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Neue jüdische Presse · 1920-02-13 · Heft 6 (13.2.1920) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 6 (13.2.1920)
Date
1920-02-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Jtr. 6 Seil, 3. Neue Irdisch« Kresse. K ■ fConditorei und Cafd I Wilhelm Wendel L- A1 Xe» Or HgSO 6. >M- Ren renoviert and w<i**wert- Fainata Toi*i«n und D»»aorta Kaffaa, Tmi Schokolade iin Taaaen» halle» hat. befinden HL 5000-10,000 jüdisch: KriegSge. , sangen«, hievon über 17*!X> Offiziere, in über!-> Lager., . vonOmSl bis nach Wladiwostok. Das Leben i)t um groben Beschwerden verbunden, da — abgesehen von de» Unbilden des Klima? und der politischen jiitiintton - eilt empfindlicher Menge! an Nahrung, Älciduiig. Beleiul>iung, Beheizung, Seife nfw. herrscht. Die;uocsckev Gefangenen versuchen sich am Leben zu erhalten, rndem . sie bei der Hersteilung von Zigarren und Zigaretten. Arbcir verrichten. Doch infolge der Armut de, Landes und der groben Konkurrenz ist d-r «eroirnst -in sehr gerrngec. Als eine Folge dieser Situation lichten chronische Huiigcründ epidemische Krankh.iten, insbesondere Tuberkulose, ow Reihe» der Gefangenen. Trotz dieser ungcheur-.n Schmierig- ' keilen haben sich ungefähr 60 Prozent aller jüdischen Gefangenen in zionistische Gruppen orgauisiert, haben Schulen. BortrogSkurse, ArbeitSgenosscnschasten, Hechaluz-Gruppcii und nationale Schiedsgerichte errichtet, welche zwiichrv r guden im Lager Recht sprechen. Die sibirische Zionistenfeieration und der sibirische jüdische Nationalrat traten imitier wieder für die jüdischen Gefangenen ein. Dr. Aaznelson berichtet sodann über mehrfache Ber- -Handlungen de» I. N. R.» die den Abtransport der Gefangenen betresfen. Mitte Februar wird ein zweiter Delegierter des I. N. R. rach! Amerika abreisen, der gemeiiisam mit den für diele Angelegenheit in Amerika bereits gewonnenen Persönlichkeiten verschiedene Schritte unternehmen wird. :ir>- 9teit*n|. Xaannt H* Snltnfdcli rfchi Untre' den Anweseni'e» bemerkte man auch mehrere Rabbiner. Nachdem Dr. Lang in slovallscher und Dr. ' S Ivo» in deutscher Sprache die Versammlung begrüßt Halten, miirten Müller sFrastak), Dr. Sipo» sBratts« jÄilval und Direktor Rcichental (Trnava) in» Präsidium gewählt. Die anwejenden Gäste: Dr. Arthur Ar«und für den Jüdischen Nationalrat ist Wien, Dr. Theodor Haas kBrunn'; für-den mähr.-jüdischen Landesvolksrat und Dr. Kommissionen und da» Zentralwahlkomitee gewählt wurden. Dr. L a n g sTrstenna) erstattete Bericht über die Frage der Lirenzen »ich de» Ersatzes der PlünberungSfchäden, peri ALLE R PR'VAT- TS:LcrCN-GE/.clLTC | singe« an, ich weiß noch, wa» es .sür ein Lied war; er Hat sich mir gut in .das Gedächtnis eingeprägt:! /> ,X> Straßburg, o Stroßburg, Du wunder schöne Stadt, """" Darinnen liegt begraben . So mancher Soldat." So hat Nazi gesungen und.mir sind die Haare zu Berg' gestanden über Sen leichtsinnigen Kameraden, wie der da auf und nieder geklettert ist und jeder Tritt ihn in de» Tod bringe» konnte und dabei noch sang. „Nazi," sage! ich au ihn, weinend, „Du kannst jetzt noch singen?" Da f locht' er laut auf, und zum ersten Male seit wir beisammen i in der Lehre sind, sagt er zu mir: „Jud'. s-irchtst Du l Dich viellcicht?" Ich weih nicht, war»»» wir dieses Wort ^-gerade aus dem Munde ineines Kameraden so fürchterlich vorgekommen ist. i„ diesem Augenblicke. Aber es war ein Wort, da» rin Mensch zur rechten Zeit ausgesprochen hat. „Fürchten? Nazi," ries ich ihn, zu, „sieh her, ob ich muh fürcht'?" Und nun fang' ich mit ihm um die Wette zu klettern, zu springen und z» singen an; mein« Seele war wie toll geworden. Mein Kamerad hat mich ganz verwundert angeschaut; auch der Meister. Keiner weiß sich's zu erklären, wie mir so ans einiiial die Furcht vergangen ' ist- Ich war in jener Stuiide ein gauz anderer Mensch „geworden; ich hält' mich mit der halbe» Welt berumgeschlagen.' wenir es halte sein müsse». Keiner hätt' mir sagen dürfen: Jud', sürchtst Dich? Denn ich Hab' mich nicht mehr gefürchtet; ich war wie Naz!, wie die andern geworden, und mein Meister hat zu mir auch gesagt, was ich mir ewig merke» werde: „Siehst Du, Wolf! die Furcht, das ist der Unterschied zwischen Juden und Christen; ihr seid ein geplagt Volk gewesen, und darum fürchtet ihr euch; aber wenn ihr das einnial abgelegt habt, seid ihr uns gleich. Da hast Du einen Zwanziger und furcht' Dich auch weiter nicht mehr. ES kann -ins Dir ein tüchtiger Schlossermeister werden." — Ich zünd' auch meinem Meister «ül Jahrreitticvr an. wen» ich einmal höre, das; er gestorben ist." wies insbesondere daraus, wie die Regierung durch den Aninestieerlaß in strafrechtlicher Beziehung und durch da» Moratorium bezüglich der betreffenden Schadenersatzansprüche in zivilrechtlicher Beziehung die Juden den Plünderern. ja sogar oe.-r Mördern gegenüber für vogelfrei deklariert hatte. lieber die bevorstehenden Wahlen referierte Dr. Eisler (Frostak) als Vertreter des provisorischen Zentralkomitees der vereinigten jüdischen Parteien und Tr. M a i d u (Tciiic). Es wurde beschlossen, bezüglich der 'Licenzen und PlünderiingSjchäden die geeignet' erscheinenden Schritte bei der Regierung zu unternehmen.!?ezüglich der Wahlen wurde das vorgeschlag:,« Programm m'genommen, demzufolge sich oie Juden aus der Slovakei an den bevorstehenden Wahlen tu die Nationalversammlung im engen Einvernehmen mit den Jude» in Böhmen und Mähren im bewußt-jüdischen Scnnr aktiv zu betätigen haben. „Jüd. Bolttstimme." Psle». M«»»«t»»ie»erle,»,g M atimlntn Perlmutter . (JI Z ) Wie der »Lurjer Nowy" aus absolut verläßlicher Quelle erfahren will, bewahrheitete sich das Gerücht von d:r MandatSniederlegung des Abgeordneten Rabbiner Perlmutter. Infolge der Entrüstung und der Erbitterung, die sein Auftreten im Reichstage letzthin erregt hat, (bei b« Abstimmung über das StoatSbürgergeseh stimmte Rabb. Perlmutter gegen die jüd. Abgeordneten) beschloß Rabb. Perlmutter. dem Drucke einslußreicher Persönlichkeiten der Orthodoxie folgend, aus sein Abgeordnetenmandat zu ver- «chte» und sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen. Rabb. Perlmutter bemüht sich jetzt um einen Paß noch Palästina, wo er ständigen Aufenthalt zu nehmen beabsichtigt. ,2»»." .Im Züricher KantoaSrat nahm Dr. Färbstein den von Pfarrer Weidmann persönlich angegriffenen Oberrichtrr Lang in Schutz. Bei dieser Gelegenheit ertönte brr Zwischenruf „Jud". Dr. Farbstein antwortete sofort: „Mich kann dieses Wort nicht beleidigen. Ich kenne ober Eure christliche Menschenliebe. Euer Gott soll der Gott der Liebe sein, mein Gott soll dagegen der Gott des »sein. Ihr habet Eure ganze Liebe Eurem Gott ssen, von Liebe ist bei Euch keine Spur. ES zeigt von einem niedrigen moralischen und geistigen Niveau de» Rats- Mitgliedes, der den Zwischenruf fallen ließ. Er ist Unwürdig. RatSmitglied zu sein. Für solche Menschen ist die Hundepeitsche das einzige Mittel." Nach den Worten Dr. Zarbstein» glaubte der freisinnige Dr. R o b e r t S ch m i d t die Bemerkung machen zu müssen, Dr. Farbstein hätte die gesamte freisinnige Partei angegriffen. ~ Fardstein er Schandfleck am Körper der sreisinnigen Partei. K»rze tzslMsche ««chrichte». Berli». In einer großen Versammlung d'SAentralvereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens sprachen der Demokrat Oswald Riedel, der Sozialdemokrat Adolf Ritter und der Unabhängige Fritz Zubeil über die Stellung der Arbeiterschaft zum Antisemitismus. Ritttr nannte die Antisemiten die Hyänen des politischen Schlachtfeldes, Zubeil nannte sie «ne Külturschande Deutschlands. S«e> Di« durch zionlnifche Lr-anlaffung bier errichtete Filiale des amerikanischen „Joint Distribu» ichildermale'fii u. Weissbinderarbeiten Philipp Trauner Texterat rsaae 68. Telephon äömer 5773. tion Committee" arbeitet mit Ersoig für d:e MUderung dcS Flüchtlingselends. VuVApes». Wie sich heute herauLstel-i, dürste in dem neuen Parlament nur ein Jude, der frü'-wre TtaatSsekcetär Dr. Bazsonyi, sitzen. Pr»« In einer dieser Tage veröffrntl'chten min ste« riellen Berjügung bezüglich Kino-Konzesj Ionen steht, trotz drS Versailler FriedenSvertrageS, de' fei - gende ungeheuerliche Satz: „Ist der Bewerber selbst -ichtausgebildet, so muß er leinen Fachmann a!S Gesellschafter haben. Dieser aber darf weder ein Jude, noch ein« Mensch mit schlechter Vergangenheit sein." Warschau. Aus einer Beratung von jüdischen und christlichen Arbeitern, deren Zweck war die beiderseitigen Gewerttchasden zu vereinigen, verlangt-' it die polnischen^ Arbeiterführer, daß die jüdischen Arbeiter die jüdisch« Sprache aufgebcn und in allen Dersamm.'unge» pvlnjs.ch sprechen. SraMa. Herbert Samuel ist in Palüst in» eiagrtrof'en. Professor Weizmann wird in Kürze wieder dort erwartet. Der gegenwärtig hier weilende rumänische Ministerpräsident Baida-Boevod hat natürlich in Gesprächen mit Pressevertretern erklärt, daß in Rumänien die Jude» jetzt das Himmelreich haben. Die Regierung gewähre de» nationalen Minoritäten volle Autonomie. Wie man sich jedoch in Rumänien um die Berpslichtnngen des Friedensverttages nicht kümmert und die Juden »och immer als „Fremde" behandelt, zeigt die Nachricht, daß die Kommission sür Kriemientschädigungen beschloß» „den Juden und allen anderen Fremden aus Altrumänien", die im Krieg waren, gleichsallS Recht auf Entschädigung zuzugestehen. L„»„. D'r Jewisd SBorffi morial«Präsident Major Lionei Lord Rothschild) propagiert für einen Fonds von 1 Milli»» Pfund für religiöse Erziehi-.ngSzwrcke. Ken. In den jüdischen Gemeinden Rom und Florenz faüd die Dahl eines neuen GcmeinderateS statt. Da» den 10,000 Juden RomS haben nur 700 und von den '.‘500 Florenz nur 141 das Wahlrecht ausgeübt, da dieses veraltet und nndemokratisch ist. In Florenz traten um ersten Male dt« Zioyisten in den Wahlkampf und errangen sämtliche 10 Sitze im Gemeinderat. RewMatt FürdenPalüstina-Ausb au-Fond» wurden eine halbe Million Dollar gesammelt, da» runter je 50 000 Dollar von Nathan Strauß und Frau F-l». * Ats«iftische Nichrichle«. Ctai(««rt. Der hier tagende Zionistische Gruppe», verband für Bayern und Württemberg wählte für den eine Wiederwahl ablehnenden Dr. Bamberger- Nürnbcrg Dr. Ruß bäum-Nürnberg zum Vorsitzenden. Bernnlaßt durch daS Verhalten der Münchener Orts« gruppedeSCentralvereinsdeutscherStaatSbürger jüdischen Glaubens, faßte die Tagung folgende Entschließung: Wocheibett-Auslattugei Muga Rathsohiläi Iniütrai» U Telefo» Hum NN. Trenderl schwieg; sein ganzes Wesen schien sich aber durch den lange verhaltenen Stoff wieder Bahn geöffnet zu haben; eine starke Männlichkeit blickte aus seinen Augen, und diegedrungene kräftige Gestalt schien noch einmal so viel Kraft und Stärk zu verkünden, als ihr vielleicht innewohnte. Wer um diesen Augenblick den leuchtenden Strahl, der aus den Blickt» de» Mädchen» auf ihn fiel, aufnehmen und erklären hätte können! Gleich daraus sagte sie aber seufzend: „Jetzt ist'S freilich au»!" „Mit wem und warum?" fragt« der Schlosser erschrocken. „Sie fürchten sich ja nicht —" flüsterte sie leise. „Und soll ich'» denn?" ries er bebend, „soll Hirsch Blaser, sollen die christlichen Schlosser mir sagen können, was ich selbst von meinem Meister und meinem Kameraden nicht habe hören können: „Jud., fürchtest Du Dich?" „Und wie wär's, wenn Sie ein Weib hätten? — und daS Weib Sie himmelhoch bäte." sagte Taube mit unaussprechlich zitternden Lauten. Trcnderl unterdrückte einen so gewaltigen Freudenschrei, daß, hätte er ihit ausgestoßen, die ganze Welt ihre schlummernden Augen ausgetan hätte. Sein Atem flog so rasch, als jagte ihn ein Sturmwind vorwärts» als befände er sich mitten in einem brennenden Haufe und müßte eilen, cuis der Gefahr zu koinmen! «Rein, nein, Taube," schrie er mit ungeheurer Anstrengung, „das können Sie nicht fordern — ich möcht' auch k:ne, die einen Schlosser nicht will — so mutz sie mich nehmen, wie ich bin — ich bleib' bei meinem Handwerk —" Zwei Seelen pochten um diese Stunde mit allen Schauern ahnungsvoller Liebe sich entgegen; sie erfaßten sich bereits Hand an Hand» und doch blieb das Geständnis auf ihren Lippen . . . „Sie wollen also nicht? —" sprach Taube mit einem vorwurfsvollen Blick, der ihm tief in das Herz drang. „Ich kann's nicht — ich kann'S nicht," rief er mit schmerzlicher Neberwindung, „und daß ein anderer Schlosser für mich die Arbeit macht, gar nicht." Tonlos sagte das Mädchen darauf: ,/va werde .ich der Mutter eine schlechte Nachricht bringen," und ohne Abschiedswott, ohne Nachtgruß war sie aus der Werkstätte hinauSgegange». Als das Mädchen fort war» schlug sich Trenderl mit der geballten Faust an die Stirne. „Narr, Narr!" rie er. „Du hast ihr ja gar nicht» gesagt." Der Doktor jubelte vor tiefster Freude auf, als er vernahm, heute werde der Schlosser den Blitzablefter auf den. Dache aufsetzrn. Aus dem säst krankhiist aufgeregten Wesen der wacker» Mindel halte er ciitiichiiien können, daß die seinen Netze, die sie und das „gescheit' Jüvel" gesponnen haben mochie», zerrissen sein mußte». Trenderl erschien ihm als ein zweiter Simson. Am Tage des „großen Ereignisses" ging ein ungeheurer Jammer durch die Seele der armen Frau. Sie konnte sich am frühen Morgen kaum ans dem Bette erheben; sie nahm das Psalmenbuch und betete lange daraus. Aber ihre Angst wich nicht; denn die Gefahr war noch nicht vorüber. Je mehr man sie tröstete, desto häufiger stieg ihre Sorge. Man begann wirNich, für sie bekümmert zu werden. Aber mit Taube war eine wunderbare Veränderung vorargangen; iie blickte mit freien Augen umher, und eine (eudjtenbe Glut, die dem Margenrot ih.e Flunme.i entliehe» zu haben schien, lag ans ihrem Antlitze. Mehr als einmal sagte sie im Laufe des Tages zu der jammernden Mutter: ,/Du wirst sehen, er kömmt gesund und stark zurück: Gott wird ihn nicht fallen lassen!" Und noch ahnte Mindel nicht, welches Gefühl au» diesen Worten sprach! — — (Schluß folgt.)

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