Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 44 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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jimmiiM»nnninnnnHimminiiimiiiiinimmmnnnniiumU; | Erscheint wöchentlich ary.Fre.iM. Bezugspreis pro Viertel. : i jabr: In Frankfurt a.M. M-LrKftek ins .Haus. Bei der po^ j : abonniert Mk.ll.so,stei ins Haus 4pfa.pröMonÄ mehr. / Bei j | Zusendung durch Skrelföänb M Deutschland und Hsierrelch-llngarn ■ ( Mk.2^S,für alle ÄHen MW Mk.2.so. MzeKrummer 20PK - äuiiiiiimmiiiiiHii********'**"***** **‘*********‘***‘******‘*****‘***11***** Mtzüktton ünd Spedition: Frankftirta. M., Langestraße? Fernsprecher Amt Kansa LLIÄ3 Herausgeber: <Säch Geis f Insertionspreis für die fechsgefpaltene PetttzeiIe70Z>tz.,W : | die Bellamezeile Mk.2.—. Bei Wiederholungen entjprecheyder j : Rabatt. / Platz, ^nd Datum-Vorschrifi ohne Verbindlichkeit, s j | AnnoncenÄnnahme bei der ^ped.und in a.Annoncen-Äureaus. : : Konto bei dem Postscheckamt m Frankfurt ä.M. unter 3lc. 4864. i ............................. -17 Jahrgartg. Freitag, dt» 21. iOLvSelr-vr»» L68V (14. November ISIS» Rr. 44. A. ,D. Äordon;. eiy schlichter jMscher Artzei- Er üüf dem Boden PÄäDings,, hat diese ^Briefe geschrieben, deren Sprache so klassisch animitet und hinter deren Worten so klare, tiefe und von feurigem feeliJ(|gn(i®c|toun0 getragene Bedanken wir» ' ftn. Zauberkraft., ströntt, von. Diesen .Briefen ans, Me,Zmiberkrafi der Lust HWistsiras/ siie ipeise und - ynsichtsvoÜ macht. Z^ir. pen hier, dm ersten der - Briefe' wieder; — es sind nur einführende. Worte t^ÄN PröÄemtm^ Sie der Schreib^ behaiideK; ch mögen sie . einen Anreiz, ,M jeden, .der sie -. Rest, sein, zu dem im. Welt-Perlag, Berlin,, er- > schlendnen ümd recht ansprechende ausgestatteten GpröonsWr Büche »Briefe aus Palästina" (Preis tze- ( Müdest 2 Mk.) jHi greifen. . . , Meine Freunde! r . Ich schreibe euch durch . die Zeitung, weil ich daß das die richtige^ Zldressenform ist. AH Muve, stuf diesemWege >v«den euch Miste Worte tresfen, . tvo ihr auch seid. Es liegt mir daran, daß meine Worte nicht verloren gehen. Denn ich bin kein Korrespondent,. PubliM oder Artikelschreiber, Ich bin ein einfacher Ziwe mit emem einfachen Mischen Her- M. Ich will euch schreiben, euch, meine Freunde, «zse ein einfacher Jude einen Brief an seine Familie sMerbt, imd Avstr gerstdtz. über Familiensachen. sind ich glaube, es wird euch interessant sein, zu lesest, was ich schreibe, denn ich schreibe doch nicht nur Mn mir selbst, sondern von unserer alten, güten Muster; die, nebenbei gesagt, auch jetzt noch, trotz Verwüstung und Verarmthell, so schön ist, daß manche jungen Mütter sich wünschen dürsten,' so schön,, zu seist. . . Was rst denn natürlicher als ein Gruß von der iMen Mutter. Wir aber sind unserem alten Heim, einem Heim überhaupt so entftemdet, daß selbst ein Spiji von der Mutter uns kalt und versteinert klingt. Man Mlt — oder man erlebt stoch tiefer als jedes JÄhlstn — Fremdheitvor der ganzen Welt, Verstoßenheit und Elend, und „Mutter" ist für, uns rast Kt kindlich, zu herzlich, zu menschlich. Verlassene Kinder, aber keine. Waisen. Das Gefühl ist wie eingefroren, aber nicht tot. Es ist in jeder Mischen Seele ein Fmike vorhanden, wenn auch dem bloßen Wg'e xunfichWar. Und ein Funke ist genug. Man mich ihn nur zu behandün wissen. Bor allem darf Aan nicht allzu sehr auf , ihn ftsblasey. Das bringt M nur zü einem Aufflackern und Verlöschen. Man muß. ganz allmählich Asche und Schutt des frem- M Hodens abgraben, die ihn sticken, und keine frische Kist mHassen.. Man muß nur die Seele befreien, — der Funke wist» , schon das Seinige tun. Still, einfach, ernst! Müssen die Reden zur Seele sein, wahr, nackt müssen die Nachrichten sein, ,die man ihr von dem bringt,, was ihr nahe und lieb ist. Das reinigt, bas Befreit, denn das bringt das Leben, wie esist, Mid das Leben selbst kann auf der Seele spielen, auf; ollen Satten des Gefühls und des Gstrankens. .„.^ Ünd so ^eiüfach ist Mein Gruß aus Palästina. AllU; >rst in .Palästina so einfach, werktägig wie überall. Ihr. habt hier alle Kleinlichkeiten und, wenn ihr «vH, alle Nichrigkeiten wie überall. UM unsere nakivn'ale Arbeit ist fo klein, s» uliftoflöpisch Kein selbst in dm guten tzahren —-, daß man einen sehr Hellen und scharfen Blick haben , muß, uyt sie so zu. sehen, wie sie wirklich ist. Denn Lärm, Gepytter und Feuerwerk, das auch in Palästina reichlich vorhanden ist,' länü einer ernsten Seele nicht viel geben --- außer Beleidigung und Aerger. Das alles müßt ihr Miffen; ,meiite Frsttnde, damit ihr nichts Besim- Wes, ^erwÄfä^ mtL mrcht! mttäüscht werdet. - Menü.. rhs. . . .euch ,, über mit . einem grundoffenen Htrzen nach PäÜstzna. wchidet,. mit einem, Herzen, das die Wehen des Schaffens nachfühlt, auch wenn sie in Krümmungen, in oftmals ganz unschönen Schreien ihren Ausdruck finden, .,— dann, könnt ihr sicher fein, daß ihr. auf euere Pechirung kommen werdet. .Das ist der Vorzug von Palästina für uns, daß wir in ihm bei uns siüd,' bei uns in allem, was wir sind und was wir erleben — ob wir es nunfüh- Hn , vder picht. .Da bleibt alles unser: unser Eingreifen; , unser Versäumnis, unser Licht, unser Schatten, unsere Freuden, unsere Leiden. Sorgen mit allem Zübchör,. in allen Ärten und Farben habt ihr dort, in anderen Ländern vielleicht nicht. weniger wie wir hier, — über euere Sorgen haben keinen Sinn, das sind Sorgen für nichts und wieder nichts. Hi« aber, in Püläsiina, mögen , hie Sorgen noch so bitter, herb, schrecklich, sein, sie habe» einen Sinn. Hier gibt es keinem Schlag, der verloren ginge, keine Sorge, die sinnlos wäre, — hier geht wirklich kein Funke, kein Ton verloren. Ist einer in Palästina, hat er etwas getan, etwas gelitten für unsere Sache, so mag er später auch, Gott behüte, bankrott machen oder gar gußer Landes fahren, mag sein Tun in Nichts zerfallen, — seine Energie, seine Hingabe, sein Leiden bleik-t. Und dabei gibt es immerhin aüch solche, die hier gesunde Samenkörner säen und selbst , ihr Leben. Das alles wächst, von all dem legt sich um die Seele eine neue Lebensschicht. . . Das alles ist Miikroskopisch Kein, kaum daß man es sehen kann, — aber, es lebt, undmit der Zeit macht es sich auch fühlbar. Aber am deutlichsten .fühlt man es, wenn man hier arbeitet, wenn, man der offenherzigen, majestätisch lichtvollen, prophetisch vertieften Natur des Landes Auge in Auge, Herz an Herz, bei der Arbeit, gegenübersteht. Man arbeitet einfach, ohne Künste, 'manchmal schwer und derb, und doch erlebt man zeitweise etwas, das., nicht besser auszudrücken ist, als daß man sich gewissermaßen organisch in die Arbeit der Natur selbst einarbeitet, in ihr Leben und Schassen hineinwächst. Etwas erfaßt den Menschen so weltengroß, so himmelrein, so abgrundtief, daß es ihm vorkommt, als ob er auch Wurzeln in der Erde schlüge, die er gräbt, als ob er sich auch von den Sonnenstrahlen nährte, als ob er auch mit allen Gräskein, allen Palmen, allen Bäumen sich tiefer in die tiefe Natur, größer in die große Welt hineinlebte. Und wenn scMere Augenblicke kommen — und sie kommen sehr oft — und man erhält von außen, oder gar von innen, schlimme,, sinnlose, unerwartete Schläge, Schläge, daß es einem dunkel vor den Augen, trübe im Herzen wird und man wie betäubt bleibt, — da kommt einem die alle Agadah ln Erinnerung, und man denkt, daß es der Engel ist, der im Frühling mit einer Rute auf das Gräslein ^schlägt und ihm zürnst: „Wachse!" -Und immer dasselbe. Die Woche ist länger als U« Sabbat, die Zerstörung größer als der Ausbau, di« Wehen stärker als das Schaffen. Die Weher» sind nicht Kr ertragen,, sind tief wie der Meeresgrund!; weil die Kräfte klein, die Seelen kleinlich sind. Ä? ganze Größe dessen, was geboren werden muß, wiü» nicht umfaßt, der zweitausendjährige, nationale Schmerz wird nicht als große Schaffenskraft für unsere Arbeit nutzbar gemacht. Es gibt keine Verständigen, die den Wert dieses ungeheuren Kapitals, zu erkennen vermöchten. Kleine Händler und Mäkler^ aus kleinen oder auch auf großen Börsen. Alles ist klein,, kleinlich. Parasiten ab« haben wir aller Att: kleine und große, ökonomische und geistige, tlnftr Paräsllentum haben wir aus dem Golüs ungemindert hierhic gebracht, frisch, gesund, kräftig. . (Und man sät es hier tücfitig ans, und. es wächst ohne Regen und blüht -!v!nd trägt. Früchte,, die glänzen, und. duften und. in der ganzen Well einen llingenden Namen. haben Ünsi von außen stürmen böse Winde, die mft einem Sturm fast , alles von dem wenigen. Tauglichen, das hier, eingepflanzt ist, ausreißen, fast .alles, was wirklich zu leuchten beginnt, auslöschen. * Einen Trost haben wir, d. h. alle, die fest stehen und fest stehen können: daß wir die Schmerzen fühlen, fühlen bis auf den Grund. Wir sind jetzt gleich einer Frau, die jahrelang, keine Kinder bekam, so sehr sie auch Gott darum bat, — und plötzlich fühlt sie, daß sie schwanger ist. Sie fteut sich über jeden Schmerz, sie hat nur Angst, vielleicht ist der Schmerz zu gelinde, vielleicht ist es nicht das. Im Golns haben wir diese Schmerzen nicht geftchlt- Das sind die Wehen des Schaffens und sie geben uns Mut und Hoffnung, daß 'wir alles überstehen weichen. So kommen »vir mit festen Schritten zu unserer schweren, finsteren Lage. -Zu anderer Zeit hätte mein Gruß vielleicht voller, schöner, wärmer sein können-. Ich habe auch keine Einzelheiten geschrieben und überhaupt kein Bild gegeben. Das finde ich jetzt, nicht wichtig. Das könnt ihr aus anderen Quellen schöpfen ütch ich werde vermutlichauch noch dazu kommen, über alles in seinen verschiedenen Sellen zü reden. Meine Absicht ist jetzt nicht, bei euch für Palästina Interesse M erwecken; es wäre überhaupt sehr schlimm, wenn ich. bei Euch, Mine Freunde, erst Jnte'reffe erwecken müßte. Bei jemand Interesse erwecken, heißt nicht, ihn für immer gewinnen, gewinnen mit Leib und Leben, — und Erez Israel fordert von euch Leib find Leben oder es fordert mchts. Ihr seid Inden, solche Inden, wie wir in Palästina. «Meine Absichst ist, euch nicht so sehr darauf aufinerksai» zu machen, was ihr fiir Palästina tun müßt und" » könnt, als vielmehr darauf, daß Palästina für euch mehr tun kamr, daß es euch mehr geben kann, als ihr ihm. Und nur dann, wenn Erez Israel euch etwas Lebenswichtiges gibt, nur wenn ihr in ihm das sucht, was ein Jude nirgends sonst finden kann, was tief in jeder jüdischen Seele fühlbar ist, ohne daß es einen Ausdruck finden kann, wett es keine» Ausdruck besitzt, weih es nach einem solchen erst i» Palästina sucht, — erst dann könnt ihr etwas Wesentliches fiir Palästina tun. Sehr schlimm, sehr schäd-! lich würde es für euch und für Palästina sein, wen» ihr ihm nftr geben und nichts von ihm nehme» würdet. Mutter Erez Israel ist keine Schnorrerin. (Und . gerade deshalb gibt es hier so viele Schnorrer, weit sie nur von anderen zu nehmen verstehen und nicht von ihr. im besten Fall von ihr nur das z» nehd'men wissen, was sie bei anderen viel leichter hafte« bekommen tzunen.) Solange ihr iw: geht mü» nichts