Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 3 (23.1.1920)
- Date
- 1920-01-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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©etfc~4. fSdiikiimdBreiu.WeUsbindei^eiten ^Ilini framer i <J8.lTeIephoii:fiOiner S778. an «ns vorüberziehen. Mit dem 11. Jahrhundert hörte auch dort das Glück für jie auf, denn in all den Ländern, die das Mittelmeer einrahmen, wie auch in Deutschland, ~ in Oesterreich, herrscht das kanonische Gesetz, herrscht die . Kirche über den Staat und erniedrigt den Juden zmst „Gezeichneten", zum Paria und tötet ihn wirtschaftlich. Sein Geijwskben und seine Sittenreinheit konnte man Glicht' ertöten, wie uns dies, der das Mittelalter abschließende Abschnitt des Weilchens kunbtut. Aber der Mystik eröffyete-das Elend einen breiten Weg. , Mit dem 16. Jahrhundert beginnt die Neuzeit. Mit Recht schreibt Ellbogen, sie hat die Geschichte des Juden -wcht grundlegend beeinflußt. Der Zusammenhang zwischeu' Talmud und Reformation, das Austreten Reuchlins -Hütte -hi« wohl der Verfasser etwas mehr in den Vordergrund treten lassen dürfen. Die äußere Lage der Juden hat die Reformation keineswegs gebessert, eher verschlim- «ert. Dazu treten vor allem in den romanischen Ländern die Scheußlichkeiten der Inquisition. Doch, auch von den Oasen erfahren wir in Ellbogens Buch, Äon d« Gastfreundschaft der Türkei gegenüber den „Portugiesen" und ihrer Aufnahme in den damals aufbluhenden italienischen Freistaaten und ihrer Niederlas-» sunz in den freien Niederlanden, von wo Manasse ben Israel! -Ihre Reuansiedlung in England bewirkte. Und von der gemeinen Niedertracht hören wir, wie man in Deutschland -und Oesterreich sie quälte und. peinigte, auspreßte, verjagteund tnieber holte, alles je nach Bedarf, während man .es bei den Kosaken radikaler machte und sie auf einmal totschlug, nachdem sie doch drei Jahrhunderte ruhig gewohnt chatten. Und doch waren sie es, die überall Handel und ^Wandel in-Schwung brachten, wie dies so prägnant in dem -Kapitel üb« „soziale Lage" ausgeführt wird.' (S. 77 ff.) Nicht so kritiklos darf wohl das hingenommen werden, ■ was ber Verfasser üb« das geistige und religiöse Leben - dies« Zeit uns sagt. Gewiß war die messianischc Bewegung «ne Krankheit der.Zeit, eine Geistesirrung, doch warum dem 17. und 18. Jahrhundert so alle Kultur absprechelh wie dies S. 88 geschieht,' toaxum behaupten, daß die jüd. Kultur Der Jugend nichts bot? Hatte denn der Westen, hatte mau denn außerhalb' des Ghettos Kultur? Und 'so können wir auch nicht ganz mit dem überein- .ftipmiey, was nun üb« die neueste Zeit gesagt wird. Man ckaunsauf sie retrospektiv die Worte Bruno Bauers anwen- 4»en: „Niemand in Deutschland ist politisch emanzipiert. Wir selbstsind, unfrei. Wie sollen wir euch befreien?" -Knd-was hi« vom politischen Gebiet gesagt ist, läßt sich ^ebenso ans das kulturelle übertragen. Der Rousseau'sche. Skeptizismus behielt recht. Das 19. Jahrhundert brachte Zivilisation, Technik, aber keine Kultur. Die Juden der -westeuropäischen Länder suchten diese Nichtkultur einziitauschen, ohneden Wert, den historischen Wert der eigene« zu kennen. Das bewies um beste» die Zeit d« Aufklärung. EWogen gibt sich redlich Mühe, Licht und Schatten gerecht zu verteilen. Wie weit es ihm gelang, das mag jeder einzelne Leser von seinem persönlichen religiösen» Kaffee Kaisergarten m Ofox|]itt . : SHfidaadges JFamiUen-fiaffiee Täglich Von; sÄ». Plötzlich hielt « inne, und fast bitter sagte er: .Geht, geht, Rebb Hirsch, mit Euren Reden; sie kön- Sta einem schier den Kopf verrücken, hört man Euch lange zu. Wenn es nach Eurem Sinne ginge, so hätte ich das gescheiteste getan, wenn ich die ganze Werkstätte qps die -Gaffe hluausw«fen und mir alte Westen und Schnupftücher, dring aufhängen möcht'." . „Und wenn?" meinte Hirsch Blaser mit merkwürdig -schlauem Gesicht, „Dein Unglück wär's vielleicht? Sei Du nicht blind und mach die Augen weit auf und werde sichend. Himmelhoch bitt ich Dich, schlag Dü Dein Glück nicht aus; das.kommt nur einmal und nicht wieder." . „Mas für ein Glück?" rief Trenderl, verwundert üb« -den sonderbaren Eifer des „gescheiten Jüdels". Da stellte sich Hirsch Blaser kerzengerade hin, und -sein.Gesicht zeigte einen Ernst, der das Wichtigste verkünden sollte. „Trenderl," rief er feierlich, „tausend Gulden, und . wenn, Du mehr brauchst, noch mehr will Dir einer borgen und brauchst Dich dafür nicht einmal zu bedanken. Man .hat mich h«geschickt. Dir das zu sagen." „Mir tausend Gulden!" schrie Trenderl, „und für was uud.vou.wem?"' .„Für was? so Hot der Hahn gesagt, als er einest I Edelstein auf dem Mist fand. Aber einer, dessen Vater in / seinem ganzen Leben keine fünf Groschen im Sack .hat gehabt, soll das fragen? Und von wem? Das geht .Dich Wichts an. Ein« hat sich den Spaß ausersonnen und ,Ml aus Trenderl Schlosser etwas machen, woran Gott zurd die Menschen ihre Freude haben, — wenn er näm-, Hch w ill?" ,;Mer wird nicht wollen?" rief der Schlosser unbedacht ...„M gibt schon Leute in der Well," meinte Hirsch» Glaser tückisch, „die -lieber alle Schlüssel. Herstellen und aufs Dach hinaufsteigen und einen Blitzableiter aufrichten."» Gartschuug folgt.) Keur JüdifcheMresse. resp. religiösgejchichtlichen Standpuull.aus beurteilen.'.Daß «och niemand in so knapp« Form alle -wichtigsten Epochen -des 19. Jahrhunderts, die Lage der Juden in den Europäischen Ländern, in Rußland, England, Am«ika oder-wo sonst so ansprechend beleuchtet hat, daß es-einwirklicher Historiker --ist, der hier übersichtlich ein ungeheueres-Gkvffgebiet ordnet und bis zur letzten Phase der Entstehung des Zionismus, heraufführt, d« schlicht, sachlich und doch gefühlvoll darzustellen weiß, das sei als Schlußbemrrkung und mit Rücksicht ouf das Ganze des Buches .hinzugefügt. Wir.'haben hier ein Buch für die Hand unser« fortgeschrittenen Schüler, unserer jungen Studenten, natürlich «unter Anleitung eines Lehrers zu lesen. Upter -letzterem v«stehen wir dann einen Mann, der über dem Stoffe steht Und von seinem Gesichtspunkte aus, was hier oft nur angedeutet ist, auszuführen, was ihm einseitig erscheint, üon anderem Gesichtspunkte aus zu beurteilen weiß. Ab« lein Buch wird dieser Lehrer als -Wiederholungslektüre für seine Vorträge besser benutzen können, gerade deshalb, weil es zum Unt«schied von den bisher erschienenen .Lehrbüchern" skizzenhaft darstellt. Doch nicht nur Studenten, -jedem Gebildeten --sei dies Büchlein zur Lektüre dringendst empfohlen. Dr. May. Zeitschriften. Aus den „Neue Jüd- Monatsheften" seien hier Teile eines offenen Briefes Dr. Julius SimonS an den bekannten Dicht« der „Jettchen Gebe«" Georg. Herrmann wiedergegeben. „Auch ich glaubte, daß gerade die Schule des Krieges das deutsche Volk in naher Zukunft dazu führen müsse, die deutschen Juden uneingeschränkt als Teil seiner selbst anzuerkennen und in sich aufzunehmen. Aber im Schützengraben habe auch ich — aus innerem Erleben, nicht etwa aus äußeren Konflikten heraus — erkannt, daß eine Kluft den Deutschen und den Kiden trennt, eine Kluft in Lcbensanschaunngen, im Fühlen und Denken, eine Kluft in.der Stellungnahme zu den sittlichen und geistigen Frage des« Lebens, und andererseits, daß bei aller sozialen, sprachlich« und regionären Verschiedenheit ein Band des Verstehens und d« Zusammengehörigkeit mich verbindet mit meinen jüdischen Brüdern diesseits und jenseits der deutschen Grenzen. Und so ihabe ich Iden Weg zum Zionismus gefunden und bin beglückt in dem Bewußtsein, den Kanrps für mich durchge'.ämpft zu haben." „Darum habe ich auch das Gefühl der Beglückung .darüber, -an dem Kampfe um die Wiedergeburt. des jüdischen Volkes teilnehmen und in dieser großen Zeit leben zu dürfen, die uns zum dritten Male aus dem Galuth ziLückführt in unsere alte heilige Heimat. Dieses Glücksgefühl läßt mich auch gelassen all die antisemitischen Anfeindungen unserer Tage betrachten, die wohl den Einzelnen, ja die Tausende von uns treffen können, die aber, jetzt ebensowenig wie in den Jahrtausenden der jüdischen Geschichte die Zukunft des jüdischen .Volkes erschüttern werden." „In dieser Bejahung der jüdischen Gemeinschastsgedanten liegt nicht die Spur von Gehässigkeit gegenüber der Gemeinschaft, in der wir leben. Ich bin dankbar und ergeben der deutschen Kultur, aus der und in der ich ausgewachsen bin, und der ich so viel Liebe und Verständnis zu zeigen glaube, wie nur irgend ein Deutscher. Ich bist heute, wie stets ein guter deutscher Staatsbürger, durchdrungen von den Rechten und Pflichten eines solchen, - und ich werde nicht aufhören so zu fühlen, solange ich die Lust Deutschlands atme. Ab« dieses deutsche Staatsbürgertum füllt nicht allein die Kammern meines Denkens -und Fühlens aus; neben ihm und über ihm und mit ihm durchaus verträglich lebt das tief innere Bewußtsein geistiger Verbundenheit mit der Judrnhrlt in allen Ländern und die Ueberzeugung, daß dem Sehnen ihrer Massen nach Jüvtsche Puppeusptele. (Verlag „Jung-Juda", Prag, Stefansg. 55. Preis Kr. 2.50.) Mit der Herausgabe dies« „Pupvenspiele" hat der Verlag der bekannten Kinderzeitschrift „Jung-Juda" eine lang empfundene Lücke unserer Jugendliteratur ausgefüllt. ES fehlte bisher an Theaterstücken für ein jüdisches Puppen¬ oder Mndertheater. Die Bedeutung solcher Theaterstücke, die dem jüdischen Kinde in lebendiger Form Stoffe.und Be- S' eiten aus der Geschichte mnserer Väter vor Augeu , ist eine viel weiter gehende als die einer noch so! guten Erzählung. Denn die wirb nur gelesen und leicht vergessen, während bas Theater in dem Gemüt des Kindes einen starken, die Phantasie anregenden Eindruck hinterläßt. Für dieses nicht zu unterschätzende Erziehungsmittel hat der Verlag „Jung - Juda" einige Stücke zusammrngestellt, die teils („Josef und seine Brüder") für das Puppentheater, teils als Pantomimen und Reigenspiele („Arche Noahs", „David und Goliath") und als Borlesungsstoffe am besten mit Bildern (wie die ganz ausgezeichnete Erzählung „Der Auszug aus Aegypten") verwendet werden können. Sämtliche Stücke sind bereits bei verschiedenen Veranstaltungen ausgeführt worden. Der Beifall des Kinderpublikums war überall ein enthusiastischer. / Uuv wir höre« neue HarfemttSnge. Und wir hören neue Harfenllänge Und wir sehen eine neue Glut, Und wir hören herrliche Gesänge Und wir sehen Makkabäermut, Und es ist, als ob ein - Neuerwachen Kunde brächte von dem neuen.Seiu, ... DaS .sich sondert, von den?Feigen,.-Wchwachen, - Diesich einsam-.fühlen-imb.-allein.' Rr. 8. 3» 44«att lee IhitilMHl Kaiserstresse .56 Kfiitnrntiinimi 5fi Täglich erstklassige WM- UrtterhaltMgamnslk einem nationalen Sammelpunkte im Lande -btt- Säte); Erfüllung werden ^muß." „Rur Gemeinschaften gleicher Art, gleichen Empfindens, gleicher Rasse, gleicher Nationalität können die in'ihnen vorhandenen geistigen Kräfte.voll entwickeln,-und--ärmst ist der Zusammenschluß der Nationen in. sich notwendig gerade zur Entwicklung der Gedanken, „die, J>ri3 Nationen gemeinsame Menschheitsideäl fördern:"! ) „Allerdings, wie weit sind dst nationalistischen Pestre, bungen, die wir ringsum sehen, noch entfernt Pan solchen Idealen! Aber, auch dies« nationalistische Wahnsinn wtz4 sich , läutern. Und gerade unter den Juden, hat-das-wahre Menschentum von jeher mutige, edle Bekennerund «nste Vorkämpf« gehabt: Darum war der alte GotteSstaat der Juden schon in den Zeiten der Propheten -weit-entseyrt von dem Machtstreben der anderen SraatSgebilbe.des Orients, darum gingen aus dem Judentum zu. «len--Alten Verkünder der Nächstenliebe und der sozialen-Gkrechtigkeils hervor." , Der Jüdische Verlag, Berlin, hat soeben einen Katalog eigener Berlagswerke erscheinen lassen. Der Katalog erweist, was der Jüdische Verlag ,in den siebzehn Jahren seines Bestehens stir die jungjüdische,Bewegung geleistet hat. Besonders fällt das Jahr 1913 inS Auge: ttotz der ungünstigsten Druckverhältnisse. übertrefftn die Neuerscheinungen dieses Jahres die der vergangenen Jahre um ein mehrfaches. Das berechtigt wohl.Lu dem erfreulichen Schlüsse, daß das jüdische Jnterrsse g«nz außerordentlich gewachsen ist. > ' ' .Vi Label von LoniS EouperuS. : Y (Einzig berechtigte Uebersttzung aus dem Holländischer, von E l s e O t t e n. 208 Seiten. Geheftet 7 .Mk-, geh.TO Mark, 1920. Ernst .Rowohlt-Verlag. Berlin W.„3p.)!,'* 1 Dem jüdischen Leser hat das Buch' nichts .;u. ifag$». Wir bezweifeln sogar, ob diese Uebersetzung -überhaupt irgend jemand etwas, sagen könne. Sehr vermutlich.war cs des. Autors Absicht, unter d« Allegorie des babylonischen Turmbaus dem weiland preußischen 3R3fc» tarismus lein Denkmal . zu setzen. , Vom v Miujk* bau wird erzählt, daran ungezählte ..Tausende ^'Honen, und der doch nie geendet wird, denn die 'Baumeister, die Machthaber kennen nicht — das Mitleid:» Kennten sie es, wäre das gewallige Babel selbst überhaupt nicht. erstanden. Allerdings kann sich die.Allegorie ebensogut gegen irgend eine Religion, irgend eine Weüanschauung,-gegeuLerf Kapitolismus, gegen alles mögliche richten. Denn ihrMestn heißt Vieldeutigkeit. - - - W« sagt aber, daß hier ein Allegorie vorliege? rBielleicht hat der Autor lediglich , die Geschichte-vom--.Twcuchau geben wollen. Um irgend einen gemeinten* Vorwurf ein« zukleideir, brauchte sich Verfasser doch wahrhaftig nicht ist so entlegene Zeiten zu flüchten. W« sich, ab«-ehöcLch durch die 208 Seiten des Buchs!hindurchgebisseu:chltt,»wM wirklich üicht, was Urheber mit^dstsem —jaswiSiqtvekeWnti sich? der Titel verrät nichts. Roman? Novelle?.. Epopoeil Konfitüren and Schokolade Steinweg 12 Ltoiiwes^'l? In den jungen Augen brennt ein Feuer, Das in unserer Jugend nicht gebrannt. Und die Namen, die dem-Herzen teuer, - Werden laut und liebevoll genannt. Und wir sehen wieder große Züge, Und das Leben tut gewalt'gen Schritt, Und die Wahrheit trennt sich vom der-Lüge, Deren Larve langsam nicderglitt. . . - ' Schenkt der frischen Jugend das' B«tranen, Das in jungen Jahren ihr begehrt, . . A! Und ihr werdet eine Zukunft schauen, Die in euch den Bund der Väter ehrt, . Die des Abendlandes geist'ge Beute ' In die . Lande der B«heißung trägt. Daß sich.all das Jugendträumen deute. Wenn im Morgenland sie Wurzel -schlägt- X- .GertrudMlurx*)^ Laßt sie doch ei« «e«es Zw« bane». Laßt sie doch ein neues Zion.bauen ' Dort, wo unsres Volkes Tempel.stand, Schenkt d« -Jugend Glauben und Vertrauen, , Laßt sie ziehen in 1ms Heil'ge Land. . .7.-^ . Manche w«den müde wiederkehren, * . ' .Ab« viele finden ihren -Platz, ' Und sie alle bringen neu zu-Ehren Unsres BibelworteS: heisigen Schatz, . , “' Denn von Zion aus geht die Belehrung. Aus Jerusalem. des Höchsten Wort, > - iH Opfert Ihm in innig« Verehrung ,.~h* An dem allen, neuerkämpsten Ort. . . Gertrud"MM.*)" *) .Entnommen -dem Buche „.Jüdische..Geschichte-pdn G e r t x u d'Mn.r x. Vorwort von B e r t aü> t.^WK Seiten. '6"Mk.^ Berlln, Jüdischer Verlag." ,.