Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 34 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Hetze. 4 KaiaerstraaBe 56 ügM erstklassige vammmmtmammmm Kaiserstrasse 56 Uiiterhaltangsmnslk “7 SüdischrrWehlfahrtSverbaud tit «tberseld-Varmen. Am 22. bczw. 24. Juli dS. IS. veranstaltete der Jüdifche Woblkahrtsverband in Elberfeld- Barmen seine ersten Gemeindeabende. Die beiden ersten Sitzungen wurden durch die erste Vorsitzende, Frau Cl. Samuel bezw. durch Len zweiten Vorsitzenden, Herrn Sanitätsrat Dr. Ollendorfs, eröffnet. Krau &atnrnel betonte in ihren Einführungsworten die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der bestehende» Organisationen, um alle für das eigene Ziel segensreich arbeitenden Kräfte bei gewissen Problemen geschlossener und nachhaltiger sich auswirken zu lassen, bei Problemen an deren Lösung sich die Gesamtheit beteiligen und sich innerlich mitverantwortlich fühlen müßte. Aus diesem Gedanken heraus erklärten sich nach den schweren Tagen der Revolution die jüdischen Gemeinden .Elberfeld und Bannen, sowie -säst alle Einrichtungen und Vereine bereit, sich zum Wohlfahrt sverbande zusammenzuschließen. Es folgte der Tätigkeitsbericht der Geschäftsführerin, Frl. Bonwitt, aus dem entnommen sei: Dem Verband gehören bereits, außer den beiden Gemeinden Elberfeld- Bannen 16 Vereine an. Auch Einzelpersonen können als Stifter oder Förderer beitreten. Die Geschäftsstelle befindet sich jetzt im Gemeindehaus Elberfeld, .GenützsanvkeitSpraße 7. Die Sprechstunden sind MontagS bis Freitags 9—12 Uhr vormittags. Der Verband ist: der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin angcfchloffen. Zweck des Verbundes ist, kurz zusammengefaßt, jegliche Hilfeleistung borbeugender und verhütender Art. Eine guptaufgobe ist die Arbeitsvermittlung und im! sammenhang damit die gerade in jetziger Zeit so wichtige Berufsberatung. Es wiuden der männlich» Arbeitsnachweis der Loge und die weibliche Ktellenverwittluno des jüdischen Frauenbundes übernommen und 'ausgebaut. Die Berufsberatung sucht der Verband durch Veranstaltung von Eltern- und Schülerabenden zu fördern und den Jntereffenten näherzubringen. Infolge der mit dem Elberfelder statischen Arbeitsnachweis gepflogenes -Verhandlungen ist zu erwarten, daß die konfessionelle Weiterarbeit auch nach Schaffung der vom Reich vorgesehenen Berufsämter und ProvinzialberufLämter möglrch fein wirddas.Gleiche ist von Barmen zu erhoffen. . Durch tzergabe und Vermittlung von Darlehen konnten in mehreren Fällen Existenzen wicker aufgerichtet brzw. konnty zu einer solchen verholfen werden. Ferner gelang es für einige -Personen ihre Angelegenheiten mit Behörden zu regeln. Ueberhaupt wird die Vertretung der jüdischen -Wohlfahrtsarbeit den Behörden wie den öffentlichen WohlfahrtSeinrichtungen gegenüber und ein enges Zusammenarbeiten Mit ihnen erstrebt. So wurde der Anschluß an das in Elberfeld neugeschaffene städtische Wohlfahrtsamt erreicht. Die Bemühungen des Verbandes, Schulentlassene in Anstalten Wecks weiterer Ausbildung unterzubringcn, waren verschiedentlich von Erfolg gekrönt.—: Die dem Verband angeschlossencn Körperschaften habet! sich berpflichtet, alle ihnen ^gehenden Aufforderungen zu 'Sammlungen zur Vermeidung von unzweckmäßiger und doppelter Hilfe durch ihn begutachten und abstempeln zu lassen. — Der Verband.ist bei Sitzungen der Wohltätig« keitsvercine vertreten, und seine Geschäftsstelle steht d»n- , selben zur Erledigung von Aufträgen zur Verfügung. Rach Erstattung des Geschäftsberichtes referierte Dr. Grüheberg,, -Äberfeld, über das Thema: „ Der soziale Gedanke und seine Wandlungen int Sndentum", dessen Gedankengang war: Schon in ihren äffischen Zeiten war das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit bei den Juden so stark, daß ein wesentlicher .Teil ihrer Gesetze» wie die die Nationalisierung res Bodens, -re Erbpacht und das Erbbaurecht betreffenden, davon beeinfluß! uno alle Gebiete des gemeinschaftlichen Lebens von den Aeußerungen der sozialen Fürsorge durchsetzt wurde». Ein Umschwung trat mit Aenderung der äußere» Lage der Judenheit ein, die zü einem Rückschritt insostrn führte, als anstelle der weitblickenden sozialen Fürsorge die jüdische Armenfürsorge trat, die bei ihrem vorwiegend philantropischen Charakter aber im Grunde-nichts anderes war und sein konnte als symptomatische Hilfe für den, über den das Unglück bereits hereingebrochen war. Erst in neuerer Zeit sehen wir überall, auch in Deutschland, Bestrebungen,^ die dem alten jüdischen Geist der sozialen Fürsorge zur Auferstehung verhelfen wollen. Es schließen ffch Gemeinden, Vereine und Einrichtungen mit soziale» Tendenr zusammen, deren Leitmotiv es ist, wo irgendwie sick> die Möglichkeit, bietet, vorbeugende Hilfstätigkeit zu leisten. Diese ArMt ist groß und .schwer, Uber «ich außerordentlich dankbar. Eines der wichtigsten Arbeitsfelder ist die Berufsberatung im Sinne auch einer Berufsumschichtung zu Gunsten der produktiven - Berufe: : Landwirtschaft^ Gartenbau, Industrie, Handwerk und Beamtentätigkeit. Weitere Gebiete sind Stellenvermittlung, Mütterberatung, Jugendfürsorge für die Schuljugend und ^Schulentlassene durch Veranstaltung von Ausstellungen für jüdische Jugendliteratur, Gründung von Bibliotheken, Lesehallen usw. Diesen Aufgaben, führte der Redner aus, kann sich kein Jude und keine Jüdin, sofern es ihnen Ernst ist um die Zukunst unserer Gemeinschaft, auf die Dauer, indifferent und untätig gegenüberstellen. ' . Hierauf sprach Herr Sanitätsrat Dr. Ollendorfs. Barmen, über den Plan einer jüdischen Jugend- 'kchristenausstellung. Jede Gelegenheit, für dierrugend, den Gegenstand so vieler Sorgen und Hoffnungen. etwas zu tun, sei zu ergreifen. Ein Mittel der .Jugendpflege sei die Beschaffung von guten Schriften Ä«nd Büchern. Unsere Vorfahren käsen Erbauungs- '.0ilßifd^c;;viK > schristen, Märchen und Sagen,'wie : Midrasch usw i/-In der ernsten Zeit der Emanzipation wurde .unter dem geistigen Einfluß der Klassiker vorwiegend., Gutes gelesen, während zu Ende des, 19. Jahrhunderts viel Schädliches iund Minderwertiges in die UnterhaltungSliteratuü des jüdischen LeserS eindrang. Die Zeit des jüdischen Erwachens muß auch das Interesse für diesen wichtigen Hebel der Erziehung bringen. In erster Linie haben hiev .Gemeindebibliotheken und Lesehallen die Vermittlung von guten Michern ziu übernehmen. Die JugendschriftenauS- Üellunc> soll die jüdische Literatur bekannt machen und in die jüdische Häuser hineintragen, zugleich den Eltern, ein Wegweiser dafür sein, welche Schriften zu kaufen und weöhe als Schundliteratur zu verwerfen sind'. Auf vie Darlegungen des Herrn Referenten hin beschließr die Versammlung eine jüdische Jugendschristenausstellung vor dem Chanukahfeste zu veranstalten. Die zur Einzeichnung von Jahres- und einmaligen Beiträgen aufliegenden Listen brachten den WohlfahrtSverband eine Anzahl von Stiftern und Förderern; und . es ist zu hoffen, daß der. Verband, durch die lebendige Mitarbeit aller in ihm vereinigten Kräfte immer mehr ousgestaltet und finanziell gestärkt, .noch viel gute jüdische Arbeit leisten wird. - , f Ukraine. - Sie Pogrome. Nach Warschau ist aus der Ukraine der bekannte Zionist, Advokat G oldste im , gekommen, um dort ein ausführliches Memorandum wegen der Judenmetzeleien in der Ukraine auszuarbeiten, dag der Morgenthau-Konrmiffion überreicht werden soll. Auch eine Kommission, ukrainischer Polen, mit Graf Potocki an der Stütze, suchte Morgenthau auf, um ihn wegen der Judenschlächtereierl in der Ukraine zu informieren. Hauptzweck dieser Delegation ist. die amerikanische Kommission zu überzeugen, daß die Pogrome in Polen eine Bagatelle sind rin Vergleich zu denen in her Ukraine. Aus der Ukraine in Lemberg eingetroffene Reisend« öestätigen die Nachrichten über einen von den Ukrainern in Zmerinka veranstalteten Judenpogrom. Die Zahl der- Toten übersteigt 450. . Die Warschauer jüdischen Tageszeitungen bringey ejnen ausführlichen Bericht einer vertrauenswürdigen Person, die soeben ans Odessa zurückgekehrt ist, wonach alle Nachrichten über de» Judenpogrom in Odessa auf Unwahr beit beruhen. Odessa befindet sich auch weiterhin in der Hand der Bolschewisten. Der Informator hat zusammen mit dem polnischen Konsul in Odessa, im Austausch gegen aus England zurückgekehrte Russen, Odessa au? französischen Schiff?» verlassen. Tschecho-Slovakische Republik. Regierung ««d-RalioualitStenproblem. In einem wohltuenden Gegensatz zu Len antisemitisch qesärbten Ausführungen des Ministers für die Slowakei, Schrobar, sS. Nr. 33 der „N. I. Pr."), d'eren politische Kurzsichtigkeit und Unbedachtsamkeit offen vor Augen lag. stehen die Darlegungen des schechischen Ministerpräsidenten, Tusar, über die Nationalitätenfrage in einer Unterredung mit dem Vertreter des „Journal de Geneve". Bon der Erkenntnis der Unfruchtbarkeit und inneren Unmöglichkeit steter Reibungew Nnd Zerwürfnisse innerhalb .der verschiedenartigen Bevölkerung des Landes .gelangt Tusar. zu der Ueberzeugung, daß die «tunde foäert, „mit dem überlebten Sprachenzwifl und dem.Rassenkonflikt aufzuräumen, um Ruhe und Ordnung im Lande zu schaffen und ihm den Weg znm Aufstieg freizuinachen." Er "erklärt es .darum für eine Notwendigkeit, den einzelnen Nationen in der tschechoslowakischen Republik gleiche Rechte zu gewähren und zu sichern. „Die tschechoslowakische Regierung ist entschlossen, allen Völkern des Landes die volle §reiheit politisch-nationaler und kultureller ntwicklung zu bewilligen und zu verbürgen." . Den schönen Worten Tnsars ist nur zu wünschen, daß , sie >ßalb in Taten einen äquivalenten Ausdruck finden, und den trefflichen Plänen der Regierung, daß sie nicht von aderen Mächten durchkreuzt bei ihrer Verwirklichung ins gerade Gegenteil verkehrt werden. Griechenland. Konferenz der Zionisten. An der zionistischen Inferenz in Griechenland beteiligten sich.13 zionistische Vereine. .Es wurde beschlossen, eine zionistische Föderation in Griechenland zu schaffen und eine Monatsschrift, als Organ der zionistischen Förderation, herauszugeben. Litane». Dievemeindewahle« in Kowno. An den Wahlen zur jüdischen Gemeinde in Kowno beteiligten sich 600/o der jüdischen Bevölkerung. Gewählt wurden 16 Zionisten, -4 Misrachist.en, 7 von der Achdüth, 3° vom sozialistischen Block und 6 Unparteiische. — Auch hier fiitb' also wieder die Zionisten zusammen mit den Misrachisten die weitaus stärkste Partei, sodatz die, Majorität in allen Palästina und die hebräische Sprache betreffenden Fragen für die zionistischen Forderungen gesichert ist. Mitteldeutsche Creditbank Deposit enkasse und Wechselstube Hananerlandstrasse 1 - Fernsprecher Amt Hansa 8284. Postscheck-Konto 44255 übernimmt die Verwahrung und Verwaltnng von Wertpapieren' in geschlossenen und offenen Depots; . Nr. 34. Theo Jolia£ Konfitüren und Schokolade Stein weg 12 .. Steinweg 12 Amerika. Zusammentritt des jüdische» Kongresses. Nach einer jüngsten Meldung aus Ncw-Iork de. reitet der amerikanisch-jüdische Kongreß «ine Zusammenkunft vor zur Besprechung der Berichte sein«: Delegierten auf der Friedenskonferenz. Die' Tagung wird das Judenproblem in seinem vollen Uni-; fsang behandeln, sowohl die Palästinas rage wie: Probleme der Nationalen jüdischen Rechte in den verschiedenen Ländern. Die Hilfsaktion für die Juden Dsteuropas. Henry Rvsenfelt, Direktor des Lmerikanisch-jübischen -Unterstützungskomitees, hat angekündigt, daß das: Mische Unterstützungswerk bis Dezember 1919 7 500 000 Dollar ergeben muß, damit sechs Millionen osteuropäiscke Juden mit Nahrung, Kleidung und Arzneimittein versehen werden können. Palästina. Sine große Jeschiwa in Jerusalem. Einem Privatbriefe des Rabbiners Cook ist zu entnehmen, daß für die von der .Histadruth Jeruscholajtm" geplante große Ieschiwah zu Jerusalem,, in Amerika eine Anfangsspende von 300000 Dollars gezeichnet worden ist. Das Exekutivkomitee geht jetzt daran, für diele Jeschiwah ein entsprechendes Grundstück in Jerusalem zu erwerben. Der „Bund" und Paiäftiua. T«r von uns aus anderen Blättern übernommene Bericht — wir finden ihn im New $orfet „Haibri" wieder — über einen Umschwung in der Haltung des „Bund" gegenüber der jüdischen Palästtnaforderung. scheint einem Irr tum. entsprungen zu sein! Zionistische Nachrichten. Max RordauS 70. Geburtstag, In einer großen VersaMinlung wurde rn Londonnach der „Wr. Mvrgenztg." der 70. Geburtstag M a x Nor dank gefeiert. Ansprachen hielten u. a.: Goldberg, Professor Dahuda, Rabb. Goldblum, Drs Deiches und Moritz Meier. Zangwill sandte! einen Glückwunschbrief. .. Sliahu Kaplan gestorben. Wie dos Kopenhagener Zionistischen Bureau aus Jaffa meldet, ist der bekannte Chowew Zion. Elia hu, Kaplan aus Skopin am 15. August in Telschiw gestoroen. , Eliqbu Kaplan, der mehr als.'10 Jahre in Jaffa gelebt hat, war eine der angesehensten Persönlichkeiten innerhalb der palästinensischen Judenheit-, Dem überlieserten Judentum die Treue wahrend, war er gleichzeitig ein Freund jeglichen Fortschrittes -in her jüdischen Entwicklung Palästinas, an der er seihst tätigen Anteil genommen hat Er genoß das größte Ansehen und daS uneingeschränkte Vertrauen bei allen jüdischen Parteien des Landes. ■ Aus der Misrachi-Bewegung. vialyftok. Bei den Wahlen zum polnischen Sejm in den Provinzen Bialystok und Sokolka hat der Misrachi einen glänzende» Sieg davongetragen. Von 15916 "abgegebenen' jüdischen Stiminen hat die misrachistische Liste 9854 Stimmen auf sich vereinigt. —. Herr H. Farbstein, Präsident der .Wisrachi-Örgnnisatiön -in Polen, wurde als Sejm-Abgeordnetec gewählt. Perso«»kre» «. klei«eVtttteilu»ge«. Berlin. Der Komponist Paul Ertel hat in D u k s e l'd o r < fein jüngstes Werk „ H e b r a i k o n". ein Streichquartett über hebräische Melodien, zur erstmaligen Ausführung bringen lassen und damit einen starken Erfolg errungen. Tie Mitteilung in Nr. 32, wotmch Lehrer Georg Hopp ans Posen nach' Berlin an die Adaß-Jisroel- Gemeinde berufen wurde, hat sich , als unzutreffend erwiesen. Aus der Provinz Posen sind.bisher erst zwei Lehrer angestellt worden, beide bei der AdaßAisroel. Treysa. 12. August. DamStag, den 8. dtefeS Monats, feierte die hiesige Gemeinde durch einen Feldgottesdienst, bei welchem Herr Prvvinzialrabbiner Dr. Cohn ".aus Mckrburg die Predig?hielt, das hundertjährige Bestehen ihres im Jahre 1819 von dem Ehepaare Abraham Isaak Meyer und Frau erbauten und her Gemeinde geschenkten Gotteshauses, das zu Ehren des Tages von außen -unb innen prächtig geschmückt war. Der Feier wohnte neben anderen Gästen auch der von. hier stammende hochbetagte Lehrer a. D. Rothschild' aus Erfurt bet)-der im Jahre 1869 den liturgischen Teil der Fcieruchkeiten des 50jährigen Gemeinde-Jubiläums geleitet hatte. " - - ' „ Kopeahagea. Rabbiner Dr. M. Friedige r tOderberg) ist zum O b e r r a b i n e r der 'Mischen Gemeinde in Kopenhagen gewählt Wörden.