Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 50 (24.12.1919)
- Date
- 1919-12-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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>4 Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel- :! j.ahr: 2n Frankfurt am Main bei der Neuen jüdischen Presse, : auswärts bei der Post abonniert Iyk. 2.50, frei inS Haus 15 Pfg. i mehr/ÄelZusenbüngdurchStreifbandsürDeusschlandMk. 14.00, ■ i für alle übngen Länder Mk.20.00jährlich,im Voraus zahlbar.! »»»»»»» »»» »»»—»»»»»»»»»»»»»»,»»»,»»»»»»»»»»,»» Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 1 Fernsprecher Amt Hansa 2903 J Herausgeber: Saly Geis Infertkonspreis für die sechsgespalteneÄonp.Zeile70 pfg., für die Nellamezelle Mk.2.—. Lei. Wiederholungen enssprechender Rabatt. / Platz- und Datum-Vorschrifi ohne Verbindllchkeit. / Annonren-Annahme bei der l^ped.und in a.Annonren-AureauL Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Nr. 4664. 17 Jahrgang. Mittwoch, den 2. Tewes 5680 (24. Dezember 1919) Nr. 50 &L r Die tziichstwöchentliche Nummer er- Wcheint bereits Mittwoch; Schluß, der EÄ»ferateuauuahme Dienstag morgen DMAHr.^/ ...- , - - Lage in'Polen. Ernährungskatastrophe. — Verzweiklungsvolle poli- Lage der Juden. Aufschpiung im innerjüdischen 'v-,. Leben, ft.'‘ . Hunger "ruck Kälte. Krankheiten und Sterben haben - die'Herrschaft in Polen, In den Großstädten wurden schon ^//Zuckerrüben nsw. iind zum grüßten Teil erfroren: der i'/-Bahnvxrkehr ist aufs äußerste eingeschränkt und wiro vom 2;<.^Mlitär.aufrecht gehalten. ' / '''7-.. Nor adelt nur Menschen Won ^Selbsterziehung und felbstständigem, tief .religiös empfindenden Denken. An- >dere Memcheii, die großen, unerzogenen Massen, ver- „lierenLurch ernstliche Not nur noch mehr den sittliLen Halt.' Alle unedlen Leidenschaften werden Hemmungslos •, i,.■■■'frei 7unfc.•/bcclängen stürmisch nach Betätigung. Des-' /:,»7 halb / -ist - die Lage -einer rechtlich so unsicher fundierten '''Bevölkerung, wie. es die jüdische ist. in wirtschaftlich katastrophalen Zelten s stets gesäyrdet. Brutale Leiden- Mast,Schlechtigkeit und Gedankenlosigkeit können sich - am//schnellsten mrd, ungestörtesten 'an - den' Huden' 'austoben./. - Die gegenwärtige politische Lage der Juden in Polen , bedarf alko 'keiner Untersuchungskommission, wie sie erst Amenka/^und dann England nach hier sandten, — sie Ist.. klär.^^Sie war auch den/Ententestaaten von vorn« . herein ktstr:' fAe baten', durch 'ihre -Diplomaicnpolitik alles^ Mas 'dazu dienen konnte, diese Lage herbeizusü hreu: und nicht um ihr sittliches Gewissen zu beruhigen, son- ) dern^^vielmebr nur, um vor dem sittlichen Gewissen der Welt., 'eine". Tat ^nszchveisen, entsandten sie Nntersuch- - nngskommiskionen. Die Untersuchungskommissionen sind in der.Tat wieder , abgeleist, ohne den. geringsten Einfluß auf eine Besserung -der. Lage, der Juden erzielt zu haben. Es wütet ei» .Hätz? gpgen die Juden, .so stark, so verbissen, daß jede . Regung, der Menschlichkeit geschwunden ist. Was soll inan dazu sägen, 7 wenn z. rv. in Beiz fOstgalizien). dem Sitze des. Beizer Wunderrabbi, es sich plötzlich die Lebens- .. mittelköniimission einfallmr läßt, die Juden von der MehlverteilUng auszuschließen? Äu die christliche Bevölkerung wurdchl 18 Pfund-weißes Mehl pro Kopf und Mooat verteilt: und' die Inden erreichten erst nach langem Bitten, daß ihnen '1 Pfund graues Mehl zugxstanden würde. > Kann man die?strden nicht blutig pogromicren, so will man es wenigstens unblutig tun. . . - Die groben/ blntigen Pogrome sind übrigens nicht so teuflich, nicht so unmenschlich, als die sein ausgellüa->lten wirtschaftlichen Bernichtungsmethoden, die daZ volniWe .BoM/jetzt gegen , feine jüdischen Mitbürger, mit denen es' seit Jahrhunderten. Leid und Freud geteilt Hat, - anweiidet: 7 ZwangKsoniltagsruhe, wirtschaftlich«! Boykott, 'Verbot' jüdischer .Zeüungeil (so ist der'oHajet" . dieser Tage' verboten:, worden^ , Verfolgung" der.jüdischen Abg-,ordnetcn, die sich ibvnühm, für die Interessen der Juden eiuzutreten, ln 7: allen <Aeußerungeu des ' Levens- . Polens zeigt . sich der bewußte Wille, die Juden zu Nicht, die Pogrome sind7chäs' Bedeutsame: das Be» dcutsame istdie Tatsache, daß die Pogrome unter c-Beihülfrl "tw»* BürgerÄmsT.vor sich.'-gingen. Mißhandlungen. und Plünderungen der Juden seitens einer verwilderten. Soldateska wären auch nicht 7 typisch,^ wenn - nicht die Offiziere und die Behörden diese Aüsschteimngen ': :um Wohlwollen vettaarteten und straflos ließen. Die Problematik .-des jüdischen- Golus vsseybart'sich-Per in . ihren Tiefen, indem sie lehrt, ihre Tragik nicht mit her Phrase „Anfälligkeiten^^ abtuu zu /wollen. . . . 7 -7 ' Dölk dieses schwarz in Schwarz hat einen Lickst-/ . blich, und es ist die. polnische Judenheit selber die' diesen Lichtblick bietet. Tiie - polnische Jüdenheit schließt:^ sich züiammen, organisiert sich, und versucht auf -allen'' Gebieten sich durch die Selbsthülse zu retten, feilte. zeigt sich, wieviel indische Werte noch bewußt in der .polnischen Jüdenheit wirken, und welche Kraft dem Bewußtsein eines jüdischen Volkstums innewohnt. Eine der assimilierten Jüdenheiten 'Westeuropas wäre in der gleichen Lage rettungslos verloren gewesen. Denlfches Reich.. St» Mtutftertalerlatz. Der MiNlstcr i) e s Innern hat unter dem 1. November. verfügt: „Autzeii und bis ans weiteres verbietet es sich autz Gründen der Menschlichkeit, die im Lande bereit-s befindlichem Ostfuiden, selbst.wenn sie unter limgehnng der Grenzsperre und ohne im Besitze der vorgeschriebenen Legitinlationspapiere und der Einreiseerlaubnis eingewandert sind» zwangsweise in ihre Heimat znrückzuweiien, weil sie dort nach Lage der 'Berhältnisse ^vielfach vjinnittelbaren Gefahren für Leib und Leben: ansgesetzt wären. Voraussetzung der Duldung ist in jedem . Falle der Nachweis eines Unterkommens und einer nutzbringenden Bchchästigung. Fehlt -eine dieser Boranssetzungen, so ist pje Ausweisung grundsätzlich gerechtfertigt. Zur Vermeidung .von Härten soll jedoch dann von ihr abgesehen werden», wenn eine der anerkannten iüdischen Hilfsorganisationen die Fürsorge für den Betreffenden derart übernimmt, daß er der öffentlichen ^irmeichflegse oder der Erwerbslosenfürsorge nicht zur Last .sällt. Vor jeder Ausweisungsversügung und in Aussicht genommener Zwangsabschiebung ist.der jüdischen Füusorgeorganisatioir Gelegenheit zu geben, 'Sic Interessen des Betroffenen wahrzunehmen. Soll die Ausweisung wegen Arbeitslosigkeit erfolgen, so ist .sie erst - dann statthait, wenn der jüdischen Fürsorgeorganisation eine angemessene Frist zur Beschaffung von Arbeit für den Beteiligten gesetzt worden -und diese Frist.fruchtlos verstrichen ist. Alle Personen, die im Widerspruch .zu diesen jBorschristen sestgenmnmdn worden sind, sind in Freiheit zu setzen- Ausweismigen, die bereits verfügt sind, dürfen nur ausgekührt werden, wenn die Ausweisung nach den vorflrhe'.iden Grundsätzen zulässig .ist. Die im' allgemeinen Interesse Wünschenswerte schnelle Unterbringung befchästigungploser jüdischer A-r beiter in geeignete Arbeitsstellen ist dadurchk erschwert worden, .daß es nach den bestehenden allgemeinen Verordnungen zu ihrer Beschäftigung der jedes- .maligen Geiiehmignng des Regiernngspräsidentrn, bei landwirtschaftlichen Arbeitern des Laudrats bedarf . . Zur Vermeidung oben erwähnte» Schwierigkeiten wird deshalb bestimmt, 'daß hei splchen ostjüdischen Arbeitern, deren Einstellung durch Vermittlung einer der genannten Hnssorganisationen ersolgt, die besonder? Genehmigungspflicht sortfällt, sofern in den betreffenden Betrieben im ganzen nicht mehr als zehn ausländische Arbeiter beschäftigt werden.. Jedoch ist die Einstellung von der vermittelnden Hilfsorganisation alsbald dem RegiernngÄpräfidenten bczw. dÄn Landrat anzuzcigen." Staatliche Unterstützung leiftuugsschwacher jüdischer, Gemeinden. Die vom „Verband der Deutschen Juden" seit Jahren unternommenen Bemühungen um die Bewilligung staatlicher Mittel für > die Unterstützung leistungsschwacher ' KÜltnsgemeinden bäben nunmehr zu eineni Erfolge geführt.-Auf eine neuerdings yäm Verbände mit Bezug hierauf an die. preußische gesetzgebe«':« LlmckieSde^amm- 7lüng gerichtete Eingabe, .welche im Haushaltungsavskchuß hei der Beratung des Knltnsetats -von, dem Geheimen Justizrat Caskxe als Mitglied des Aussckuk'es warnt -vertreten wurde, hat dieser beschlossen, der Landesverimrnnfmm air cmhrpftTrit. hit* hpr ^.sur s l tz u n g vom 12. ds. 'MtSr mit allen Summen gegen die der Unabhängigen Sozialdemokratie angenommen worden. - - 7.. '' i Jüdische EmigratiouS-Drgauisalio» 7,i ,t.-/Die .Jud., Einigrations-Organisatwn,. CharlottenburK' /f-'Hä.rdenbergstr..42,. schreibt uns: , ' Eine.übereinstimmende Preßnotiz, die sich in den .jnng- - sten iTägew mehrfach in der jüdischen Presse fand, besagte. daß die neugegründete Indische Emigrations-Organisation' .-./T-, ■ darum keinen originalen Zweck erfülle, weil die prakttsche. ' 'l’&~ Fürsorgetätigkeit für die osteuropäischen Juden in Deutsch-!, land bereits von einer genügenden Anzahl von Organisationen betrieben werde. Diese letztere Tatsache muß - ohne ■ '4; 'j weiteres als richtig anerkannt werden. Die Jüdische Emii Ai grations-Organisation ist denn auch nicht gegründet worden, ' HI um in derselben Weise wie die älteren Organisationen prat- ./7I ttsche Hilfstättgkeit anszuüben, sondern sie stellt eine Studiengesellschast dar, die sich fortlaufend mit den Grundlagen . und Erscheinungen der gesamten jüdischen Wanderungsftäga . befassen und die praktische FürsorgetäUgkeit der anderen .'Jf Organisationen durch die Schaffung systemattscher und. 7 wissenschaftlicher Grundlagen unterstützen will. Ihre' 'ituf- M gäbe ist ausschließlich die ideelle und prinzipielle Behänd- '7s - lnng der Wanderfrage; sie gedenkt ihr Ziel zu erreiche«:/ >3 vornehmlich durch fortlaufende Herausgabe geeigneter Pnbli^,' ' ^s kaUonen, so eines Mitteilungsblattes »Die jüdische ©an*/ rfjj derung" und einer Emigrattonsbücherei, d. h. einer wissen- W schaftlichen Schriftenfolge zur jüdischen Wandernngsftage.' M [ Sie erfüllt demnach eine Aufgabe, die bisher nicht vow-^I ► einer der in Deutschland bestehenden Organisationen fr*t Angriff genommen worden ist: 7 Eine Attio« des HilsswerkS kür Paläfti««- > . Ax7L Die" Umgestaltung der politischen Verhältnisse inden ^7-.- Welt hat zur Holge, daß mit der Entwicklung! PalästinaK 7;';| * . zu einem jüdischen Gemeinwesen gerechmt werden kan»/ '7/H t i Der Jüdenheit der ganzen Welt steht damit eine gedm» .HH - ttge Ausgabe bevor. Die Vorbereitung dieses Werks ifv // /§ t das dringendste Gebot der Stunde. Eine große Reihe-/.M v wichttger Arbeiten kultureller, wirtschaftlicher und sozia-» ler Natur harren in Palästina der JnangrissNähme., Die Juden aller Länder haben die Notwendigkeit begriffen,'7 » mit ihren Mitteln zur Stelle zu sein. Auch Ha3 dent»-7:M sche Judentum wird nicht fehlen. ' i ' 7AÄ 7 ' Soeben versendet das Komttee des »Lilfswerks für '.'--D - Palästtna" (Palästina-Aufbaufonds) einen Aufruf an * deutschen Juden, ohne-Unterschied der Partei, mit-aKer Kraft -durch tätige Teilnahme das Werk zu Mtzerr. DÄN7/7W Komitee gehören eine große Zahl hervorragender»^.««. -W '' deutschen Judentum bekannter Persönlichkeiten an, vl. , /H k - Rabbiner Professor Dr.- Baueth, Berlin^ ttmöerpifiö*- j> -. profesjor Dr Alb ertiEinstei.«, Berlin. Dr. -^ieK-;ig ► trieb Jacobfo.hn, Herausgeber der ./Veltbuhne^,. - 7? Oberklrchenrat Dr Xroner, Stuttgart, Prof. Warbnra. Berlin. Spenden find auf das Postscheck-- kont» Berlin Nr. 1192 (Hilfswerk für Palästina) pdepi-.^Zk aus das Konto des Hilfswerks für Palästina (Palästina-:. ' Auibamonds^. bei der Nationalbank für Deutschland, Äe- 7«^ - vontenkasfe Knrfürstendamm, ernznzahlen. : E Kurze polittsche Rachrichte«. ) -A Gießen Die Medizinerlchalt. welche den gräßüfti /K, Teil der Studenten der medizinischen Fakultät' an 'her.7:-''^ hiesigen Unwerfitüt umfaßt, veichwß. alle 2 n geb Srig e«^7 der semitischen Rasse aus der Gießenev.MedHinerschaft auszuschließen. ■; Prag. ,.D»r Bolksderband der JudenfürdieS^^ke^' 8 der bereits 70 Gemeinden umfaßt, will sich anden. kom- .iL menden Wahlen als Jüdische Partei betelltzen. . , Budapest. DieZahldernachdenJnrerßier»»Ks-:>'Z lagern Heimasker, Solno und Szeged abzuschie,-f bendeiz galizischen und russisch-polnischen Jrwen BtüapeMdürste etwa 25060 Seelen betragen. . ''7M Bukarest. Ja Adfud fand auf Anstiftung: Leutnants C o n st a n t i n e s c o, des dorttgen Kommän-': / bauten, ein . Pogrom statt. Die gesamte jüdische. -7s völlerrmg ist nach Foescuck gefluchtet. ' ■■. >755* Lodz Die Ernennung des Richters Ado lf CahjirH zum P r ä s.i d e n t e n des K r i e g s g eri ch tS hah einem« Sturm heraufbeschworen. So faßte der Lodzer .polnisthet^:, Kaufmanns- und Fabrikantenverein einstimmig eine testresolntion gegen diese Ernennung eines Indem./^ Auch die Lodzer Gerichtsbeamten protestierten. Die Zs' ' tung^.Rozvoj" meint, ob die Polen so lange aus. die.Fr! heit warteten, damit nun Juden über sie herrsche».- .^7^ - Paris, 910(6.—einer Depesche der TempS aus° Ode-ssa hätten die Bolschewisten die Jaden vyn. Kn-vE sämtlich ermordet. Paris. Auf Jnittative von Dr. Leon int« / venierte dasK omitee derJüd D e leg atro neu dnrW seinen -Vorsitzenden R a h n m S o k o l o w bei dem amerikanischen, englischen und italienischen Delegietten . an de^ü -7 . » ___ aa