Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 41 (24.10.1919)
- Date
- 1919-10-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 41: Theo Johaf Kon fitiirent.und Schokolade Steinweg 12 Steinweg ihrer Massen können der nationaljüdischen Bewegung das Vertrauen geben, ihre gigantischen und gerade in der katastrophalen jüdischen Gegenwart brennend gewordenen Ausgaben zu erfüllen. Aber jeder Nationaljude müsse auch den Willen haben, ein jüdisches Leben zu leben und dazu müsse er an der jüdischem Vergangenheit anknüpfen. Jüdische Bibliothek und Lesehalle. Vom 24. Oktober ab ist die Bibliothek und Lesehalle wie olgt geöffnet: Montag bis Donnerstag 3—8 Uhr. Freitag Abend poch Schluff des Gottesdienstes bis g Uhr, Samstag und-Sonntag 10&—1 Uhr unb 3—7 Uhr. Frankfurter Berauftaltungen. M ont efior e, Bleickstr. 70, Freitag, 8% Uhr: ffie*' eiliger Abend (Ansprache: Rabb. Dr. Horovitz); Samstag, 11 Uhr: Schiur iDr. May'; Sonntag, 10 Uhr, Endstation Linie 18, Riederhöfe: Besichtigung des Gasweiks; Mittwoch, 8 Uhr: Prophetismus und Mystizismus (Dr. Eduard Strauß). — Haibri, Unterlindau 21, Samstag, 3% Uhr: Diehebr und jüd. Literatur (I. Ehrlich«.Tiferes B achurim, Langestr 33 in der Bibliothek, Sonntag, 8Uhr: Antisemitismus bei Griechen und Römern (Fritz Goiiein). — Mekor CdajimundAg.Jisr.-Jugendgruppe, Zeil 8? , im Restaurant Schönvach-Emanuei, Freitag, 8 Uhr: Geselliger Abend. — Ta lmud-TH ora-Berein, Freitag, Schluß des Abendgottcsdienst: Bortrag (Rabb. Dr. Nobel): Samstag, Schluß des Morgengottesdienst: Dinim (Dr. Frtedmann), 3'/« Uhr: Raschi (Lipinsky); Sonntag, Schluß des Morpengottesdienst: Mischnah (Dr. Friedmann), vorm. 9 .Uhr: Schulchan Aruch (Liptnski); Schluß des Abendgottesdienst: Josuah (Unna); Dienstag, 8% Uhr abends: Chauwaus Halwowauth (Dr. Braun); Mittwoch, Schlüß des Morgengottesdienstes: Mischnah >Dr Friedmann»; Donnerstag, abends 1% Uhr, Hermesweg 27: Gemoro (Unna). — Zionist Vereinigung, Montags Uhr, Untelindau 2l: Mitgliederversammlung «Davis Trietsch); Dienstag 8 Uhr, Franksurtloge: Oeffentl. Versammlung (Bortrag Trietsch). — Vereinigung jüd., Schüler höherer Leh ranstalten, Sonntag, 6 Uhr, Hanauer« (andstr. 38: Bunter Abend. Literarische Rundschau. Schief-Levinche mit seiner Kalle oder Polnische Wirtschast. Ein komischer Roman von her m a n n Schiss. Nebst einer empfehlenden Erklärung von Heinrich Heine. 2. Auflage der im Jahre 1848 erschienenen I. Auflage. 252 Seiten. 5 Mk, geb. 7 Mk. Hamburg und Berlin W 35, Hoffmann - Campe, Verlag Selbst e n Heinrich Heine schrieb, als das Buchseines Stiefvetters Schiff erschien: „Schiff hat die Schmutzseite des jüdischen Lebens zu grell beleuchtet. Hinter dem Schmutze des gemeinsten' Schacherjuden aber ist sehr oft Edelsinn und Großmut verborgen". Dieses Urteil des dem Judentum untreu gewordenen Heine ■ ist selbstredend zu mild, — wer sich nur noch rin wenig seines Judentums bewußt ist, kann nur voll Widerwillen von dieser schändlichen Ausgeburt eines Geistes, der sich nicht nur dem Kreise seiner Geburt entfremdet hatte, sondern ihn dazu noch mit glühendem Haß SS- Kaffee Ruhland 7! Kaiaerstrasse 56 TBgllch erstklassige Kaiserstrasse 56 UntertialtiuigBmiisIk Neue Jüdische Presse. verfolgte, abwenden. Haß macht unwahr, und so, gibt Schiff Zerrbilder der Wirklichkeit. Es ist schade um eine Gestaltungskraft, die Wertvolles hätte schaffen können. Es ist aber auch zu bedauern, daß der Campe'sche Verlag es für gut fand, ein Werk wieder auszugraben, das indem Orkus des Vergessen-- bester versenkt geblieben wäre, denn das Schiff'sche Buch hat keinen kulturellen Wert — oder nur den, daß es in seinem Verfaffer die aus der Geschlossenheit der Judengafle in die westeuropäische Kultur hinübergesprungenen Juden der damaligen Zeit charakterisiert, wenn auch diese selten so entarteten wie der sittlich haltlos gewordene Schiss, der im Säuferwahnsinn endete. Kleine Mitteilungen. ' . Des Franzosen P. I. Jouve Gedichtesammlung: ,Lhr seid Menschen" (in deutscher Uebertragung bei Max Rascher, Zürich, erschienen) ist ein Buch des Bekenntnisses, pathosgetragen und von tiesinnerem Schmerz des Dichters durchzckterr. Die vorwiegend lyrisch gearteten Gedichte sind nicht eine stürmisch-leidenschaftliche Klage und Anklage gegen das mordende, entntenschte, rasende Europa, ein verzweifelter Aufschrei gegen das wahnwitzige Verbrechen des Kriegs, sondern mehr der stille Ausbruch der Trauer. Niederschlag des tiefen Schmerzes über das unsaßbar grausame Geschehen des europäischen Kriegs, über jene ungeheure Beririung der menschlichen Leidenschaften und Triebe. P. I. Jouve ist Dichter des Mitleids, der Menschenliebe, des Erbarmens und des Verzethens. (Das „Lted vom Mitleid" ist darum wohl mit seine wahrste und schönste Schöpfung geworden). Es ist ebendeshalb. (und auch aus anderem Grunde) nicht erstaunlich, wenn seine Kriegswerke, die bereits im zweiten Kriegsjahre an die Oeffenlludkeit gelangten, nicht aufrüttelnd und umstimmend.nicht hinreißend und zur.Tat begeisternd gewirkt, haben. Sie sind aber und werden bleiben ein Zeugnis wahrhafter Menschlichkeit aus der Zeit des in seinen seelischen wie physischen Wirkungen mörderischen, vernichtenden „Weltkriegs". . , Offenbacher Druckluft-Anlage Offenbaoh a. M. Telefon 123. Unübertroffene Teppichrelnignng mittelst Druckluft. Wocheu-Saleuder. Samstag, 25. Oft. (1. Cheschwan'. Sabbat-Anfang m Frank,urt 4*/* Uhr. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 6 Nhr. Wochenabschmtt: N au ach Schabbos Raus ch Chan des ch. Wochengottesdienst: - Morgens 6% Uhr, Abends 4*/« Uhr in den meisten Frankfurter Synagogen. » Kraulfurier Kamitteuuachrichteu. Barmizwos. Leo Schornstein, Mainstr.,12; Hans Haas, Herderstr. 38,. Walter Neumann, Herderstr. 38; Heinrich Kleinberger, Herderstr. 4: Kurt Brunnabend, Wmgertstr. 3: ^.Willi Aruchsaler, Friedb. Landstr. 30, Synagoge Börneplatz. Verlobte: Erna Rothschild, Wolfsgangstr. 51, inst Alfred Bing, Röderbergweg 63. — Paula Talberg, Jiigelstraße 13, mir Ludwig Kurz. Tiergarten 18. — slse Stein, Herderstr. 24 «mit Willy Sundheimer, Osfenbach. — Bsssic Melitz Herdersrr. 29, mit Felix Cohn. Frida Katzenstetn mix Max Plaut, Wallgraben 8. Gestorben: Max Steinhardt, 71 I.. Günthersburgallee 55. — Lina Katzenberger geb. Strauß, 7(5 I, Schleidenstr. 31. — Johanna Bickhardt geb. Frank. 37 I., Röder- Serte^S. Zvkilävrmalsrslu.liVkisedmrlvrarbeiten Philipp Trauner Textorstrasse 68. Telephon Römer 5778. bergweg 36. — Leop. Loewenick, 48 I., stellv. Direktor der Deutschen Vereinsbank. Auswärtige Familieuuachrichteu. Geboren: E. Tochter Baruch ¥arx (Aron), Nürnberg. — Arthur Burghardt (Katzenstein), Hannover. Gestorben: Louis Friedenheim, 76 I., Wiesbaden. — Türk. Generalkonsul Kommerzienrat Siegfr. Bach, 57 I.. Nürnberg. Spende». Bei der Neuen -Jüd. Presse gingen ein: A- S. irnl. Jahrzeit für Palästina 20 Mk. — Hans Frenkel im Garten von Clara Frankel' 1 Baum 6 Mk- : Bei der Rationalfondskommission (I. Heimann.. Zeil 21, Postscheck 41441) gingen ein: Rausch-Haschonoh-Glückwuufch-Ablösuug^ Frau Fanny Lebrecht, Jar. Reinheimer, Michael Fried-... mann, Naihan Kaufmann ze Io.— Mk. — H. Dorfzaun. > Menny Rapp, Simon Sichel je 5.— Mk. — S- Neuhau» 2. - Mk. — H. Erteschick, Wiesbaden 20.— Mk. — - Palästina Notstands-Aktion: Josef Wyhler, Zürich anl. Jahrzelt Mk. 20.— ’ M. Mai „ 50.— :■ Nation als onirs : H. u. I. Rothschild anl. Jahrzeit . 25.— Als als Dorfzaun „ 30.—. Max Bauer durch Levigard „ 50.—. Sammlung A. L'wliohn bei Bries-Miloh seines Enkels.' M. Lcwin, Wiesbaden Mk. 100.— I. Wittenberg, Wiesbaden „ 72.— ’ L Geskes, Magdeburg „ 10,— M. Lewisobn, Nürnberg ' ' „ 25— > Frau B. Lewifohn, Frankfurt „ 5.— \ 20- -Ci r? ‘i 2l Lewifohn, Frankfurt Büchscnleerung: Cafe Mangel 24.— Mk. — Dav. Hamburger 22.— - Mark. - David «Gans 14.50 Mk. - V; ' S. Gutmann 2 Oelbäume z. And. an s. seel. Eltern Seligmann und Minna Gutmann Mk. 12;— > Fanny Dessau 1 Baum auj Namen Ernst Göltet i- 1 anl. Geburtstag ivrer Mutier Mk. 10.—- Caroline Hamburger anl. Geburt ihres Urenkels Josef - Wechsler 1 Baum im I. L. Go-tem Garten Mk. 10.— Ein lebendiges Wachstum (Oelbaum) möge den Namen- " Leo Bonn tragen zu s. Geburtslage Schemini AzereS V' 1 v. t. Tochter Trude * Mk. 10.—• v-1 Brieskaste«. , E- G- Ein Zionistenkongreß kann vorerst noch nicht abgehalten werden. Wahrscheinlich wird im. Dezember oder Januar in der Schweiz die zionistische Jahreskonserenz tagen. •s. Arkadia’s Knnstlerspiele nnd --Arkadla-Diele- .s* Kaiseratraaae 69. Telefon: Hanaa 5516. 'C ■ Die ereten MnaMeraplele aa Platze. B .1? - Ostjüdtsche Erzähler. Als der jüngste ostjüdifchc Erzähler repräsentiert sich der besonders durch seine San mlnngen jüdischer Legenden bekannte M. I. bin Gorion (Berdyczewski) in einem bei R. Löwit Verlag, Wien und Berlin, unter dem Titel „Bor dem Sturm (Ostjüdtsche Geschichten)" erschienenen Buche. . In einer dieser Erzählungen schreibt Gorion: „Alles, was ich besitze, ich, ein Ketzer, der den alten Bräuchen untreu geworben ist und unter einem Volke, das er nicht gekannt hat seit gestern und ehegestern, wohnt, es kommt von dort her; von meiner Mutter und von meinem Baier habe ich cs, von der lieben Heimat. Ein Nichtnutz bin ich, daß ich das alles verlassen habe und ein Heide geworden b:n. Aber . Mit diesen Worten hat Gorion seinem Schaffen eine Kritik geschrieben, die sagt, daß trotz seiner Begabung seinen Schöpfungen das Wertvollste fehlt: jene Beseelung nämlich, die eine bewußte Verwurzelung m fder Vergangenheit und ein frohes Zukunfrshossen geben. Doch Gorion bemüht sich meist, nur schlicht zu erzählen, und so kommt es, daß er trotz , seines negativen Jüdischen manches Wertvolle bietet: Auch seine „Ostjüdischen Geschichten" enthalten manche Perlen. Warum er ihnen den Titel „Vor dem Sturm" vorangesetzt hpt, sagt er nicht. Vielleicht deshalb, weil er die ostjüdtsche Gasse vor dem Stunn festgehälten hat, der sie in der Gegenwart durchbaust. und der wahrscheinlich den : größten Wandersturm ihrer Bewohnet zur Folge habenwird. Nachstehend eine Probe der Erzählungen: Las Letzte. Eine Dorfgeschichte. Ist ein Jude in einer Stadt ansässig, so ister von Juden umgeben und kann sich nielverllissen^fühlen. Unter den Seinigen ist ein M-nsch heimisch und weiß sich zu bewegen. , In der Stadt gibt es einen Markt, auf dem Handel getrieben wird; es gibt ein Bethaus, in das man einkehrt, und in dem man immer etwas zu Hörer bekommt. Die Stadt hat ihren Rabbiner, ihren Schächter und ihren Vorbeter; gelehrte Männer sitzen bet. der Schrift, junge Leute sprechen über jüdische Angelegenheiten und' über das, was neues in d-r Weil vorgefallen ist. Die Juden des ganzen Erdreiches sind ein Stamm, und jeder einzelne ist ein Glied vom ganzen » . . Horcht abrr, ob es einem Juden, der in einem Dorfe wohnt, ebenso geht? Ein solcher, mag er auch irgendwo Vater und Mutter am Leben haben, wird sich nets verwaist Vorkommen. Mit einer Seele, die eigen geartet ist, und mit Kleidern angetan, wie sie nur seine Stammesbrüder tragen, lebt er jahrelang unter einer andersgläubigen Bevölkerung. Lauter Bauern sind um ihn Keine Verkaufsläden, keine richtigen Gasthäuser. Die Hütten sind alle gleich und haben alle dieselben kleinen Fenster; die Wände sind aus Lehm, die Dächer aus Stroh. Das einzige Gebäude, das' anders ist, ist die blaue Holzkirche auf dem -freien Platze. Der (Jude sitzt des Vorabends vor seinem Laden und geht seinen Gedanken nach, und im Dorfe erschallt das Geläut der Kirchenglocken. Bim. bam, bim, dam, — die Ruse gelten aber nur denen, die diesem Gotte dienen. > * In einem Dorfe, unweit der Stadt Talna. wohnte zwanzig Jahre lang ein Jude mit Namen Benjamin. Er hielt da einen Kramladen und hatte davon sein leidliches Auskommen. Mit seiner Frau lebte er in Eintracht; die Leute waren kinderlos, aber sie hatten sonst alles, was zu ihrer Notdurft gehörte» und konnten sich über nichts beklagen. Hat doch der Mensch den Schöpfer zu loben, , wenn l ei nur ttgendeiu,Eckcheu sein eigen nennt, und wenn erdas ' ' ÄV. - " ■ ■ , - » tägliche Dankgebet — der da speist und ernährt — nicht ' . ungesättigt heisazi. , fä- Eines aber bedrückte das Genrüt Benjamins, und daS- ’. - -'J war, daß er in einem Dorfe wohnen mußte Er verging ... -- M vor Sehnsucht nach der Stadt, und all' sem Sinnen untt"; Trachten galt dem Leben in der Stadt. Ach, könnte auch -- \ er ein Jude wie die andern sein, an den gemeinschaftlichen Gebeten teilnehmen, die Wonne des Bethaufes genießen! Gewiß kann man auch in der Einsamkeit den Schöpfer - « um Hilfe anfleheu und vor ihm das schwere Herz aus» vi* schütten; was ist aber der Ruf des einzelnen gegenüber -f^ri dem Ruf einer ganzen Gemeinde, und was ist das „Hörei Israel", das einer in der Stille ausstößt, gegenüber dem Schrei, der aus hundert Kehlen zu den Toren des HimmelK. - - dringt? Tag für Tag jammerte Benjamin über sein Los. Slick- .doch sein Leben, so dachte er bei sich, einenr Leben in ' M/ der Wüste. Ec hatte keinen Menschen, mir dem er ei» - ...^ Wort sprechen konnte über das, - was ihn am meisten anging über sein Ball. Er kam sich wie ein ausge» . brochener Zahn eines Rades vor. Versuchte aber Benjamin an emen Umzug in die Stadt zu denken, so kam ihm gleich in Erinnerung, wie schwer es ihm seinerzeit war, . den jetzigen Erwerb zu finden. Es ist nichts Einfaches^ h seinen Unterhalt zu gewinnen, und wie verläßt man daS. - y was man nach vieler Mühe errungen hat? Spann aber'- Benjamin die Gedanken weiter, so sagte er sich: WaS , habe ich davon, daß ich mich ernähren kann, wenn, ic^? in der Fremde mein Dasein friste und nur ein halbes-. Jude bin? * ■-T”* (Fortsetzung folgt.) , . H