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Neue jüdische Presse · 1920-07-16 · Heft 26 (16.7.1920) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 26 (16.7.1920)
Date
1920-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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FrankfurterIfmelitisches Familienblatt | Erscheint wöchentlich am Freitag. Sezugsprels pro Viertel. :? fahr: In Franksurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presse, : j auswärts bei der Post abonniert Mk.3L0, frei inS Haus 15 pfg. : mchr./ÄeiZusendung durchStreifbandfürDeusschland Mk.20.ov, : für alle übrigen Länder Mk.30.00sährlich, km Voraus zahlbar. : Redaktton und Expeditton: Frankfurt a.M., Langestraße 1 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis UUIIII1II1IUI. I Insertionspreks für die sechsgespalteneRonp.ZeilelMDtz., für : die Reklamezeile Mk.3.—. Lei Wiederholungen entstrrechttider : : Rabatt. / Platz- und Datum.Vorjchrtst ohne Verbindlichkeit. / i : Annoncen-Annahme bei der ltzped.und in «.Annomen-VureauL! : Konto bei dem Postscheckamt in Franksurt a.M. unter Nr.«SL. i .. 18r Jahrgang. Freitag, de» 1. Aw 5680 (16. Juli 1930) Nr. 30. llJitr gefällige« Beachtung! Die beiden nächsten Nummer« erscheine« wie folgt: Nr. 27 kommt Dienstag, 27. Juli, nachmittags zur Berfeudung, Schloß für Inserate Montag, 26. Juli, früh HUHr. Nr. 28 kommt Donnerstag, 5. August, nachmittags zur Versendung, Schluß für Inserate Mittwoch, 4. August, früh S Uhr. Zionistische Jahreskoufereuz. Einige Tage spater als ursprünglich vorgesehen, hat am 7. Juli die Zionistische Jahreskonferenz in London begonnen. Zum ersten Male seit mehr als sechs Jahren sind wieder die Vertreter der Zionistischen Weltorganisation aus faft allen Ländern versammelt, um über die Politik der Vergangenheit Rechenschaft zu erhalten, um ein Bild von der Lage im gegenwärtigen Moment zu gewinnen, vor allen Dingen aber, um über die Ziele und Wege der zionistischen Bolksarbeit für die Zukunft zu beschließen. Unser aller Wunsch ist in diesen Tagen, .daß . die Konferenz zu der notwendigen fruchtbaren ilnd ermutigenden Klärung über die allgemeinpolitischen Dinge ührt und Klarheit über die politischen, wirtschaftlichen und * sozialen Notwendigkeiten der Zukunft gewinnt und schafft- Nachstehend geben wir den ersten uns zugegangenen Bericht über den Konferenzbeginn wieder» Die Eröffnung der Zionistischen Jahreskonferenz fand Mittwoch, den 7. Juli, vormittc^s IO1/» Uhr in Memorial Hall katt. Der große Sitzungssaal war mit.blau-weißen Fahren reich geschmückt. Ueber der Präsidentenestrade hing ein von einem blau-weißen Magen David umrahmtes Herzlbild. Auf der Präsidententribüne nahmen die Mitglieder der Exekutive und des Großen Aktions-Komitees Platz. Den Vorsitz übernahm Nahum Sokolow. Sokolow leitete die Tagung mit einer hebräischen Anprache ein. Nach langer, drückender Trennung, begann r, sind wir heute wieder brüderlich vereint unter dem Redlichen Banner Zions. Infolge der Ungunst der alllemeinpolitischen Verh.ältnisse haben wir zunächst nur die Zahreskonferenz einberufen können, nicht, wie wir ebhaft gewünscht, den allgemeinen Kongreß. Diesen Kongreß hoffen wir jedoch in naher Zukunft zusammenrufen ,u können. Die Bedeutung dieser Jahreskonferenz liegt in erster Linie schon in der bloßen Tatsache ihrer Abhaltung. Sie bezeichnet die Rückkehr der Zionistischen Organisation zu ihrer regelmäßigen Geschäftsordnung. Ein zweites wichtiges Moment an dieser Versammlung ergibt sich aus ihrem Tagungsort. Bor 20 Jahren «öffnete unser größter Führer, Theodor Herz l, den zwnistischen Kongreß in dieser Stadt. Nun stehen wir mitten in der Verwirklichung des ZioniSmus. Palästina ist sich selbst und Israel wiedergegeben. Dies bedeutet den Sieg einer edlen und großen Sache. Unsere großen politischen Erfolge haben >vir de, Haltung der politischen Mächte zu verdanken, Frankreichs, Jtaliens, der Bereinigten Staaten, in erster und entscheidender Linie «wer der Unterstützung und Anerkennung unsrer Forderungen lntrch England. Ebenso sehr ist die Durchsetzung unseres 'Palästinaprogramms der heroischen^ festen Haltung unseres ganzen Bottes zuzuschreiben. In einem braven wir uns alle einig, in dem. Wunsch und Willen Erez Israel wiederzugewinnen und es in seiner alten Größe _wieder auszubauen. Die Bekundung dieser Einigkeit war für — die Durchsetzung unserer Ideen don großer Bedeutung. Nun, nach den entscheidenden Beschlüssen von San Remo haben wir eine schwere Aufgabe vor uns. Ohne Einigkeit können wir nichts erreichen. Einig aber können wir sicher sein. Wir fordern, schloß Sokolow seine Rede, das ganze jüdische,. Doll auf zur Mitarbeit für den Ausbau Palästinas, zur Einsetzung all seiner Kraft für die Erreichung dieses großen Ziels. Nach Sokolow sprach Weizmann in längeren Ausführungen. Zunächst wies er «mf die außerordentliche Bedeutung dieser Jahreskonferenz hin und betonte die Wichtigkeit der Aufgaben, die sie zu erfüllen habe. Die Entscheidung von San Remo sei das bedeutsamste politische Ereignis in der ganzen. Geschichte der zionistischen Bewegung, ja — man dürfe es ohne Uebertreibung behaupten — das umwälzendste Geschehnis in der ganzen jüdischen Geschichte seit Beginn der Diaspora. Zu danwn seien die Erfolge des Zionismus in weitem Maße den verbündeten und assozierten Mächten. In erster Linie gebühre dieser Dank den Staatsmännern und dem Volke Großbritanniens, das die jüdische Sache mit Worten und. Taten unterstützt, gefördert und ihr mit zum Siege verhelfen habe. Die Namen von Mr. Balfour und Lloyd George seien jedem ^Einzelnen als Freunde und Verfechter der nationalen jüdische» Idee bekannt. Ebenso habe sich auch Lord C u r z o n, der Staatssekretär des Auswärtigen, um die Durchsetzung der zwnistischen Forderungen hohe Verdienste erworben. Die politischen Voraussetzungen für den Beginn unseres Werks in Palästina seien heute gegeben. Am jüdischen Volke liege es nun. die wirtschaftlichen, geldlichen und geistigen Mittel für die eigentliche, gewallige Arbeit bereitzustellen und herzuschaffen. Die britische Regierung habe die politischen Vorbedingungen für den Wiederaufbau des jüdischen Palästina geschaffen. Vom jüdischen Doll, von seiner Entschlossenheit und seinem Opfermut hänge es nun allein ab, ob Palästina sein eigen werde oder nicht. Auf fremde Unterstützung dürfe nicht gebaut werden; bloß auf sich und die eigne Kraft dürfe sich das Volk verlassen. Die Welt werde auf die Haltung des jüdischen Volles bei dem Palästinawerke mit wachsamem Auge blicken. Und sie werde danach wie nach den greifbaren Ergebnissen der zionistischen Arbeit ihren Kredit und ihre ganze Hallung einstellen. So habe die Konferenz drei Aufgaben: 1. die Annahme des Arbeitsplans der Leitung, 2. die Beratung der Mittel zur Aufbringung der nötigen Gelder, 3. die Anpassimg und Umbildung der Organisation für die Lösung dieser Ausgabe. Der Wunsch der Leitung sei, die Kolonisation baldmöglichst im großen Stil zu beginnen. Das Land müsse zunächst mit einem Bewässerungssystem versehen und gründlich saniert werden. Gleichzeitig damit werden in immer wachsendem Umfange die übrigen Kolonisationsarbeiten begonnen werden. Die kulturelle Tätigkeit im Lande müsse hier gleichfalls einsetzen. Mit den Arabern müsse und könne man sich verständigen und sich zu gemeinsamer Arbeit zum Wohl des Landes und seiner Bevölkerung zusammenfinden. Die Aussichten für eine Verständigung und Annäherung zwischen den beiden Nationen seien nicht gering. Die schwierigste und wichtigste Frage sei heute die Geldfrage. Das jüdische Volk könne sie aber lösen, wenn es seine geglichen Mittel in weitestem Maße für das Paläftinaw«ck zur Verfügung stelle. Die Frage der Umbildung der Organisation entsprechend den neuen Voraussetzungen für die zionistische Arbeit müsse die Konferenz erörtern und zu lösen suchen, ebenso wie die Frage der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, z. B. der Jca, in Palästina. Zum Schluß seiner Rede berührte Weizmann die Ereignisse in Jerusalem unmittelbar vor San Remo. Er gedachte in ehrenden Worten all derer, die in Verteidigung der Reinheit des jüdischen Namens in Palästina gefallen sind. Er forderte die Freilassung Jabotinskys und drückte dann den Wunsch aus, daß das jüdische Regiment in Palästina von der englischen Verwaltung im Lande auf» rechterhalten werde. Die Rede schloß mit einem Hinweis auf die Größe und Schwere der Verantwortung, die auf der Konferenz ruhe. „3000 Jahre der Vergangenheit und unzählige Generationen dev Zukunft sehen aus uns und unser Werk. Es liegt an dieser Konferenz, durch ihre Taten zu zeigen, dich wir unserer Ahnen nicht unwert sind und daß unsere^achkommen uns segnen können!" (Weitere Berichte folgen.) Einzelheiten van »er Koufereuz. - Die Konferenz ist von 38 Ländern (und einzelne« Landesteilen) mit insgesamt 255 Vertretern beschickt. AuL Amerika allein sind 40 Vertreter erschienen, aus Polen 30, aus Deutschland 10. Bon den einzelnen Föderationen.ist der Misrachi mit 40 Mann am stärksten vertreten-, Bon den Poale Zion find nur 10 Vertreter zur Konferenz entsandt worden — (aus England, Palästina und den Bereinigten Staaten). Delegierleutag der Zionistische» Bereinigung für Deutschland. Die Referate »es DelegiertentagS. (Fortsetzung.) Dr. Victor-Hamburg referierte über Gemeinde- Politik. Er fühäe aus: Aufgabe der Gemeinde ist die lokale Wahrnehmung und Vertretung der jüdischen Gesamtinteressen in Deutschland. Die wichtigsten Aufgaben der Gemeinde sind: A. Kulturelle: a) jüdische und hebräische Erziehung der Kücker und Fortbildung der Jugend (hebräische Kiickiergärten. jüdische Schulen und Fortbildungsschulen); d) Pflege der jüdischen Wiffenschast; c) Förderung des Turn- und Sportwesens. 8. Politische: Vertretung der bürgerlichen und politischen Reihte der Juden. 6. Soziale Fürsorge als Ergänzung der staatlichen, v. Aufbau Palästinas. E. Kampf für die bürgerliche und nationale Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern F. Soziale Fürsorge für die Juden aller Länder. Nach der Ansicht der Assimilanten ist die Gemeinde nur eine Religionsgemeinde. Dem ist jedoch nicht so. Erst die Emanzipation und Reformbewegung haben die alte nationalreligiöse Gemeinde gesprengt. Bis dahin lagen in der Hand der Gemeinde neben der Verwaltung des Kultus auch das gesamte Schul- und Erziehungswesen, das Polizeiwesen, die Gerichtsbarkeit in bürgerlichen Streftsachen, zum Teil auch die Strafjustiz. In allen Gemeinden gaÜ das gleiche jüdische Recht. Freilich war daS Judentum auch religiös einheitlich. Die Auffassung der Assimilation, als wenn die jüdischen Gemeinden Deutschlands nach der Emanzipation nichts anderes als reine Kultusgemeinden seien, kann durch d« Trennung von Gemeinde und Kultus in Hamburg und das Bestehen der weltlichen Hamburger Gemeinde nicht schlagender widerlegt «erden Reben dieser theoretisch« Bedeutung hat die wellliche Gemeinde den gewaltige« Vorteil, daß die Einheit des Ardentums in ihr gewahrt wird und Alle Schichten des Judentums einträchtig Zusammenarbeiten können, ohne in religiöse Differerye« zu geraten, die niemals durch Mehrheitsbeschlüsse aus der Well geschafft werden können. Die ftanzösische Revolution hat den Böllern der Erde neue Staatsformen gegeben. Sie hat mit den Adelsvorrechten aufgeräumt ruck überall der Demokratie zum Siege verholfen. ' Den Juden aber brachte sie mit der persönlichen Emanzipation und Gleichstellung die Auslösung ihrer national« Organisation und die Ablösung der seit Jahrtausenden in den Gemeind« herrschenden Demokratie durch eine plutokratische Qbigarchie. An der Spitze der Gemeinden standen früher die frömmsten und gelehrtesten Männer der Gemeinde und gab« ihr ein glänzendes Vorbild. Jetzt wurd« sie abgelöst durch Männer, die sich weder durch Frömmigkeit noch durch Gelehrsam Kit auszeichnet«, die kaum in den Gotteshäusern gesehen wurd« und sich» oft. die eigen« Söhne der Taufe zuführten, ohne von der Leitung der Gemeinde zurückzutreten Gerade diese TYP« von Gemeindevorstehern waren es aber» die überall, besonders gegenüber Rlchftuden. immer wieder betonten, daß - das Judentum einzig mü» allein eine religiöse Gemeinschaft sei. Dieser paradoxe Gedanke beherrschte die

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