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Neue jüdische Presse · 1919-09-05 · Heft 35 (5.9.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 35 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FrankfurterIsraelitisches Familienblatt |iiiiiiiiiiiniiiiiniiiiniiiiiiiiiiiimiiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiii. Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel- \ jafir: 3n Frankfurt a.M. 3Jlf. 1.95 frei ins Haus. Bei der Post : abonniert Mk.l.S0,stei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Bei j Zusendung durch Streifband für Deutschland und l5flerretch>!lngam : Mk. 2.25, für alle übn'gen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer 20pfg.! Biimiiiiuiiiiniiiim immun ... Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M.,Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Satz Geis > Znseriionspreis stk die sechsgespaltene Petitzeile70 pfg., für i die Veklamezeile Mk.2.—. Bei Wiederholungen entsprechender! Rabatt. / plah. und Oatum-Vorschrifi ohne Verbindlichkeit. / i Annomen-Annahme bei der ltzped.und ln «.Annoncen-Bureaus. : i Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Ar. 4864. 17. Jahrgang. Freitag, den 10. Lllul 3679 <5. September 1919» Nr. 35. Ans dem Hexeukeffel jüdischer Gemeind epolitik. Unser geschätzter Mitarbeiter Herr Stadtverordneter Sanitätsrat Dr. Hornau er hatte in oem Leitartikel der Nr. 34 unserer Zeitung, in dem er zieigte, daß die Frankfurter Israelitische Gemeinde nach djem Inkrafttreten ihres neuen Statutes „die demokratischste Verfassung von allen deutschen Gemeinden*) besitzen werde", die Parole „21> s von Berlin" auch für das jüdische Leben in Deutschland proklamiert. Ein recht drastisches Beispiel für die Berechtigung dieser Parole gibt nutzer dem Titel „Unzeitgemäßes aus der Berliner Jüdischen Gemeinde" ein Artikel des Dr. Gjulstav Witkowsky in der, „Jüd. Rundschau". Wir entnehmen diesem Artikel, daß die Berliner j Jüdische Gemeinde für die am 23. November stattfindenden Wahlen nuir 16000 Namen unter 50000 | 3 c n f it e n in ihrer Wählerliste verzeichnet, 7000 i weniger als 1913.' Die Liste setzt sich zusammen „aus den Männern, die /am Tage des Kriegsausbruches das 45. | Lebensjahr, vollendet hatten, aus ehemals Reklamierten > und Dienstuntauglichen, ferner aus Kriegsgewinnlern, ans! Schiebern und ähnlichen notwendigen Kategorien der menschlichen Gesellschaft. Ausgeschlossen vom Wahlrecht sind die Tausende von Kriegsteilnehmern, die jahrelang im Felde standen und als > Soldaten von der Steuerlcistung befreit waren, ausgeschlossen sind ferner jene Unglücklichen, dis: durch den Krieg wirtschaftlich ruiniert, zur Steuer nicht veranlagt oder mit oer Zahlung im Rückstand geblieben sind; ausge- [ schlossen sind «endlich, wie bisher, die Frauen." In der Berliner Jüdischen Gemeinde herrscht allen! revolutionären Gewalten zum Trotz noch immer unu- | umschränkt die Plutokratie! Als im November ver Rat der Volksbeaustragten für alle öffentlichen Körperschaften! das allgemeine, geheime, direkte BerhältniswahlrvHt für Männer und Frauen dekretierte, sah man bereits „die alte Klüngelwirtschast der Berliner Jüdischen Gemeinde in Trümmer sinken, und der bis dahin so rührige Syndikus der Gemeinde entschloß sich, aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederzulegen, während seine Parteifteunde ihn als Dezernenten für jüdische Angelegenheiten ins Kultus- I Ministerium zu lancieren suchten, wobei sie entweder »die Gesundheitsrücksichten «oder die preußischen Staatstinteressen unterschätzt haben müssen. Ja, es geschah sogar »das scheinbar ^Unmögliche, daß die Führer des Neuen »jüdischen Gemeindevereins, berüchtigte Zionisten, zu ge- I meinsamen Besprechungen sämtlicher Parteien gebeten »wurden. Herzlich «gern erllärte man sich bereit, das im »Jahre 1913 versprochene Verhältniswahlrecht nun nach »fünf (!) Jahren und unter dem Druck der ministeriellen I Verfügung in beschleunigtem Tempo durchzufahren. Es »war überhaupt eine Lust, in der Atmosphäre einer mil- »den Melancholie mit den Vertretern des totgeweihten »Regimes zu verhandeln. — Da kam der Umschlag, über- »raschend für alle Teile. Die Regijerung erllärte, daß sich Uebrigens besitzt auch dann noch die Frankf. Isr. iReltgivusaefellschaft mit ihren Generalversamm- Ilungen, die einem jeden Gemeindemitgliede die Möglich- I'eit direkter Einflußnahme auf die Angelegenheiten der »Gemeinde gewähren, ..und mit ihrer direkten Wahl nicht Ivir des Ausschusses, sondern auch des Vorstandes seitens »der Gemeindemitglieder von allen jüdischen Großgemeinden »Teutschlands die demokratischste Verfassung. Wenn die Iverfafsung: der Frankfurter Israelitischen Religionsgesell- IKjaft ein Berhältniswahlrecht nicht vorznsehen braucht, Iv, kommt dies daher, weil eine solche Bestimmung sich I«n dem homogenen Organismus dieser Gemeinde erübrigt. der Wahlerlaß für öffentliche Körperschaften nicht auf die jüdischen Gemeinden beziehe. In dem Glauben, daß die Trennung .der Kirche vom Staat unmittelbar bevorstehe, wollte sie offenbar nicht in die anscheineno nur noch kurze Zeit bestehende Judengesetzgebung eingreifen. Die Zionisten > stellten nunmehr in der richtigen Erkenntnis der gefährlichen Situation den Antrag, gemittnsam bei der Regierung um Aufhebung der das Wahlrecht von der Steuerleistung abhängig machenden Bestimmung des Judengesetzes zu petitionieren. Der Antrag fand nicht die Zustimmung der bisherigen Machthaber, die indessen ourch den Syndikus die bindende Erllärung übgaben, daß sie einen Mindeststeuersatz von 1.20 Mk. einzuführen bereit seien, um dadurch das Wahlrecht nach Möglichkeit zu einem allgemeinen trotz der einschränkenden Bestimmung des Juüengesetzes zu gestalten." Das Versprechen war aber nichts als ein politischer Trick, der die Opposition besänftigen sollte und es auch tat. Auch sonst zeigten sich die Herren, die das Ruder der Berliner Jüdischen Gemeinde leiten, als schlaue Politiker. Sie fragten bei der Regierung an, wie den Kriegsteilnehmern das Wahlrecht ohne Vierletzung des Judengesetzes, das dreijährige Steuerleistmtg verlangt, gewährt werden könne. Die Regierung riet Stundung der Steuer und Aufnahme an die Wählerliste. Um dieselbe Zeit hatte man bei der Regierung angefragt, ob Stundung nicht als Steuerrückstand das Wahlrecht ausschließe, und eine andere Stelle der Regierung, die von der ersten Anftage nichts wußtze, bejahte die Frage. Statt nun die Regierung auf den Widerspruch aufmerksam zu machen, rieben sich die Gewaltigen der Berliner Jüdischen Gemjemde vergnügt die Hände und ließen alles beim" alten. Hättjen die Herren den Kriegsteilnehmern ehrlich das Wahlrecht geben wollen, dann hätten sie sich die Anfragen überhaupt erspaven können und 'Nur ihr Versprühen, einen Steuersatz von 1.20 Mk. festzusetzen, wozu sie das Judengejjetz ohne weiteres berechtigt, einzulösen brauchen. So stehen denn heute von den Wischen Männern Berlins bis zum 30. Jahre höchstens 5% und von denen von 30 bis 40 Jahre höchstens 10°/» in der Wählerliste. Dr. Witkowsky schließt seine Ausführungen mit folgenoen Worten: . . Die ^Entscheidung Kbrr die künftige Zusammensetzung der «Repräsentanz bleibt Greisen, Reklamierten und Kriegsgewinnlern überlassen. Daß in einer Zeit der denkbar weitesten Ausdehnung des Wahlrechts ein so skandalöses Wahlunrecht möglich geworoen ist, darf nicht als ein durch widrige Umstände bedingter Zufall angesehen werden. Seit Jahren haben wir oft genug mit bitteren Worten die reaktionäre Gesinnung im -jüdischen Gemeindeleben auf Seiten jener Kreise bekämpfen müssen, die sich in der deutschen Oesientlichkeit nicht radikal genug gebärden können. Der Sinn für Tradtion und historisch Gewordenes erwacht in ihnen erst, wo eS gllt, ihren Parteiklüngel und ihre jüüischk» Machtstellung zu erhalten, von der aus sie seit Jahrzehnten das deutsche Judentum mit ihrer.Ajsimilationsucht und unwahrhaftigen Deutschtümelei vergiftet haben. Die Wahl der Greise und . Schieber soll den verderblichen Einfluß des Klüngels vor den Stürmen der Rje^ volution schützen, und der griuunige Witz' des Geschehens will es, da§ ihnen der sozialdemokratisches Minister des Innern in völliger Ahnungslosigkeit hllfteich die. Hand hierzu bietet. Wer kann sagen, was uns in dieser krausen Welt der nächste Tag noch an Ueberraschungen bringt?" Di« Ausführungen Dr. Wrtkowskys verdienen nicht nur oie.ernsteste Aufmerksamkeit der jüioischen Oeffentlichkeit Hinsichtlich der Vorgänge in der Berliner Jüdischen Gemeinde, sondern auch im Hinblick aus Veränderungen, die sich in der nächsten Zeit in den großen jüdischen Organisationen» ideren Leitungen durchweg in Berlin sitzen, vollziehen werden. Der Verband der Deutschen Juden und der Hilfsverein der Deutschen Juden stehen vor der Schicksalsfrage ihres Seins, und auch der Deutsch Jsraetttyche Gemeinde »Bund must sich entscheiden, ob er seine bisherigen Wege weiter wandeln wlll. Bei all diesen Organisattonen muß verhütet weroen,' baß nicht die gleichen Kreise wie in der Berliner Äs», meinde, de>en Einfluß ^in so verhängnisvoller ist, die Zukunft bestimmen! _ Gm Weckruf an unsere Rabbiner! Don Leh.er Jakob Testier, Schwavach. „Qedola teschowa achemwia rfua leolam, achamka* rewet et hagfia.“ „Groß ist die Rückkehr (zum Ewigen), sie bringt Genesung der Well; sie beschleunigt die Erlösung". (Trakt. Joma 86). Txr Anttsemitismus greift wie eine verheerende Pest immer weiter um sich. Frecher denn je erhebt er sein Haupt. Sein Korn blüht und gedeiht überall und schon ernten die Judenfeinde strichweise die Früchte ihrer Aussaat. Machtlos steht der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" , dem wüsten Treiben der Antisennten gegenüber. Auch unsere Regierung scheint (infolge ihres passiven Verhallens) kein wirksames Mittel gegen das tötende, zersetzende Gift des Antisemitismus in ihrem Bereiche zu besitzen, sonst müßte doch von ihrer Seite der Wühlarbeit und der Ueberflukung von Hetz- und Flugschriften der Antisemiten ein kräftiger Damm gesetzt werden. — Wollen wir mm dem Gebote unserer heiligen Lehre: „LI ta'amock al dam reeeba“ „Bleibe nicht untätig angesichts der Lebensgefahr , deines Nächsten" rechtzeitig «Rechnung tragen, so inüssen wir irgend ein Wehrmittel gegen die uns drohende Gefahr ausfindig machen. Wir müssen uns llar und einig darüber werden, woraus dieses Wehrmittel bestehen soll. Die.angeregten und teilweise versuchten Verteidigungsnnttel, wie z. B. „Organisierung eines Judentages", Auftlärung in der Presse, Gegenflugblätter sind keinesfalls geeignet, wenigstens nutzt dafür ausreichend, die anttsemittsche Flut einzudämmen. Hierdurch erreichen wir vielleicht nur das Gegentell, well alsdann mit einer verschärften Gegenaktton seitens unserer Feinde zu rechnen ist, was man aus den in der Presse bereits. erfolgten Gegenerklärungen des deutschen „Schutz» und Trutzbunoes" schon heute schließen kann. Je energischer wir uns als Defensivler verteidigen werden, desto rasender werden sich die Antisemiten als Ofsenfivler in ihrem Kämpfe gegen „Judas Macht" gebärden und ihren ganzen Lug» apparat gegen uns in Bewegung setze«. „Auftlärung"! — Ja, wen wollen wir aufklären? Wer einmal zum Anttsemitismus neigt, dem «nützt keine Au' ärung jund auch keine Belehrung, weil er zumeist ja nicht etwa infolge mangelhafter Orientterung über Inden und Judentum, sondern aus Boreingenommenhell, Neid und Mißgunst, kurz, wie es der jüdische Volksmund am besten bezeichnt: aus „Rischus", Ilus Bosheit, .sie haßt! Waren etwa. unsere Feinde, von den Westen Zellen bis ans die der Gegenwart, von Haumn-Amalek bis ans Brnhn-Werner, über den jüdischen Eharakter, Ger das Wische SEBegat

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