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Neue jüdische Presse · 1919-08-15 · Heft 32 (15.8.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 32 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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;imiiimiiiiiiiinnniiiiinniimiimiini'iiiiniininiiiiiiiinniiiiiii. i Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel« ■ : fair: 3n Frankfurt aM. Ml.^. SS fiel ms Haus. Bei der Post : : abonniert Mk. ck.SO,ftei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / B/t j I Zusendung durch Streifband jurOeutschland und üsterreich'llngam | : Mk. 2.25, für alle übrigen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer 2üpfg. : ..... Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis I Znsertionsprels für die fechsgestraliene petiizeile70Pfg., für; : dle Rekkamezeile Mt. 2.—. Bei Wiederholungen entsprechender : : Rabatt. / Platz« und Datum «Vorschrift ohne Verbindlichkeit. / : : AnnoNcen-Annahme bei der Exped.und in a.Annoncen«BureauS. j : Konto bei dem poMeckamt in Frankfurt a.M. unter Nr. 4864. : 17. Jahrgang. * Freitag, den 19. Aw 5679 (15. August 1919- Kr. 32. Rene Wege. Bon Hermann. Pick. Die Sorge für de» Fortbestand des' Juoeiilums mib' iie-5 jüdischen Volkes, soweit Menschen etwa-s oafür tun können, könnte und kann niemals sie Aufgabe einer e i n j t*-l‘n e n Partei sein. Das gilt auch für die Anhänger des tradilionstreuei, Juveiltnms. Noch können wir — und hoffentlich auch in.der Zukunft — feststellen, das; die Massen des Jnoentuins ans dein Boden der Tradition stehen. Aber da diese Masse» tatsächlich öaZ lebendige jüdische Volkstum darstellen, so geht es, dem' jüdischen Volke, wie es allen andern Völkern gehts und das gerade ist ii gewissem Sinne ein Zeichen der lebendigen Volkskraft: Cs gibt keine Partei, die das Recht halte, in allen Fragen ohne weiteres im Namen des ganzen jüdischen Volkes zu spreche»:. Das gilt sür die Zionisten und Misrachisten, aber '»och mehr vielleicht für die Agudah. Einen Programmpunkt aber haben schon heute die verschiedenen Parteien gemeinsam,' die das religiöse. Judentum sür sich zu gewinnen suchen, nämlich das brennende Interesse an'dem baldigen'Aufbau unseres, heiligen Landes, gleichgültig wie imnipr sich die ousterpoliiisciie Form gestalten mag. Nur eine kleine, ivenn auch nicht zu unterschätzende Gruppe im deutsche» - Judenlui» - ains dem einschränkenden Adjektiv liegt der 'Nachdruck — kann sich noch nicht entschliesten, das Palästina-Programm »ohne jede Einschränkung sich zu eigen zu innchen. Es. ist hier nicht t«er Ort, aus diese Anschauungen einzngchen. Von einer für die meisten.deutschen religiösen Juden autoritativ-religiöser Seite ist dieser Standpunkt mißbilligt worden. . Es ist aber noch nicht an der Zlik, darüber Genaueres zu sagen. . " Wie die außerpolitischen Verhältnisse Palästinas sich gestalten werden, ist noch unentschieden. Eines ist aber sicher, daß tausend Schwierigkeiten, die früher für die unbehinderte Einwanderung bestanden, in absehbarer Zeijl anshören werden. Setzen >vir selbst de» Fall, daß sür die nächsten Jahrzehnte das heilige Land nichts weittzr als eine englische Kronkolonie sein wird, mit einer gerchssen, sich allmählich aufbauendcn jüdischen Selbstverwaltung, so ist das doch ein so gewaltiger Fortschritt, daß. das jüdische Volk „allen Grund hat, der zionistischen Leitung sür das> Erreichte nicht bloß mit Worten, sondern auch mit Taten zu danken. Wir haben es immer als ein Glück und als ein Zeichen .der göttlichen Vorsehung betrachtet, daß der Zionismus, geführt von,der überragenden Persönlichkeit Herzls, früh genug durch seine Organisation dem jüoiAhe» Volke ein . politisches Instrument geschahen hat, das geeignet-war im rechten Augenblick km Rat der Völker dle p0liti scheu Forderungen des Judentums zu vertreten und auch schon jetzt in gewissen Grenzen durchzilsetzen. Noch heute stehen wir ans dem Standpunkt, daß das religiöse Judentum als solches nur im äußersten Notfälle in den ^Politischen Kampf eingreifen'soll. Die Verbindung der Religion mit Politik, die es doch mit sich bringt, -chaß man sich auch politischer Mittet bedient, hat einem großen Teil religiöser Juden imnür wider-, strebt. Gerade im 'Interesse der Religion wollten sie ihr die. Politik fernhalten. . Mas durch Politik bisher zu erreichen war, hat der Zionismus geleistet, und wir sind überzeugt, daß seiitlev noch weitere politische Aufgaben harren. Für uns religiös« Juden „kommt es-jetzt aber vor allem darauf. aft> .ün; heiligen Lande die Bedingungen zu schassen, die wir für den Wiederaufbau in unserem Sinne sür unerläßlich halten. Für die meisten unserer Gesinnungsgenossen war der-Zionismus aber nur. eine politische Bewegung gewesen, und wir -werden innerhalb der zionistischen Organisation bei den Kongressen und Konferenzen immer wieder dafür eintreten, daß die zionistische Leitung und der Zionismus als solcher sich nur als Sachwalter des jüdischen Volkes in politischen Dinge» betrachten solle. « Für uns war und bleibt' der Zionismus das vom jüdischen Volke sich 'selbst geschaffene Organ zur Verwirklichung und zur 'Durchführung der jüdischen Staatlichkeit. Den; modernen Staatsged'anken muß auch das jüdische Volk Opfer -bringen, wenn es in irgend einer Form ei» staatliches Leben, auf eigenem Boden führen will. Der Zionismus 'hat nach unserer Auffassung licht Messianismus und mit den letzten Hoffnungen des jüdischen Volkes nichts zu tun, wohl aber führt er das jüdische Volk, zweifellos einen Schritt weiter aus dem Weg zu einer glücklichen Endzeit. - Wer jetzt schon für die „Retigionsnalion Israels" im heiligen Lande '«in Heim schaffen will, der scheint »ns eher im Widerspruch mit ser jüdischen Tradition zu stehen als der,' der sich damit begnügt, für oas jüjdische Volk, vorerst so betrachtet wie jedes andere Volk, in Palästina eine gesicherte Heimstätte sür den kommende,: jüdischen Staat zu schaffen. Füjr die „Re l i gious- Nation" — wir werden hoffentlich später ein schöneres und deutlicheres Worb dafür gebrauchen — nennen wir es vorläufig einmal einfach ohne Ambitionen „Voltsudentum", wollen wir erst oic Arbeit i!m heilige» L a n d e b e g i n n e n. Diese Arbeit kann aber nicht von Parteien geleistet werden. Auch die Agudah wird weiter eine Parte; innerhalb des Judentums bleiben, — oder sie wirs sich so gründlich ändern, 'daß sie dann nicht »kehr dir jetzige, Agudah ist. Es »ruß baldmöglichst eine Arbeitsgemeinschaft aller in Palästina Arbeitenden oder an Palästina interessierte,; urchodoxe» Verbände geschaffen werden, und die Grundlage 'dazu dürfte nicht hier, sondern in Palästina selbst gelegt werden. Es ist überflüssig zu sagen, daß.für uns die Lösung des Kultnrproblems in Palästina die Hauptsache ist,'und daß dabei Misrachi und Agudah in gleicher Weise interessiert sind. Wird die Orthodoxie nicht bald mit Taten ans diesem Gebiete auswarten können, so kann sie sich nicht wundern, wenn das Schulwesen und damit die jüdische -Jugend noch mehr als bisher in einen, „ns fremden Geiste erzogen wiro, liegt. DaS Gegebene wäre, ivenn in Erez Jsrae^ sich die Lehrer dxr verschiedene,, Schiilwcrke zu einer gemeinsamen Aktioij zusammen schlössen. Sre sollten 'am besten »bissen',, wasfür Erez Israel 'nottut, i,nd sie werden vielleicht an, ehesten geneigt sein, unabhängig von ihrem jüdischpolitischen' Standpunkt auf 'Grund gemeinsamer Arbeit eine Interessengemeinschaft auf kulturellem Gediehe anzübahnen, ohne daß irgend jemapd gezwungen ist, seine sonstigen politischen Anschauungen dabei aufzugeben. Bon Erez Israel aus sollte dpnn,' an alle trabitionstreuen Inden der Welt das Ersuchen gerichtet werden, das dort ' inaugurierte Werk durch 'tatkräftige Unterstützung lebensfähig und srilchtbringeud tzu gestalteist Wie sind der . Ueberzeugung, daß keine jüdische Richtung sich dieser Aussordernng entziehen kamr. Ist erst einmal ein gemeinsames Schnlwerk. des 'religiösen Judentums in Palästina iin Gange, sv können die Vertreter dieses Schulwerkes gairz andere. Forderungen stur die künftige staatliche .Aus-, sich, des Erziehungsweseus in Palästina stelle». Die jüdischen Bürger des palästinensischen Staatswesens werden, was wir nicht bezweifeln, eine möglichst demokratische Stalatssorm für sich erstreben. Und wir glauben aiuf), daß. die zionistische Leitung picht besser und klüger handeln kann, als wenn sie demokratisch vorgchi. Wir werden also alle Ksräfte daran setzen müssen, ein groß angelegtes Schulwerk in Palästina ins Leben zu rufen. Das Schutwerk muß auch so» beschaffen sein, daß ein jeder jüdischer Vater ohne Bedenken sein Kind unserer Schule anvertrcmen kann. Werden wir pädagogisch und sür das prakttsche 'Leben so viel leisten wke eiit anders geartetes Schulwerk, so glaube,, wir bestimmt, daß die Mehrheit der jüdischen Jugend des Heiligen Landes in unseren Schulen zu finden sein wird. Ohne aus Einzelheiten einzugehen, könnte man es sich wohl so denken, daß eine gesonderte Knlturstener erhoben wird. Diese fließt in einen Betriebsfond und dieses Geld darf nur für Schule,, eines besonderen Typ» gebraucht werden-. Darüber hinaus wird es " vielleicht möglich sein, daß, wenn der Staat aus anderen Quellen z. B. seinen Zöllen gewisser Einkünfte für Schulen zur Verfügung stellt, auch für unsere Schulen ein entsprechender Teil ohne Bedenken entgegengenommen wierden kann. Ohne uns das Schlagwort der Trennung vom Staat und Kirche ohne lveiteres'zu eigen zu machen, scheint es uns doch im Sinne einer gefunden Entwicklung zu liegen» wenn der Staat als solcher sih nur so viel uni oas innere Leben seiner Bürger kümmert, als gerade notwendig ist. Auf das Schullvesen übertragen, bedeutet das, daß der Staat daraus zu achten hat, oaß nichts Staatsgefährliches gelehrt wird, daß gewisse allgemeine Kenntnisse tyeit Kindern: beigebracht werden, und daß für hygienische BjeoürsniM und ähnliches Sorge getragen wird.. Sonst aber können diese Schulgemeinden völlig souverän ihre eigenen Dinge rerwalten. Dies nur ein paar Anregungen, die nicht neu Zins, aber noch niehr durchdacht und gemeinsam besprochen lverden müssen. * Tie nächste dringlichste Ausgabe sür die traditionelle Judeuheit scheint es 'uns z„ sein, bei sei, schon vorhandenen Verbänden von Rabbinen in irgend einer Form, dahinzuwirken, daß sie einen Modus finden, alle so überaus wichtigen Fragen, 'die mit der Besiedlung Erez Israels Zusammenhängen, von dazu berufenen und vjon ihnen erwählten rabbinischen Persönlichkeiten ».-arbeiten zu lassen. Wir können »»seren rabbinischen Führern« hier keine Vorschläge -niachen. Wir haben das Vertraue,, zu ihnen, .daß sie einen Weg finden werden. Noch nie war das Judentum ihres Rates so bedürftig wie setzt. Hoffentlich entstehen uns aitfj ihren Reihen Führer, die uns den Weg führen in nieser heiliges Land. Die Aufgaben, die „uä religiös-nationalen Juden in der Gegenwart gestellt siiür, sind neue, und ihre.Lösnng ist - unaufschiebbar. Vielleicht können die obigen Anregungen ein klein wenig Hinweisen ans die neuen Wege, die nijir gehen müssen nach unserin Ziel — nach Zion! Max Nordau zu seinem 79. Geburtstag. Don Salomo» Horowitz. Vor kurzem feierten loir Lcrzl's 15. Todestag, und jetzt feiern wird Nordau's 70. Geburtstag. Wir sind?, gewöhnt, das Doppelgestirn Herzl-Nordau am Horizont der zionistischen Bewegung gleichsam mit einem Blick zu. schauen. Wir pflegen, .beide nrir eil:,ein Atemzug:zu nennen. Es. macht-beinahe den' Eindruck, als. oh hoKls-

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