu Hugi Langeatrasse 85. »fthsohild Telefon Hansa 8826.1 Leitschrlften. . Das Juniheft der zionistischen volkssozialistist Monatsschrift „Die Arbeit ist ein „Gustav La«> däuer-Gedenkheft". Es umfaßt auf 30 Seit Aufsätze von Martin Buber, Arnold Zwei, I. Lofban, Hans Kohn und Siegfried Le> man» über Landauer und Aufsätze von Landauer sel (»,Zum Beilis-Pxozeß", „Judentum und Sozialismus" uf».| Landauer wurde gerade in der Zett ein Opfer der deutsches Revolution, als er sich infolge des Mchtverstehens seine reinen, hochbeschwingten Absichten — .er erhoffte at Gegner Karl Marx^ und Anhänger Proudhons alles »»] der erzieherischen Beeinflussung der Mensche« — iw] jüdischen Problemen zuwandtt. Rattzen. Eiger Willomierski in Chicago hat seine wc volle jüdische Bibliothek der Jüdischen Nation, bibliothek in Jerusalem geschenkt. Die Gesellschaftzur Förderung der Wisse» schaft d es Judentum S hat Prof. Dr. Moritz So der« Heim-Berlin zum Vorsitzenden gewählt. Dr. N. M. RaÜ d an-Homburg ist in den Ausschuß berufen worden. “ Büro Sex Gesellschaft befindet sich fortan Berlin 2Lf S.eglttzerstraße 9. George Carle Buckle, der langjährige Leiter Times, hat bei Murrah die beiden Schlußbände seiner ßen Lcbensgeschichte Benjamin Disraeli's, de- „beispiellosen jüdischen Hexenmeisters", erscheinen lasstii Buckle schließt sein Werk mit folgenden Watten: „Disrael^ erscheint als eine gewalttge und großartige Figur, eins« ragend, wert hinaus über seine Zeitgenossen, — dieser M voll glühender Einbildungskraft, erfüllt von weiten tiefen Visionen, inmitten eine- Volkes von engen, \ tischen Geistern, philiströs, puritanisch verbohtt; sein Leb, erscheint zugleich Roman und. Tragödie, er selbst aber des größte btttifche Staatsmann seit Chatham und Pitt." Lßrantk. Der Senior der jüdischen Buchbändler in AmerU Jehnda «atzenelenbogen. der Pionier des jüdisch« BuchhandttS in Amerika, ist am S. April in BrooLyage^ den. Im Jahre 1886 kam er nach Amertta und begr' hier die erste groß« jüdische «erlagSanstatt und lung ,Hebrew Publishing Caw". Die Jude« tu DS»emark. Die ersten Juden kamen 1622 nach Dänemark; 1651 wurde die jüdische Gemeinde in Kopenhagen gegründet erhielten die Juden die Gleichberechtigung. '!="i 1814 1879 nehmen sie aktiven Anteil am öffentlichen Leben un» Wäsche-AusstattungenÄJÄ Spezialität: Narraii.Ob«rh«aJM nach Maas ] Defekte Wäsche wird sorgfältig repariert. Frankfurter Gross-Weissnähereil Langeatraaae 18, Hinterban. :: Tel.: RSmek 5308. ] n, Fischer Herma G steckte es in sein Gewand. Warum hat der Oheim mir dl nicht übergeben, sondern heimlich aus der Heimat mitgi nommen und verborgen gehalttn? . .Er verschloß dr> Schrein und das Gemach, kehrtt nach dem Arbenszimme des Oheims zurück und übergab diesem das Dokument Meschullam war zu sehr in die Verhandlung mit de! Anwesenden vertieft, um die verstörten Mienen seines Nessel zu gewahren, und dieser zog sich alsbald nach feistem Ge mache zurück. j, Hier las er die Schrift seines verklärten Batsrs. Mil jeder Zeile ergriff das Entsetzen immer stärker sein zucken, des Herz. Was mutzte er erfahren? Der schändlichste Verrat, von dem eigenen Bruder an seinem Vater ausgefühtt! Müh sam rang Patttka nach. Fassung ... , So hatte man seinen Battr um das Glück seines Leben! betrogen, so ihn zu einem die Menschen fliehenden Einsiedler gemacht und.so auch seine eigene Jugend vergiftet! Und dennoch hatte ihm sein edelmütiger Battr jeden Schritt der Rach«, jede Tat der Bestrafung gegen den Böswilligen und seine Helfer untersagt und ihm das Geheimnis nur mitgetcilt, um ihm Rechte zu überliefern, die er in der Stunde der Bedrängnis, aber auch nur dann, gellend machen könnte. Dieses Gebot seines Vaters stand ihm zu lebhaft vor dem Geistt, als daß er es zu halten sich nicht: geloben sollte. Auch jetzt war die Zeit hierzu noch nicht gekommen, aber in seiner ahnungsvollen Seele stand die Gewißheit, daß sie kommen werde, selbst wenn er die Vorteile nicht für sich sondern für andere daraus ziehen müßte. Er verschloß das Geheimnis tief in seine Brust. „Die Zeit wird kommen," rief er aus, „wer weiß wie bald, — du wirst gerächt werden, edler Battr, aber nur auf die Weife, die Du selbst gewünscht!" i Sein Entschluß war endlich gefaßt. Er konnte in diesem Hause nicht länger verweilen, nicht mehr unter einem Dache atmen mit einem Manne, der das Leben feines Battrs vergiftete. Emen Augenblick dachte er an. Jddo, — aber gleich darauf schüttelte er wild fern Haupt: „Hinweg, auch Du, auch Dein Bill» sei aus meiner Seele gerissen, alle diese Bande müssen gelöst tqerden, wie könntt ich ihr näher treten, der Tochter des. Mannes, den ich Hassel . . .." Gottsetzwtz fotzt.) I