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Neue jüdische Presse · 1919-09-24 · Heft 38 (24.9.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 38 (24.9.1919)
Date
1919-09-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurter Maelmsches Familienblatt iiiHnwuiiiiinmimiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiwimiiiiiiimnimiiiiiiiiiii: | Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel-; [ jabr: ZnFrankfurt a.M. Mk.4.9Sftei ins Haus. Bei der Post i : abonniert 1.80, frei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Besi i; Zusendung durch Streifband furOeutschland und E>sterreich<!lngam i! Mk. 2.25, für alle übrigen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer 2llpfg. i .. RedaMon und Expedition: Frankfurt a.M.,Langestraße I Fernsprecher Amt Hansa 2903 ' Herausgeber: Saly Geis : Znsertionspreis für die sechsgefpaltene Petitzeile70 pfg., fut ■ - : die Reklamezeile Mk.L.—. Bei Wiederholungen entsprechender : : Rabatt. / Platz- und Datum-Dorschn'fk ohne Verbindlichkeit. ✓ : : Annoncen-Ann'ahme bei der Exped.und in a.Annoncen-Bureaus. \ : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Rr. 4864. : 17. Jahrgang. Mittwoch, den 30. Ellul 5679 (A4. September 1919) Rr. 38 Ransch-Haschonoh. Rausch-Haschonoh ist das große Fest der Forderung. Mit übermächtiger innerer Gewalt und Wucht tritt das göttliche Gebot, absolut und in einzigartiger Klarheit, an den jüdischen Menschen, an üie jüdische Gemeinschaft heran und schreibt ihnen die Tat, oas Beginnen und Verwirklichen vor, w.eist ihnen den Weg zum sittlichen Aufstieg, den Weg. der Erhebung, der Reinigung, der Erfüllung, der Verherrlichung des Göttlichen auf Erden. Die Forderung ist in einer unvergleichlichen linbedingtheit gestellt) sic wirft die Bindungen und Hemmungen, die. Wände und Schranken der klügelnden Ueberlegung und Berechnung, des Bedenkens und egoistischen Verlangens um und schreitet hehr und sieghaft durch das Volk Israel. Sie verlangt Abtoendung von Zielen der Vergangenheit, Wand-' lung und Neueinstellung im ethischen, damit wahrhaften, von Gott gebotenen Sein. Erneuerung, die oie Ncu-instellung bedingt, Abstreifung der falschen Hüllen, der Mängel, Ueberwiudpng jener Vergangenheit, die in abseits von dem Bereich des Ethos gelegenen Bahnen, der sittlichen Unentschlossenheit, Zielunklarheit verlief, die die kleinen Maßfläbe der Nüp--' lichleit'uno der „LebcnSktughcit" an alles ethische Wollen, Streben und Tun anlegte, und Preisgabe, Zu-" rückweichen, Unterwerfung unter die Macht des unreinen Quellen entsprungenen Wollens bedeutete. Rausch-Haschvnoh, das den entscheidenden Schritt zum Bruch verlangt, stellt daruni kategorischste Zukunftsfordcrung auf neues Beginnen) den großen Aufschwung zum Göttlichen. Die jüdische Gemeinschaft, die oas Fest des Rausch-Haschonoh feiert und in der von ihm groß und bestimmt gewiesenen Richtung im geistigen Sein geht, ist von machtvollem, ungebrochenem Zukunftswillen erfüllt. Ihr Antlitz ist gegen die kommende Zeit gewandt, ihr Dasein vollzieht sich im Zeichen der fortschreitenden Verwirklichung und Erfüllung der sittlichen Postulate. Ihr ivohnt, dominierend, der Wille zum Ethos inne. Ihr, der zielklar und entschlossen bedenkenlosen Sinnes Borwärtsschrcjtenden, bedeutet Zu-v fünft Gewißheit, Sieg des Ethos, Sieg des Göttlichen. Räusch-Haschonoh-Einstellung ist-es, was sic doch im letzten, entscheidenden Sinne vor Zerfall und Untergang in der Diaspora bewahrtet das glühende, immer von . neuem abgelegte Bekenntnis zu der jüdischen Zukunft, die den sittlichen' Aufstieg bedeutet. Im Banne des Rausch-Haschonoh-Geistes steht heute die Gesamtheit des jüdischen Volkes stäüer und ergriffener als lange Zeiträume in der Vergangenheit hindurch. Groß und grandios steigt das Bild des neuen Lebens des Volkes Israel in seinem Lande herauf. Ein Rausch-Haschonoh, das den Beginn einer neuen, emporführenden Epoche in der Geschichte des Judenvolkes anzeigt, leben wir heute in seiner ganzen Zukunftsschwere, in der ganzen Größe und Klarheit seiner Forderung, in seinem ganzen inneren Pathos' und Ansporn. Eine innere Umstellung, neue Einstellung zur Zukunft, zur Menschheit muß sich in oem jüdischen Volk vollziehen. Weil Zion neuen Emporstieg, neuen Aufschwung bedeuten muß, weil es, von dem Dasein im Golus .in das des bindungsfreieren Eigenlandes hinnberführen muß, weil das Rausch-Haschonoh des neuen Abschnittes in der. Geschichte des jüdischen Vol- - kes zwischen dem qualvollen, erniedrigenden, fesselnden Golus und dem unverzcrrten, reinen, ip,ahrhaften Dasein in Zion stehen muß. L Und darum ist Postulat: Neu-Einstellung des ganzen geistigen Wesens, Neugestaltung des falschen inneren Verhältnisses zu der Welt, Rückkehr zum Ethos, Rückkehr zu Gott. Und die Forderung dieses Rausch- Haschonoh, dessen sinnhafter Größe wir in feierl-cher Erregung inne geworden sind, ist absolut, kategorisch, entscheidend in ihrer drängenden Gewalt, und wie das Rausch-Haschonoh, das Israel Jahr für Jahr feiert, ist die - Forderung der restlosen Abkehr von der Golushaftigkeit des Sinnes und Gedankens, Losringung von dem Bann des Golus in seiner innerlich nieserdriickenden uno zermürbenden Wirkung,' die Forderung der inneren Rüstung und Vorbereitung auf die Zukunft in der Reinigung und Erneuerung. Denn Zion bedeutet nicht' bloß Rückwändernng ins Heimatland, sondern. Aufsteigen zu ethischer Vollendung, zum Göttlichen. Dje'absolute. Forderung des Rausch-Haschonoh muß verwirklicht, werden: und Zions eigentlicher Aufban muß vom ersten Tage an in ihrem Sinne geschehen^ Der jüdische .Geist muß in ihm herrschend werden, jener Geist, der nichts im Auge hat als die ethische Erfüllung 'des Menschen. Die Forderung gilt im gleichen Maß für das ganze Volk. Denn Erhebung, Läuterung, Auswärtsschreiten, die strenge Selbstprüfung bedingen, müssen alle Kindischen Menschen in ihrem Banne sehen.. Denn nur wenn der Geist des Rausch-Haschonoh, der Geist) der Unbedingt-. heit in dem ethischen Wollen und Verwirklichen, von den», jüdischen Volke mehr und mehr Besitz ergreift, wiro es, das sich selbst zurückgegebene Bolk, seine' heiligen Aufgaben erfüllen können. Ben Jephnne. Ein Interview mit dem Präsidenten des Verbandes der galizischen Jude» in Amerika. Die „Wiener Morgenztg." ließ Dr. Samuel Mar-, gosches, ven Präsidenten des Verbandes der galizi- . scheu Inden, in Amerika, der 'sich auf der- Durchreise. nach Polen in Wien anshielt, interviewen. Dr. Margosches nannte als den ursprünglichen Zweck; des Verbandes, dem er vorsteht, den galizischcn Juoen im gesellschaftlichen Leben eine gleichberechtigte Stellung zu erwerben. Der Verbano, der etwa WO,ONO Mitglieoer zählt, widme jetzt seine Aufmerksamkeit einer großzügigen Hilfs- und Wicdexanfbauaktion für die Judenheit in Galizien, da in Amerika die. Aussicht aus freie Einwanverung sehr gering ist. Unter anderem solle mit einer halben Million Dollar Grundkapital eine zinsenfreie Darlehenskasse, in Galizien errichtet iverden, auch sei bereits eine Adoprionsaktion jüdisch-galizischer Kriegswaisen mit Zustimmung der amerikanischen Behörden in die Wege geleitet worden. Mid der Durchführung aller Pläne befasse sich ein fünfziggliedriges Komitee. Auf die Frage, wie es mit der Lebensmittelbeihilfe bestellt sei, erwiderte sodann Dr. Margosches: „Es' hat sich in Rewyork sogar schoneine Gesellschaft zu diesem Zwecke gebildet. Es ist dies die „American-Enropcan Service Company", welche die Sache auf rein geschäftlicher Basis betreibt. Eine amcr-kqnische Familie will den ' galizischen Angehörigen Lebensmittel zu kommen lassen. Die Geseklschaft übexhebt sie , der Mühe des Einkaufes. Es genügt, tvenn man beim Schalter 10. oder 15 Dollar erlegt und die Adresse angibl, und schon wandert ein kleines Kistchen, enthaltend ,20 Pfund Mehl, 18 Stück Toiletteseife, 5 Pfund* Fett, einige Hausmedikamente und. dergl. nach Galizien. Es sind zwei Kistentypen geschaffen worden, je nach dem Preise von IO oder 15 Dollar. Mit einem Dampfer kommen ocmnächst 40,000 solcher Lebensmittelkistchen nach Danzig. Ich werde sie nach Warschau schaffen nnv von dort an die Adressaten gelangen lassen. Sollte diese erste Sendung glücklich an den Mann kommen, so steht eine weitere Sendung von einer Million Kisten zu erwarten." Der Berichterstatter erkundigte sich nach der Stet- lung des Verbandes zum Zionismus, nach der wirklichen Beoeutung der großen Demonstrationen, die aus Amerika gemeldet werden, und nach der Stellungnahme . oec amerikanischen Judenheit den Polen gegenüber. Dr. - Margosches gab auf, diese Fragen folgende Antwort: „Der Verband hat sich der Zionistischen Organisation rückhaltslos angeschlossen. Wenn ich nach der. Stimmung, die in Amerika herrscht, urteilen soll, so ist das Palästinaproblem im zionistenfreundlichen Sinne vollständig gelöst. Auch die .Errungenschaft auf dem Gebiete der Minderheitsrechte wird sehr hoch eingeschätzt. Die letzte Demonstration gegen die Pogrome in den ersten. Junitagen hat bewiesen, daß wir die öffentliche Meinung und die Presse zwingen können, von uns. Notiz zu nehmen. Während die jiddischen Tagcsblättcr für. die Demonstration Propaganda machten, verhielt sich die englisch-amerikanische Presse gleichgültig, fast ablehnend. Am Vortage der Demonstration waren wir gezwungen, halbe Druckseiten in englischen Blättern gegen , i Bezahlung mit Propagandaartikeln auszufüllen. Als \ - dann die jüdischen Arbeiter um 1 Uhr mittags die Arbeit niederlegren und zum Massenmeeting strömten, als oer Verkehr in weitem Umkreise von den nachdrängenden Massen, welche im strömenden Regen ausharrten, lahmgelegt worden war, war die Presse gezwungen^ Extraausgaben zu veranstalten, ja manche Blätter ließen zweisogar drei Extraausgaben an diesem Abens niit' Berichten über die Demonstration erscheinen.. Die Stellungnahme der amerikanischen Judenheit den Polen gegenüber ist im allgemeinen eine zuwartenoe. Die Polen haben den Vertrag über sie Minderheitsrechic unterschrieben. Wir wollen sehen,,ob sie ihn ernstlich durchführen. Sollte sich das Gegenteil t zeigen, so ist das amerikanische Judentum stark gemyk,. * um die amerikanische Regierung -zu einem Eingreifen zu zwingen."- ' Delegierteulag des v mische» Gruppen- - Verbandes der Agudas Jisroel. Anschließend an den „Verbandstag der Freien . Bereinigung für sic Interessen des orthodoxen Judentums" tagte in Halberüaot der Delegiertentag dhs Deutsche,» ' Gruppenverbanoes der Agudas Jisroel, durch iljre' Aneinanderreihung zu der Frage führend, "warum denn ' heute die „Freie Bereinigung" nicht in die „Agndoh" ausgeht. Zahnarzt Ehrmnnn-Frankfurt warf mwfk diese. Frage auf. - ' ' Ter Delegiertentag war-gut besucht. Zum ersten Male war auch die Jugend in größerer Zahl vertreten, und sie erreichte, daß drei Vertreter der , Jugendorganisation in den Gesamivorstano kooptiert werden. - - Rabbiner Dr. Auerbach sitzende' des Gruppenverbandes, und erstattete „Bericht". -Halberstadt, der Bbreröffnete die Tagung

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