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Neue jüdische Presse · 1919-10-03 · Heft 39 (3.10.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 39 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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[■iiiiiiiHiiiiiiiiiiiiimminiwiimiiiimmiiimiinmiiiiiiiiiiiiiiriii: t^rscheini wöchentlich am Freiiag. Äezugspreis pro Dierielj jabr: In Frankfurt a.M. Mk.l.95 frei urä Haus. Lei der Post : abonniert MLck.S0,ftei ins Haus 4 Pfg. pro Monat mehr. / Bei : Zusendung durch Streifband für Deutschland und üsterrer'ch-llngarn ■ Mk^2.25, für alle übrigen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer 2vpfg. i . Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M.,Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis Insertionspreis für die sechsgespaltene Petitzeile70 Pfg., für : die Reklamezeile Mk.2.—. Lei Wiederholungen entsprechender': Rabatt. / platz, und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. / : Annonceu'Annahme bei der Exped.und in a. Annoncen-Äureaus. : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Rr.4864. : nimmiiHiii iiimmmua 17. Jahrgang. Freitag, den 9. Tischri 5680 (3. Oktober 1019) Nr. 30. Schluß der Juseraten-Annahme für löte nächste Nummer (die jNummer) Dienstag früh 9 Uhr._ Versöhnung. Das Wort Versöhnung hat in diesem Jahre einen i verschwindend fernen Klang. Aug' und Ohr zweifeln, es I jemals zu erreichen. Aufgewühlt bis in ihre Grnnd- Ifesten ist die Menschheit. Einer steht gegen den anderen. lÜnheilschwere Wetter sind durch die Länder gezogen, — lund es bangt das Herz, daß.es dennoch all des Furcht- Ibaren nicht genug sei, daß in jeder Stunde ein neues! »Geschehen die Summe all des Furchtbaren, mich ver- |n:chren könnte. Stets, wenn tiefe Erschütterung durch die Menschheit Iging, erzitterte am meisten der jüdische Volkskörper; Igleichsam, als sei das jüdische Volk>das Herz der Völker. »Auch, diesmal wieder offenbart sich in denk Geschick des Ijüdischen Volkes der feinste Gradmesser für die Charakteri-- Isierung des .kulturellen Gesamistandes der Gegenwart^ »offenbart sich als eine Periode rücksichtslosesten, des'Wohls Irnib Wehes der Mitmenschen hohnlachenden, /gottlosen >8chtums. Dieses Jchtum hat der Judenhcit ^zu allem Ungemach Iber Zeit nochein gerüttelt' Maß besonderes Leid, Iuden- Ileis, hinzugcfügt. Für die Judenhcit steht die Beendigung Ides Weltkrieges im Zeichen eines gewaltigen Wicderlauflebens der mittelalterlichen Pogrome. Bereits sind »Zehntausende jüdische Leben, darunter wehrlose Greise, iFraueen und Kinder, der feigen Mörderhand zum lOpfer gefallen, sind Hunderte von Millionen jüdischer^ IBesitztum geraubt und vernichtet worden, — und Inoch immer ist nicht das Ende abzuschen. 'Und wo nicht Iber Pogrom wütet, da Ivird wenigstens mit dieser Geißel »gedroht, da wird eine Stimniung geschaffen, die den 133oben ebnet für die vulkanischen Ausbrüche des Hasses. iSelbsr unser unglückliches deutsches Vaterland wird heute I -der traurigste, aber sicherste Beweis, daß.in seinem Izerrissencn, wimden Innern ohne Rücksicht auf das Wohl »des Ganzen, nur kurzsichtiger Vorteile halber eigene ISöhnc wüten — von einer gefährlichen antisemitischen iTeuche verpestet. Die Verhctzer und Schürer sind un- Iimterbrochen an der Arbeit. Nur zagend wagen wir zu »hoffendaß in dein, Lande der Denker 'und Dichter ihre ^Drachensaat nicht Ar^ Frucht reife. Aber auch im inneren jüdischen Leben spiegelt sich Iber ganze Jammer einer die Brüderlichkeit und Einigkeit iNordenden Zerrissenheit, eines Unbekümmertscins um das iGcschick des Mitbruders wieder, — und die drohenden iJeichen voll außen sind trotz ihrer beängstigenden Nähe loscht zum Finger Gottes geworden! Wohl gibt es eine »gerade in den letzten Jahren anwachsende Bewegung, »die der. körperlichen und wirtschaftlichen Vernichtung der »Fud^rheiten der Ostländer und der geistig-jüdischen Ber- Inichtung der Alljutzenheit Abhilfe schafft, die durch die Eini- Igung'eines, einheitlichen, mit jedem seiner Teile fühlenden »und der Selbsthilfe bewußten Volkes und durch Auf- »richtung des Wegweisers nach dem Lande der Väter helfen »toifl Aber ihren Bestrebungen wird von den eigenen »Brüdern entgegengearbeitet. Statt freudiger Anerkennung »lnuß .sie noch in weiten Kreisen kalte Zurückweisung ■ans» Erkennung in einer Zeit hinnehmen> Die den »kisernen Zusammenhalt aller Glieder des jüdischen Volks- |zenzen gebieterisch fordert. . > Verirrung und Verwirrung herrscht auch iw Israel. |llnb dennoch —, dennoch vereinigt wie ehedem der Pgsaunenschall des Versöhnungstages ganz Israel in. seinen Gotteshäusern. Eine Heerschau, bei der auf dem weiten Erdencnno. niemand, fehlt,- der sich nur seiner jüdischen Abstammung erinnert. Erst Versöhnung mit dem'Mitmenschen, bevor Gott verzeiht! — kündet der von göttlichem Licht ümflammte Ruf des Versöhnungstages. Versöhnung, Gerechtwerden jedem einzelnen als gleichgeachteten und gleichberechtigten' Teilhaber an den Gütern dieser Welt. Das bedeutet das einzig wahre und ehrliche Bekenntnis der Gottesberrschaft und Verneinung des sich selbst vergötternden Jchtums. Wer aber so jedem Mitbruder als Einzelwesen Genüge zu leisten sucht, der wird auch seiner Verantwortlichkeit gegen ihn Äs einen jüdischen Bruder bewußt sein, der kann die Einheit Israels als Gvi-Echod, als eines einheitlichen Volkes, dessen Zukunft so einheitlich' sein soll, wie seine Vergangenheit war,.nicht zerstören. Versöhnung verlangt betätigte Güte und Gerechtigkeit in dem Verhältnis zu dem. Menschenbruder und zu dem jüdischen Bruder. Nur diese doppelte Versöhnung hat Anspruch auf das göttliche Verzeihen, darf gläubig hoffen, haß Seine Lenkung das gerade, in unseren Tagen, so nahe drohende Unheil abwendc! Rumänien xmö der Friedensvertrag. Tie Partei der rumänischen Sozialisten v'eörsent-- licht in der Pariser „Humanite" einen Artikel, in den: es heißt: Die Rumänen wollen die Aufsicht des Völkerbundes nicht akzeptieren. Sie weigern sich, den Vertrag zu unterfertigen, weil er eine Klausel enthält, welche, die Souveränität des Landes beeinträchtigt. . Prinzipiell, scheint die Weigerung gerechtfertigt. Sicher ist es für ein Land peinlich, sich einer auswärtigen Kontrolle, sei es auch Der des Völkerbundes, zu unterwerfen. Aber.'die Frage liegt nicht so, wie Bratianu und sein Gefolge sie darstellen möchten. Es handele sichnicht um Verletzung der Souveränität, son-^ Lern darum, daß die Politiker, welche sich als Vertreter des rumänisckDn Volkes ausgeben, durch ihre Vergangen- . heit und ihre Rcgicrungsmethode nicht würdig sind, daß ' man ihnen die heikle Aufgabe, das Los der unter ihre Herrschaft gefallenen Minoritäten — zwei Millionen Ungarn, 781,000. Deutsche, 638,000 'Ruthencn, 749,000 Juden, 282,000 Serben, ' 80,000 Slowaken, 41,000 Russen, 35,000 Bulgaren, 25,000 Polen — zu regeln, anvertraucn kann. Die s chl i m m st e 'Lage nehmen die Juden ein.' Sie laufen die größte Gefahr. Während die - anderen Nationalitäten bei ihren benachbarten Stammesgcnossen eine Stütze finden könnten, wie zum Beispiel die Ungarn, Serben oder Ruthenen, bleiben die Juden ohne die geringste Möglichkeit' der Verteidigung. Einer der Hauptgründe Bratianus', die Unterfertigung zu verweigern, ist auch die Judenfrage. Das ist für niemand ein Geheimnis. Man kennt die ganze judenfeindliche Politik und. alle Leiden, zu denen die Inden durch die Beherrscher Rumäniens verdammt wurden. ^Die letzte Verordnung über die Naturalisierung der Juden hat die Frage nicht gelöst. Die Art ihrer Anwendung und der Geist, der unter den Politikern und in der Bureaukratie Rumäniens herrscht, rechtfertigt alle Befürchtigungen. Und. nichts gibt eine Garantie dafür, daß bei der nächsten rumänischen Konstituante sich nicht die Geschichte von ^1879 wiederholt. Wir erinnern uns noch zu gut an die ^antisemitische , Maskerade, welche Bratianus Vater im rumänischen Parlament bei der Verhandlung über die durch den Berliner Vertrag be-, fohlene Naturalisierung der Juden aufführte . . . "f Zum Wiener Ausweisungserlatz. Eine amtliche Verlautbarung stellt fest, >daß die Verfügung vom 9. September, die die Abreise aller Fremden bis zum. 20. September fordert, mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten im Eisenbahnverkehr und auf die Vermöaenssperre nicht zur Durchführung gelangen konnte;' die Regierung werde jedoch! bemjüht sein, die technischen Hindernisse wegzuräumen und die Verordnung auszuführen. Bis dahin möge die" Bevölkerung die „gastfreundliche Haltung weiter beobachten und ian$ bedenken, daß Komplikationen, die sich aus der Frage der Fremdenbehandlung ergeben könnten, die Schwierigkeiten, von denen Deutschösterreichs jetzt betroffen ist, 'nur vermehren würden." So werden denn in den nächsten Monaten raufende galizische Kriegsflüchtlinge, die sich mühevoll ernährten — nicht die „wertvollen" Kriegsgewinnler — ins trostlose Elend gestoßen werden. Welches Schicksal ihrer wartet, zeigen die Erlebnisse der aus Lundeirburg ausgewiesenen galizischen Juden. Diese wurden, mit einer nur. eintägigen Frist ausgeimesen, nach Groß-Meseritz abgeschoben, wo sic die Bevölkerung mit Steinen bombardierte," wieder in die Eisenbahn verladen und nach Studenitz' weiterbefördert. In den Waldungen dieses Ortes kampieren sie jetzt seit vier Wochchr in den Eisenbahnwagen und warten auf die Erledigung ihrer zur Heimreise erforderlichen Papiere. ' Der Halberstädter HelegiertentD. lieber den Halberstädter Detegiertentag des Deutschen Gruppenverbandes der Agudas Jisroel geht uns noch der folgende bricht zu: Nach Wahl des Präsidiums — Rabbiner Dr. Auerbach, Halberskadt, Leo Wreschner -Frankfurt a. M. und Dr. Jacob Levy-Berlin — warf der Vorsitzende einen Rückblick auf die Tätigkeit des Gruppenverbands» für Deutschland, der am 16. Kislew 5674 als erste Landes- Organisation innerhalb, der Agudas Jisroel in Halberstadt gegründet wurde.' . Gottfried Gold sch midt, Halberstadt, erteilte den Kassenbericht, her Einnahmen und Ausgaben von rund Mk. 310 000 austoeist.- Es folgte sodann die Vorlesung eines Brieses des Züricher Zentralbüros. Das schreiben enthält Mitteilungen über die Gründung von Landes-Organisationen in England, Frankreich, Holland, Dänemark und der Tschechoslowakei. Es berichtet ferner über den polnischen Landesverband der Agudoh, der Schlaume Emnnoh Jisroel, welcher heute, einen Besitzstand von 120000 Mitgliedern in 700 Ortsgruppen umfaßt, ermähnt die Entwicklung der Agudoh in Erez Jisroel, sowie die Gründung des deutschen,-' holländischen und Schweizer Kriegschaisenfonds. Es folgte der zweite Punkt der Tagesordnung: „Aufgabe n de r d e u t s ch e n O r t'h o d o x i e i n E re z I i sr o e l" von. Dr. Moses Auerbach-Cöln, ein-Referat, das nach Form und Inhalt den Hvhenpnnkt der Tagung bildete. Es war eine Huldigung vor Erez Jisroel, der Ausdruck glühender Sehnsucht nach dem heiligen Boden und der innige Wunsch, im heiligen Lande ein neues heiliges Leben zu erwecken, zu pflegen und zu erhalten. Der Referent hatte die Thesen, die er der Versammlung, zur Besprechung und Annahme überreichte, in zwei große Gruppen eingeteilt: in kulturelle und wirtschaftliche Aufgaben und in diesen Thesen ein Erez Jisroeler-" baut, wie es uns als höchstes^ Ziel vorschwebt. Er verlangt u. a. Bildungsanstalten in jeder Form von Kindee--- / gärten, ' aussteigend bis zu einer Akademie desThora- . Wissens, Sabbatheiligung im öffentlichen Leben, Durch-

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