Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 7 (20.2.1920)
- Date
- 1920-02-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«- •fc:' KrankfurterZsraelitisches Familienblatt imini iiiiiiiiiiiiniiiimnuniiiinniiiniiiniiiiiiiimiiiiiin; k tMhel'nt wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel« \ k. jgHc: In FranMrt am Main bet der Neuen Jüdischen Presse,? t aüKoarts bei der Post abonniert Mk. 2.50, frei ins Haus 15 Pfg.; | m^/AeiZusendung burchStreifbandfurOeusschlantzM1.-l4.oo,! * fllr.Me übrigen Länder Mk. 20.00 jährlich, lm Voraus zahlbar.- i ....«■iiimiimmumummmmim' Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis Insertionsprets für die sechsgespaltenrNonp.Zelle80 ptz., filr; die Reklamezeile Mk.223. Bei Wiederholungen entbrechender Rabatt. / Plah« und Oatimt-Vorschrist ohne Verbindlichkeit. / j Annoncen-Annahme bei der Exped.und in a.Annoncen-BureauS. Konto bet dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4864. ......................................................... •ft-. ^Jahrgang. Freitag, de» 1. Adar 5680 <20 Februar 1020) Nr. 7. . 4 . 's. Me amerikanischen Jude» und das * jüdische Problem. •- r. Viele Jahrzehnte lag die Führung der jüdischen - Gesmntinteressen in den Händen der deutschen Judenheit, Der für Deutschland so unglückliche Krieg hat auch zur Folge gehabt, daß die Führung der jüdi-' schm Gesamtinteressen auf die amerikanische Iudenheit tzüergegangen ist. Dies hatte für die jüdische Politik die'Aenderung, daß großzügige Auffassung und klarer. Blick für die Wirklichkeit vorherrschend geworden Hid/'— und im gegenwärtigen Augenblick kann man unser« Iudenheit im alten Europa — und darunter Hesvstddrs dqr deutschen Iudenheit — üur wünschen^ daß auch sie recht schnell lerne, den Dingen in die' Augen zu sehen. Ms charakteristisches Beispiel für die Auffassung der amerikanischen Juden sei nachfolgend ein Artikel 'K. W h i ttn a n' s übersetzt wiedergegeben. Wirs können wir tun? Nichts. -Alle Hoffnung ist zu nichte. Der Schlächter wird geschlachtet, dsssr Henker gehenkt, der Plünderer geplünert' werden, — . doch wir werden schweigen. Mögen Massen untkv den Zähnen der Hunde zerrissen verden, mögen sich Zehntausende von Waisen hungrig jmb frierend auf Düngerhaufen wälzen, mögen Tausende errücktgewordener in den Wäldern herumirren und die Gelt mit ihren wilden Klagen erfüllen,— wir werden > alles hören und den Kopf in die Erde stecken. Und wenn das Furchtbare seinen Höhepunkt erreicht haben wird, — werden wir wieder vor die Staatsnänner treten und für unser todgeweihtes Volk uin rkarme» flehen. Und wir werden die bekannte Antlvort Erhalten: „Wir kennen die Lage, — aber es liegt nicht unsrer Macht, sie zu ändern." So wird unser'Leid nur 'wachsen. Alle Hoffnung ist zunichte. Wir können nichts Tie Toten können wir nicht zum Lebe» erwecken und die Lebenden nicht vom Tode erretten. Und das efühl des Erbarmens mit uns wird um so schwächer, häufiger es wird. ,Auch bei den „guten und gehten Völkern" verwandelt sich das Erbarmen in Abneigung, in das Bestreben, sich von Uns zurückzuziehen ad eines Volkes ledig zu werden, das die andern bloß aufregt. -Wir wußten es schon und wissen es jetzt nur noch rlicher, daß wir in dieser grausamen Welt vereinlsamt dastehen. Und wenn die Propheten von b-r cxjtremen Linken kommen, unsere Wunden streicheln, uns östen und sagen, daß die neuen Grundlagen der esellschaft auch unsere Schmerzen stillen werden, dann uns ihnen keinen Glauben schenken, sondern sie Lügenpropheteu nennen. Mit dem Blute unserer Brüder haben wir die Lehre bezahlt, daß wir von keinem-Bolk und von keiner starte, irgend eines .Volkes Hilfe erhoffen dürfen. Zuglaubten wir, daß nur die Führer und Lenker der stölker uns hassen. Wir hatten auch einigen Grund, stu glauben. Waren wir doch ein Element des Fortschritts, sie, das der Erhaltung, so daß ein imaufhör- ''cher Krieg zwischen uns nur etwas Natürliches war. 3ir'hofften also, daß, wenn die Völker selbst ihre Geschicke schunden werden, auch unsere Leiden ein Ende k würden. Die Völker haben sich emanzipiert, aber Are Leibeilszeit gehtweiter, gehst in einer Weise weiter, wie sie sogar in der mittelalterlichen Geschichte unseres vielgeprüften Volkes unerhört ist. Und wenn die extremen Linken gegen das Morden und Hinschlachteu sich aussprachen, taten sie es nicht aus einem menschlichen Gefühl, sondern aus Parteiberechnung. Die Judenpogrome lieferten eben der Gegenrevolution Wafftn. Und weil die Gegnerschaft gegen die Pogrome aus dieser Quelle stammt, glauben wir weder an ihre Kraft, noch an ihre Beständigkeit. Unauslöschlich wird sich m unser Gedächtnis folgende Tatsache eingraken: Als die Jugend unseres Volkes sich zum Kampfe gegen die Pogrombanden bewaffnen wollte, traten ihr die Bolschewiken mit der Aufforderung entgegen, lieber in die Rote Armee'einzutreten! Ist das nicht Parteiberechnung? Tausende einfältiger und reiner Seelen vom Tode zu retten, die Ehre der Töchter und Schwestern zu schützen, wird nicht zugelassen. Statt dessen fordert man — dsn Eintritt in die Rote Armee. Uebrigens: waren nicht die ersten russischen Revolutionäre, denen jede Menschenseele heilig war, doch niit den Pogromen in den achtziger Jahren znsrieden, weil sie, wie es hieß, in ihnen „die Cntfachung des revolutionären Geistes und Willens" sahen? Sagte doch jüngst sogar einer der „Unsrigen", daß „das vergossene jüdische Blut das Salböl der Revolution" sei. Ich entgegnete: Wo das vergossene Blut Unschuldiger nichts Heiliges mehr, sondern eine Sache des Parteivorteils ist, haben wir nichts mehr zu erwarten.. Aus eine solche Welt können wir uns nicht verlassen. — Nur das Bert rauen auf unsere eigene Kraft kann uns zur Rettung werden! Etwas Gewaltiges haben wir in diesen Schreckenstagen gelernt. Wir haben aufgehört, Leid und Qualen zu fürchten. „Ukraine!" ist das Zauberwort, welches unsere Herzen zu Stahl macht. Und wißt ihr, was für eine Riesenkraft ein Mensch besitzt, der Schmerzen und Qualen nicht fürchtet? Wenn wir.beim Aufbau unseres Landes unmenschlichen Schwierigkeiten begegnen werden, wer wird sie fürchten? Wir.werden uns nur an unsere erschlagenen und gemarterten Brüder zu erinnern brauchen, — 'und alle Schwierigkeiten werden uns als nichttg erscheinen. Mag Hunger und Elend in unserem neuerwachten Lande herrschen, mögen Krankheiten unter uns wüten, mögen wilde Horden uns überfallen, mag unser Leben ganz von Kampf und Krieg erfüllt sein, — was kann uns das bedeuten? Wir werden uns nur an die Ukraine zu erinnern brauchen, — und alle Leiden und Qualen werden ihren Stachel verlieren. Und mögen wir selbst weiterhin in dem Goluth bleiben müssen, — wer wird noch Leid und Qualen fürchten, wer wird noch vor dem Kampf um unsere Ehre und unsere Rechte zurückschrecken? Hat also euer Tod, ihr dahingegangenen Brüder, keinen Sinn gehabt? Fürwahr, ihr habt Großes mit ihm erkauft! Wenn es noch Seelengröße in unserer Mitte gab, so habt ihr sie geweckt! Und eine neue Fähigkeit habt ihr in unserer Mitte geschaffen und entwickelt: die Furchtlosigkeit dem Tode gegenüber. Damit habt. ihr uns die größte, furchtbarste Kraft .geschenkt. Was ist gegen den auszurichten, der sich vor dem Tode nicht ftzrchtet? . Wenn toir diese Kraft behalten, wenn wir uns ihrer auch bedienen 'w«d«r, dann wird man uns in Hinkunft nicht mehr verachten, aber auch nicht mehr bemitleiden können. Wir waren seit altersher ein Volk von Priestern. In der letzten Zeit wuchsen in unserer Mitte auch Helden heran, aber es waren nur einzelne, nnd diese widmeten ihren Heldenmut meist Fremden — unser«« Feinden. Bon nun' ab, Brüder, werden wir alle Helden sein, aber nicht um den andern neue Wetten zu erobern, sondern um unsere Welt zu bauen und unsere Zukunft zu schaffen. Die Schwachen werden in dieser Zeit der Feuerprobe absallen, aber der Rest wird auS Helden bestehen, die nicht nur unsere Welt bauen, sondern in und mft ihr für alle Menschen Recht und Gerechtigkeit erstreiten werden . . . Generationen um Generationen haben in unser« Mitte Geduld und Demut entwickett. Diese Fähigkeit machte uns zum Prügelknaben der Fremden. Nun wollen wir sie aus unserem Herzen reißen oder in unserem Jnn«n verhüllen, bis ihre Zeit kommt. Für die Gegenwart aber. wollen wir uns neue Eigenschaften erwerben: Größe und Stolz, einen aufrechten Nacken, einen strahlenden Willen zur Selbstbehauptung, Freude am,Kampf ums Dasein! Wollen wir euch etwa ttösten, ihr gemarterten, erschlagenen Brüder? Nein. Eu« Trost liegt noch in der Zutunst. Denn wenn es einen solchen überhaupt für euch gibt, so kann et nur darin bestehen, daß uns ein jüdisches Heldengeschlecht ersteht, das groß und wunderbar in seinem Lebe», wunderbar und strahlend in seinem Sterben ist . . . Wem zu solchem Trost die Kraft fehlt, der wende sich von uns! Die Sitz»agdesGrutze« Aktions-Comiteeder ZtoaistOcheu Oraaaifario«. Die Sitzung des Großen Aktions - Comitees i» Konferenzsaal des Zionistischen Zentralbureaus in London, 77, Great Ruffell Street, wurde von Na hum So ko low eröffnet. Tr. Hantle gab hi«auf bekannt, daß auß« allen Mftglied«n des E. A E. — Prof. Marburg, Tr. Weizmann, Nahum Sokolow, Dr Lewin. Dr. Jacobson, Dr. Hantke —, die nachfolgenden Mitglieder des Aktions-Comitees schon in üer ersten Sitzung anwesend sind: Dr. Bodenheimer, Jea» Fisch«, Dr. Friedemanu, Boris Goldb«g, A. Jdelsohn, Jacobus Kann, Dr. Klee, Dr. Marmorek, Les Motzkin, I. A. Naiditsch, Abraham Podlischewski, I. %. Rosoff, Dr. Schoenfeld. Julius Simon unb Ing. Robert Stricker würden in den nächsten Stunden eintteffen. Es bestehe noch die Hoffnung, daß Dr. Reich und Ing. Kremenetzki im Erlauf d« Tagung eintteffen. Die Mitglieder des Aktions-Comitees llssischkin, Dr, Rosenbaum, Ing. Keßler und Schein sind an der Teilnahme verhindert. Anwesend sind fern« Dr. Max Nordau. Dr. Feiwel und Hermann Struck, während die als Fachmann« für verschiedene Beratungsgegenstände eingeladenen Dr. Ruppin, Dr. Georg Halpern und Mols Boehm für die nächsten Sitzungen «wartet werden. Der Jewish Colonial Trust ist durch Dr. Katzenclson, die Auglo Palestine Company durch Josef Cowen, d« Jüdische Nationalfonds durch de Lieme vertreten. Dr. Hantke teilte hierauf mit, daß das E. A. C. mit Rücklicht auf die abgesagte Jahreskonf«enz beschloß, jene Fed«ationen zur Entsendung eines Delegierten zu der Sitzung einzuladen, welche ihre Informationen nicht