Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 35 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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35. Nr. 35 Neue Jüdische Prelle. „Reform“ Offenbaoh a. M., Waldstr. 31. Tel 1341. empfiehlt eich im Waschen,. Stärken und Bflgeln von Wäschestfioken aller Art. 5 -75. Zeit |ii magel' agt m ten De . et kt im dl ie ein 1 Sq Verzl solang lijfhörr Gründ, Gams in SBi welll Rückkeil tett lng aq - an loapsnj «n adskrq lgsniit^ ein ierlegll ieligivni nführ ' so im ttoankfd [efogt; eFühij mmei tteln, l d Seit ten t denn le im | rffam | tum, aus üt| n iot Jl icher m trockj t er ipielt überl >er Ä ein in - ist laut eisen ner ' -n M ngen Derma Leq MI Holz! , Befoaj hen nichts 1 Setftj en *l E ~ ehe rage, ern in rsehen )em ii L aus Lholen ersten in Odel " SH5it| n sei lchem. nselt i^ Oer " s Z ein her fas daß öie Esauhände, die sich gegen uns rühren, erlahmen werden; richtet Gesamtisrael Herz und Auge gen Himmel, so sinkt der Antisemitismus in die Erde. All seine Dünste vergehen wie Rauch und in unauslöschlichen Lettern wird «dann der Hort Israels in seinem Buch „Milcheinot hasch.m“ durch Mutation, seinen Lieb» lingsjohn die Worte seines Propheten bestätigen lassen: „Siehe, sie werden zu Schanden, sie werden zur Schmach, alle, die wider dich zürnten, sie werden zu Nichts und gehen unter die Männer die wider dich stritten; — du wirst sie suchen und sie nicht finden, die Männer die wider dich kämpften, sie werden zu Nichts und zu Garnichts, die Männer die wider dich kriegten. -Denn ich, der Ewige, dein Gott, ich stärke deine Rechte, der zu dir spricht: „du fürchte nichts, »ich helfe dir." —, (Jesaia, Kapitel 41 VerS 11—13). Wird nun dieser Weckruf von unseren Rabbinern beachtet, organisieren sie ebenfalls einen „Schutz- und Trutzbund" in dem gedachten Sinne im Geiste unserer Tradition. „Rückkehr zum ."Ewigen und gute Tater? sind wie ein Schild gegen Leiden" — wenn dieser Organisation aber seitens unserer Brüder kein großes Verständnis entgegengebracht werden sollte — wenn unsere jüdischen Brüder eher für alle andern Abwehrmittel eintreten,' aber für das hier Empfohlene, alte und bewährte Abwehrmittel keine Sympathie an den Tag legen — sollten unsere Brüder für alle, alle Bitten und Ermahnungen ihrer an sie herantretenden berufenen 'Führer nur taube Ohren haben,— nun dann, ja dann wird das Wort unserer Weisen (Megillah S. 14). „Die.Uebergabe des Siegelringes (des Achaschwerosch an Haman) hat viel Größeres bewirkt als alle Israel offenbarten Prophezeiungen (und Moralreden) der 48 Propheten und sieben Prophetinnen" — a«dj auf Israel der Gegenwart seine volle Anwendung .finden. — Hoffen wir aber, daß es' nicht auf die harte Feuerprobe wird ankommen lassen, sondern, durch den Drang der Zeit die nicht genug zu empfehlenden Worte unserer Weisen (Rausch, Haschonoh Seite 25) zu seinem Leitstern macht: „Heil dem Zeitalter, in dem die Großen von den Kleinen, geschweige denn die Kleinen von den Großen gehört werden!" — Poarome tu Westnnaar«. Die „Wiener Morgenztg." berichtet: Seit Samstag den 23. August dauern in Westungarn starke Judenprogrome an. Die ganze juvenfeindliche Aktion «geht von der Zeitung „Vsasvasmegyö" unter der Redaktion des Albin Lindauer aus, welche die Juden beschuldigt, daß sie an der Räterepublik, dem Krieg und dem Anschluß an Deutsch- Oesterreich schuld seien. Die juddnfeindliche Agitation geht von der magyarischen Partei "aus, die gegen den Anschluß an Deutsch-Oesterreich ist. Am Samstag fanden in folgenden Ortschaften Pogrome statt: In Hk-cell, wo acht Juoen. getötet wurden, in Janoshaiza (fünf «Juden getötet), 'Zalaegerszeg (zirka zehn Juden), Szomathay (zirka zehn Juden); außerdem wurden sämtliche Juden aus diesen Ortschaften vertrieben und ihrer gesamten Habe beraubt. Der Hauptschuldige an diesen Pogromen ist Lindauer. In Czell Demök begannen nach einer Hetzrede oeS Redakteurs.L i n d a u e r aus Steinamanger die Unruhen am .24. um Mitternacht. 200—250 Soldaten rotteten sich gegen die Juden zusammien. Die Bande begab sich zu dem Holzhändler H o f m a n n, einem vchtundsechzigjährigen Manne "und schrie wörtlich: „Wir wollen Blut sehen, darum werden wir heuÜr alle Juden ermorden?" Mit diesen Worten erschlugen sie ihn. Bon dort begaben sie sich zu den Juden Gjliuck, Ungar, Rosenberger, Roth, welche sie völlig ausvlünderten. Die Wohnungen der Genannten liegen unmittel- ' bar neben her Gendarmeriekaserne. Die Gendarmerie weigerte sich jedoch, die Juden zu schützten und sagte, sie Habe Höhere Weisung, nicht einzug reifen. Den Brüdern H e i m l e r wurden die Augen ausgestochen und "der Bauch aufgeschlitzt, hierauf wurden beide e-rmordet und auf den Mist geworfen. Ferner wurden erschlagen: Ignaz Weiß, ein Reservcleütnant mit fünf Dekorationen, Rsmet Markus und GSrgey Franz, der Direktor der Loszonczer Tuchfabrik, weiteres Hauptmann Fleischner Marton, der neun Kriegsdekorationen hat und deswegen zum Ehren- Bürgec der" Steot Czell Demök ernannt wurde, lim 4 Uhr Früh griffen endlich zwei Gendarmen ein 'und forderten die Leute auf, von den Exzessen abzulasfen, worauf sich die Pogromisten zerstreuten. Am nächsten Tag wurden 46 Personen verhaftet und der Oberstuhlrichter seines Dienstes entsetzt. * Ein Wiener Jude hat im Bureau deS Jüdischen Nationalrates in Wien folgende Erlebnisse zu Protokoll gegeben: Mittwoch den v18. v. M, fuhr ich über Budapest nach Stanislau; in Budapest stellte es sich heraus, daß eine Verbindung mit Galizien derzeit nicht existiert. Ich war gezwungen von Budapest nach Wien zurückzukehren, um die Reise über die Tschecho-Slowahei nach Stanislan anzutreten. Auf dem Wege von Budapest nach Wi>en mußte ich 'gleich allen Passagieren in Oedenburg umsteigen. Kaum hatten wir den Zug verlassen, sahen wir uns von Szegediner Truppen unter Führung eines Fähnrichs umgeben, wir wurden mißhandelt, mit Kolben geschlagen, eingesperrt und ohne Essen gelassen. Diese Behandlung widerfuhr ausschließlich jüdischen Passagieren. Die anoeren konnten ihre Reife fortsetzen. Während ich von Sonntag 1 Uhr mittags bis Montag 8 Uhr früh im Wachtzimmer der alten Honvedkaserne eingesperrt war, hörte ich, wie im Hofe der Kaserne Juddn, welche man wieder vom Zuge heruntergebracht hat, geschlagen wurden und vor Schmerzen schrien. Während der Mißhandlungen wurden laute antisemitische Beschimpfungen ausgestoßen. Alten, bärtigen Juden wurde unter Mißhandlungen vorgeworfen, sie hätten in der Roten Armpe gedient. * Auch in Ungarn sind die Bestialitäten gegen die Juden eine Folge der politischen Umwälzungsen. Man wird da an die Worte Luldwig Börnes erinnert, der einmal sagte: „Wenn miau in Indien die greuliche Boaschlange zur Strecke bringen will, so jagt man ihr einen Ochsen in den Rachen. Ist sie satt gefressen und wehrlos, dann ist. sie leicht zu töten. Die Juden sind der Ochse, den"man der Revolution in Iden Rachen jagen will." Deutsches Reich. VI. Hauptversammlung Verbandes der deutschen Inden Ter Verband sandte an die jüdis-ben Gemeinden und Organisationen Deutschlands die Aufforderung zur Benennung von Delegierten zur Hauptversammlung. Der Verband schreibt: „Am Sonntag, den 30. November d. I wird in' Berlin die 6. öffentliche Hauvtversammlung des Verbandes der Deutschen Juden tagen. — Zwischen ibr und der lebten .ibau^tversammlung — in Hamburg 1913 — liegt statt des satmngsmäßigen Zwischenraums die Spanne von sechs Jahren, liegt der Krieg,, der sie bedingte, liegt die volitische Umwälzung und der Friedensschlnß, der D-utschland - weite Landesteile und in ihnen viele Gemeinden nimmt, mit denen uns tausend Fäden oeisiiger Beziehung noch verknünfen. Umso wichtiger ist. umso fetter sei der freiwillige Zusammenschluß derieniaen. die deutsch geblieben sind und bleiben wollen. Ernster als;e heischen die Forderungen der neuen Zeit von'der deutschen Judenheit zum besten des.Judentums wie zum besten des Vaterlandes tatkräftige Einigkeit. Ihr sei die Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden Kennzeichen und Bürgschaft! . . Gut Steiuhorst versaust. Düs im Jahre 1908 von der Simonschen Stiftung in Hannover zwecks Ausbildung indischer junger Leute in der Landwirtschaft erworbene Gut Steinhorst ist verkauft worden. Die Lehrlinge wurden vorläufig nach Ahlem überführt, wo über ihre Zukunft noch eine Entscheidung getrosten wird. Das Gut war s. Zt. im verwahrlosten Zustande übernommen worden und infolge seines geringwertigen Bodens erwiesen sich die Bemühungen der Simonschen Stiftung es zu einem Lehrgute zu gestalten, trotz großer .Geldaufwendungen als verfehlt. Pole«. Pogrom in Minsk. Ein neuer Pogrom in dem Stile von Wilna, Pinsk und Lida! Wer vermögte das ganze Maß von Schmerz und Empörung, das die jüdische Welt über die Judenmorde im Osten empfindet, in Worte zu fassen? — Trotz aller Beteuerungen, aller festen Zusagen und Zusicherungen der Polen — eine neue grausame Judenmetzelei. Kaum hatte das gegen die bolschewistischen Truppen kämpfende polnische Schildermalereiu.Weissbinderarbeiten Philipp Trauner Textorstrasse 68. Telephon Römer 5778. Mitteldeutsche Creditbank Depositenkassa und Wechselstube Hanauerlandstrassa I. Fernspr. Ami Hansa 8284. Postscheck-Konto 44255. tagt sämtile In das lankfadi einsdilagende taste. Heer, im Vordringen begriffen, seinen Einzug in die Stadt Minsk gehalten, als schon der Pogrom, blutig und vernichtend, einsetzte. Eine Darstellung der Vorgänge, über die allmählich die Einzelheiten durchsickern, gibt die .Wiener Morgenzeitung" „Erst jetzt erfährt mau nähere Einzelheiten über den Einmarsch der polnischen Truppen in Minsk. Am 7. August, dem Tage des Einmarsches, fand ein Pogrom statt, bei welchem 32 Juden, darunter Frauen, Kinder und Greise, ermordet wurden. 500' jüdische Häuser und Geschäfte wurden ausgeplündert. In der Synagoge wurde» 3 Thorarollen und viele Gebetmäntel zerrissen. Nach der am nächsten Tage erfolgten Ankunft des Kommandanten der polnischen Truppen und einer amerikanischen Kommission mit General Jadwin und Professor Gotthart an der Spitze, wiederholten sich, trotz eines vom Kommandanten der Truppen erlassenen Aufrufes gegen die Räubereien und trotzdem die Amerikaner in Automobilen durch die Straßen fuhren, die Ueberfälle, diesmal aber ohne Menschenopfer. Die jüdische Gemeinde hielt in An-, Wesenheit der amerikanischen Kommission eine Versammlung ab .Nach einer längeren Rede des Generals Jadwin wurde eine scharfe Protestresolution gegen die Pogrome beschlossen. Es wurde ein juristisches Komitee ins Leben gerufen, um der heimgesuchten Bevölkerung juridische Hilfe zu bringen. 60 in Mnsk verhaftete Juden wurden halb nackt und blutig geschlagen nach Wilna gebracht. Schreckliche Nachrichten kommen aus der Umgebung von Minsk. Große Judenmassen verlassen die Orte und suchen Zuflucht in den Wäldern. Nach dem Bekanntwerden der Vorfälle in Minsk begaben sich die Vertreter der jüdischen Presse ins Ministerium des Innern, um dort Näheres zu erfahren, doch erklärte man ihnen, daß dort über Vorfälle in Minsk nichts bekannt sei. Pogrome. Sofort nach der Eroberung von Minsk begannen die Truppen einen Pogrom. 32 Inden, darunter 5 Kinder, wurden ermordet, hunderte jüdische Geschäfte vermutet. Hunderte angesehene Inden wurden devortiert. Unter de» Ermordeten befinden sich Aba Levin, Dr. Freuda, Rachel Freidmann, Mosche Fxeidmann, Mosche Malawitzki, Use Schulmann. Mordechai Levinson, Lea Horwitz, Hindu Horwitz. Mosche Schektenwall. Kovpel Romanow, Leb Schepsel Bogatursli, 'Jacob Liebmann. — Am 18. August stürzten sich auf die Züge zwischen Bialvstok und Warschau Truppen und' beraubten und mißhandelten die in den Waggons befindlichen Juden. Beratung» der Orthodoxie. II- P- Z.i In Warschau begannen am 11. August Beratungen orthodor-r Vertreter aus Polen, Litauen und anck ans dem Auslande. Außer den Vertretern des Zentralkomitees nahmen an den Beratungen teil: die orthodoxen Landtaosabgoordneten, das Haupt der Jeschiwa ans Vstiansk, David Schreiber aus Wien u. a. mehr. 60 Städte haben Vertreter entsandt. Die Delegierten aus Posen waren Paßschwierigkeiten halber an der Teilnahme verhindert. S. Kami »er erstattete Bericht über die Tätigkeit der nach der Schweiz, London Und Poris entsandten politischen Kommission. Auf der Nachmittags-Sitzung wurde die Erziehungsfrage und He Gründung einer Hauvt-Jeschiwa zwecks Ausbildung, von Rabbinern, Lehrern und Leitern von Chedorim behandelt. Auch die Gründung eines Berlages für pädagogische Bücher wurde erwogen. Ten ganzen zweiten Tag hindurch wg sich die Debatte üoer den von Rabb. Hälvern erstatteten Bericht über die Tätigkeit der orthodoxen Landtagsavgeordneten. Aul der Tagesordnung stehen u. a. noch: Agitation für den Aktienverkauf der orthodoen Palästina-Bank und Verteilung der am 20. Siwan gesammelten Gelder. — Auf der letzten Plenarsitzung des' Zentralkomitees der Szlome Emune Fisroel wurde, beschlossen. eine allgemeine Zusammenkunft aller 'Vereine der Szlome Emune Jisroel im ehemaligen Konqreßpolen. Galizien, Posen Und Litauen einzuberufen. Die Konferenz soll in Warschau kurz nach den Feiertagen stattfinden. Tschecho-Slovakische Republik. Organisierung der Orthodoxie. iJ. P. Z.1 Eine Zusammenkunft der Rabbiner und Vorsteher der größeren orthodoxischen Gemeinden der Slowakei in Preßburg befaßte sich mit der Organisierung der orthodoxen Juden der Slowakei. Es wurde ein achtgliedriger Vollzugs-Ausschuß, bestehend aus drei rabbinischen und fünf weltlichen Persönlichkeiten, gewählt, der Deauftraat wurde, die Vorbereitungen M dem.am 9. Sevtember stattzufindenden Delegiertentag der Gesamt- Ortbodorie st>er Slowakei zu treffen. Gleichzeitig wurde in Preßburg ein Büro unter provisorischer Leitung Oberraböiners S. Hirschler aus Modor errichtet. Palästina. «nerkennuna der hebräischen Sprache. Tie Britischen Okkupationsbehörden erließen eine Verordnung, wodurch der Gebrauch der englischen, franzö-