Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 51 (31.12.1919)
- Date
- 1919-12-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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j Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel- : jahr- In Frankfiiri am Main bei der Neuen Indischen Presse, : auswärts bei der Post abonniert Mk. 2.50, frei ins Haus 15 pfg. j-' mehr./AeiZusendung durchStreifbandfirOeusschland Mk.14.00,!, für alle übn'gen Länder ML20.00jährlich, im Voraus zahlbar. : ..... Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Seis 4iiiiniinmiiiiiimuiniiiuinmmiininiinumHm»n»iiiiiiiiiiugj! Insertionspreks für die sechsgespaltentNonp.Zeile?« ptz:, Wr; die Nellamezeile Mk.2.—. Bei Wiederholungen enssprechender : Nabast. / Platz, und Oatum-Dorschrifi ohne VerbindlichkeL / : Annonren-Annahme bei der^ped.und in a.Annomen-ÄureauS. : Konto bei dem Postscheckamt m Frankfurt a.M. unter Nr. 4864. :. älUjllllllllllnllnuiiMM..'.......».........................,.... 17* Jahrgang. Mittwoch, de« 9. Tewes 5680 (31 Dezember 1919) Nr. 51. V Wir mache» unsere auswärtigen Abouneuteu, Kie bei uns direkt abonniert sind, darauf anfterksam, daß wir das fällige Jahresabonnement Mim Laufe, des .Monats Januar durch Postaustrag Wbei ihnen erheben lassen. 8 Neue Jüdische Presse. M7 (Frankfurter Israelitisches Familieublatt.) Rückblick. Das bürgerliche Jahr ist diesmal so außergewöhnlicher daß wir auch als Juden, die ihre Jahre anders zäh- Eilen, den Schritt hemme»' sollten, um nachdenklich den nun- 'geschlossenen Jahresring zu überschauen. Die Welt ^.erscheint wie aus den Fugen gegangen, Unrecht und Ge- Mstoalt jubelieren, — und der denkende, seiner göttlichen Seele M bewußte Mensch ist erschreckt ob all des Wirrnisscs, das AMihm - den Blick ins Lichte, Göttliche verdunkelt. zWd Und doch ist nichts Neues geschaffen worden; die Men- M,schen von heute sind wie die.Menschen von gestern; die Trieb- .! Wfedern 'ihres Handelns waren in den friedlichen Jahren .? ' Avor ' dem, Kriege nicht im geringsten anders als heute, da s r-U-bie Folgen schwerster Kriegsnot Gesetz und Ordnung nicht f •; in dje Fugen geregelter ' Bahnen: kommen lassen '' I sAwollen. Auch damals war in'der großen und in der AWkleinen Welt, im Verhältnis der Staaten zueinander und dem gegenseitigen Verhältnis der Millionen Menschen, pRdie ein Staatswesen bilden, materielle Jnteressenpolitik das Wohl dient in ruhigen Zeiten der Idealismus matc- I-riellen Seelen als schamvolle, kleidende Hülle; —doch wenn ’fbcc Rausch der Leidenschaft zur Entblößung des Jchs schreibt, wenn es in den Stürmen schwerer Stunden gilt. j\ Mch offen für den Fülle spendenden Materialismus oder den . -(entsagenden, erst auf die Zukunft hoffenden Idealismus zu ^entscheiden, dann muß der Idealismus sich überall dort als ( s^Lüge offenbaren, wo er nicht Wese», sondern nur Hülle war. :M. . Schon König David-klagte vor dreitausend Jahre»; ' ' Der eine hilft dem anderen, weil und solange ihm die Ver- * Bindung nützlich erscheint; wenn aber jemand Bruderhilfe -Merlangt, dann sagt man ihm, sei selber stark, hilf dir selber! . ^So war es vor dreitausend Jahren, — und auch heute ist -Ms nicht anders geworden, wenn man diese Erkenntnis »Hauch vor dem .Kriege nicht. Wort haben wollte. 1 v-i: Noch ringen zwei Anschauungen in der Menschheit, von •;jbciten die erstere in ungebrochener Krast ihre Uebermacht - '"behauptet. Noch ist das heidnische Naturwalten allgewaltig, ' wie es sich in dem Sonnenjahr, unserem bürgerlichen Jahr, ^'versinnbildlicht. Doch das religiöse Jahr" das alle große .(und alle kleine Politik des Menschenherzeus zu Gott als! -'-Herrn jedes Seins hinlenkt, wie es das jüdische Jahr zum -' s-Bewußtsein bringen will, es ist noch, so ohnmächtig wie die, :die zu seinen Bürgen bestellt wurden- — -■? Zeiten wie die heutigen sind . ein sichtbares Zeichen der Gotteshand, zu künden, daß die Spanne des Fortschrci- »lens der Menschheit in Wirklichkeit nur eine Illusion ist, daß i 7Noch immer die einsame». Wächter der Zeit .im Dunkel nach .dem -Tag-ausschauen. Wächter der Zeit hat-es stets ver- . - einzelt in der Menschheit gegeben, — aber als Volk ist :;§u diesem Amt das jüdische Volk berufen, — und so ist .„-es wie vor tausenden Jahren die besondere Aufgabe des . jüdischen Volkes geblieben, zu zeigen, daß die wirklichen Z (Höhen des Lebens nur der ersteigt — sei es Volk oder 'Mensch— der reiner Hände und lauteren Herzens ist '' -und sich nicht Phantomen der Nichtigkeit und^ der Lüge .zuwendet, um zu wirken für die Gott zugewandte Idee . -über die rohe Gewalt der Materie. Zerstreute Häufchen nur in dem großen Menkchen- ' -gewoge werden aber die zersplitterten Mle des jüdischere '' Volkes von den Gedankenfluten mit umspült, die die Menfch- ^heit durchziehen. Will das jüdische Volk als" Ganzes wieder -V«« Wächter der Zeit, ein Wegweiser zum Göttlichen wer-. . den. will es nicht weiter in die Sturmfluten des großen - Menschengetriebes hineingerissen werden, sondern sich auf sein eigenes Wesen besinnen, dann muß es, da es sich im Golus kein Ghetto mehr errichten kann, im Landeseiner ,/ Väter, in dem einst Davids Psalter erklang, ein jüdisches Eigenleben zu entwickeln suchen, damit dann von Zion aus der Welt wieder das Wort der Erlösung komme. Das vergangene Fahr brachte die Hoffnung, daß die Verwirklichung dieses Wunsches unseren Tagen -nähergerückt erscheint. Deutsches Reich. Karte« Jüdischer Berbtadaagea. Das Kartell Jüdischer Verbindungen (K. I. BZ, das .iß. 1600 Mitglieder zählt und an 22 Universitäten Karreilkorvorationen hat, hiplt in den Tagen vom 28. bis 30. Dez. in Frankfurt a. M. seinen ,,II. ordentlichen Kartelltag" ab. Nachdem am Sonnabend bereits ein interner Begrüsmugsabend sljdttgefunden hatte und der. Sonntag vormittag den Verhandlungen gewidmet war, waren für den Sonntag abend Einladungen an die Frankfurter jüdische Gesellschaft ergangen. 'Der Fe stko n v e n t, der die Feier einleitete, wurde durch eine RÄ>e des Kartellpräsidenten Kurt Blumenseld eröffnet. Es schloß sirb ein Ball an. Montag und Dienstag' fanden die Sitzungen statt, die internen Charakter trugen. Lftjüdifche Koafereaz. Um die Richtlinien für die ostjüdische Arbeit in Deutschland festzusetzen, hat der Verband der Ostjuden iw Deutschland aus den 1. und 2. Februar nach Berlin — Sitzungssaal her Jüd. Gemeinde, Rosenstraße 2 — eine ostjüdische Konferenz einberufen. Bon den Reseraten seiest hier erwähnt: Die Stellung der Ostjpden in den jüd. Gemeinden (St. Alfred Klee), Die rechtliche Lage der Ostjuden in Deutschland (Rechtsanw. Feblowicz), Die Erziehung unserer Jugend (Dr. Wilh. Lewy). Mn SmigraliouS-Ausschutz. Berki«. Beim Verband der Ostjuden in Deutschland ist ein besonderer Emigrations-Ausschuß gebildet worden, dem angehören: Moritz Brenner, Redakteur Dr. Hellmann. Dr. N. Katzenelsohn, Max Lewit. 'Josef Lin, Paul L-achs, E. Scalit, T. Sca.- lit, Davis Trietsch und Ing. Warschawskv, sämtlich in Berlin.;; ( . ' ■ Der Ausschuß soll durch Hinzuziehung anderer auf dem Gebiete der jüdischen Emigrationsfragen kompetenter Persönlichkeiten erweitert werden und mit den in Betracht kommenden Organisationen an den großen schweren Aufgaben der Regulierung her jüdischen Emigration gemeinsam arbeiten. Die Geschäftsstelle des Emigrattons-Ausschusses ist: E. Scalit. Berlin W.» Knesebeckstr. 96. ' Russland. Zur Lage der Juden Der Pariser P.-Gewährsmann der „Jüd. Preßzentrale Zürich" teilt mit: Die Pariser Repräsentanten der Denikinschen Regierung sind sehr darum besorgt/sich von der Beschuldigung, Judenpogrome hervorgerufen, begünstigt oder geduldet zu haben, reinzuwaschen. Auf eine Anfrage aus Rußland antwortete der Minister Reratow ungefähr folgendes: Gegen Pogrome werde» alle möglichen Maßregeln ergriffen. Die volle Gleichberechtigung der' Juden ist selbstverständlich. Trotzdem sind im Denikinschen Gebiet furchtbare Judenpogrome vorgekommen: -Tausende ermordet, .Zehntausende geplündert und ausgeraubt. Hunderttausende Juden im Zustande des unbeschreiblichen Elends. Die Sachlage ist folgende: Denikin und die Regierung sind gegen die Pogrome, aber Denikin besitztkeine - Macht, seinen Offizieren, Beamten und Soldaten Gehorsam zn gebieten. Ein Teil der .Intelligenz mit dem einflußreichen Schulgin, dem Redakteur . des .Mewljanin", an der Spitze,, treibt eine furchtbare, antisemittsche Hetze. Jtt der Masse, besonders in der .Armee, sind - durch den Bürgerkrieg und die allgemeine Zerrüttung die wildesten Instinkte. wachgerusen. Kurze politische Rachrichte«. „-Berli«. DaS Kriegsministerium verfügte eine -Registrierung derin Deutschland vorhandenen russischen! jüdöschen Kriegsgefangenen, die noch. .Palästina ^mszu° wandern wünschen. Berrr. Dank der Bemübungen des Jkraeliüschen Gemeindebundes für die Schweiz hat der Bund es rat die» SchächterlaubniS bis zum 1. April verlä ngert. PartS. De neue K amm er zählt zwölf jüdische Ad, geordnete, unter denen die bekanntesten der Finanzminister Klotz, der Unterstaatssekretär für Militärjustiz Jgnace. George Mandel, der frühere Kabinettschef Ekemenccaus und Maurice de Rothschild sind. An Stelle von Mandel, der zum Abgeordneten ge--, wählt wurde, hat Clemenceau ebenfalls einen Juden» Wormser, zum Kabinettchef berufen. Außerdem ist iw. seinem Privatkabinett auch der Jllde Hagenauer tätig.- * Zionistische Rachrichte». . Wie«. Adolf Stand. 1967 bis 1912 Vertreter der. Stadt Brodh im Reichsrat, Mitglied des Zionistischen tionskomitees, Präsident der Delegation des Jüd. National-! rats für Ostgalizien in Wien usw., ist im 50. Lebensjahre, verschieden. Die „Wien. Morgenztg." schreibt in ihrer Würdigung^ Niemand kann die Selbstlosigkeit, die nimmermüde Arbeits-'- bereitschast dieses Mannes ermessen, der keine Ruhe und keine. Pause kamite und stets da war, wenn ihn das jüdische VE im Osten im festen Vertrauen auf sein Wort anries. Senwr Reden, 'ob er -nun in der Sprache des Volkes, ob er deutsch« oder polnisch sprach, waren au sich Meisterwerke der Rhel- ' torik. Aber womü er' das ' Herz des Volkes' eroberte, das" war sein Glaube, an das Volk, seine Zukunft - und 'sein Werden. Das ganze jüdische Volk war ihm eine, einzige geschlossene Einheit, deren Lebensziele dieselben finit, wie die anderer Völker: .Freiheit und eigenes Lebens Kopenhapen. Der hiesige, während des »riegrs errichtete Zionistische Büro wwd am 31. Dezbr. ein-; gestellt. Alle Zuschriften sind fortan an das Zionistische Zentralbüro in London zu richten. London Smd Rothschildu HerbertSamwek: gehen als Delegierte zur Zionistischen Jahee's-- konserenz in Basel. ' H r> <iuV En A«s der MiSrachi-Vewes«»«.; Zürich. Die MiSrachi-Weltkonfrrenz findet hier aur V1- 14. Januar statt. London. Chacham Bajchi Usiel. Rabbiner Fich», Vornan n und Herr Meisel. die palästinensischen Delegierten zur Misrachikonferenz. werden mit dem nächste»»^', y Schiff hier erwartet. 7"» London. Zur Frage des FranenstimmrechlS. "4 Die „MiSrachi-Organifation in England" antwortete >\:. dem „Verband Zionistischer Frauen in England!^ auf sei»' . Protestschreiben in Sachen des Frauensttmmrechts in Pälastina n. a.: „Die Weltorganisation Misrachi als solche hat zur Frage. * des Frauenstimmrechts in irgend einem politischen Paria--- ' ZZ ment, das künfttg in Palästina gebildet werden sollte» noch. - <\ •* keine Stellung genommen, obwohl viele sehr bedeutend^ Führer des Misrachi in den Ländern, in denen sie lebenoffen für die Gewährung des Stimmrechts an Frauen ein- ‘ getreten sind." •L Perso»atte» «. fletar Mttteil»»-«. Berlin Lewin Jtzig, früher KuüuSbeamter Rosenberg, und Frau geb. Gorselanczyk, begingen die-di i* > mantene Hochzeit- Jakob Rotholz verschied im Alter von fast 10S--4-4 Jahren. ''D Justizrat Moritz Baerwald aus Bromberg» ) Mttglied der Nationalversammlung» ist hier im 60. Lebensjahre verschieden. > Frankfurt a. M- Der „Akademische Vereins für jüdische Geschichte und Literatut" an der ~ t Universität Berlin, der seit 37 Jahren besteht^ hat,hier £*8 einen Verein mit den gleichen Tendenzen begründetnnir ’ jl dadurch das Jüdisch-WissenschoftlicheKarteil 'L (I. W- K.) geschaffen. Das I. W- Ksoll alle akademischem» Vereine mit jüdisch-neutraler Tendenz, an den deutschen^ L Hochschulen umfassen, die, ohne irgendeine jüdisch-religiösck S.&