Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 23 (18.6.1920)
- Date
- 1920-06-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23. «eite 4. A-Wl-TOy»»«* Stete^Eingäng •Ür Noulieiteir in Tapeten -WU" Teppiche Läufer Vorlagen 20 Neue Mainzerstrasse 20 Bcke’WeissfranenstraBBe. Telefon: Hansa 1784. füljmi dürste^ ein Hotel und hat es bisher verstanden, seinen Gästen den Aufenthalt in jeder Weise angenehm zu gestatten. Dchck seiner vorzüglichen, windgeschützten 'Lage und gut gepflegten Wege in der Ebene und Höhe iftHjier der Aufenthalt für Kranke und Gesunde empfehlenswert. Es ist unmöglich, in lurzen, gedrängten Worten nur eine annähernde Schilderung dieses einzigartig, großartigen und abwechsluntzsrcichen 'Alpen - Panoramas zu geben. Dahier, möchte ich nur in kleinen Umrissen ein Bild entwerfen, wie es sich vor unseren Augen entrollt. Ich wandere durch schmale .Pfade, rings von tiefen, undurchdringlichen nach allen Seiten sich 'ausdehnenden Wäldern mit unsagbar mächtigen Tannen umgeben; von einer Lichtung gewahrt man in weiter Ferne steile, massige zum Himmel ragende Felsen, auf deren'Gestein tiefschwarz schimmernde Bäume hervörwachsen und im Hintergründe die Graubündener Alpenketten, Berggipfel in jeder Höhe mit ewigem Schnee bedeckt. Man schreitet Wetter, und das Ohr vernimmt lautes. Rauschen, und inan sieht an einer weiten Waldesössnung aus ungeahnter, schwindelnder Höhe Herabsturzende, laut brausende Gebttgsströme, die sich durch ' engste, tarnt zu begehende Schluchten den Weg ins Ta! bahnen, um dort silberhell glättend, vorbei an Wiesen mit edier farbenreich schillernden Blumenpracht ruhig ihren Weg fortzusetzen. Einige Schritte vorwärts und nichtsahnend, besindet man sich an einem wunderbaren, in der Niederung biegenden tiefblau glänzenden Gebirgssee, dem Eamasee, DIE TELEFON erFüllM Ansprüche. : FP * NK.FURTEF. PRIVAT-TEtEFÖN-GESELLSCHAFT-br. ' Sf.acrstfif FRANKFURT A.M. fernspr Neue Jüdische fkejfe. woselbst Gelegenheit zum Baden , und sonstigem Sport geboten ist. Auf Schritt und Tritt zeigen sich dem verwöhntesten . Auge neue reizvolle .Naturbilder. Man möchte stets Segenssprüchc mitsprcchcn, GotteS Allmacht über diese majestätische, gigantische Naturschöpsung lobpreisend. Wochen, ja Monate könnte man hier verbringen, und täglich könnte man neue, unvergeßliche Eindrücke in sich aufnehme». Es würbe den mir sreundlichst zur Berjügung gesiellle» Raum überschreiten, wollte ich bisher weiter Gesehenes den werten Lesern vorsetzen. Es wird Jeder, der hier einige Zeit verbrachte, neugestärlt, mit frischem Lebeitsmut und Schassensfreube in die ihm liebe Heimat zurückkehren, von gewaltigen, nieverköschenden herrlichen Eindrücken dieser Pracht zehren, gerne, wenn der Sommer wieder ins Land zieht hierher zurückkehren. R. Condltorei und Cal£ Wilhelm Wendel Altegasse 6 Telefon H. 1288. I Während der Sommermonate bis 10 Uhr abends geöffnet. Der stürzende Damm Bon Hermann Seckbach. Kaum 2 Monate sind es her, baß in diesen Blättern ein „Mahnruf" erschien, und schon zeigt sich in allzudeutlicher Nähe die heranrückende Gefahr. Leid, Jainmer, Sorgen und Not, sie waren >zn allen Zeiten vorhanden, und es ist wohi eine göttliche Bestimmung, daß der Mensch geläutert durch diese Schmelztiegel hervorgchen soll, um das Große und Herrliche seiner Bestimmung zu erfassen. Da? war von altersher die jüdische Lcbensanschaniiug, die es veriiiochte, mit Gottvertrauen Schweres zu überwinden, die aber auch stets und immer durch G e in i l n t h - C h e - s e d - Ausübung einen Damm errichtete, um die Wellen des Leids zu begrenzen. Heute gilt es nun zu verhindern, daß dieser durch die schwere Kriegs- und Nachkriegszeit langsam abbröckelnde Damm nicht zusmnmenbricht. Schon sickern aus Rissen und Oesfnungen die bis jetzt .noch tniihsam zurückgchaltenen Wogen der Not; bricht -aber erst die von edelster Menschenliebe errichtete Stütze zusammen, dann wird eine gewaltige lleberschwemnmng alle bis jetzt noch ähnungslos bei Seite stehenden Kreise gefährden. Waren bei den letzte» Ausführungen die Selbstkosten der Krankenanstalten, also dieser Stätten, die in allererster Linie berufen sind. Schweres abzuwcnden, auf über Mark 20.— pro Kopf und Tag gestiegen, so sind heute bereits die Ausgaben auf mindestens Mk. SO.— pro Tag durchschnittlich anzunehnien. Das bedeutet eine Erschütterung unserer jüdischen Krankenanstalten in ihrem'Bestand, und IFreya- Büro - Einrichtungen Werner, Noll & Cie. Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. WM- Neu eröffnet. "M> es bedeutet eine Ausschaltung bisher promierenter Personen als Selbstzahlcr. Was nützen da, angesichts dieser unabwendbaren Tatsachen theoretische Erwägunge», was nützt es immer- und immer wieder aus diese hrranrückende Gefahr hinzuweisen, wenn nichts zur Verhütung des Zusammenbruches unternommen wird. Wer kennt und wer zählt alle Organisationen, die mit Hingebung und Verständnis bestrebt sind, für Arme und Bedürftige sürsorgend zu wirken! Jedoch reich, unermeßlich reich, ist selbst der in tiefster Armut stehende, wenn er im Besitze .seiner Gesundheit -ist, ivenn er in Gottes freier Statur sich bewegen kann, und seine Seele hinausjubclt, angesichts der ihm lsich offenbarenden herrliche» Gottesnatttr, aber arm, doppelt arm Ist in dieser schweren Zeit der, der fernab vom Weltgetriebe krank und hilslos darniederliegt, und der rettungslos verloren ist, wenn die Pforten der Kraukeuanstalteu sick> ihm nicht mehr öffnen können. Wollen wir praktische Hilfe leisten, so müssen wir in allererster Linie unermüdlich besorgt sein, diese Stätten der Zuflucht zu erhalten; stürzen sie zusammen, dann liegen unter den Trümmern unsere Stutzen und Säulen, die berusen waren, Generationen zu überdauern, die aber nunmehr unsere» Kindern und Kindeskindern vor unermeßliche Aufgaben stellen würden. Schließen wir unsere Reihen eng aneinander, und ivenn jeder jede Gelegenheit ergreift, um mit seinem Wasser beizutragen, dann wird und mutz es gelingen, den schützenden Dannn wieder neu aufznrichten, daß er es vermag, unsägliches Elend von uns fernzuhalten. Literarische Rundschau. Samson Rabhael Hirsch. In der Monatsschrift „Der Jude" bringt Friedrich T hieberger -Prag eine Abhandlung über Samson Raphael Hirsch. Thiebergcr sagt: „Gewiß hat Hirsch keine neuen Normen aufgestellt, aber er hat ldurch eine kühne Achsendrehung die beiden widerstrebenden Kreise der jüdischen Religionslchren und der europäischen Bernnnftlehrcn konzentrisch incinandergeschobeii." Und ferner: „Hirsch fühlte sein AllmenschlichcS gerade im jüdischen SkvlUilnm venäitgt, und darum verwarf er aus allmcnschlicheu Gründen, was in den außerjüdischen Lehren sich den jüdischen nicht fügte. Israel Hildesheiiner, Thep Joiiae Konfitüren und Schokolade Stern weg 12 _Steinweg 12 'Sei dem ersten Tone der Instrumente und dem Anblick der ersten Reiter trat eine lautlose Stille iu der unabsehbaren Menge, die zwischen der Stadt und dem Viereck ' bersammelt war, ein; jedermann hatte scine^Stelle"eingenommen ."und verblieb aus derselben. Doch/wollen wir nicht Ldrschweigen, daß sich die Menschen doch etwas von-der Straße -auf beiden Seiten zurückgezogen hatten, wie um mtt den gefürchteten Kriegern nicht in allzu nahe Berührung zu kommen. . Bald kam die glänzende Leibwache, die Co horte/ der .'Prätorianer, heran und zog schweigend durch das Viereck nnd.auf dm:-Heerstraße Wetter, voran der silberne -Adler .ans' .der hohen, mtt Silberblech überzogenen Stange, die .' lauf goldenem Schildchen mtt demBtldntt des Kaisers geziert jaiäx. Ihre Rüstungen und'Massen schimmerten von-Gold »Änd" Silber; es waren auserlesene Männer von-hoher-Gestatt "und edlererni Aussehen. Hinter ihnen folgte eine -Abteilung Retterei in'Eisenpanzern,-Tierselle über die Schütter» geworfen, wilde, - trotzige- Gestaltenaus Thracien ^uqd dem noch ferneren Germanien. Nach einigem Zwischen- ^raujne kam aus milchweißem Rosse, das mtt golobelegten ^,Lügeln und , einer Pnrpurschabracke geziert war, der Feld- Ursicinus. Er war von'mittlrer-Statur, aber von .Wws, gedrungener Gestatt; die wilden-Züge seines-Ge- MÄtS waren zum Teil von einem rötlichen Barte bedeckt, simne,. stechende Augen funkelten ein erschreckendes Feuer mrS, und der goldene Helm bedeckte das struppige und . Pack Haar, das rund um den Nacken abgeschnitten war. ‘ Allesamt ihm verriet mtt List und Schlauheit gepaarte ' wilde Kraft. Als er des laubumschlossenen Vierecks ansichtig wurde. Wett er einen Augenblick sein Roß an, uns fein Auge . schweifte über die versammelten Männer sowie über die bis zur Stadt dicht gedrängten Bolksscharen:- Dann sprengte er-rasch in daS- Viereck hinein und hielt abermals an. .. Da trat Patrika einige Schritte näher und redete den römischen'Feldherrn, die Rechte mit dem goldenen Schlüssel . erhebend, mtt' den- Worten an.: »Durchlauchtigster Feldherr, - der '.im Namen unseres erhabenen Kaisers die-tapferen -Legionen Roms -gegen ' den Feind; von- Osten führt, das Säühedrin '.der getreuen Stadt- Sepphoris naht - sich Dir, am seit« Huldigung Larzubringen nnd den Schlüssel' —" Mit einer heiser» starken Stimme, die schneidend in das Ohr und wtzhl auch das Herz der Hörer cindrang, unterbrach Ursicinus den Redner und sagte: „Was maßt Ihr Euch an, Ihr niedrigen Gesellen, hier mit Eurem Schlüssel zu erscheinen,— ein römischer Feldherr braucht Euren Schlüssel nicht; der Schlüssel zu tausend Städten hängt an seiner Seite. Ihr seit Sklaven und habt schweigend meine Befehle zu erwarten. In einer Stunde erscheint Ihr im Kastell, um . sie entgegen zu nehmen; aber nicht in Begleitung vori so vielem Gesindel, drei von Euch genüge»; das ist schon niehr, als ich zu. sehen brauche." Hiermit wandte er sich ab und gab seinem -Rosse die Sporen: Dieses bäumte sich und schlug aus, daß Patrika sich schnell gegen die beiden Greise werfen und sie znrückziehcn mußte, damit sie nicht von den Hufen des Pferdes niedergeschmettert würden. Dann schoß-es-wie ein Pfeil den Reiterscharen nach. Entsetzen matte sich ans allen Gesichtern. Die Worte - des Römers waren weithin über das Viereck gehört worden, und das. Volk-murmelte sie schnell von Haufe zu Haufe Wetter. Schrecken verbreitete sich überall, denn solch eines rauhen und -drohenden Empfanges hatte man sich nicht gewärtigt. Man vergaß die Schmach, die dem Sanhedrin angetan worden, über die Gefahren, welche schon die nächste Zeit bedrohten. Kaum war daher das Gefolge des Feldherrn vorüber und die Reihen der Legionäre noch nicht herangezogen, als die Männer des Sanhedrin in großer Verwirrung sich aus dem Viereck drängten und quer über die Felder eilttn, um ans einem anderen Wege durch ein anderes Tor in die Stadt znrückzugelangen. 2. Der römische-Feldherr war in übelster Laune in daS Kastell von Sepphoris eingezogen. Er hatte Grund dazu. Damals rangen um die Herrschaft in Asien die Römer und die Perser. Der Tigris war die Grenze beider Reiche; aber keine Grenze, die durch feierliche Verträge als rechtlich-sicher gestellt angesehen wurde. Zwischen dem Orient und Okzident gab es keinen Frieden, sondern nur einen ewigen Kampf. Die wilden Völkerflnten des Ostens rängen nach Herrschaft. Die Kriegskunst und Manneszucht des . Westens -verteidigte seinen;. Besitz, - denn er wußte wohl» daß je mehr er znrückwiche,. der ungestüme Feind desto weiter vorwärts dringe. Der große Länderstrich, welchen der Tigris und der Euphrat umfließen, war der Schauplatz der Jahrhunderte währenden Kämpfe zwischen de» persischen Herrschern und den römischen Imperatoren; jene führten ihre zahllosen Scharen Aber den Tigris nach dem zum Teil üppig fruchtbaren Mesopotamien, diese sandten ihre tapfersten Legionen immer von Neuem eben dahin. Auf dem Cäsarenthrone saß jetzt Constanttus, der Sohn des Christ gewordenen Constantin; die Perser wurden von dem tapfer»- und wilden Sapor beherrscht. Am römischen Hofe waltete die Jntrigue, und es kam darauf an, welchcher von den Günstlingen des Kaisers sich am tiefsten in seine Gunst zu schleichen,^ die Andern zu verdächtigen und zu stürzen, vermöchte. Lange kämpften Eusebius und . Antonius um Sieg oder Fall. Eusebius überwand, und Antonius .konnte von Glück sagen, daß er, die Zeichen des nahenden Sturmes. auf der Stirn seines Gebieters erkennend, zur rechten Zeit entflohen war. Er nahm seinen Weg zu den Persern, und bekannt mtt allen Persönlichketten, HülsSmitteln und. Schwächen des Reiches, war er für Sapor ein kluger, unschätzbarer Ratgeber. Der Perser hatte alle seine Kräfte ausgeboten, um endlich Mesopotamien zu überwälttgen, den Euphrat zu überschreiten und in Syrien einzudringen. In früheren Jahren hatte Constanttus den. Einfällen der Perser seinen Feldherrn Ursicinus entgegengestellt, und dieser hatte sie stets abzuwehren und zurückzutreiben verstanden. Aber Ursicinus war dem flüchttgen Antonius befreundet gewesen» Eusebius bettachtete ihn deshalb als seinen.. Feind und suchte ihn zu verderben. Als daher die : Kunde von dem neuen Einfall Sapvr's über den Tigris nach Rom kam, beredete der Günstling-den von ihm beherrschtem Kaiser, seinen Vetter Sabinianus als Feldherrn gegen die .Perser zu schicken und ihm Ursicinus unterzuordnen, so daß dieser von dessen Befehlen gänzlich abhängig sein solle. Er dachte, daß jeder glückliche Erfolg des Feldzuges dem ebenso unfähigen wie trägen Sabinianus zugeschrieben, jeder Unfall aber dxm Ursicinus zur Last gelegt werden sollte. Wohl erkannte dieser die Schlinge, die ihm gelegt war, aber er mußte gehorchen, und selbst sein Freund, der Cäsar Gallus, welchem AsienalsStatt- . Halterei zuerjeilt war, veynochte ihn nicht-zu schützen. - iFsrtsetzung folgt.) -