Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 7 (20.2.1920)
- Date
- 1920-02-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seth 4. Kette UMM Kresse. Nr. 7- ^^M8vkv-ku88lLNungenLo^^ 6periä!itLt:aSrran.CbWrbaou>sävsolrdlLSs vekelcte IVltscbe vttäsorßckLttigrsperiert. kpLnkiiiplsr 6?oss-1Üssir8nLllsrsi I,nn8est'ssse 18, Hinterban. :: Tel.: Römer 5808. fiel« f>nrj. Felix Marburg. der Präsident deS Joint Distribution Committeesprach sich dem Redakteur des „§omt" gegenüber über die Pläne der Organisation wie folgt aus: Unter Führung Dr. BogenS -tfi eine 25gliedrige Kommission nach Polen' abgereist, um «. a. auch die Aktion der Geld- und Paketüberweisung! an Private auf breiterer Grundlage'zu organisieren. Zwei Vertrauensmänner, Alexander Landeski und Oskar Leonard, sind bereits unterwegs nach Rumänien, während Dr. Israel Friedländer, Richter Fisher und Max Pi ne nach-, der Ukraine-entsendet wurden. In wenigen Tagen begibt sich Dr. Julius Goldmann, der neuernannte Generaldirektor, zur Verwaltung der gesamten Hilfsarbeit in Osteuropa an seinen Bestimmungsort. «»S Der „Agu-aS Jisroel"-Beweguug. Wie«. Die hiesige Jugevdaruppe brlS bette 40 auS Ungarn vertriebene palästinensische Flüchtlinge nach Palästina zurück. Warschau. Die Sandeskonieren der Agndas Jisroel (Schlome Emune Jisroel) ist auf den 2. bis 4. gßäri einberufen worden. Vorher wird eine Rabhinerkonfe- . renz und eine Konferenz der orthodoxen jüdischen- Stadt- . rätt Polens stattfinden. Jaffa. »Hier ist von den Mitgliedern der Vgvdos Jittoel eine Bereinigung „Rachlath-Jakob" (nach Jakob 'Rosenheim benannt) gegründet worden, die bezweckt, in der Rühe von Jaffa eine Kolonie gleichen Namens zu gründen. $er$o»ftliett v. Heft« Mtttellmtge». Serif«, Die Repräsentanten beschlossen eine Erhöhung der Platzmieten in den Synagogen, trotzdem gegen die ^Höhung der recht bezeichnende Einwand gemacht wurde, sie könne eine .Perminderung des religiösen Gefühls" zur Folge haben. Nach dem letzten Etat erfordern.die Gottesdienste einschließlich Gehälter, Baukosten usw. 1196482 ßNk. Zuschuß. Marburg. Die Firma Baruch Strauß übergab der Israelit. Gemeinde 30000 Mark als „Baruch Josesine Conditorei und Cafd Wilhelm Wendel Alte Gasse 0. WM" Neu renoxriert und wriPÖMert. "MW Feinste Torten und Deaserts Kaffee, Tee, Schokolade in Tassen» Gtrauß^tislung". Die Zinsen sollen Verwendung finden zur tttuellen Berlöstigung ärmer Kranken in den Kliniken, für.Wöchnerinnen und auch für minderbemittelte Kinder: zum Gebrauch einer Badekur. 'Breslau. Das Jüd -Tbeolog Seminar hätte im vergangenen Jahre 17 Hörer und 4 Gasthörer. In das. Dozentenkollegium» zu dessen Vorsitzenden Dr. Lewkowitz gewählt wurde, trat Dr. Heinemann -Frankfurt ein. Zur Pflege des modernen hebräischen Schrifttums wurde am Seminar ein hebräischer Sprachverein begründet. Wie». Am 9. Februar reisten von hier 1000 jüdische Kinder nach Holland. fE Wie« Jakob OsiaS MieseS, gewesener Gemeinde-und Kultusrat.in Przemysl, Vater deS Professors Dr. Josef Mieses in Warschau und des Schriftstellers Matthias Mieses, verschied hier. Budapest. Kawmerüenogioph Max GomboS, ein Zögling des Pariser Seminars der Alliance Jsraelite Universelle, Verfasser einer hebräischen Stenographie, ein begeisterter Zionist, ist — 80 Jahre alt — v e r s ch i e d e n. New Port. Dr. Isidor Singer, der Herausgeber und Chefredakteur der' „Jewish Encyclopedia", Be* ging jüngst den 60. Geburtstag. In Mährisch-Wcißkirchen geboren, studierte er in Wien und in Berlin, wo er Schüler von Lazarus und von Steinthal war. Da er in Europä keinen Verleger für die von ihm ins Auge gefaßte Herausgabe einer jüdischen Enzyklopädie finden konnte, ging er 1896 nach Amerika. rTELEFON- ... - . erfüjlh /\LtC Ansprüche. FRANKFURTER.PRIVÄT-TELEFON-GESElLSCHAFT^bK ca d?f.5ir<5;.' F.^^N^^lJ.BT-'Ä.lM'.'.'Femspr. noniQ G256/.57.. Fraukfmrter Berichte. Jüdische Lorlesuuge«. Die neu gegründete Vereinigung für jüdische Volksbildung veranstaltet in der Zeit vom 23. Februar bis Ende März im Philanthropin, Hebelstr. 15, den ersten Lehrgang ihrer Volksvorlesungen über jüdische Gegenstände. Die Eröffnungsfeier, bei der Rabbiner Dr. Nobel einen Vortrag halten - wird, findet Sonntag, den 22. Februar, Veil Uhr, vormittags, in der Aula des Philanthropins statt. Die Geschäftsstelle der Vereinigung ist Börnestt. 54, Berufsberatung, woselbst Hörerkarten zu den Vorlesungen zu erhalten sind. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Dienstag abend 8 Uhr findet im' Hochschen Konservatorium ein literarischer Abend unter Mitwirkung von Gaferie Kartiert ©raimerl“ Kalserstr 21. Kalserstr. 21. Kadlorungen - j ^ermann Struck. Alfred Auerbach, Carl Rehfuß und WillY Saa lomon statt. 1 An dem geplanten Vortragszyklus über die Gedanke»! Welt des Prcphetismus (Dozent: Dr. Rabin) wird sich auch! die Vereinigung sür jüdische Volksbildung beteiligen. Äußei» diesem Zyklus veranstaltet der Verein für jüd. Gcschichti! und Literatur auch.einen Vortrag Rabbiners Dr. Salz-1 berger über den Midrasch. ' - . 1 Fraukkurter Beraustaltuuge«. Ag. Jisr.-Mädchengr. und Jüd.-Krauenfl Vereinigung, 'Sonntag, 6 Uhr: Prophetenwort-miW Gesctzeslehre (Dr. Jos. Breuer). — Me kor ChajtniI Sanistag, 4 Uhr: Mikro (Schachnowitz), Sonntag. 6 UhrD M-'gillas Esther (Ehrmann), Donnerstag, 7 Uhr: MenauraSl Hamoaur (Ehrmann). — Tifeves - B ach ur im, Sonn-s tag, Langestr. 33, 8Vs: Damaskusasfäre (Rosen). — Ber-I ein f. jüd. Geschichte u. Literatur, Dienstag,! Eschersheimcrlandstt. 4, 8 Uhr: Literarischer Abend. -I Mädchenklub, Sonntag. 10 Uhr vorm.: Führung durch! das Völkeunuseum "Führung: Frl. I. P.sn),7 Uhr abends,! Langestr. 30: Kunst und Kitsch (Benno Elkan). — Mon-f tefiore, Freitag: g-mütl. Abend. Sonniag, Schauspiel-! Haus 8 Uhr 10 Min.: .Taunusfahrt, Montag, 8 Uhr: Heim-! abend, Dienstag, 81/4: Führerkursus, Mittwoch, 3 Uhr:! .Wie erziehen wir unsere Jugend zum Judentum (Rabb. Dr I Lazarus-Wiesbaden). — Verein selbst, isr. Hand-I Werker, Mittwoch, 8 Uhr, Kaffee Goldschmidt, 1. Stock:! Handwerk im Judentum (Rabb. Dr. Horowitz), Gedächtnis-! feier. — Talmud Thora-Verein, Freitag. Sch'ußI des Abendgottesdienstes: Vorttag, Samstag, Schluß der! Morgengottesdienstes: Dinim (Dr. Friedmann), 3hh Uhr:4 Raschi (Lipinsky). Sonntag, Schluß des Morgeugottes-s dieustes: Mischnah (Dr. Friedmann), vorm. 9 Uhr: .Schul-! chan Aruch (Lipinsky), Schluß des Abendgollesdienstes:! Josnah (Unna), Montag, 61/4 Uhr: Mikro (Unna), Dienstag,! 6 Uhr, abends: Chauwaus Halwowauth (Dr. Braun), Mitt-I woch, Schluß des Morgengottesdieustes: Mischnah (Dr.i Friedmann), Donnerstag, abends -LH), Hermesweg 27: ®e<J mora (Unna). — J ü-d. Bolksvorlesungen, Sonn-! tag. Philanthropin, 10Ve: Eröffnungsfeier. - 1 Offenbacher Druckluft-Anlage | Offenbaeha.il. Telefon 123. Unübertroffene Tepp<chrelni«nn|t mittelst Druckluft Treuderl. Bon Leopold Komprrt. (Schluß.) Taube stand am Fenster, als der Schlosser mit seinen Gesellen und Lehrjungen, die die Eisenstangen trugen, sich . gut Synagoge begab. Trenderl bettachtete dies als ein gutes - Zeichen. Ihre Blicke ttafen sich, senkten sich, aber jedes schien sich seinen Teil zn denken. . Dennoch bebte sie innerlich, als der Schlosser um die Gassenecke verschwunden war. Man wird es gewiß nicht verlangen, daß wir unfern ^Treuderl an sein Werk begleite» und in einer Schilderung . dartun, wie von ihm der »Blitzableiter auf dem Dache der i. Synag-g: aufg-fetzt ward.'Trenderl würde uns aus achen, wenn er vernähme, daß wir aus einer. Tat seines Handwerkes „eine lange Geschichte" ersonnen haben, die für ihn, der auf dem Stephansturme gearbeitet hatte, eine so kurze war. Wtt bleiben lieber im Hause der wackern Frau Mindel Brandeis, h:lfen ihr Trost zusprechen, wenn sie in ihrem Saer unterliegen will und flüstern nebenbei der schönen e Worte des Glaubens und der Ueberzeugung ins Ohr, daß sie nicht umsonst auf die glückliche Rückkehr des Schlosser-Meisters harre. Schalem Brandeis war weggegangen, um dem Schlosser „zuzusehen", wie er sagte. Was ihn bettaf, so verriet nicht der leiseste'Muskel an ihm, daß er irgend eine Unruhe für das Schicksal Trenderls empfinde. - Er begriff nicht-die aufschreiende Verwarnung, womit '. ihn Mindel von diesem Gange zurückhalten wollte: „daß er sich selbst an Gott versündige, wenn er einem Werke beiwohnte, das Gott nicht wohlgesiel." •*' ' . ,-Sei kein Narr!" ries er, „ist es vielleicht eine Sünde, wenn man auf Gottes Haus einen Blitzableiter aufsetzt, daß es nicht getroffen wttd? Mein Schlosser ist zu etwas Besserem aufgehoben, als vom Dache hernnterzufallen Und das Genick zu brechen. Habe ich nicht recht, Taube, mein Kind?'/ ' Wtt wissen nicht, ob er von dem schönen Mädchen eine Antwort erhielt. Trotzdem kam nur wenig Ruhe in das aufgeregte Gemüt der guten Frau; eine mächtige Spannung hielt alle ihre -Empfindungen in Aufruhr und ließe sie aus jedem Geräusch auf der.Gasse, aus jedem eiliger nahenden Schritt das gräßlichste "Unglück ahnen.das die Einbildungskraft nur ersinnen «konnte. , Gegen Mittag kam Scholem nach Hause. Lustig rief er: „ „Prächtig kann er'sunser Trenderl, der sitzt da oben auf dem Dache und singt dabei, als wäre er in einem Tanzsaal Wer hätte zu meiner Zeit geglaubt, daß das ein jüdischer Handwerker zustande bringe?" Neue Zuversicht lebte in Taubes Herzen auf, — Trenderl sang ja aus dem Dache! Minoel entgegnete nichts, es ging eine Wandlung in ihr vor, "die im Laufe der kommenden Stunden immer bestimmter hervorttat; die ungeheuere Spannung, die in allen ihren Gliedern lag,, war gewichen, und ein Gefühl abwartender Ruhe war in ihr Gemüt zurückgekehrt. Sie konnte sogar in ihrem Lehnstuhle einnicken. Es war gegen Abend geworden; da wurde sie 'plötzlich durch einen lauten Schrei aus dem Schlafe geweckt. Taube war's, die geschrien hatte: „Er kommt, er kommt!" Taumelnd fuhr Mindel auf; bleich, mit furchtbar aufgeregten Zügen fragte sie: „Um Gottes willen! Ist das, Unglück geschehen? Bringt man ihn zurück?" Taube vermochte im Augenblick keine Antwort zu geben, dann rief sie mit einem Tone, der aus dem tiefsten Leben ihrer Seele zn kommen schien: „Nein, Mutter! er ist gesund und lebendig zurück!" Mindel sank in de»' Lehnstuhl zurück; ihre Hände hatten sich gefaltet; aber menschliche Ohren haben das Gebet nicht vernommen, das in diesem Augenblicke von ihren Lippen vor den Herrn des Himmels ttat. Nicht lange darauf kam Scholem zurück. „Schön gefoppt hast Du mich, Mindel," rief er, „wenn Du geglaubt hast, unserem Trenderl werde etwas zustoßen. Er hat Dir eine Arbeit gemacht, worauf die Gemeinde stolz sein kann. Hat man's denn schon erlebt, daß «in jüdischer Schlosser einen Blitzableiter aufgesetzt hat?" „Ich möchte ihn jetzt sehen," sagte Mindel fast verschämt; „ich möchte mir ihn doch ansehen." „Ob nicht etwas zerbrochen ist an ihm," meinte lusttg Scholem, „ob er noch ganz ist? Schicken wir gleich zu' ehm." Taube flüchtete sich in den äußersten Winkel der Stube. Der Schlosser kam, noch in seinem Handwerkeranzug; den ledernen Schurz um die krastschwellenden Glieder geschnallt, im rußigen Hemde die Aermel wett über die -nackten, sehnigen Arme heraufgeschürzt. Er grüßte verlegen die reichen Leute,-' auf deren.Geheiß er gekommen war. „Trenderl/! rief Scholem Brandeis, „sei) nicht' bös, wenn ich Dich noch einmal so nenne, denn . Dü hast Dir und uns Ehre"gemacht. Mein Weib will^ sich -bei Dir'bedanken, daß Du nicht vom Dach hinuutergefallen bist/i! Der Schlosser wußte nicht wie ihm geschah. ) I „Ja," rief Mindel mit unaussprechlicher Innigkeit,! indem sie seine Hand ergriff, „ja, ich danke Dir, haß kein! Unglück Dir zugestoßen ist; denn jetzt weiß ich, imtt^Dir wird! Gott auf allen Tritten und Schritten sein und wird Dich! bewahren, und Du bist ein braves jüdisches Kind. Ich! aber habe mich an Gott versündigt, denn ich habe «nicht! genug Vertrauen zu ihm gehabt. Mein Mann hat heut» früh gesagt; .Sollte das eine Sünde sein, wenn man! Gottes Haus vor einem Unglück bewahren, will?' Mich! hat das eigentlich getröstet und hat mich aufrecht erhalten.! Hämmre Du nur jetzt zu, ich werde Dir gerne zuhören,! weu» es mich auch nicht schlafen läßt. Dir sieht man's an,! eine gute jüdische Mutter hat Dich geboren. Recht hast! Du gehabt, daß Du Dich nicht hast verleiten lassen, zirrüä-I zutteten von Deinem Handwerk; nicht sagen kann "tch's.I wie recht Du gehabt hast und wie Unrecht, ich, daß ich! Dich habe verleiten wollen. Es ist mir die Blindheit! von den Augen gefallen.'! •- . . . Ü): | Trenderl wußte nicht, was mit ihm vorging. Seim Blicke suchten in der Stube verlegen forschend'umher, auf wem sie am längsten haften sollten. .; )))' Seitwärts in einem Winkel stand Taube und" wein!« | still vor sich hin. ' _ Emanuel hatte das Geständnis des^ Schlossers längst I erraten, noch ehe dieser eines Tages gekommen war, um ihn; um sein Fürwort bei . den Ellern seines Mädchens 511] bitten. . C f :' J „Zwischen uns beiden ist alles richtig und 'gbgemachl! Ich bleibe ein Schlosser, und meine Taube wird eint] Schlossermeisterin. Sie hat mir's selbst gesagt, sie iviils gar keinen andern, und wenn ich mein ledern) Schurzsetsi nmhabe und in Hemdärmeln am. Amboß stehe und da arbeite, so bin ich ihr lieber wie alle jungen- Leute in der Gasse. Mel Geld brauche ich nicht; Und wenn mir Herr Scholem Brandeis gar keines geben will, so bin ich's auch zufrieden. Aber.meine -Taube muß er mir geben." Es. fiel dein Doktor nicht schwer, das Jawort« der El'! tern zu erwirken. Scholem hatte schon längst sein Gefalle» an dem „schönen Jungen", und die wackere Mindel tat! gern, wozu ihr das eigene Herz und das Wort des ihrs viel teuren Doktors anrieten. ' - End«.