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Neue jüdische Presse · 1920-01-16 · Heft 2 (16.1.1920) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 2 (16.1.1920)
Date
1920-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FrankfurterIsraelitisches Familienblatt hihiiiiiiiihiiiiihhiiiiiuiuiiiiihiihiiiiiiiihhiiiiiiiiiiiiiiiiiiih; Erscheint wöchenilich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel« fahr: Fn Frankfurt am. Main bei der Neuen jüdischen Presse, auswärts bei der Post abonniert Mk. 2ck>0, frei ins Haus 45 pfg. mehr./BeiZusendungdurchStreifbandfürOeutschlandMk.44.00, fiir aNe übn'gen Lander Mk. 20.00 jährlich, im Voraus zahlbar. wim luiimumuii ... AUIUI Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Satz Geis uiiimnHiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiimiimiiiiiiminimuiHUHmmimm, Insertionspreis für die sechsgespaltenrÄonp.Zeile?»ptz., fir die Äeklamezeile Mk.2.—. Bei Wiederholungen enssprecheuder Bäbatt. / Platz« und Datum «Vorschrist ohne Verbindlichbeit. / Annoncen-Annahme bei der Exped.und in a. Annomen-Bureaus. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4864, ... ti ■1-{! f- I 18. Jahrgang. Freitag, de« 25. 5681) (16. Jaunar 1926) Nr. 2. Der Frieden. Rach vierzehn wartenden Monden Diplomatenränkespiels endlich Frieden! Kein Frieden der Versöhnung, ein Frieden, der hartes Sklavenjoch auf dem Besiegten hält. Wie 1 einst Aegyptens König — das Bibelwort der gegenwär- * tige» Sabbate erzählt davon — das Volk Israel in die Frohn zwang, um seine Kraft zu brechen und dennoch ■ feine Kraft bis zum letzten Atemzug sich dienstbar zu ■ machen, so hat die Friedenskonferenz zu Versailles in vierzehn langen Monden Hunderte und abermals Hunderte Fußangeln ersonnen und zu Paragraphen geschmiedet, da- „ mit das deutsche Volk nie wieder zum Bewußtsein seines . Selbst gelange. Und nun ist Frieden. — Wie der Frieden zum Frieden' werde, wie einst wieder das deutsche Volk in Deutschlands Gauen als freies, glückliches Volk lebe, diese bange Frage ist ein anscheinend unerreichbares, ungreisbares Problem. Dauerndes. Elend schwächt das sittliche Empfinden, — und nur mit einer -starken, unbeugbaren sittlichen Kraft vermag das deutsche Volk der Fesseln der Unfreiheit ledig zu werden. So wendet sich!denn in der tiefsten Not der Blick zu Gott, von dem allein Hilfe kommen kann. In bewunderungswürdiger Entsagtetgskraft hat das deutsche Volk viereinhalb schwere Kriegsjahre ausgeharrt, — und nun ist es matt geworden. Es braucht Licht und Sonne, braucht freudige, Körper und Seele stählende Arbeit, braucht frohe "Muße. Doch was ihm der Friedensvertrag auferlegt, ist' zerreibendes, zermürbendes, atemberaubendes ununter- , brvchenes Arbeiten, 'von dem nur ein Wunder Gottes;■ Erlösung bringen kann. Das deutsche Volk ist ein sittlich z gesundes, fleißiges Volk gewesen,' — uftb vielleicht ist ihm'■ geräde sein schweres Geschick auferlegt 'worden, damit spä-, ter umso heller die Stunde der Erlösung erstrahle. Möge; ihm, wenn sich sticht das Wunder einer menschlich fühlenden ' Erweichung des eisernen Herzens des Siegers vollzieht, , ■;J wie themals dem Volke Israel ein Moses erstehen, der H es wieder hinäusführe zu freiem, frohen, sittlichen Schassen! | Bor dem Aüfbayl Misrächigedanken von H. P., Berlin.;.Wir wissen nicht, wie bald und. in welchem Umfange -;pch das zionistische Ideal erfüllen wjrd. Wenn aber manchmal eine.. gewisse Ungeduld und Unzufriedenheit sich in Mlsern Reihen bemerkbar macht, so kann ein Blick in die uns oft recht wenig freundlich behandelnde Presse unserer orthodoxen Freunde ein Ansporn zu neuem Hoffen sein und uns Zeigen, daß wir gar nicht so fern sein können von der Heit, da, has Endziel des Zionismus als einer politijchkm -Partei sich zu verwirklichen beginnt. Unsere Freunde stellen, schon Hxtzt Mit Bedauern fest, daß der Zionismus sich Mrit eiyeh.'Msung der Palästinafrage abgefunden hat, die angeblich spicken programmatischen Forderungen nicht entspricht, daß also der. Zionismus sich sozusagen selbst aufgegeben hat. Erfreulicherweise stafnmen solche pessimistischen Betrachtungen Nus den nicht allzu zahlreichen Reihen jener Orthodoxen, die der Meinung sind, daß' es besser ist, wenn wir Palästina überhaupt nicht bekommen, als daß es Aber den Weg des Zionismus Eigentum des. jüdischen Volkes wird. Nicht zum ersten Male -sehen wir es in der langen Zeit unserer schicksalsreichen Geschichte, daß manche Gruppen unseres Volkes über 'die Ziele ihrer Partei nicht hinäuskommen konnten und dabei, sei es auch in bester Absicht, die jüdischen Gesamtintcressen schädigten. So lange es sich nur um die manchmal schön.recht hämische Registrierung unserer „Schlappen" handelt, mag. es hingehen. Anders aber werden wir und das gesamte jüdische Volk, das seine Gesamtinteressen immer höher stellen wird als manche Parteimänner, darauf reagieren müssen, wenn man versuchen sollte, die gegnerischen Meinungen und Hoffnungen än Handlungen umzusetzen, die das ganze bisher Erreichte gefährden können. Glücklicherweise gibt es außerhalb des Misrachi ihrer Aufgabe und Verantwortung bewußte orthodoxe Männer genug, die es für notwendig halten, am Ausbau Palästinas mitzuarbeiten, sei es auch in Verbindung mit dem Zionismus und den wegen ihrer organischen Verbindung mit dem Zionismus so sehr bekämpften Anhängern des Misrachi. Es besteht für uns kein Zweifel, daß der Misrachi jeden Versuch einer Annäherung der Orthodoxie an den Zionismus in jeder Weise fördern muß. Das geschieht nicht, wie jedem klar sein wird, aus parteipolitischen 'Gründen, sondern zum Wohle der Gesamtheit, die uns höher steht als Parteiinteresse. Die Erklärung vom 2. November wird, so hoffen wir, der. Ausgangspunkt für eine neue, glückliche Entwickelung unseres Volkes in seiner uralten Heimat sein. Was aber auf dieser Grundlage sich entwickeln wird, daS hängt mehr noch als von .der Stellung der weltpolitischen Faktoren ' vor allem von dem ab, wie Unser Volk in seiner Gesamtheit, ob zionistisch oder nicht, die ihm jetzt gestellte Aufgabe lösen wird. Daß diese so bedeutsame Erklärung nur den ' Ausgangspunkt bildet, ja daß sie eigentlich gar nichts ande- 1 res bedeuten kann, als daß wir nun mit vereinten Kräften ' und mit der gehörigen Ueberlegung und Vorsicht den Aufbau des Staates in unsere eigene Hand nehmen müssen, wird wohl ein jeder vorurteilslos Denkende als selbstverständlich ansehen. Wer aber in der Oeffentlichkeit andere An- . schauungen verbreitet, dem bann man wohl kaum sachliche Unkenntnis zu güte halten. Was da zu Tage tritt, will noch, ehe wir den Grundstein legen, am liebsten den ganzen Plan des Neuaufbaus zunichte machen. - Die Angriffe von solcher Seite können uns nur in unserm Eifer bestärken, und sie werden hoffentlich ebenso wie die Aus- . sprachen auf der kommenden Misrachi-Weltkonferenz dazu beitragen, neue Mitarbeiter aus den Reihen unserer gleichgesinnten Glaubensbrüder zur direkten Mitarbeit am Aufbau unseres Landes durch den Anschluß an den Misrachi; heranzuziehen. , j Wir Juden haben, politisch gesprochen, nur ein Jnker- ' esse an dem Aufbau eitles jüdischen Palästinas. , Wir wollen niemand Unrecht tun, am wenigsten der dort; . bereits ansässigen Bevölkerung. Aber wir werden auf friedlichem Wege versuchen müssen, so schnell als möglich die Majorität in unserer alten und kommenden Heimat zu. werden. In welchem Tempo dies geschehen kann, darüber gehen die Meinungen auseinander, und wohl erst in einiger! Zeit wird man nach dieser Richtung hin ein Programm aufstellen können, das Aussicht, auf Verwirklichung hat. Je nach der Zahl und - der geleisteten Arbeit wird zweifellos der Anteil an der Verwaltung des Landes wachsen, bis ies schließlich uns ganz zu eigen wird. Wir 'Mjsrachisten.haben aber noch ein Ziel über das bürgerlich-politische hinaus. Je mehr bas Land unser wird, desto Mehr nähern wir lins aber auch unserm eigentlichen Ziele. Wir wollen dann mehr noch, als es uns bisher vielleicht möglich war oder unsere Kräften reichten, dafür sorgen, daß daS Land in unserem Sinne „j ü d i s ch" wird, ein Land', daß einst mit Recht soll heißen können: Erez hakdauscho. Uns als gläubige Juden ist auch Palästina im höchsten Sinne nur Mittel zum Zweck, das Land, in dem allein wir unsere Gesamtausgabe als Juden erfüllen können. , Schwere Aufgaben stehen dem gläubigen Judentum und mit ihm dem Misrachi in Palästina bevor, und wir aUe werden versuchen müssen, sie mit Hilfe des. Allmächtigen zu bewältigen. Uns Misrachisten ''wird bei der kommenden Arbeit das stolze Bewußtsein stärkM, daß wir es gewagt haben, trotz aller Anfeindungen mitzuarbeiten an der Erreichung des großen Zieles, wie es der Gesamtfpdenheit 'vom Zionismus und seinen großen Führern gestellt wurde. Wir waren die Vorkämpfer des zielbewußten Palästina- . Gedankens, als bie Orthodoxie als Ganzes bis auf rühmliche Ausnahmen in letztvergangenen Jahrzehnten Palästinas fast' ganz zu vergessen schien. Wir sind sicher, daß wir, lebten sie heute. Männer wie Rabbi Hirsch Kalischer, Rabbi Samuel Mohilewcr und Rabbi Esriel Hildesheimer, an der Spitze einer orthodoxen Palästina-Bewegung hätten, ähnlich oder gleich dem Misrachi, daß sie auf keinen Fall aber unsere Bewegung bekämpft hätten. Hätten wir solche Führer in dem heutigen Judentum, wohl'in ganz, anderer Weise als bisher hätte die GefamtorthodoxieHihre .Aufgaben fiir und in Palästina erkannt und in Angriff genommen., .Mit den politischen Zielen des Zionismus ist auch für den.^extremsten Orthodoxen eine Verständigung möglich. Der? kulturelle „Zionismus", wie -wir ihn bekennen, ist aber keine politische Bewegung^ sondern unsere uralte Lehre vom Sinai, die nicht einen Partei oder einer Organisation, sei es auch der Agudas Jisroel oder andern gleichgearteten Verbänden angehörtz, sondern dem ganzen jüdischen Volke. Für sie sind wir überzeugt zu kämpfen, wenn wir schon wie bisher im Zionismus und s. G. w. recht bald praktisch durch die Tat in Erez Jisroel für unser Misrachi-Jdeal arbeiten!' Bo« jüdische« Nationalsouds. Eine von 50 Delegierten besuchte Konferenz der Nationalfondsvertrauensleute Den t schlands, die in Berlin stattfand, faßte, folgende Beschlüsse, um im Jahre 1920 vier Millionen-: Mark in Deutschland aufzubringen: In jeder jüdischen Gemeinde muß ein Vertrauensmann wirken. Für je 50 Mitglieder zionistischer •Otläs», gruppen ist ein Vertrauensmann zu bestellen, bei minbestens 200 Mitgliedern eine Nationalfondskommission.^ Jeder organisierte Zionist und jeder an her Entwicklung "" Palästinas interessierte Jude soll sich mit einem I a h-. resbeitrag zum Palästina-Landsfowds vo.^' mindestens 200 Mk. besteuern. Der Verbreitung der. Sammelbüchsen ist die gröW Aufmerksamkeit zu widmen. Die mindestens zcheimalWi > Büchsenleerung im Jahre ist restlos durchzuführe». Allgemeiue jüdische HUfsvmsere«^ Das Komitee der Jüd. Delegationen in Paris ruft auf den 7. bis 11. März nach Zürich eine allgemeine jüdische Hilsskonferenz sein, 70 Hilfsorganisationen und mehrere zentrale: jHsisthe Organisationen sind eingeladen. Pole«. Dl» «MsemMscheS Lehrbsch. Das in den Mittelschulen gebrauchte Lehrbuch derAeygraphie von T. Radlinski enthält verschiedene Stelle», die weniger geographischer als politischer Natur sind. ,'@ä . wird charin versucht, den Schülern bie Meinung beizubringen, daß die Juden den Mittelstand in Polen ruiniert hätten, und lraß sie darnach streben, ein jüdisch-polnisches Reich aufzurichten. Der jüdische Reichstagsklübersuchte das Unterrichtsministerium um Eliminierung, derartiger Lehrbücher aus den Schulen. i:. PalSstttra. Ei» Jubll仫.■ Die von Charles Netter, dem Präsidenten hxr Alliance Jsraelite Universelle in Paris, gegründete Ackdrbauschule und Kolonie Mikweh-Israel begiggL-stHr Tage ihr 50jähriges Jubiläum. Da dieAlliänce später statt jüdischer Politik, französische Politik trieb, so konnte Mikweh - Israel nicht zu der Bcdeutuyg kommen, Pie ihr zum Segen der Judenheit zu wünschenKwesen wäre. Immerhin hat sie auch im engen RahOen manches Wertvolle geleistet. So gehörte auch der he- * rühmte Agronom Aronsohn zu ihren Zöglingen. Kurze politische Nachrichte«. Berlin. In der „Allg. Ztg. d. Judent." macht-Oberlehrer- Behrens darauf aufmerksam, wie noch heute: kau - fessionelle Politik bei den Lehreransteklungen getrieben wird. Bei zahllosen Ausschreibungen! kann man folgende Fächerverbindung feststellen: Französisch^ Englisch — und Religion. Latein, Griechisch — und Religion: Deutsch, Geschichte — und Religio». In allen Fächern handelt es sich um evangelische Religion. Damit sind. Juden — (utxb Katholiken a priori ausgeschlossen. München. TerBeitretertag der d eutschen V olkspart ei (also die bayrischen Nationalliberalen) faßte-' folgende Entschließung: „Unter Ablehnung einer radikalen Entschließung, die keine Juden mehr in die Partei-, .zulasse» will, verwirft der Vertrekertag doch alle Bestrebungen, die unser deutsches Empfinden zurückdrängen zugunsten weltbürgerlicher und wesensfremder Auffassungen.

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