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Neue jüdische Presse · 1919-10-08 · Heft 40 (8.10.1919) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 40 (8.10.1919)
Date
1919-10-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 40. Konfitüren und Schokolade So ward Euer Herz: Feuer ging von ihm aus Und so Euere «Seele: Im Winde geweht Wie ein Hauch im Munde Gottes. Jehuda ben Gerson. Oüeudaoker Draeklnit-Anlage Offanbaoh mW- Telefon 123. Unübertroffene Tepplchrelnlgug mittelst Druckluft. Woche»-Sale»der. Suff aus. | Begsnn: Mittwoch abend 6 Uhr. SchabbosChaul-hamaued. Beginn: 51/* * Uhr. Ende: 6Vr Uhr. .. . Schemink Azeres. Beginn: Mittwoch abend 5% Uhr. S chabbos Bereischis. Beginn: 5 Uhr. Ende: 6‘A Uhr. Kr«»ksttrter Ka«ilie»»achrichte». Barm izwios. (11. Oft.). Heinz Falck, Hanauerlandstratze 25, Walter Rothschild, Hanauerlandstr. 72, Syna zöge Friedb Anlage. — (18. Oft.) Arthur Rothschild, Langestr. 21, Julius Weil, Uhlandstr. 47, Synagoge Friedberger Anlage: Mor. Heuberger, Mainstr. 10, Alb. Reinhardt, Waldschmidtstr. 30/ Paul Oppenheimer, Fichardsiraße 53, Joses Sommer, Roßdorserstraße 27, Felix Bluwsteip, Augsburgerstr. 37, Arthur Schloß, Friedb. Landstr. 33, Markus Schlechter, Wollgrabe» 12, Synagoge Börneplatz. Verlobte. Alex Mannheimer,-Fürstenbergerstr. 171 mit Erna Reumann, Oppenheim. —. Berthold May, Im Trutz .29 mit Lilly Wohlgemuth, Bingen. — Alice Seeligmann, Tiergarten 52, mit Max Rothschild, Cöln. — Oberlehrer Max Munk, Rückerstr. 52 mit Bianca Dreifuß, Zürich. Gestorben. Moritz -Haas, 41 I., Beethovenstr. 25. — Emma Goldstein geb. Baumann, 62 I., Lichtensteinstr. 4. — Max Robert Oppenheim. Friedrichstr. 50. A«SwLrttge F«miNerr»achrichte». Geboren. E. Sohn, Richard Rothschild (Strauß), Bad Homburg. Verlobte. Lore Hirsch. Mannheim mit Dipl.-Jng. Eugen Immanuel, Landau. — Berta Mayer, Gießen mit Theodor-Ambach, Würzburg. — Anna Silbermann, Cassel mit Gustav Stamm, Gladenbach. Neue. Jüdische Presse. - ' - G e st o r b e iti Henriette Joseph geb. Hahn,- Würzburg. — Meyer Strauß,'Ikirchhain. — Julius Weinberg, 67 I., Offenbach. — Fanny Baer geb. Mayer, 90 I., Wohnbach. — Fanny Weil! geb. Daube, 61 I., Heilbronn. — Herrn. Suttner, 53 I., Thorn. — Heimann Rosenthal, 70 I., Wetzlar: Epeirde«. Bei der Neuen Jüd. Presse gingen ein: - Familie Weinberg, Saly Geis, Selmar Geis gratul. z. Hochz. Selma Gottlieb-Fulda je. 1 Mf. — Dav. Bär, Mos. ReiS, Heilbronn 25 Mf.. Dr. Würzburger, Heilbronn 10 Mk. für Tachkemonischule Jaffa. Eingesandt. In unseren Atitteilungen Nr. 90 dom Juli 1919 ist im Aufsatz „Zeitgemäße Verbesserung der Gemeindestatuten" zu 4 dorgeschlagen: ' Der Rabbiner, und in denjenigen Gemeinden, wo ein solcher nicht vorhanden .ist, der .Prediger oder Lehrer, ist ohne weiteres Mitglied des Gemeindevorstandes. Sind mehrere Rabbiner oder Lehrer vorhanden, so gehört der Ranghöchste oder Dienstälteste dem Borstande an. Dieser Vorschlag mag für eine künftige Gesetzgebung beachtenswert sein. Nach dem geltenden Recht, insbesondere nach K 41' des Ges. dom 23. Juli 1847, ist er jedoch, wie: wir zur Vermeidung von Mißverständnisse» aushrütfltd) bemerkten, nicht zulässig, da sämtliche Mitglieder des Vorstandes .zu wählen sind und es geborene Mitglieder des Vorstandes nicht gibt. . Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes In Nr. 38 Ihres geschätzten Blattes berichten Si? u. a., daß der Stuttgarter Fabrikant Weinschel die Mittel für die Errichtnng eines großen landwirtschaftlichen Lehrgutes zu spenden beabsichtigt. Diese menschenfreundliche Tat derdientgewiß volle Anerkennung, da die gebotene Ausbildungsgelegenheit wesentlich dazu beitragen wird, die jüdischen Volkskreise für landwirtschaftliche Betätigung wieder zu gewinnen. Ich betone das „wieder" deshalb, weil die Juden seinerzeit durch eine ungerechte Gesetzgebung der Landwirtschaft künstlich entfremdet wurden. Es ist eine zwar' schwere, pber dankbare Aufgabe, auf diesem Gebiete Wandel zu schaffen. Man muß auch in jüdischen Kreisen selbst mit alten festgewurzelten Borurteüen aufräumen, so z.»B-, daß der Jude für dw schwere Landarbeit ungeeignet sei usw. und sonstigen im Grunde genommen haltlosen Behauptungen. Unerllärlick bleibt es allerdings, daß gerade in der Jüdcnsckaft Frankfurts in Bezug auf die Förderung der landwirtschaftlichen Betätigung unter den Juden nicht mehr geschieht. Diese bedauerliche Tatsache habe ich seinerzeit erfahren müssen, als ich Snt dieser «Stelle (in Nr. 28, Seite '4) mein Projekt, betreff, die Gründung «VHBVw7VV||]|OoeKiestr. 19. ILroleum Schließlich ist es doch in deinem eigenen Interesse zu spielen, denn auch du kämpfst ja bereits mit der Not, und jo «ein tceüher Verdienst, wie er sich heute bietet, .ist eine Seltenheit" : Herschko ließ Menasse zu Ende reden und sprach dann kurz, aber entschieden: „Ich spiele nicht . . . Mein Weib liegt im Sterbe». Ich kann nicht spielen!" setzte er, verzweifelt abwehrend, hinzu. Er vergrub sein Antlitz in die Hände und blickte. starr zu Boden . . . Die zwei Musikanten sahen sich verzagend an und.verließen, schweigend die Stube. Äm Nachmittag kamen sie wieder. Es kamen jetzt alle fünf Musikanten, und alle baten Herschko, sich ihrer zu erbarmen und heute zu spielen, da sie ohne ihn doch nicht spielen könnten. Er sollte sich ihrer und ihrer hungernden Frauen und Kinder erbarmen! .Mir wissen, Latz du unglücklich List, und empfinden mit dir dein Weh» aber denf an unsere Rot," sichte Menasse mit Tränen in den Augen. Ester war letzt erwacht und sah sich im Raume um Ihr . Blick blieb an den Musikanten haften. Und Mcnasse bat weiter: »Herschko, mach uns nicht unglücklich, spiel heute, den» wir, alle sterben vor Hunger." Dann wendete er sich an Ester: « „Ester, bitte mit uns deinen Mann, daß er heute spielt, denn wir haben kein Brot mehr im Hause, und wenn uns 'heute dieser Verdienst entgeht, daun müssen wir betteln gehn." Seine Stimme zitterte. Ec war tior Ester auf die Knie gesunken und hatte beide Hände, ineinandergefaltet, zu ihr erhoben. Es war, als hätte der Anblick dieser armen Musikanten und ihrer tränenfeuchten, flehenden Blicke Ester die Besinnung zurückgegeben. Sie wendete chr Haupt zu Herschko und sprach mit bebender Stimme: .Herschko, gehLpielen ... es tist'mir etwas besser . . . geh spielen.. ." - Und die armen Musikanten standen da. tief gerührt. Sie wären am liebsten vor die Kranke hingesunken, um auf Len Knien für ihre Fürbitte.zn danken. Menafse nahm ihre .fiebernde Hand und.bedeckte fie mit Küssen. »Mir Lanken dir, gute Ester, und wollen mit unsere» Frauen und Kindern für deine Genesung beten." Aber Herschko schwieg noch, immer. Und Ester sprach wieder zu ihm, ganz leise: „Geh spielen..." Die Musikanten sahen ihn flehend an. Menasse wendete sich jetzt zn ihm, umfaßte seine Knie nnd wollte keine Hände küssen. Doch er wehrte ab, vergrub sein Antlitz in beide Hände nnd schwieg. Es war.jetzt ganz still in der Stube. Endlich erhob Herschko sein Haupt nnd sprach: ,^cch werde spielen." . . . Nachdem die Musikanten das Haus verlassen hatten, begann Herschko sich langsam anzukleiden. Bald kam auch Menasses Frau, um mit -Recha zusammen bei Ester zn wachen. Herschko erklärte ihr genau, wie oft der Kranken Arznei zn geben und die Temperatur zu messen wäre. Er wiederholte es mehrere Male und schürfte beiden Frauen ein, daß eine ihn sofort vom Kasino holen kommt, falls es — Gott behüte — Ester nur etwas schlimmer würde. Nun war er fertig. Ester schien jetzt zn schlafen, dtf stand vor ihrem Bette, sah sie seufzend an, neigte sich über sie und küßte ihre feuchte,-heiße Stirn. Dann nahm er seine Geige nnd ging schweren Herzens zum .Hochzeitsfeste. Im Kasinosaal wartete man bereits ungeduldig auf Hcr'chko. Die männliche Jugend, wie die jugendfreuoigen Damen sehnten sich nach dem iTanz. Endlich kam Herschko, von allen frvb begrüßt. Und balv begann der Tanz. Ein Schweben nnd Neigen, ein Kichern und Winken, ein Lächeln und Lachen durchwogten den «Saal. Alles im Banne der Kapellenklänge. Es schwirrt von Lebensfroheit und Freudigkeit . . . Und an der Spitze seiner fünf Mann steht Herschko aufrecht da. und spielt den Gästen zum frohen Tanz. Wie lustig ist es doch hier im Saale. Selbst die Töne, die den Instrumenten enteilen, scheinen zu lachen, zu kichern . . Nur fortgespielt! ... Die Wellen der Freudigkeit wogen immer höher, die Luft ist wie geschwängert von Wein, Zigarrenduft und Ausdünstungen der tanzenden Paare. Und von seinem erhöhten Podium auch alles übersehend, spielt Herschko den Leuten züm Tanz. Er spielt heute wie noch nie, kaum daß die andern ihm neck«kommen: es scheint, als ob er.mit den Tönen sein Denken ertöten wollte; er spielt und spielt. Er «will auch nicht denken, er fürchtet die Gedanken. Er ist heute bloß Musikant, er will jguch nichts mehr sein! . . . Wie eine Maschine steht er oben am Podium, an der Spitze seiner'fünf Mann, und geigt und geigt . . . - Aber zuweilen verlor sich sein Blick zur Türe hi». Er wußte selbst nicht warum. Er sah hin, als erwartete Seite 5. Slsrachl-Spenden - ... erbeten auf Postscheck.- Ko nt» Emil Bfthler Frankfurt am Main. eines jüdischen landwirtschaftlich-gärtnerischen Großbetriebes auf genossenschaftlicher Grundlage darlegte. Obgleich dadurch sowohl die Versorgung mit preis- . werten Lebensmitteln, wie auch Gelegenheit zur Ausblldnng, ferner nach Bedarf auch Erholungsaufenthalt gesickert werden konnte, somit alle denkbaren Vorteile ver- - bunden waren, komtte das -Projekt bis jetzt leider nicht. ~ verwirklicht werden, weil es an «der ausreichenden Beteiligung fehlt. Es müssen nämlich etwa -100 Genossenschafts-Anteile zu je Mk. 1000.— gezeichnet 'werden. Sollten sich tatsächlich in der großen jüdischen Gemeinde Frankfurt <i- M 100 Familien zur Beteiligung bereit finden, so belieben sie ihre vorläufige Zustimmung unter der Aufschrift Nachrichten-Zentrale Gm. b. H., dahier, mitzuteilen. I. Bauer. Jüdischer 7uru-Verein. C. Stiftungsfest mit Ball in den Sälen des Volksbildnngsheims (früher Kaaba. Verein); Eschenheimer Anlage 40. Samstag, 18. Oktober 1919, abends 7 Uhr pünktlich. Erstklasilfles Programm unter Mitwirkung de» Herrn Alois Grossmann vom Neuen Theater. Moderne GesellschafftstSnze» - Hoffet.: —- Eintrittskarte 5.— Mark. Karten im Vorverkauf durch Frl. Berthel May. Tel. H. 3084. Der Unterricht in der hebräischen Sprachschule der Zionistische« Vereinigung wird Montag, den 20. Oktober, wieder ausgenommen. Wir erbitten Anmeldungen für Erwachsene und Kinder nach Unterlindau 21. Telephon 1073. er, daß jeden Augenblick jemand käme ihn rufen . . . Ihn rufen? . . . Fort mit den Gedanken! Nur nicht denken! ... Er ivsil nicht mehr zur Türe schauen, denn die Strahlen seiner Angen könnten gar leicht zur Türe hinaus, in die Ferne dringen . . dort zu seinem kranke» . . . sterbenden Weibe. Und er muß ja heute spielen, muß lustig sein; wird .er doch bezahlt dafür. Uno die armen hungernden Mitglieder feiner Truppe «werden ihn dafür segnen .und mit ihren Frauen und Kinder» für Ester beten... Er hält die Augen geschlossen und spielt und spielt. Es war schon spät nach Mitternacht. Man tanzte noch immer. Die Wogen der Freude schlugen immer höher und freier. ' Es wogt und wellt, nnd lallt und wallt vo» Jrendo,- Tanz und Lust... Und Herschko blickt jetzt wieder zur Türe hin. . . Ist es Traum oder Wirklichkeit? . . . stand Jiiefjt Recha dort in der Türe? Er starrt hin zur Türe, als hätte er ein Gespenst erschaut. Sein Spiel erstarb. Er schreitwild auf, stürzt Recha entMgen und faßt sie fragend am Arm. . .sie gab ihm keine Antwort, aber er nmßtc sie selbst. So wie er «war, lief er barhaupt zur Türe hinaus . . . nach Hnuse . . . zu 'seinem Weibe. Uni» in der Hand hielt er seine Geige und den Bogen... * Nun war «r zu -Hause. In der Stube war es Halbdunkel. Frau Menasfe kam' ihm verweint entgegen, als wollte sie ihn zurückhalte». Ohne sie aber zu beachten, schritt ec auf das Bett seiger Frau zn. „Ester," sprach er zärtlich, „ich bin schon zurück von der Hochzeit. Ester, sieh mich doch an." Dock Ester schwieg. Ei neigte sick jetzt über sie und berührte leise ihre« Hand. Es durchschauerte ihn. Die Hand war eiskalt. Sein ganzes Hosien brach jetzt wie ein Kartenhaus jäh zusammen. „Ester!" schrie er auf, „Ester!!" ... Aber plötzlich geschah es ihm — .so sonderbar — drinnen int Kopfe . . . Es war, als «ob sein Denken, sein' Empfinden, sein ganzes Sein einen jähen Ruck erlitten hättcn. Und er lachte: ha, ha, ha. . . .... Als später die fünf Musikanten kamen» um nachzusehen, was denn geschehen sei, fanden sie Herschko ,am Bette seines toten Weibes sitzen. Er hielt die Geige zärtlich an sich gepreßt, lächelte sanft vor sich hin und spielte . . und spielte ...

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