Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 18 (1920)
- Issue
- Heft 2 (16.1.1920)
- Date
- 1920-01-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. ■ i-. Beite ZWsche Messe. Nr. 2. Arkadia’s Köiutlenplele - und ~ sss Arkadla-IMele: Kaiserstrasse 69. Telefon: Hansa 5516. / : Oie eraten KQnatlarsplela am Platze. Mt einigen groben Worten als Reisesegen wurde Hebel entlassen. - Der Student hatte einen gesunden Durst gehabt, als er sich dem Städtlein nahte, jetzt wollte er hier in feinem Wirtshmis einen Tropfen trinken: auf seiner Zunge lag's wie Galle und Wermut. jf Hebel hat es noch erlebt und lange überlebt, daß der .Judenzoll — wir können es kaum mehr glauben, daß er je bestand — abgeschafft werde; er-hat aber in der Stunde, ln Lw er selbst für einen Juden gehallen worden war, das ganze tiefe Weh kennen gelernt, das den Juden. in .der bürgerlichen Welt beschieden war. K Er schwß sich mit besonderer 'Zuneigung den Juden- «n und lernte ihre Innigkeit, Dankbarkeit und Herzens- -güte -immer neu kennen. Daß es viele gab, die von einem Schachergeist umhergetrieben wurden, störte ihn nicht; cs gib! solche in allerlei Konfessionen unter allerlei Formen. Hebel erzählte gern gesprächlich und in -seinem Kalender . allerlei Witzworte und Schwänke von und mit Juden, and er war einer der eifrigsten, der -in Aufsätzen, wie der aber- Moses Mendelssohn und über den Sanhedrin von »-.Daris und viele andere dazu beitrug, seine Mitchristen über -die Juden aufzuklären.' Wenn jeder, der noch ein Vorurteil gegen die Juden, hegt, nur einmal einen Tag, eine Stunde für einen Juden g^alien worden wäre: er würde sein Vorurteil ablegen und es in Gerechtigkeit und Liebe verwandeln ..." Sur Frage des ReligloasuuterrlchtS.;Nach dem Philosophen Wilhelm Wundt^mag auch ein Schriftsteller unserer^Tage zu dem obigen Thema gehört L-^ptzchen, kein Geringerer als Vernarb Shaw. Die Borrede des 7. Sammelbandes seiner Dramen, der. kurz iaot bem Ausbruch des Krieges erschien, behandelt die Erziehungsfrage und beleuchtet sie von fast allen Gefichtspunkten aus. Dem großen europäischen Spötter, hin- PHer.hessen Spott aber sich bitterer Ernst verbirgt, werden ^.wm nicht in allem recht geben. Es ist hier nicht am Platz, §Mese Vorrede einer eingehenden Besprechung zu unterwerfen, Wohl aber dürste die Leser der N. I. Pr. angehen^ wie ein Shaw, der Freidenker, der Sozialist, über beit Religionsunterricht und die Bibel denkt.? Bon dem weltlichen Moralunterricht, wie er in Frankreich in Blüte steht (und wie er jetzt viel- --fach in Deutschland verlangt wird), hglt er nicht viel, --- und Haß er nicht unrecht hat, weiß der Erfahrene. Shaw f will den Religionsunterricht, um ein persönliches Bedürf- “ ’be§ KindeS nach Religion zu befriedige». Die welt-; liche Erziehung und die Lehre von der natürlichen Zucht- -wtchl erreichen nach Shaw ihren Zweck nicht, wenigstens s ulcht in der Schule, beim Kmdc, weil sie, nämlich hie letztere, die Verneinung jeder Religion ist. Mit großem M. -'.. Humor entgegnet er den Moralisten, die nicht einsehcn, ' -weshalb man Kinder mit Erzählungen aus der Bibel wie »1? von Jona und dem Walfisch oder Elisa und den Bären ' belästigen soll, und sicht auseinander, daß diese Geschichten N:, für Kruder sehr geeignet sind und den Zweck erfüllen, v . . sie gut zu machen. Der Walfisch und die Bären regen ' :s^bas Kind an. Wey».eine Erzählung von Gott und einem - -Kinde handelt» nehmen die Kinder ebeil Gott als gegeben Mrmnd tadeln ba3 Kind, während Erwachsene das Gegen- . tell 'tun und so zu ihrer falschen Ansicht von der vortreff- : . llchen biblischen Erzählung kommen. Man soll auch nicht außer acht lassen, daß die , Bibel die alte Literatur emes' .. sehr beachtenswerten orientalischen-Volkes enthält und durch Ne 'gute Uebersetzung em Kmistwerk ist. , -" .Shaw hat hier die englische autorisierte Uebersetzungs -.Ar)im. Auge. Um wie höher würde er den Urtext schätzen! rHs-Aä wir Juden den Urtext lehren und verstehen, sollten ^".-^gir im-'-Unterricht ferne Schönheit uns zu nutze machen lDmd auch in ästhetischer Beziehung hie Bibel würdigen, }£ Kinder sind dafür empfänglich und würden nicht ver» sagen, die Großen noch weniger. Shaw schließt sein Kapi- Theo Jolia^ Konfitüren und Schokolade Steioweg 12_'_Steinweg 12 fi* sg*. f:. u~ Ktelmit den .Worten: Wenn Man die Wahl zwischen der Bibel und dem. Nichts der. weltlichen Erziehung hat, so füllt die Wahl auf die Bibel. . Josef Caro. Zeitschriften. - .. Jede Nummer der „I ü d. Monatshefte" enthält Polemik gegen den Zionismus oder gegen die Gemeindeorthodoxie. Aus der letzten Nummer sei hier folgende Stelle wiedergegeben: ' „Schreiten die Kreise des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der deutschen Juden wirklich zur Errichtung der Einheitskirchc, so wirb die Orthodoxie — ob sic will oder"nicht — mit Errichtung, des orthodoxen Gemeindebundes antworten müssen, — und dann fällt die sogenannte Gemcindeorthodoxie zwischen Idee und Ideenlosigkeit unsanft zur Erde oder sie muß — gleich Buridans Esel — unwissend, aus welcher Krippe sie Nahrung nehmen soll, organisatorisch verhungern." - Diese.spöttischen Worte haben für uns das Interesse, daß sie. wieder einmal zeigen, wie schwierig und verantwortungsvoll die Lage der Gemcindeorthodoxie ist. . * * ' Das November-Heft der im Verlag R. Löivit-Wien erscheinenden Monatsschrift „Der Iude" ist uns erst im Januar zugcsandt worden.. Es behandelt, wie wir es von dieser Monatsschrift gewohnt sind, in tiefgründiger Weise eine Reihe Probleme der jüdischen-Interessensphäre. Wir stimmen mit Nachum Gol dm a n n' s Kritik an der Politik der zionistischen Zentralleitustg in London -Äberein. Auch wir wünschen ihr weniger Vertrauen' auf die Diplomatie mit ihrer illusionären Weltgestaltuug nnd mehr Verständnis für wahrhafte Realität, die um die Regelung der Beziehungen zwischen den Völkern selbst bedacht ist. Nur so. ist die Araberfrage, der dunkle Punkt in der Palästinafrage, zu lösen. ' Aus der umfangreichen Arbeit Abraham Schwad r o n' s „Die allgemeine europäische und die jüdische Kulturtradition" fei hier folgende Stelle angeführt: „Und sind wir uns nun des Gegensatzes iN der Bewertungsgrund- - läge von Arbeit und Besitz im griechisch-römischen und also auch europäischer Kulturkreise einerseits und dieser Bewertung im jüdischen Kreise andererseits bewußt worden, so ergibt sich, daß der europäische Sozialismus wohl rechtens als. eine Notwendigkeit erkannt hat; alles, was im gefühlsmäßig Vererbten und Irrationalen liegen, das Alte verankert -und festmacht, also das Traditionelle schlechthin zu zerstören, bei uns aber diese Notwendigkeitn i ch t vorhanden war. Im Gegenteil, die Energie, die auf diese Untergrabungsarbeit aufgewendet wurde, war - Verschwendung, und es wäre wohl eine, leichtere, erfolgreichere midi fruchtbarere Entwurzelung der sozialistischen Gesinnung in die jüdische» Volksmassen möglich gewesen, wenn die ersten Verfechter dieser Gesinnung in der jüdischen Presse cs verstanden hätten, aus dem Geist der Tradition heraus die sozialistische Anschauung über die Massen Gewalt gewinnen zu lassen" Und weiter: „Der Poale- Zionismus aber tat das Gegenteil. Kriterium für jüdisches Wesen war ihm nicht der alte granitene Kultursttl der Bibel, von der Nietzsche sagt, daß sie Menschen, Dinge und Reden von einer Größe, aufweise, der. die Inder und Griechen ^nichts zur Seite zu stellen vermögen, sondern dem Poäle-Zionisnms war der Ausgangspunkt für Jüdisch die ohnmächtige Unzufriedenheit, die unfchöpferische Disharmonie, die tiefe, wehe-Gedrücktheit des siechen Ghettos." Die Warschauer jüdische Tageszeitung „Haint" ist unter dem Titel „Neues vom. Haint" in. den Besitz der zionistischen Organisation Polens übergegangen. Abg. I. Grüii^aum und Dr. I. Gottlieb 'sind die leitenden Redakteure, i Unregelmahigkeite« t» -er Lieferung der Zeitung liegen an der Post. Beschwerden, Anträge auf Nachlieferung von Nkimmern oder Zustellung an' eine neue Adresse sind daher an den Briefträger bezw an das zuständige Postamt zu richten. 8vki!6si'MLlv''siu.Wsi88binl!v»'Li'dvi1vn Philipp Trauner l Textorstrasse 68. Telephon Eömer 5778. Letzte Berichte. Warschau. Infolge der Annahme des Sonntags» r»h.e-G e setz es erließen die jüdischen Abgeordneten an die jüdische Bevölkerung eine Proklamation, die beginnt: „Unser Recht auf Sabbatrnhe soll uns jetztgenommen werden. Man will uns zwingen, auf unseren 'Sabbat zu verzichten, man will die Formen unseres Lebens und unser religiöses Gewissen brechen. Brechen will man unsere Widerstandskraft, abschwächen unsere Existenzfähigkeit, man ist bestrebt, die Städte zu »nationalisieren', den Handel und das Handwerk zu entjuden, üiid man glaubt alles-das durch' ein Gesetz zu erreichen." Und schließt: „Juden!. Bald -soll das Gesetz über*- die Sonntagsruhe verwirklicht werden/ bald wird es. .aber auch auf das wirkliche. Leben stoßen, auf unseren tausendjährigen Trotz, unsere Hingebung und unseren Glauben an die Gerechtigkeit." Wie verlautet, sollen die Mannhaften Verfasser des Zlnfrufes „wegen Aufreizung" vor Gericht gestellt werden. — Pie wegen der Ermordung der sechs jüdi«. scheu Mädchen von Demblin Angeklagten Militärs wurden trotz genügender Beweise „mangels Beweise" f r e ige sprach e.n. . Offenbacber Druckluft-Anlage Offenbaoh a. M. Telefon 123. . Unübertroffene Teppichreinigung mittelst Druckluft. Woche»-Sale«der. Samstag, 17. Januar (26. Tewes). Sabbat-Anfang in Frankfurt 4Vs Uhr. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 5% Uhr. Wochenabschnitt: SBoeiro. Rausch-Chaudesch S ch w a t: Mittwoch, 2t. Jan: Krimkfitrter KL«tNe»«Lchrichte». Geboren. E. Sohn, Dr. Brinkmann (Eisenmann). E. Tochter, Eugen Kaufmann (Marxsohn), Hermann Strauß (Vogel). ' y - S1 Kaffee Kn bland Kaiserstrasse 56 Täglich erstklassige Kaiserstrasse 56 Unterhaltungsmusik Nach kurier, tflckiscbpr Krankheit wnrde, mia.% heute unsere langjährige-Lehrerin nnd Uitarbeitenn FiL' . Fronh m durch einen jähen Tod entrissen. "Wir Alle, die-mit ihr wirken und arbeiten durften, beklagehvianfs Schmerzlichste den unersetzlichen Vertuet, äen iänsere Anstalt erlitten, deren Lehrkörper sie seit 101»hxen in hingehendster, aufopfernder Tätigkeit angehvrts. Mit ungewöhnlicher Vielseitigkeit nnd nie ermüdender^" Pflichttreue widmete sie ihre ganze Kraft di«em Wirkungskreise, dem ihr allzu früher Heimgangbine grosse Lacke bedeutet. — Geliebt nnd verehrt von >; Kollegen nnd Schalerinnen, hochgeschätzt von Allen,?' die mit diesem lauteren Charakter in öerührnng. kamen, wird ihr Andenken unter uns fortleben,. der Wert dieser seltenen Persönlichkeit unvergessen sein. \ Frankfurt, den 12. Januar 1920. VepwaltüngsPBtdEP.iüd.HaiisiialtungsschDlB Frankfurt a. M. * -;A VteröeutMr ^Cognac 9 M-eshÄ» om Rl)«in In den einschlägigen Geschäften der Genossmittelbraniche wieder erhältlich. I-Vertreter: Oer har dt dJanssen, Frankfurt a. M., ^iddautrasiiO 56. Telephon^ManSa 1329. J t- I. StOCR. Tel. R. 340 1 Stempel n. Sebl ■Cj Tel. H. 1226 ^/raueti' Kauf, Yerkauf, Ausbesserung, Xonstölätter □ St apmun Xuasigewerbe. Stylvolle vörnehme Einrahmungen in eigenen Werkstätten Griaserel 5 ^96327