Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 46 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2693126-2693172--10942-2706334- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Frankfurter Israelitisches Familienblatt ’ \* .? *» f3r <C5 :iuiiiiHTmimiinninuiiiinii»iniiiiniiiiiiiiimnnimiinimimm. Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Vierteljabr: Zn Frankfurt a.M. Mk.l.9S ftei ins Haus. Bei der Post abonniert 3Jtf. 1.80, frei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Bei Zusendung durch Streifband fürOeutschland und ästerreich-llngarn Mk.2.25,fur alle übrigen Länder Ml.2.50. Einzelnummer 20pfg. ............ Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M.,Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 7903 Herausgeber: Galy Geis iimmimmnmn»iiiiiiimiiminrii^ Znsertionspreis für die sechsgespaltene petiizeüe?0pfg., für die Rellamezeile Mk.2.—. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. / Platz- und Datum-Borschrifi ohne Verbindlichkeit.,/' Annoncen-Annahme bei der Exped.und kn a.Annoncen-Burea»s. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Rr.4864^ -L -L -W 17. Jahrgang. Freitag, den 6. Liglenk L689 (28. November 1919 t Nr. 46. Die neue Bersassnng der Frankfnrter Israelitischen Gemeinde. te OBS 12 ne. hm lai Um 1OI1 WH tat 1 Eine aus Vertretern des Vorstandes, des Ausschusses. der Rabbiner, der beiden Gemeindevereinc, der 'beiden Frauenvereine und der .Zionistischen Vereinigung zusammengesetzte Kommission hat in 21 Lidungen einen Entwurf für eine neue Gemeindeoerjassung jertiggestellr, der Vorstand hat den Entwurf mit geringfügigen Äendcrungeu genehmigt und der Ausschuß wird ihn in seiner Tonnerstag, den 27. November stattfindenden Sitzung genehmigen In seiner 'Sitzung vom vorwöchentlichen Tonnerstag lag dem Ausschuß der Entwurf bereits vor, er Hielt die Generäldebatte darüber ab, wählte eine Unterkonimission, die bereits nach einigen Tagen die einzelnen Paragraphen noch einmal prüfen soll, und bestimmte die nächste Sitzung für die Beschlußfassung. ,, . Ter Schritt der Frankfurter Jsr. Gemeinde, ihre plurokratische Verfassung des Jahres 1839 durch eine auf wahrhaft demokratischer Grundlage aufgebaüte Verfassung zu ersetzen, hat nicht nur ein lokales . Interesse, dürfte vielmehr bei der Bedeutung der Frantfurtcr Gemeinde für weitere Großgemeinden Deutschlands richtunggebend sein. Wir halten cs aus diesem Grunde für angebracht, uns im folgenden eingehender mit dieser Neugestaltung zu befassen. Welches sind die wesentlichen Merkmale der neuen Verfassung? In der instruktiven Rede, die Rechtsanwalt Ar. Rudolf Geiger in der Generaldebatte des' Ausschusses' hielt, äußerte er sich hierüber wie , folgt: Es ist ein Werk geschaffen worden, auf das die Gemeinde stolz sein darf. In der Kommission bestand von Anfang an auf allen Seiten der feste Wille, etwas. zustande zu bringen, das alle befriedigt. Ter 12gliedrige Vorstand wird von der Gemeindevertretung, die aus der Verhältniswahl seitens aller männlichen und weiblichen, mindestens 20 Jahre alten Gemeinde- ’ Mitglieder hervorgeht, gewählt. Je 500 Wähler >vählen einen Gemeindevertreter, deren Zahl jedoch nicht unter 27 und nicht über 45 sein darf unfc wahrscheinlich . zunächst etwa 30 betragen dürfte. Tie Frauen haben sowohl das aktive wie das passive Wahlrecht. Das Wahlrecht ist prinzipiell nicht an die Stenerleistung gebunden. Tie Rabbiner haben das Recht, an den Vorstandssitzungen, in denen Kultusangelegenh'citen bkjhandelt weichen, teilzunehmen. Tie Platzinhaber in der Synagoge präsentieren ihren Synagogenvorstand. Hinsichtlich der gemeinsamen Einrichtungen, wi>e Friedhof und Krankenhaus, bleibt es bei den lwstehcnden bewährten Gepflogenheiten, und nur durch einen Beschluß von vier Fünftel Mehrheit des Vorstandes und der Gemeindevertretung können Aenderu'ngen beschlossen werden.. Die Genwinde hat jetzt die soziale Tätigkeit in ihren Aufgabenbereich einbezogen. - Wenn toort diese Grundzüge zu ihrem Gesamt- «indrucke vereinigt, so muß. man sich zu dem Urteil des Borsitzenden des Äusschüsses, Rechtsanwalt Tr. Richard Merzbach, bekennen, daß die neue Verfassung allen in. der. Gemeinde vorhandenen Kräften 'gestattet, wirksam zu werden. Das Ist heute in der Tat die Vorbedingung für eine Zukunft, die all' der Sorgen, die mit der Lockerung der Zwangsmitgliedschaft gerade der Großgemeinden warten. Herr wird. . .. Die Zetten haben suh eben. gründlich geändert. So hat die Frankfurter Jsr. Gemeinde seit März keinen Nachweis über den Zuzug steuerpflichtiger Personen von der Polizei erhalten. Ebenso ist es den andersgläubigen Gemeinden gegangen und man hat hier bereits die ersten Schritte zur Selbsthilfe getan. Tie Frankfurter Jsr. Gemeinde hat sich dem Plan der andersgläubigen Gemeinden, mit fteiwilligen Helfern eine Kvnsessionszählung vorzunehmeu -und gemeinsam eine Kartothek über ein konfessionelles Personenstandsregister onzulegen, angeschlosscn. Doch heute genügt es nicht mehr, die Namen in der Steuerüste .der Gemeinde verzeichnet zu haben, — wenn die Gemeinde es nicht versteht, seelische Fäden zwischen ihren Mitgliedern und sich zu knüpfen, dann muß sie mtt dauernden Einbußen von Mitgliedern, und abgesehen von dem ideellen Verluste, — mit dadurch bedingten, unter Umständen zu Katastrophen führenden materiellen Schäden rechnen. Tie Väter der Frankfurter Jsr. Gemeinde haben weise gehandelt, indem sie sich so schnell den neuen Verhältnissen angepaßt haben. Sie heben Grundlagen geschaffen, die einem Aufblühen jüdischen Lebens nur förderlich sein können. . Doch, daß jüdisches Leben erblühe, wird besonders an der Kraft liegen, die von den traditionstreuen Kreisen der Gemeinde ausgeht. Nachdem die Gemeindevcrtretung gemäß der neuen Verfassung eine öffemlichc Tribüne mit' weithin vernehmbarem Schall geworden. ist, hängt für das innere' Leben der Gemeinde und ihr Aufblühen nach außen unendlich viel von der Arbeit ab, die die leisten, die noch bewußt in der Tradition des Judentums wurzeln. Ten Traditionstreuen erschließen . sich jetzt Wirkungsmöglichköiten, die * ihnen bisher verschlossen waren. Mögen gerade sic sich ihrer Pflichten bewußt sein, denn gerade ihnen werden diese Pflichten nicht leicht gemacht, da wertvolle Kräfte ihrer Gesinnungsgenossen längst ein Schisma zwischen sich und , den bebe religiöse Richtungen umfassenden Gemeinden geschaffen haben, und sie so geschwächt sind. Mögen aber auch die Gesinnungsgenossen, die unter den früheren Verhältnissen ein Schisma schufen, es sich überlegen, ob sie unter den neuen Bedingungen, die sich ganz auf Freiwilligkeit und gegenseitiger Respektierung aufbauen und unter denen es daherkeinerlei religiöse Vergewaltigung geben kann, sich eines Einflusses berauben sollen, durch den sie für ihre jüdische Welt- und Lebensanschauung unter Inden propagieren können. Es würde da von ihnen nur das Opfer verlangt, zwei Gemeinden anzngehören, für dieses Opfer würden sie aber gegen den Auflösungsprozeß, gegen Mischehe und Taufe, Mitarbeiten und noch die Aussicht haben, ihrem Anschanungskreise Anhänger zu gewinnen. Ein geistiger Kampf ohne Vergewaltigung kann nunmehr in der jüdischen Gemeindestube zur Entfaltung kommen. Doch'dieser Kampf erzeugt Leben. Möge er frisch und kühn einsetzen, — das Judentum kann nur gewinnen! ültfltti. Ein Aufruf. Die jüngst gegründete Allgem. Hilfskommjsston der Ungar. Juden und die Vertreter der isr. Religionsgemeinden von Budapest und Umgebung erließen einen Auftuf an die ungarische Nation. Die Nn'erschristeir des Aufrufs vereinigen zum ersten Male die Namen der Vertreter der Orthodoxie und der Neologie. ' Der Aufruf verweist auf die hunderttausende jüdischen Soldaten, die ähr Blut auf den Schlachtfeldern für ihr Vaterland veraossen, und protestiert dagegen, die ungarische i Judenschaft für die Verbrechen der bolschewistischen Herrschaft, unter der gerade die Juden am meisten litten^ verantwortlich zu macken. Die Unterzeichner erklären „vor' Gott Sind den Menschen, daß die ungarische Judenschaft veat Konnnunismus in jeder Beziehung und in jeder Richtung, geistig und materiell vollständig fern stand und fern ürbt, und daß jüdische Religion, jüdische Erziehung und jüdisches Familienleben jede Identifizierung des Judentums mit den sündenbefleckten Lehren des Kommunismus gusschließen". Der Aufruf schließt: ,LVir erwarten von der Gesellschaft unseres ungarischen Vaterlandes Gerechtigkeit. Die schwere Faust der strafenden.Gerechtigkeit möge erbarmungslos auf. alle Schuldigen niedersause», die Unschuldigen jedoch mögen! ' -in ihren Lchutz genommen werden. Wir, die wir ebenfalls Ungarn sind, wollen uns in den Schutz der Gerechtigkeitsliebe der ungarischen Nation stellen und vertrauen aus die; Gradheit der ungarischen Gesellschaft, die sich von aller Verleumdung, aller Hinterhältigkeit und allen eigenmächtigen Rachegelüsten nur mit Verachtung abwenden kann- Die. Augen der ganzen Welt sind aus unser unglückliches Vaterland gerichtet. Sie wartet zu und will sehen, mit welcher ' Geisteskraft die ungarische Nation nach so vielen Erschütterungen eines Jahrtausends sich der schrecklichen Schicksals- . schlage entwinden werde, denen sie nach dem traurige«. Ausgange des Weltkrieges anheimfiel. Wenn je, muß flr jetzt dahin streben, sich groß und großmütig zu erweiset^" auch unter den Schlägen des Verhängnisses, damü keine Anschuldigung wegen Ungerechtigkeit an ihr hasten bleibe. Wir wollen und werden 'arbeiten, arbeiten für das Vaterland, . für unsere Kompatrioten, für die zukünftige Generatton, ohne Rücksicht auf Religion, wir wollen für sie arbeiten als' treue Söhne der ihre ruhmreiche Vergangenheit betrauernden, aber auf eine bessere Zukunft vertrauenden ungarischen Nation." Pole«. , Zur Frage Der Sonntagsruhe K. f. 'd. O. Eine bemerkenswerte. Rede über die Sonntagsruhe hat Dr. T h o n. in der Sejmkommission gehalten.. -Dev Referent Adam Arlud hatte 'ausgeführt, daß die jüdischen Wünsche unerfüllbar sind, weil auch in Westeuropa Inden und Christen einen und denselben Ruhetag haben. Darauf erwiderte Dr. Thon, daß der Vergleich mit Westeuropa nicht zntrifst, weil in Polen eine kompakte' jüdische Masse wohnt, die in Westeuropa kein Analoga« hat. Im übrigen sind -auch z. Bin London in Whitechapel die jüdischen Geschäfte am Sonntag offen. Ferner besteht ein großer Teil des polnischen Judentums aus orthodoxe« Juden, für die die «abbatruhe das erste religiöse Gebot ist. Endlich wird durch die obligatorische Sonntagsruhegerade der ärmste Teil der -jüdischen Geschäftsleute getroffen werden, weil die wohlhabenden Kanfleute ihre, Geschäfte zumeist vom Schreibtisch ans abwickeln. Alle diese Einwendungen haben jedoch nicht durchgegriffen. Me Verbesserungen zum Gesetzentwurs sehe« nue vor, daß in geschlossenen Lokalen auch am Sonntag dem ganzen Tag gearbeitet werden darf, ferner die Straßenhändler mit Erlaubnis der kommunalen Selbstverwaltungfauch >am Sonntag fünf Stunden ihre Berkaufsstände offe« halten dürfen. ‘ -! va 7 S ISj 'H - Jr Schweiz. Die Notlage der jüdische» Studierende». : , fJ. P. Z.) Laut Semester-Bericht der ..Gegenseitige« Unterstützungskasse Jüd. Studierender in Zürich" trä#*,. schlimmen sich die Lage der jüdischen Studenten vonSemester zu Semester. Außer den Studenten, die vom ihrem Heimatlande abgeschnitten sind, bedürfen infolge der schlechten Valuta auch diejenigen der UnterstütznnL. - die mit ihrer Heimat in Verbindung stehen. Me zu Be- ' ginn des Sommersemesters auf.Anregung des Präsidiums- : der^ Kasse von der Juöenschoft Zürichs einaeleitete Hills-" aktron, ferner Veranstaltnng-n» Mitgliedsbeiträge und. an» dere Einnahmen haben insgesamt vom l. Juli bis 16.; . November 1919 Frs. 15.45,8 eingebracht. ' Rumänien. Rumänische Politik. Wie in der Bukowina, vergnügen sich die - Ru«," mänen auch in Transsylvanien mit Judenver» '.‘;v 4