Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5. Ente 4. laffee Kaisergarten am Opernplats f Xratklassigea Famflieu-Kaffe c & __ Täglich Ton 4 Uhr ab . Künstler - Konzert. s:' alles verborgenen Gifts in uns brauchen wir sie, sie ist die Senkgrube für uns und ihr holt Euch dann da —r die - gHMchastsfähigen Juden! Nein, Baron, kommen's mit '' nach Palästina, da können's dann Juden sehen, wirkliche! --- «Ich bleib schon lieber hier," sagte Ferdinand lnchthin. „Geben Sie sich keine Mühe!" "" - Beer fuhr auf. „Sie glauben doch nicht am End, ich will Ihnen zureden? Wer sagt Ihnen denn, daß Sie -» mit bäzften? Das ist mir noch sehr fraglich, Herr Legationssekretär! Wer auch nur noch überlegen kann, wem es überhaupt noch denkbar scheint, hier fortzuwursteln, wem -- Europa noch mcht unerträglich ist, der bleibt wirklich besser hier. Wir können ihn doch nicht brauchen. Wir können ' nur den brauchen, für den es gar keine Wahl mehr gibt, für den hier nur der Tod, für den Leben nur dort > ist - , - . . . In diesem Europa, wo alles zum Geschäft ge- , worden ist, finden sich unter einem Volk, dem ja seit Jahrtausenden nichts geblieben ist als das Geschäft, Männer, die für eine von vornherein verlorene Sache, an die sie Mbit nicht glauben können, ihr Leben einsetzen, bloß aus Pflichtgefühl, bloß um ihrem Volk ein Zeichen zu geben oder wenn Sie wollen: einen Mythus, an dem es seine gesunkene Kraft wieder aufrichten kann, bloß in dem Gefühl, daß ein so ungeheures Opfer, so rein dargebracht, ja nicht vergeblich sein kann, daß ihm das Wunder antworten mutz. Wenn Sie's ganz genau wissen wollen: ich glaub an unsere Unternehmung nicht, gar nicht, aber ich glaube fest, sie wird der Anlaß sein, daß ein Wunder mit uns geschieht. An dieses Wunder glaub ich! Um das freilich zu verstehen, muß man ein gelernter mystischer Skeptiker sein, doch dazu habe» Sie kaum jüdisches Blut genug ..." Altertumsforschung tu Palästina. Der Altertumsforschung widmen sich in Palästina sol- ^gende Institute: Die englische Gesellschaft „Palestine Exploration Fund", die jetzt in Jerusalem eine Forscherschulr errichtet hat, das gelegentlich der Kaiserreise von den deutsche» Kirchen gegründete „Deutsche evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes", die „Ecole praüaue d'etudes bibligues" der Dominikaner und die „American School of Oriental Research". Jetzt wird natürlich auch'von zionistischer jüdischer Seite eine ähnliche Anstalt begründet. Biblisches Lnartettspiel. gearbeitet von Lehrer Simon Unna-Franksurt a. M., VcAag N. Damberger, Bad Kissingen.) Jeder Jugendbildner, weiß aus Erfahrung, welch wichtiger Faktor in der .Erziehung gerade das Spiel ist; es ist daher freudig zu begrüßen, daß ein Pädagoge wie Lehrer S. Unna die Rtühe nicht scheute, ein biblisches Quartettspiel zusammcnzustellen. Theo «loliad Konfitüren und Schofeolade Steinweg 12 Steinweg 12 ffieue Jüdische Kresse. In zwölf Serien vermittelt dieses Spiel der Jugend gehaltvolle Sprüche aus Tenach und wird dadcktch der Methode gerecht, spielend zu belehren. Aber auch noch der Heranwachsenden Jugend wird es Freude machen, ein Spiel in die Hand zu .bekomme», das ihr geistige Anregung bietet, und mit Stolz wird sie zeigen, daß sie auch etivas dabei, lernen kann. Ob es nicht auch dem Erwachsenen nützt, wenn er sich- Nlauchen Weisheitsspruch unserer Bibel wieder in Erinnerung ruft? Es wäre zu wünschen, daß dieses jüdische Spiel, das in der Idee wie in oer Ausführung gleich gut gelungen ist, rasch Eingang in jüdischen Kreisen finde. Eingesandt. ' In einem Berichte über die MiSrachikonserenz in Amsterdam finden wir eine Mitteilung des Inhalts, daß bei einer Beratung zwischen Vertretern unserer Verwaltung und denjenigen des Misrachi beschlossen worden sei, die Schulen der Deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung dem Misrachi zu unterstellen. Diese Mitteilung ist unrichtig. Gegenstand der Beratung war die Frage, ob Kr drei Jerusalemer Anstalten der Deutsch-holländischen Palästinavcrwaltung, und zwar die.fesardische Doresch Zionschule, die Talmud-Thora der Jemeniten und die JeschiwaS Zion, eine gemeinsame Verwaltungskommission auS Verttctern oer Amsterdamer Pekidimverwaltung und des Misrachi, unabhängig von der zionistischen Organisation, gebildet werden könne. Bon einer Unterstellung der Schiulen unter den Misrachi war niemals die Rede. Zu einem endgültigen Ergebnisse haben auch diese Beratungen nicht geführt, da sich die Amsterdamer Pckidimvcrwaltung für ihre Entschlüsse die Zustimmung der deutschen rabbinischcn Konsulenten der Pekjdim Vorbehalten niußte. Da cauch der Misrachi einen ähnlichen Borbehrlt machte, war ausdrücklich beschlossen worden, über die im Gange befindlichen und im Ergebnis ungewissen Verhandlungen vorläufig nichts zu veröfffentlichen. Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung. . Hierzu haben wir zu bemerken: Unsere Mitteilung in der vorigen Nummer die anscheinend mit analogen Mitteilungen der holländischen Presse übereinstimmt, entspricht ganz dem Stand der Verhandlungen zwischen dem Misrachi und den Pekidim am Donnerstag, den 22. Januar, Vormittags. Zwei Punkte, die in der Mitteilung unseres Gewährsmannes enthalten waren, find noch uachzufügen. ES wurde nämlich vereinb-nt, daß ein Vertreter der D. H. P. B. in die Erziehunaskommission des Misrachi entsandt werde und Kitz die Regelung vorläufig nur für zwei Jahre Geltung haben sollte. Bei unserer Kenntnis der Psyche der deutschen maßgebenden Herren dünkte es unS sogleich unwahrscheinlich, daß diese ihren.holländischen Kollegen einem Entschlüsse, die Schulen in Palästina dem Misrachi ju unterstellen, die Zustimmung erteilen würden, so vernünftig auch dieser Entschluß einer einheitlichen traditionstreuen Schulleitung' in Palästina sein würde. Jnsolge der Seriösität unseres Berichterstatters nahmen wir jedoch leinen Anstand, die Nachricht zu bringen, — und wir glauben, daß ohne das Dazwischentreten der deutschen Herren die Uebertragung der.pädagogischen Leitung der Schulen an den Misrachi auch ohne weiteres Tatsache geworden wäre. Der Verband der Ostjudc» in Deutschs land, Berlin N. 24, Augustastraße 17, erbittet zugunsten der jüdischen Flüchtlinge die Ueberweisnng von Wäsche »nd Kleidern. Der Verein für Arbeitsnachweis E. V. (begründet von den Berliner Logen U.O.B.B.) B c r l i u N. 24, Schildermalerei u,Weissbinderarbeiten Philipp Trauner Textorstrasse 68. Telephon Börner 5778. Monbijouplatz 10 (Fernsprecher für männliche Abteilung, Lehrstellenverinittlung und Berufsberatung: Norden 9130, für weibliche Abteilung und Schreibstube: Norden 9131) schreibt uns u. a.: Es fehlt an Arbeitsmöglichkeiten. Durch den ständigen Zuzug von Ostjuden wird diese Arbeitslosigkeit noch verstärkt, da die Zugewanderteir nur unter recht schwierigen Umständen in Deutschland Arbeit finden können bezw. aufnehmen dürfen. Auch die Ministerial-Verfügung vom 1. November hat an dieser traurigen Tatsache wenig geändert. Not, Elend und Neigung zum Schiebertum sind unausbleibliche und sehr böse Folgen. Dieser Ungeheuern Gefahr für die gesainte deutsche Judenheit auch nur einigermaßen Herr zu werden, kann nur dann gelingen, wenn alle jüdischen Arbeitgeber es für ihre größte Pflicht betrachten, dein „Verein sür Arbeitsnachweis" als dem üd. Zentral-ArbeitSnachweis in Großer li» jede offene Stelle, ja, auch die geringste Beschäftiguiigsniöglichkeit umgehend mitzuteilen. ES ist besonders erwünscht, wenn auch die Glaubensgenossen in der Provinz alle offenen Stellen, nicht nur kaufmännische, sondern besonders auch, in Handwerk und Landwirtschaft, hierher mitteilen würden, um. so den Berliner Arbeitsmarkt zu entlasten, wo die lvirtschaftliche No! unendlich schwerer und ernster ist als im Reiche. Letzte Berichte. Zur ick, (J.P.Z.). Ach ad Haam ist m't Tochter in Bern eingetroftcn. Er will zur Kräsliguug seiner Gesundheit zwei Monate in der Schweiz bleiben. — Rabbiner Kn k ist von den Vertretern der aschkenasischen JeschiwauS und Synagogen als O berrab b i ner v o n Jerusalem anerkannt worden. — Die Schriftsteller R a w nitz ky u. T s ch e r n i ch o ws ky wollen nach P a lä st i n a übersiedeln. Der Dichter Stoffe aus Wilna ist dort bereits eingetroffen. In T r i e st* * langten auf der Fahrt n a ch P a l ä - stina 48 Juden an, darunter 18 Chaluzim ans Krakau und Przeinysl, 1 Arzt, 1 Äcrzti», 1 Zahnarzt, 2 Bauingenieure »nd l Möbelfabrikant. K o w n o (J.P.Z.). Die Konsercnz der jüdischen Gemeinden Litauens endete mit der Wahl eines aus 34 Mitgliedern bestehenden jüdischen Nationalrates, dessen Präsident der Advokat Rose »bäum ist. Die etwa 10 000 Seelen zählende lettische Judenheit hat einen bedeutenden Erfolg zu verzeichnen. Ihre kulturellen Institutionen (Primär- und Mittelschulen) sind von der Stadt Riga subventioliiert worden, während die Verwaltung der Schulen ausschließlich von den jüd. Parteien selbst kontrolliert wird. Die einzige Forderung, die die lettische Regierung ausstellt, lautet, haß die letttsche Sprache als Landessprache in den Schule» gelehrt werden soll. Bezüglich der Unterrichtssprache ist man zu dem Komvromiß gelangt, daß der Unterricht in den unteren Klassen der Primarschulen in Jiddisch, in den höheren eSP Kaffee Itulilami igj Kaiserstrasse 56 Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassig« V Unterhaltungsmusik Iti A - KT -r & i „Nein — ich — ich komm' wegen etwas anderem," flüsterte Taube. Und nun erzählte Taube unter Stocken^ und Unterbrechungen, wie sie eigentlich gekommen wäre, ihn um etwas zu bitten, was er ihr gewiß nicht abschlageil würde. Die Dritter sei fast krank vor lauter Sorge und Äugst, denn sie könne den Gedanken nicht ertragen, daß er de» Blitzableiter aufsetzen werde! Tag und Nacht müsse sie daran denken. . . . Bald sehe sie ihn mit zerbrochenen Gliedern, bald als Krüppel vor den Augen; er solle um Gottes willen daran denken, was er unternehme! Ob er. der Mutter zu Gefallen das Wagnis nicht unterlassen wolle? ... es käme nichts Gutes dabei heraus. - „Und was kann das Schlechte sein?" fragte der Schlosser Üchelnd. Aberdas Lachen verging ihm, als die schöne Taube darauf mit dein Ausdrucke tiefinnerster Seelenangst ausries: „Um Gottes willen, fürchten Sie sich denn nicht? Ich komm' ja in später Nacht, um Sie abzuhalten davon Ist das nicht genug?" - Trenderls Herz stand um diesen Augenblick still. Welch -ein-Ton war an seine Seele geklungen! Ein unendliches Wohlbehagen durchströmte ihn; dann jagte ihm das Blut -siedendheiß durch alle Glieder. „Ich weiß nicht, wie ich mir vorkomme?" sagte er nach einer langen Weile, während welcher sich die beiden sprachlos gegenübergestanden waren. „Ich weiß nicht, wie ' ich mir vorkomme? Erst, diese Woche sind mir tausend Gulden angettagen worden, wenn ich den Blitzableiter nicht aufsetze . . . und jetzt kommen gar Sie." ist alles meine Mutter," rief Taube, „die will nicht, daß sich ein Judenkind so an 'Gott versündigt." .Trenderl war still nach diesen Worten; aber sein Atem ging rasch. Er fuhr sich verlegen mit der Hand über die Älllgep. „Ihre Mutter, sagen Sie," brachte er stotternd hervor, 7gef)' rch denn die so viel an?" (Fortsetzung folgt.) Die Emanzipation der Juden in Mamz im Jahre 1798. Bon Paul Kurt Loewenberg, Wiesbaden. Die Geschichte der Mainzer Jude» Im Mittelalter ist ein dunkles Kapitel, reich an Morden und öfter tvurde die dortige Jüdische Gemeinde durch Brand und Verfolgungen gänzlich aufgerieben, bis im Jahre 1583 die Gemeinde Durch die Wiederaufnahme neu erstand. Zuerst besaß sie reichliche Freiheiten; gegen Ende des 17. Jahrhunderts jedoch pferchte man auch im „goldnen" Mainz die Inden in ein Ghetto ein und brandmarkte sie damit in der schimpflichen und rohen Form, die auch heute leider noch nicht ausgestorben ist, ivenngleich die Methoden andere sind. Man schikanierte sie, wo man konnte, wenn man auch gern in dxr Rot ihre Dienste in Anspruch nahm und beschränkte sic in der Ausübung der Gewerbe und des Handels aus Furcht vor - der Konkurrenz ihres regen Geschäftsgeistes. Einen radikalen Wandel und die endliche Befreiung von all diesen Deinütigungen brachte erst die französische Revolution, die auch vor den finsteren, freudlosen Judengassen nicht halt machte. Gerade uns, die wir in der neuen großen Revolution ein Aufleben des, Judenhasses erleben müssen, der am liebsten neue Ghettos oder Lar völlige Au Tilgung anstrebt, interessiert das Besreiungsdekret, das Stadtrat Bainberger von den Franzose» erwirkte: Haupt-Register Bureau von Nr. 2149 Frauzösische Republik Nr. Freiheit Gleichheit Departenient Donnersberg. - Kanton Mainz. - Beratung der Munizipalverwaltnng der Geineinde Mainz. Sitzung vom 26. Fructidor im 6. Jahre der einen und unteilbaren.französischen Republik. 12. September 1798. Laut Bericht des Bürgers, Dittmeyer, Polizei-Kommissär, beabsichtigen die Einwohner dieser Stadt, die der inosaischcn Religion angehören, die Tore, die sich am Eingang der von ihnen bewohnten Straße befinden, auf feierliche Weise niederreißen zu lassen. Wir beschließen in Anbetracht dessen, daß cs gerecht ist, daß diese Tore vernichtet werden, durch welche diese Bürger während der früheren Herrschaft von der Gesellschaft ihrer anderen Mitbürger getrennt und in einer despotischen und empörenden Art von jeder Verbindung init denselben ausgeschlossen waren, also,' deren Fortbestehen ein schmerzliches Andenken an ihre frühere Sklaverei sein müßte,, und sie nur allzulange die Opfer der Tyrannei und des Fanatismus gewesen sind. Nachdem der Kommissär des Exekutiv-Direktoriurns feine Meinung' abgegeben hat, verordnet die Munizipalverwalkung: Es ist den Vorstehern der Einwohner, die der mosaischen Religion angehören, 'gestattet, die Tore, die am Eingang der Straße, genannt Judengasse, sich befinden, niedcrzureißen' und damit diejenigen Feierlichkeiten zu verbinden, die. ihnen hierzu am geeignetsten erscheinen, unter Aussicht des Bürgers Dittmeyer, Polizei-Kommissär. Die Munizipalverwaltung von Mainz, gez. Umpfenbach, Präsident, Zentner, Cronauer, Zümdt, Räte; Retzer, Kommissär des Exekutiv- Direktoriums; Müller, Sekretär." Bevor aber das bedeutsame Dekret noch an die Oessentlichkeit gekommen war, war die Tat bereits geschehen. Der jungverheiratete Moise Cahn wollte vom Ghetto in die benachbarte Klarastrasse ziehen. Der Wächter am Judentore suchte das befehlsgemäß zuioerhindern. Daraus entwickelte sich ein Streit, bei dem ein zufällig vorübergehender französischer Hauptmann Cahn mit den Worten zu Hilfe kani: „Bons avcz parfaitement raison, ja vais vous cuvoyer du secours, deinollisser douc cette vieille baraque." Mit Hilse eines französischen Sappeurs riß Cahn zum Jubel der befreiten Glaubensgenossen das Tor ein. Damit begann eine neue, freie Zeit.,