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Neue jüdische Presse · 1919-09-19 · Heft 37 (19.9.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 37 (19.9.1919)
Date
1919-09-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches Fammenblatt ■iiiiiTiniiiiiiiiimmiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiniiiiiiiiiH; ■ Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertelj : jabr: Zn Frankfurt a.M. Mk.ii.95 stei ins Haus. Bei der Post : : abonniert Mk.il.S0, ftei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr./Bei : : Zusendung durch Streifband für Deutschland und ösierreich-Ungarn : : Mk. 2.25, für alle übn'gen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer 2vpfg. : Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M,Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: E>aly Geis \ Znsertionspreis für die sechsgespalkene Petitzeile70 Pfg., für : die Reklamezeile Mk.2.—. Bei Wiederholungen entsprechender 1 : Rabatt. / platz- und Datum - Vorschrift ohne Verbindlichkeit. / : : Annoncen-Annahme bei der Exped.und in a.Annoncen<Bureaus. ■ j Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Rr. 4864. : 17. Jahrgang. Freitag, den 25. Ellul 5679 (19. September 1919} Rr. 37.» Schluß der Juseraten-Annahme für die nächste Nummer (dieRanschhaschonoh- Nummer) Dienstag früh 9 Uhr. _ Znr Bilanz des Jahres. Nicht wie sonst kann diesmal der jüdische Chronist beim Abschluß des Jahres rückschauend seine Schlüsse ziehen. Die Ereignisse, in der jüdischen Welt sind überall noch so stark im Flusse und gerade in den jüdischen Zentren noch so unklar und verworren, daß es ganz unmöglich ist, sie gedanklich klar zu erfassen und ayeinanderreihend zu einem Gesamtbild zu vereinigen. Der Westen macht in dieser Hinsicht von den-, Osten durchaus keinen Unterschied. Der Stand der jüdischen Dinge in den Ententeländern ist uns, nachdem der Krieg wohl zu Ende, der Friedenszustand aber noch immer. nicht Tatsache ist, noch unbekannt, und in unserem Deutschland selbst läßt sich noch nicht' übersehen, welche Veränderungen der Krieg im Wesen der Judenheit hervorgebracht hat, und wie des ferneren die Trennung von Staat und Kirche auf sie einwirken wird. So muß denn der Chronist auf eine Jahresbilanz,- die die Judenheiten der einzelnen Länder betrachtet, verzichten. Dagegenlassen sich in dem Werden oer jüdischen Geschichte im abgelaufenen Jahre bestimmte und zwar kraftvolle uild charakteristische Entwicklungslinien seststellen. Drei Strömungen haben gerade in dem letzten Jahre Fortschritte gemacht, die von geschichtlicher Bedeutung sind. Vor allen Dingen ist es die zionistische B e w e gn n.g. Sie ist heute nicht nur die größte Organisation der Judenheit, sondern auch die Repräsentanz der Gesamtjudenheit der Außenwelt gegenüber — und zwar in der Auffassung als "Volk — geworden. Die Friedenskonferenz zu Versailles hat — das ist das erste große politische Ergebnis der zionistischen Bewegung — wieoer seit zweitausend Jahren die Judenheit als Volk in den Rat der Völker ausgenommen, ünd da ihr als Volk Lust fjnm Atmen und die Möglichkeit einer freien Entwicklung nach eigenem Wesen gewährt werden muß, des ferneren — und das ist das Zweite große poli- ' tische Ergebnis — »ne nationale Heimstätte in Palästina gewährt. Beide Tatsachen sind von so gewaltiger Bedeutung, 'daß es unrichtig wäre, wollte man sie inst der Frage nach hem Ausmaß ihrer künftigen praktischen Verwirklichung verquicken. Die Anerkennung seitens der Großmächte der Welt als Volk und der' Notwendigkeit eines nationalen Heimes haben die Stellung der zionistischen Organisation innerhalb des indischen Lebens ungemein gehoben. "Alles, was heute nicht ausgesprochene Assimilation ist oder was nicht aus religiöser ' Aengstlichkeit vor möglicherweise ungünstigen Folgen der nationalen Betonung in der Gegnerschaft verharrt, steht den AenßerungeN des Mischen Volkstums mit wohlwollendem Interesse gegenüber. Daß aber religiöse Aengstlichkeit hinsichtlich oer Wirkungen oer Bewegung gegenstandslos ist, dafür bürgt eine Organisation religiös orthodox gesinnter Juden, welche Organisation gleichfalls im letzten Jahre in ihrem äußeren Wachstum -und in ihrem inneren Aufbau eine überraschend kraftvolle Entwickelung genommen hat. v Wir meinen denMisrachi, dem Leuchten altjüdischer Gelehrsamkeit und Frömmigkest angehören, und der auf dem, nächsten 'Zionistenkongreß als eine stattliche Fraktion erscheinen wird. Indem der Misrachi bei dem unverfälschten Begriffe des jüdischen Volkstums, der die geoffenbarte jüdische Religion und das verantwortliche Verbundensein mit allen Gliedern. des jüdischen Volkes, des „Israel arewim se böse" nebeneinanderstellt, angeknüpft hat, machte er sich zum Juoentnm der Zukunft. In ihn werden einst auch jene großen Teile der religiös orthodox gesinnten Judenheit mündendie, national abseits stehend, in der A g u d a s I i s r o e l ihre organisatorische Verkörperung gefunden haben. Ist doch bereits ein tiefgehender Einfluß der nationalen Bewegung aus diese noch in der Gegnerschaft Verharrenden zu konstatieren, denn nur ihr Vorbild ist es gewesen, das bei ihnen eine seit langem unbekannte Aktivität auslöste, die nicht nur zum organisatorischen Zusammenschluß als Agudas Jisroel geführt, sondern nun auch innerhalb der Agudas Jisroel vielgestaltige schöpferische Betätigung zur' Entfaltung gebracht hat, — und es ist anzunehmen, daß die ernste Beschäftigung mit den jüdischen Problemen durch die große Organisation oer Agudas Jisroel an Stelle der bisherigen Baale-Battim-Politik schließlich auch zu einer Vereinigung mit dem jüdischen Volksganzbn führen wird. Wir glauben: Das Jahr 5679 wird' einen Markstein in den Jahrtausenden der Geschichte des jüdischen Volkes bilden. Auf der einen Seite eine solch verheerende Revolutionierung des jüdischen Zentrums im Osten,: daß dieses stärkste Bollwerk, auf dem bisher die Judenheit ruhte, von Grund aus aufgewühlt, ins Wanken und Umstürzen geraten zu sein scheint — und auf der anderen Seite solch überraschend große Fortschritte und Erfolge, die einen Weg aus allem Wirrnis oer Zeit heraus verheißen, daß dem Gefühl der Verzweiflung im gleichen Augenblick der frohe Glaube an eine bessere Zukunft folgt. Unveränderter Kurs. Gesinnungen ändern sich nicht über Nacht; — deshalb ist es auch nicht verwunderlich, oaß trotz der neuen demokratischen Verfassung nicht nur noch heute, sondern auch sicherlich noch für lange Zeit hinaus der alte Geist der Reaktion im staatlichen und -kommunalen Beamtentum des Deutschen Reiches vorherrschen wird. Auch in dem Deutschland der Revolution begegnen Einstellung und Beförderung von Juden Schwierigkeiten — und gleichfalls in dem Deutschland oer Revolution keimen die Behörden in der Theorie nur die Gleichheit aller vor dem Gesetze und tun recht harmlos, während sie in der Praxis eine' Bevorzugungs- und Benachteilignngstabelle befolgen, in der die Juden als letzte in der Benachteiligungstabelle rangieren. Ein treffendes Beispiel hierfür gibt ein Schriftwechsel zwischen dem Deutsch-Israelit. Gemeinde-Bund und der Regierung. In der Eingabe des D. I. G. B, heißt es: „Während bereits hunderte von Lehrern christlichen Bekenntnisses aus den abzutretenden Gebieten anderswo untergebracht sind,' ist es der^ hier unter Leitung ües Mitgliedes der Preußischen Landesversammlung R u ßc z y n s k i bestehenden „F ü r s o r g e st e l l e" trotz aller wohlwollenden Bemühungen nicht gelungen, auch nur einen einzigen jüdischen Lehrer in Stellung zu bringen. Es ist uns bekannt, daß diese „Fürsorgestelle" an das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und. Volksbildung das Ersuchen gerichtet hat, in Großgemeinden die nötige Anzphl von Lehrämtern für jüdische Lehrer bereitztistellen. Nun hat Ser- Magistrat zu Berlin die Genehmigung zur Anstellung ‘ von 15 jüdischen Lehrern bei dem Provinzial-Schul- . kvllegium nachgesucht. Trotzdem ist das Gesuch eines ' Lehrers, der bisher an der Simultanschule in Posen angestellt war und der drohenden Internierung durch die Flucht glücklich entgangen ist, mit dem Bemerken abgelehnt worden, daß für jüdische Lehrer kerne Stelle frei ist. Ebenso abschlägig wurde er von den Magistraten Berlin-Wilmersdorf und Berlin- Schöneberg beschieden. Nach unseren Ermittelungen würden 18 Lehrkräfte (12 männliche und 6 weibliche) aus den abziutrecenden. Gebieten für anderweitige Unterbringung in Frage kominen, und das zju bewirken, dürfte bei gutem Willen der zuständigen Behörden nicht schwer fallen. Wir bitten daher das hohe Ministerium, seinen Einfluß in dieser Richtung sowohl in Groß-Berlin als auch in anderen Teilen des Preußischen Staates, namentlich in Städten,' wo größere jüdische Gemeinden sich befinden und die Gelegenheit zur Verwendung der jüdischen Lehrer im Religionsunterricht gegeben ist, geltend, zu machen." Auf diese Eingabe erging nachstehende Antwort: „Die Untcrrichtsverwaltung ist bestrebt, für. die in den Ostgebieten stellenlos gewordenen jüdischen Lehrer, uno Lehrerinnen fti der gleichen Weise zu sorgen, wie für die übrigen Lehrkräfte. Daß cs unmöglich ist, alle zu versorgenden Lehrkräfte sofort in passenden neuen Stellen unterzftbringen, ist durch die Gesamtlage der Verhältnisse bedingt und trifft in gleicher Weise christliche wie -Mische Lehrpersonen. Bis zur Unterbringung in anderen Stellen genießen die letzteren die Vorteile des Staatsministerialbeschlusses vom 26. Juli ds. Js. (DaS Gehalt wird für fünf Jahre weitergezjahlt. D. Red.) ebenso wie die christlichen Lehrkräfte, welche sich in derselben Lage befinden." Gleichzeitig hat der D. I. G. B. dem Branderlburgischen Provinzial-Schulkollegium eine Eingabe unter Hinweis auf den Antrag des Magistrats, die Anstellung von 15 jüdischen Lehrern zü-genehmigen, eingereicht. Hier wurde ihm folgender Bescheid: „Aus das Schreiben vom 22. August 1919 erwidern wir ergebenst, daß die Städtische Schuldeputation Berlin, die wir zu Ihrem Anträge gehört haben, uns mitgekeilt hat, daß für die jetzt evtl, neu zu eröffnenden 15 jüdischen Lehrstellen geeignete Bewerber uiü» Bewerberinnen in oer Person von Mischen Lehrkräften, die sich im hiesigen Volksschuldienst bereits bewährt haben, in genügender Anzahl vorhanden find. Hiernach wird sich eine Ansetzung der aus den Ostgebieten vertriebenen jüdischen ' Lehrer in Berlin nicht ermöglichen fassen. Für ihre Unterbringung kommt die Fürsorgestelle für Lehrer, Lindenstr. 14, in Frage, dorthin wären die beteiligten Lehrer zu weisen." BereiuSlag ver Freie» Bereinigung für die Interesse» des orthodoxe» Judentums. Halberstadt, den 10. Sept. Der öffentliche Vereinstag der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wurde gestern in den Räumen des Jüdischen Kasinos unter starker Beteiligung der Halberstädter Gemeinde-. Mitglieder' und der aus dem ganzen Lande herbeige» «Uten Bereinsmitglieder und Vertreter abgehalten.

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