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Neue jüdische Presse · 1920-04-30 · Heft 16 (30.4.1920) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 16 (30.4.1920)
Date
1920-04-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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FrankfürterIfräeMfches Familienblatt ■iimii»mniiiiiiiiiiiiiiniiiiinnmni»ii»nuniiiiiiiiniiiiniininMj i Erscheint wöchenMch am Freitag. Bezugspreis pro Viertel- | : /ahr: 3n Franljurt am Main bei der Neuen Jüdischen Presst, : : auswärts Lei der Post abonniert Mk.3.50, frei inS Haus 15 Ptz. j j mehr./BelZusendung durch Streifband fürOeutschkand Mk.20.00, z : für aste übrigen Länder Mk.3v.vojährlich,im Voraus zahlbar, j L.................. Redaktton und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Satz Geis Jiiiiiiiiiiiimiiimiiiuiniiiiiwiiiiiiiiiuiiiuiiuiiiiiuiuuii; Insertionspreis für die sechszespalleneRonp.Zeile«1XPtz., fSc I die Neklamezeile Mk.L.—. Bei Wiederholungen entfprech«»dee : Rabatt. / Platz- und Datum-Dorschrist ohne DerbtndL^eL / > AnnoukenLlnnahme bei der <tzped.und in «.Annomen-BuremuL.! Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Nr. 486«. 18. Jahrgang Freitag, de» 12. har 5080 (30. April 1020) Nr. 10. t0tt»0tt, 25. Lpril. 6.15 abends. «Telegramm.) Reuter meldet wörtlich auL San Remo: Die Konferenz hat die Gtuderleilma« der valfonrfche» GrUirnn» 1» de» Frirdensvertrag mit »er Türket defchloffea, dievorfirht, »atz Palästina daSuati»- »ale Heim der Jude» werde» soll unter Berücksichtig«»« »er Rechte der arabischen Bevölkerung- Der vberfte Rat hat da» Maadat für Palästina an Grotzbritauuien gegeben, indem er Frankreich «nd »rohbritannten die Regelung »er Grenze» überlätzt. Es wurde ferner beschlossen, daß das Statut, das Großbritannien für Palästina .auszuarbeiten hat, Bestimmungen über die Errichtung einer nationalen Heimstätte für 4>ie Juden gemäß der Balfourdeklaration enthält. Der Schutz der'religiösen Gemeinschaft, der früher von Frankreich ausgeübt wurde, soll in Zukunst den zuständigen Konsulaten anvertraut werden. Die Frage der Bewachung der Heiligen Stätten soll in Kürze geregelt werden. Der Franziskaner-Orden hat ersucht, daß eine Spezialkommission eingesetzt werden soll, um seine Frage zu prüfen. London, 25. April. Auf die alle Erwartungen erfüllenden Freudennachrichten aus San Remo hat eine große Begeisterung die jüdische Welt Londons erfaßt. Die meisten jüdischen Häuser und Gebäude sind mit Fahnen reich geschmückt. Berlin, 26. April. In der heutigen Bormittagssitzung des „Misrachi"-Delegiertentags machte Hermann Struck kurz nach der Rede des Herrn Prof. Pick von dem kurz vorher eingelaufenen Telegramm aus London über den Palästina-Beschluß der Konferenz in San Remo Mitteilung. Mit einer vor Rührung verhaltenen Stimme verlas er die bedeutungsschwere Meldung, die von der Versammlung stehend, mit wachsender Begeisterung ausgenommen wurde. Hierauf wandte er sich bei allgemeiner Ergriffenheit an den anwesenden Rabbiner Ch. Tschernowitz mit der Bitte, aus Anlaß der neuen entscheidenden Ereignisse ein „Schehechejonu" zu sprechen. Aus der Versammlung wurden spontan bedeutende Geldspenden gemacht. Tausendfach wird in diesen Tagen das aus tiefster Seele aufsteigende „Schehechejonu" eine Wiederholung finden, überall, wo Juden sind,,die noch ein Gefühl innerster Verbundenheit mit ihrem Stamm in sich tragen. Und es wird mit tiefer Dankbarkeit und Inbrunst gesprochen werden: denn der'Anlaß ist groß und das Geschehnis entscheidend. für unser heldenhaft duldendes und heldenhaft hoffendes jüdisches Volk. Unser Sieg, der Sieg, an dessen endgültiger Erringung wir im Grunde des Herzens nie verzweifelten, hat das erste Stadium des Werdens zurückgelegt. Der Weg nach Palästinä, der Weg zum jüdischen Palästina ist nun frei; verstehen wir, ihn nur, rechten Sinnes, eingedenk unserer großen Vergangenheit, opferbereit und tatentschlossen zu gehen, um das Ziel zu gewinnen. Alle Besorgnisse und Beklemmungen der letzten Tage seien nun beiseite getan. Heute 'darf und soll uns nur das eine große Gefühl der Dankbarkeit und der inneren Erhebung beherrschen. Es seien dies Tage der Rückschau und des Ausblicks in die neue Zukunft, dxr Rüstung auf daS «eue Morgen unserer Geschichte. Die «eschehniffe 1» Palasti««. Beunruhigende Nachrichten über arabische Kundgebungen gegen das nationale Judentum und Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung in Palästina, vor allem in Jerusalem, find in den letzten Wochen in die jüdische Welt Europas und Amerikas gelangt. Die Vorgänge Ln Palästina, die in diesem bedrohlichen Ausmaß fast allen so unerwartet gekommen sind, haben die ganze jüdische Lage in Palästina vor eine schwere Belastungsprobe gestellt und in ihren weiteren Wirkungen eine Zuspitzung der palästinensisch-jüdischen Frage bewirkt. Die zurückhaltende Taktik, die die englische Regierung durch die ganze letzte Zeit hindurch in der Palästinafrage beobachtet hat, das Auftauchen von Widerständen gegen die Einlösung des Balfourversprechens in England und vor allem in Palästina, und nun die bestenfalls gleichgültige, zum Teil heimlich begünstigende Haltung der englischen Verwaltungsbehörden bei den letzten Vorgängen in Palästina — haben in steigendem Maße Anlaß zu Befürchtungen und Bezweiflungen und Erregungen in der jüdischen Welt gegeben. Eine gefährliche Stimmung des Mißtrauens gegen die englische Politik in Palästina ist in der jüd. Gesamtheit hervorgerufen worden. Entscheidend ist nun die offizielle Stellungnahme» Englands zu den Vorgängen in Palästina. Die letzten. Meldungen über die Auffassung der englischen Regierimg sind glücklicherweise wohl dazu geeignet, die jüdischen Befürchtungen wegen der Haltung Englands zerstören zu helfen. Wir bringen nachstehend diese bedeutsamen Nachrichten an erster Stelle, run dann weitere Berichte über die Ereignisse in Palästina und ihren allgemeinen Widerhall folgen zu lassen. »ortsetz«»« »er v«ls»»rp»l1tik. Berlin, LS. April. Dle „Jüd. R»ndscha»" erhält folgendes Telegramm aus London: Im Unterhaus stellte Captain Terrell eine Anfrage bezüglich der genauen Regierungspolitik inbezug auf. die künftige Stellung der Juden in Palästina. Unkerstaatssekretär Harmsworth erwiderte für das' Auswärtige Amt, die Politik der Regierung bleibe, wie sie durch die Deklaration Balfours vorgezeichnet sei. Harmsworth erklärte auch, daß die militärischen Behörden in Palästina alle möglichen Schritte tun werden, um einer Wiederholung der Vorfälle vorzubeugen und den Rassenhaß zu beschwichtigen. Die endgiltige Regelung der Zukunft des Landes hänge von der Friedenskonferenz ab. Anfrage» nn» GrklSr«»ge« i« englische» UaterhauS. Im englischen Unterhaus fragte am 14. M»ril 1920 Lord Robert Cecil, ob »der Herr Premierminister „Informationen über die jüngsten Unruhe« in Palästina geben kann". Darauf antwortete Bonar Law in der Sitzung vom 15. April: Am Morgen des 4. April ereigneten sich antijüdische Kundgebungen in Jerusalem. Sie scheinen veranlaßt worden zu sein durch eine rein ^religiöse Prozession, die infolge aufreizender Ansprachen als politische Kundgebung gedeutet wurde. Es wurde erforderlich, die Polizei durch Militär zu verstärken. Die Polizei soll-ihre Glaubensgenossen unterstützt haben; sie wurde zurückgezogen und' entwaffnet. Am 5. begannen die Unruhen in der Stadt von neuem. Am 6. war die Situation unverändert. Es wurden einschließlich der Leichtverwundeten, die keine Behandlung brauchen, zwei Todesfälle und 186 Verwundungen gemeldet. Das Militär bewacht jetzt die Stadt und die letzten Berichte zeigen, daß, obgleich der Rassenhaß noch stark ist, sich keine Gewalttaten mehr ereignet haben. Hauptmann Ashley fragt an, welche Schritte getan werden, um die Juden in-den anderen Städten Palästinas zu schützen. Bonar Law antwortete, daß inzwischen die Verantwortung für Palästina General Allenby trage; er sei sicher, daß dieser alle erforderlichen Schritte tun werde. Auf eine bezügliche Anfrage des Colonel Wedgwood erwiderter-Bonar Law: Ich glaube nicht, daß irgend ein Wechsel in unserer. Politik in bezug auf Palästina eingetreten ist. Arabische Lr»h»»i «it Pogrvme» Die Monistische Organisation hat aus zuverkäffiger Quelle in Palästina die Nachricht erhalten daß eine Gruppe von Arabern an die Verwaltung die Forderung gestellt Hatz daß binnen fünf Tagen die Zionist Commission kassiert^ ihre Leiter ausgewiesen und das jüdische Bataillon aufgelöst werden soll, widrigenfalls sie ein allgemeines Judeumassakre anordnen werden. Die Fellachen und Bäuinen der einzelnen Distrikte des Landes Wien bereits diesbezügliche Befehle erhallen. Mit Rücksicht auf diese beunruhigende Nachricht hat die Zionistische Organisation sofort Vorstellungen im Londoner Auswärtigen Amt erhoben, worauf folgende Erwiderung gegeben wurde: Es ist ein Telegramm an Lord Allenby abgefandt worden, mit der Weisung, daß« sofort eine Untersuchung über de» Tatbestand eingeleitet, alle möglichen Maßnahmen zur Ve rhütung der Möglichkell einer Wiederholung derartiger Vorfälle getroffen werden sollen und daß die arabischen Forderungen bezüglich der Auflösung der Zionist Commission und der Demobilisierung des jüdische» Bataillons nicht erfüllt werden können. Sa» »e«o. Die Ankunft Weizmanns, Sokolows und Herbert Samuels. Weizmann, Sokolow und Herbert Samuel sind inSanRemo eingetroffen. Weizmann kommt bekanntlich aus Palästina, wo er während der Exzesse au» wesend war. Die Anwesenheit der drei Zionistenführer bei de» Verhandlungen über das Orientproblem wird zu einer, für uns günstigen Regelung der palästinensischen Fragen viel beitragen können. (Siehe die letzten Berichte an der Spitze des Blattes. _ D. Red.) Der Delegierte«tag deS MiSrachß. Letzten Sonntag wurde in Berlin unter zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen Deutschlands der Delegimtentag des deutschen Misrachi, der erste feit dem Kriege, eröffnet. Hermann Struck, d« Präsident des deutsche» Misrachi, hiett die Eröffnungsrede, in der er «. a. misführte: Der Misrachi befindet sich in einem ungeahnten Aufschwung. Während des Krieges ruhte die Last der Arbeit und Verantwortung auf den Schutte« Sanitätsrats Dr. Frank - Altona. Mll Zustimmung und unter Förderung der Altonaer Zentralleitung begann mit Ausgang.des Krieges Rechtsanwalt Dr. Barth-Berlin durch intensive Propagandatätigkeit eine Neuorganisation des deutschen Misrachi. Naturgemäß wurde in Berlin die erste fruchtbare Tätigkeit in dieser Richtung entfaltet. Dort entstand eine Ortsgruppe mit einer ostjüdischen Gruppe Tifereth Zion und einer Jugendgemeinschast. Es kann festgestelll werden» daß weite Kreise der nichtzionistischen Orthodoxie sich den Gedankengängen des Misrachi nähert. In den geistigen Kämpfe» mit der nichtzionistischen Orthodoxie hat sich der Misrachi nur auf die Abwehr beschränkt. Er war seinerseits peS bestrebt, ein Zusammenarbeiten mit der AgudaS Jisroel herbeizuführen. ' Auf dem zionistischen Delegiertentag in Berlin zählte der Misrachi bereits ein Fünftel der Mitglieder. In de» geschäftsführenden Ausschuß der Zionistischen Bereinigung für Deutschland wurde 1, in das Zentralkomitee: 3 Mitglied« gewählt. Anläßlich des zionistischen Delegiertentages fand eine Beratung des Misrachi-Centralkomllees statt. Auf Wunsch Sanitätsrats Dr. Frank, des bisherigen Leiters, wurde bei dieser Gelegenheit die Leitung nach Berlin verlegt. Heute bestehen Ortsgruppen auß« in Berlin, in Hamburg, Lübeck, Fulda, Hannover, Frankfurt, Marburg, Fürths München, Würzburg, Karlsruhe» Leipzig, Chemnitz, Dresden, Breslau und Königsberg. Der Bericht streifte dann die Amsterdamer Misrachi- Weltkonferenz, die infolge Frankfurt« Einspruchs bisher nicht zum Abschluß gelangte Uebernahme des SchulwerSder Pekidim und Amarkalim in Amsterdam, den Anschluß, des großen Jischuw Jisroel-Berein..in Wien und ein« Anzahl galizischer Vereine, die Gründung des Berlin« Misrachiheims usw. Nwch d« Rede finden Begrüßungsansprachen: Dr. Klee (Zion. Bereinigung f. Deutsch!.), Pollak (Ra-

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