Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 27 (27.7.1920)
- Date
- 1920-07-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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\ A. 9* FranksurierJfraelitisches Kamilienblatt j|iiiiiiiiiiinnmwniiiiiiiiiniiniiiiiiiinTiwiiiniii'imiiinuiiuiiwK i G-scheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel- :!.-jahr: In Frankfurt am Main bei der Neuen jüdischen Presse, : : auswärts bei der Post abonniert Ulf.3.50, frei ins Haus 15 pfg. j ■ mehr./Äei'Zusendung durch StreifbandfürDeutschland Mk.20.00,; : flr alle übn'gen Länder Mk.30.00jährlich,im Voraus zahlbar. : i-.—... Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2983 Herausgeber: Galy Geis aiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimBimiiiiiiuiiunniiiiwiiiiiiii - i Insertionspreis^filr die sechitzeKalteneRoiP.ZeileLM^, ßfr s : die Neklamezeile Mk.3.—. Lei Wiedecholongen entsprechender : ' : Äabatt. / Platz- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. \ : . : AnnoncenÄnnahme bei der^ped.und in a.Annonren>Äureaus. - : Konto bei dem Postscheckamt m Frankfurt a.M. unter Nr. 486». : ........... 18. Jahrgang. Dienstag, des 12. Aw 3680 (37. Juli 1930) Rr. 37 . Zionistische Jahreskonfcreuz. (Fortsetzung aus voriger Nummer.) Die Eröffnungssitzung wurde nach den Ansprachen von So ko low und Weizmann mit einer Rede von Ussischkin fortgesetzt. Nach einer kurzen Erklärung von Sokolow über die Notwendigkeit der Zulassung des jüdischen Volkes zum .Völkerbund, erhielt U s s i s ch k i n das Wort zu einer kurzen Ansprache- Er erinnerte an die Schwierigkeiten der jüdischen Lage in Palästina in den letzten acht Monaten und betanke demgegenüber, daß trotz aller Hemmungen und Enttäuschungen in dieser Zpi praktische und kulturelle Arbeit in Erez Israel geleistet worden sei. Ussischkin erklärte es für notwendig, im Verlauf von 12 Jahren eine Zahl von mindestens einer Million Juden nach, Palästina hinllberzubringen. Für das erste Jahr rechnet Ussischkin mit einer Einwandererzahl von 3 0 0 00 Mann. Die geldlichen Mittel . für die Arbeit des ersten Jahres bezifferte er auf 4 Millionen Pfund. Die geldliche und moralische Hilfe für bas Ausbauwerk, erklärte Ussischkin zum Schluß, wird ohne Zweifel vom G e s a m t judentum kommen. Dr. Bodenheimer schlügt der Konferenz vor, Justice Brandeis zum 'Präsidenten der Konferenz, Dr. Max Nord au zum Ehrenpräsidenten und Ing. Ussischkin zum Vizepräsidenten zu wählen. Mil der Annahme des Vorschlages schließt die erste Sitzung der Konferenz. Die NachmM«gSsitzung begann mit einer kurzen Ansprache von Justice BrandeiS» der auf die bevorstehende Riesenarbeit in Palästina und die Notwendigkeit ausopferungsvoller Hingabe im Dienste des Palästinawerkes hinwies. „Jetzt ist die Zeit der Tat gekommen; es ist nicht mehr Zeit für unverantwortliche Träumerei." Hierauf sprach Nord au in kurzen Ausführungen. ’ Er sagte: In deir letzten fünf Jahren hat das jiidische Volk nur klagen lind trauern können. Heute ist die Freude und die Hoffnung wieder in ihm aufgelebt. Das Volk sieht die Verwirklichung seines ZionS-Jdeals schon vor sich. Diese Zionistische Jahreskonferenz hat die Vertreter des ganzen jüdischen Volkes versammelt, sie stelle darum eine Vertretung der jüdischen Gesamtheit dar. Der Zionismus ist heute nicht mehr eine bloße Partei innerhalb der Judenheit der Welt, sondern eine Bewegung des ganzen jüdischen Volkes. "Hierauf Siieli Julius Simon ein großangelegtes Referat über », Tie Palästina-Arbeit. Wir können die aufschlußreiche Rede nur in zusammcnfassender Form wiedergeben. Simon sieht die drei Hauptfragen des Ausbauwerkes in Palästina in den Fragen 1. des Bodens, 2. unsererArbeitskräfte, und 3. des Kapitals. Zur Frage des Bodens: Die politischen Forderungen der nationalen jüdischen Politik sind zunächst folgende: 1. Soweit als möglich soll die durch Spekulation her-- vorgerufene Steigerung der Bodenpreise vermieden werden und die Wertsteigerung, die der Entwicklung der Gemeinschaft zuzuschreiben ist, soll der Gemeinschaft zugute kommen. 2. Soweit als möglich soll der Bdeon nicht von. kapitalistischen Besitzern)' durch Dritte bewirtschaftet werden, sondern von den Eigentümern selbst. Der Bodenkauf soll — wofür auch gute Aussicht und Möglichkeit vorhanden ist — von einer zentralen Stelle aus geschehen. Diese Aufgabe fällt dem Jüdischen Nationalsvnos zu. Wenn der Nationalfonds diese Aufgabe in weitem Umfange erfüllt hat, dann wird sich, auf diesem Wege das .Prinzip der Nationalisierung des ganzen; Bodenbesitzes durchsetzen können. Bei der Kolonisationsarbeit ist zunächst die Bewäss erung von großer Bedeutung. An zweiter Stelle steht der Eisenbahn- und Hafenba u, der vielen Arbeitern Gelegenheit zur Besthästigung geben kann. Weiter muß mit der, Aufforstung des Berg- und Dünenlandes in größerem Stile begonnen werden. Die dringendste Frage ist jedoch der Häuserbau, die Schaffung von Wohngelegenheite n für die Einwanderer) eine Arbeit, die für die erste Zeit als nationale; öffentliche Angelegenheit behandelt warben muß. Private Bautätigkeit allein kann den großen Bedürfnissen nicht in ausreichendem Matze genügen. Zugleich mit dem Häuserbau muß die Anlage und Gründung bangewerklicher Industrien in Angriff genommen werden. Alk diese Arbeiten werden die ersten Arbeitsgelegenheiten sein. Hier fängt eine der wichtigsten Fragen des Siedlungswerkes an: die Arbeiterfrage. Die Arbeiterfrage ist, um es vorweg zu sagen, u nsere nationale Siedlungsfrage, keine Frage der Konkurrenz zwischer jüdischer und arabischer Arbeit. Das Prinzip, auf dem die nationale Siedelung aufgebaut werden soll, ist das der S e l b st a r b e i t. Wir streben nicht nach einem Stamm landwirtschaftlicher Lohnarbeiter, sondern wir wollen erstreben für die Uebergangszeit den landwirtschaftlichen Arbeiter oder besser: die landwirtschaftliche A r b e i t e r g r u p p e, die so ausgerüstet und von unserem Kreditsystem ausgenommen wird, daß dem Tüchiigsten die Möglichkeit zur wirtschaftlichen Selbständigkeit als Kleinbauer gegeben wird. Im übrigen muß eine wohlorganisicrte nationale Fürsorgeeinrichtung für die Arbeiter inS Leben treten. Es muß das Arbeiterkonsumgenossenschaftswesen, die Arbeiterkrankenversicherung gefördert, eine Wohnungsfürsorge eingerichtet werden, um die Lebenshaltung der Arbeiter billiger zu gestalten, nicht aber berabzudrücken. Von besonderem Gewicht ist die Schaffung und der Ausbau des Kreditwesens im Lande. Was die Frage der Privatiuitiatide anbetrifft, so kann hier nicht unsere Aufgabe sein, uns über die industriellen und kommerziellen Möglichkeiten Palästinas auszulassen. Das zu erforschen, soll die Aufgabe eines besonderen technologisch-gewerblichen Dienstes werden. Zum Schluß ist die Notwendigkeit einer besonderen BersorgungSpolitik zu betonen. Den zweiten Hauptteil seiner Rede widmete Simon der Finanzfrage. Er stellte hierzu u. a. folgende Thesen aus: Leitung und technische Organisation unserer Finanzverwaltung müssen derart bestellt werden, daß sie die sachgemäße Verwendung aller jür die Palästinaarbeii zusließenden Gelder gewährleisten. Der Jewish Colonial Trust ist zuur zentralen Finanzinstrument der Organisation ausjubifben, und übt als solches die Kontrolle derjenigen Unternehmungen aus, welche im nationalen Interesse nicht der Privatinitiative überlassen werd-.m konnten. Innerhalb der Finanzen ist scharf zu scheiden zwischen Investitionen, bei denen nach geschäftlichen Grundsätzen eine Sicherheit sür Kapital und Zinsen gegeben ist und zwischen Mitteln, welche im nationalen Jickeresse gesammelt und aufgewendet werden, ohne für Zinsendienst oder Amortisation eine geschäftliche Sicherheit zu bieten. Das Bankgeschäft der Anglo-Palestine Company ist im großen Stil in London und Palästina auszubauen. Für die ersten zwei Ko lonisationsjahre ist ein Betrag von acht Millionen Pfund aufzubringrn. Der ganze Betrag soll als Teil eines großen Spendenfonds gesammelt werden. Don der anderen Hälfte des Fonds soll der größere Teil in permanenten Kapitalswerten in Palästina erhalten bleiben. Der Spendensonds ist unverkürzt sür das Kolonisationswerk in Palästina zu verwenden. Die aUgemeinen Administrationskosten der Organisation müssen aus Schekelgeldern und eigens hierfür bestimmten Beiträgen der organisierten Zionisten bestritten wecken. Auf Simons sachlich überaus wertvolle Rede folgten längere Ausführungen von Raiditsch über den WiederausvaafoudS. Naiditsch verlangte die Schaffung eines Fonds von 25 Millionen Pfund für die Arbeiten des Wiederaufbaues von Palästina. Die Ausgaben sollen teils rückzahlbar, teils nicht rückzahlbar fein. Die letzteren sollen unter anderem folgende Arbeiten in sich einschließen: 1. Emigration und Immigration und zwar Wanderungsstationen, Wohnstätten für die Wanderer, medizinische Hilfe usw. 2. Professionelle Schulen für Landwirtschaft, technische Arbeiten usw. 3. Organisierung von Schutz, Sicherheit. und öuentkichSr Ordnung in Palästina. Die rückzahlbaren Ausgaben umfassen folgende Arbeiten: Die Kultivierung des Bodens, Trockenlegung der Sümpfe» Bewässerungsunb Aufforstungsarbeitcn usw. Die 25 Mllionen Pfund für den WiedcrausbausondS sollen nach dem Grundsatz des, „Maaßer" ausgebracht werden. Jeder vermögende Jude soll zehn Prozent seines Vermögens sürden Wiederausbaufonds hergeben; die, welche kein Vermögen besitz«^ sollen eine Mgabe von ihrem Einkommen oder ihren Ausgaben leisten. Es ist geboten, daß für die Zeit der Sämm- - lung des Wiederausbaufonds alle anderen Sammlungen, mir Wrsnahme des Nationalfonds, aussetzen. Der zweite Tag der Konferenz umfaßte ebenfalls zwei Sitzungen, deren Verlauf wir noch in unseren weiteren. Berichten ausführlich darstellen werden. Me Schulfrage. Wie uns soeben mitgeteilt wick, war die Schulfragei aus der Jahreskonferenz Gegenstand einer sehr lebhaften- und eingehenden Debatte. Es standen sich als Gegner zwei Gruppen gegenüber: auf der eine» Seite der Teil des Misrachi, der für ein getrenntes Schulwerk eintritt, auf der anderen Seite die Gruppe Ussischkin, die ursprünglich zu einem Zusammenarbeiten mit den Orthodoxen auf dem Gebiet der Schule ebenfalls wenig bereit war. Nach längeren Verhandlungen, die vor allem der Initiative der von Herrn Dr. Rabin angeführten Einigungsgriwpe des Misrachi zu verdanken sind, kam es zu einer Berskan» digung. Nähere Mitteilungen hierüber stehen noch aus. Zionistische Massenversammlungen in LnnSan Anläßlich der Zionistischen Jahreskonferenz stoch eine ■ imposante Massenversammlung statt. Als erster Redner ergriff Balfour das Wort, von den Anwesenden mit stürmischen Ovationen begrüßt. . Er gab. seiner Freude darüber Ausdruck, daß das jüdische Volk wieder in die Lage kotnmen werbe, auf eigener Heimstätte als wichtiger Kuktursaktor seine Mission zu erfüllen. England habe sein Wort gehalten und werde es auch weiterhin halten, nun liege es am jüdischen Bold: selbst, die Aufgcche, nach der es sich seit Jahrhunderten sehnt, jetzt, nachdem sie ihm übertragen ist, so zu lösen, daß daraus dem Judentum das langersehnte Glück erwachse und gleichzeitig auch für die übrigen Bewohner des Landes wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung erblühe. Es sprachen noch Lock Cretve, Lord Robert Cecil, Major Ormsbv-Gore, die Großrabbiner von ' England Dr. I. H. Hertz, Weizmann. Sokolow. Ussischkin, Nord au und James de Rothschild. Der „Misrachi" in London veranstaltete eine große, überaus eindrucksvoll verlaufene Versammlung, auf der Hermann Struck, H. Farbstein, G. Buhlik und der Robbe von Sadagora sprachen. Zur Mische» Lage i» Litauerr- 8ii»e Mische Statistik. — Die ForSernngeu »er jttifche» Minderheit. Das „Ministerium für ° jüdische Angelegenheiten" in Litauen hat, wie wir dem in Wilna erscheinenden „Tchk" entnehmen, eine interessante Statistik über die jüdische ^Bevölkerung in Litauen zuscrmmengestellt. Aus diesen Mitteilungen geht zunächst hervor, daß die Judenheit des Landes in seinem heutigen Umfang (d. h. ohne Wilna und Grodn» und andere Städte) auf 187 Städte und Niederlassungen! verteilt ist. Um nur die größeren Städte deS Landes zu nennen, hat Kowno eine jüdische Bevölkerung von 23,031 Seelen, Poniewiesz 8000, Schaulen 6765 und Wilkomir 5400 jüdische Seelen. Insgesamt kebenin LitauenA etwa 144,500 Juden. Die Berufsstatistik der litauischeu Jude» ergibt das folgende BiÜ>: Nahezu die Hälfte der jüdischen Bevölkerung — 48,7 Prozent — erscheint in den Berufen des Handels. Am Handwerk nehmen 21,3 Prctzent tell. In der Landwirtschaft sind 7,8 Prozent tätig» während in der im allgemeinen nur. sehr schwach entwickelter Industrie kaum ein Prozent aller Juden arbeitet, Ern Teil - der jüdischen Bevölkerung, 7,5 Prozent» verdient als Tagelöhner -seinen Lebensunterhalt. Der Rest verteilt sich auf die freien Berufe (5 Prozent), auf Rentner (2.2 Prozent) und Leute, die vyn WohltättgkeitSgeldern leben (6)6 Prozent). Ihr weiteren Mitteilungen wick sestgestellt, daß in dem kürzen Zeitraum Februar—Mir