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Neue jüdische Presse · 1920-07-16 · Heft 26 (16.7.1920) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 26 (16.7.1920)
Date
1920-07-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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4 Nr. 26. Neue Mische WGe. Seite 5. Er aber wußte es nicht, Änd als er hinausging auf die Straße, rief ihm jedermann zu: „Sieh da der Löwe!" „Vielleicht bin ich wirtlich ein Löwe," dachte der Esel. Und da man Sehnsucht nach einem Löwen hatte, machte man ihn schließlich zum König oder Präsident. Bis eines Tages der richtige Löwe im Wald erschien. Und jedermann rief wiederum: „Sieh da der Schlemihli" (Nur die Nachtigall, die voller Sehnsucht war, erkannte ihn.) Er aber ging hin und zerschmetterte den Thron des Esels und zerriß seine Löwenhaut, daß der Esel zu Tage trat. Plötzlich fühlte er einen Drang nach Einsamkeit und ging wieder in seine Wüste. Literarische Rundschau. «Scher »am Sozialismus. Den Sozialismus in seiner ganzen umwälzenden Bedeutung für Gegenwart und Zukunft haben nur wenige Werke der letzten Jahre dargestellt und gewertet. Ein umfassendes Werk wie das Robert Wilbrandts: „Sozialismus" (Jena, bei Eugen Diederichs, 1919), das die Grundsrage der Zeit in ihrem ganzen Umfang ausrollt und beleuchtet, ist darum in jedem Fall von hohem Äufklärungs- und Bildungswert. Wilbrandt, der Tübinger Soziologe, sucht Wesen und äußeres Gesicht des Sozialismus als weltgeschichtlicher Bewegung in großzügiger Darstellung zu enthüllen. Als Wurzeln des sozialistischen Werdens legt er bloß die soziale Unruhe, bedingt durch daS Elend 'der Massen, und weiter die hierbei ursächlich wirkende „Unwirtschaftlichkeit der Wirtschaft". Als Heilmittel und Lösungsweg nennt Wilbrandt' die umfassende, ungesäumt zu verwirllichende Gemeinwirtschaft, deren Grundlage und Unterbau durch die Sozialisierung geschaffen wird. Mit UeberzeugungSkraft, mit Leidenschaft spricht er die Ergebnisse seiner Erforschung und Untersuchung des Problems aus. Klar formuliert er seine Gedanken, seine Bejahungen und Verwerfungen; zumal da, wo er die Entwicklung im Kriege, vor allem aber nach der Revolution bespricht, wird seine — sein stilisierte — Sprache von eindeutiger Schärfe, von Bekenntniswillen und -mut beherrscht. Obwohl in seinem soziologischen Denken zunächst durchaus an Marx geschult, macht sich Wilbrandt doch im Verlauf semer Untersuchung und Ueberprüfung der Dinge frei von der Ueberbewerkung der materiellen Kräfte in der geschichtlichen Entwicklung. Wo er in dieser Erkenntnis von der entscheidenden Bedeutung der seelischen Einstellung zu den Fragen des Sozialismus spricht mit verhaltenem Pathos und tieferer Wirkung —, wird man seiner großen Wahrheiten bejahungswillig inne und wird innerlich zu neuer Hoffnung ermutigt. Zu dem sehr anziehend geschriebenen, weil durchaus mit persönlichem Leben erfüllten, darum auch nicht bedingungslos aufzunehmenden Werk Wilbrandts bildet fein Gegenstück nicht in Grundauffassung und -bekenntnis, wohl aber in der Untersuchungsweise ein schon früher erschienenes Buch von Edmund Fischer: „Das sozialistische Werden" (Leipzig, Beit u. Comp., 1918). Die Grundtendenzen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Deutschland und der übrigen Welt zeigt Fischer an statistisch erfaßten Ergebnissen und Ereignissen der letzten Jahrhunderte bis auf die Gegenwart. Ein großer Ueberblick über die Gestaltung der sozialen Dinge in der Welt seit der Herausbildung der kapitalistischen Wirtschaftsform wird in dem wohlgegliederten Werke gegeben. Um des reichen, hier zusammengctragenen Materials, um der ruhig - sachlichen Art der zusammenfassendcn klaren Darstellung willen wird der um eine sachliche Kenntnis des Sozialismus Bemühte diese?. Buch wählen und mit Gewinn benutzen. Wer aber dann vom lebendigen Geist der sozialistischen Idee einen Hauch verspüren will, der lese Wilbrandts Buch. K. Schalkowitz. Notizen. Der „Misrachi" in Wien hat einen Bortrag von Oberrabbiner Jakob Hoffmann über „Erez Jisroel und die gesetzestreuen Juden" in Form einer Flugschrift veröffentlicht. Offenbacher Drnckloit-Anlage Offenbaoh a. ■. Telefon 123. , Unttbertroffene Teppichrein] gang mittelst Druckluft I Woche»-Sale»der. Samstag, 17. Juli (2. Aw). Sabbat-Anfang in Franffurt llh (Gemeinde!, 7 Uhr 50 (Religionsges.). Sabbat-Ausgang in Frankfurt 9 Uhr 20. Wochenabschnitt: Mattaus und Massai. Samstag, 24. Juli (9. Aw). Sabbat-Anfang irr Frankfurt (Gemeinde), 7% (Religionsges.). Sabbat-Ausgang in Frankfurt 9f4 Uhr. Wochenabschnitt: Deworim. Sonntag, 25. Juli: Tischo b.Aw. ftttvlftttter Aa«Uie»»achrich1e«. Barmizwos. Josef Schwarz, Thüringerstr. 33, Synagoge Friedb. Anlage. — Moritz Blumenthal, Hölderlinstraße 27, Harry Mühlfelder, Ostendstr. 31, Synagoge Börneplatz. Auswärtige FamUieuuachrichte». Geboren. E. Sohn, Leo Weil (Homburger), Saarbrücken. Verlobte. Erna Levy, Hechtsheim mit Sally Hirsch, Alzey.. — Erna Salomon, Essen mit Fritz Strauß, Düsses dorf. — Bia Schragenheim, Breslau mit Mor. Salomonskt Berlin. Gestorben. Josef Heidenheimer, 76 I., Würzburg. Sperrte». Bei der Nationalfondskommission (I. Heimann, Zeit 21, Postscheck 41441) gingen ein: Palästina - Aufbau. Friedrich Schott zum Jahrzeitstage für s. sel. Mutter am 26. Tamus 300.— J0, Josef Rotschild ' 100.— „ Allgemeine Mitteilungen. Commerz- und Disconto-Bank Hamburg-Berlin eröffnet! Frankfurt a. M., Schlllerplatz 5/7 eine Zweigniederlassung: Die Leitung Der neuen Filiale wurde Herrn Direktor Friedrich Schünemann und den stellvertretenden Direktoren Herren Carl Goetz und Siegfried Gutmann übertragen. Äks Prokuristen wurden die Herren Waller Faul. Dr. Ernst Hecht und Hermann Schilling bestellt. 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