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Neue jüdische Presse · 1919-07-11 · Heft 27 (11.7.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 27 (11.7.1919)
Date
1919-07-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FrankfurterZsraelitisches Familienblati iiiiniimiimiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiinntmnimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimn; I Erscheint wöchentlich am Freilag. Lerggspreis pro Viertel- : l jabr. In Frankfurt a.M. Mk.1.SSftei ins Haus. Lei der Post : : abonniert 2W.-1.80, frei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Le! : : Zusendung durch Streifband für Deutschland und E>^erreich-!lngarn : : Mk. 2.25, für alle übrigen Länder Mk.2.50. Einzelnummer 20pfg. : ,»,»»».»»,„ ■mmiiinminmiimimi: Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis j Insertionspreis für die fechsgespaltene Petitzeile 70 pfg., für j \ die Reklamezeile Mk.2.—. Lei Wiedecholungen entsprechender : : Rabatt./ plah- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit./ : : Annoncen-Annahme bei der Exped.und kn «.Annoncen-Äureaus. : : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Rr. 4804. : rmi».....,»»..,»...,,»»».,.,...................................... 17. Jahrgang. Freitag, den IS. ^rmru8 L67S (11. Jnli ISIS» Rr: 27. Vom indische» Palästina. Die politischen Entscheidungen über die Grundlagen des jüdischen Gemeinwesens in Palästina sind im wesentlichen gefallen. Die Grenzen des Landes sind nach den Wünschen der Führer, die die Aufgaben des jüdischen Volkes auf der Friedenskonferenz darzulegen und zu vertreten hatten, festgesetzt ivorden. Sie erstrecken sich wieder von den Grenzen Syriens bis zu denen Egyptens, vom Meer über den Jordan. Das ganze Gebiet des alten Staates, all das Gebiet, in dem das jüdische Volk in der Blütezeit seiner Geschichte in Massen angesiedelt war, staatliche Kraft gewann, sein geistiges Leben zur Blüte brachte, soll wieder diesem neuerstandenen Volk dienen. Die Bodengrundlage ist weit genug, um die Entfaltung größter Bvlksmassen zu Ermöglichen, ist reich genug, Tragkraft für neuen Wohlstand des Volks zu bieten, ist mit allen Gegenden der Welt so verbunden, daß der Zusammenhang des neuen Volkskerns Mit den Millionen der Diaspora ei» leichter, freier und offener sein kann. Ein reiches Stück der Meeresküste Asiens wird uns zur Verfügung gestellt werden. Sein Ausbau wird eine der ersten Aufgaben des Gemeimvesens sein. Das Meer soll die neuen Massen der Einwanderer herantragen, in den Hafenstädten iverden sich die Organisations- und Berteilungszentralcil für die Besiedelung bilden. Von ihnen aus werden wie ein Netz alle die Verkehrsmittel ausstrahlen, die jede Siedlung, jedes Gehöft an den großen Strom des Verkehrs anschließen sollen, der diese Küste verbinden wird mit den Ländern der Welt. , Das Land wird rings umgeben sein von den großen Flächen der arabischen Siedlung. Ringsunl werden sich weite Länder aüsdchnen, deren kulturelle Entwicklung für viele Jahrzehnte noch auf primitiver Grundlage beruhen wird, deren Wirtschaft, Verkehr und 'Geist der alle,^ der wenig entwickelten Bauernmassen des vorderen Orients sein wird. In diese orientalischen Ländermasscn schiebt sich ein Gemeinwesen, das mit der Entwicklung der europäischen Kultur aufs Engste verknüpft ist, ein Zentrum geistiger und sozialer Weltcntwicklung. Es ist selbstverständlich,, daß die Rechtsgrundlage dieses Gemeinwesens sich von der der umliegenden Länder aufs Wesentlichste unterscheiden Ivird. Mögen diese Länder der Verfassung nach selbständige, Halbsouveräne, oder den Kolonien gleichgestellte unselbständige Staatsgebilde werden, ihr staatliches Wesen ipirb immer in völliger Abhängigkeit von brächten stehen, die mit. denr Geist der Bevölkerung nichts zu tun haben. Die Masse der Bewohner wird und kann an den Einrichtungen des Staates nicht Anteil nehmen. Sie wird das Objekt von Interessen und Gegensätzen, sein, die auf Grundlagen beruhen, die ihren eigenen Interessen, ihrer geistigen Veranlagung, ihren sozialen Verhältnissen, all dem, was sie nach ihrem Wesen für die Entwicklung ihrer Landesverfassung verlangen müßten, fern stehen. Dem Wesen nach werden diese Länder reine Kolonialländer sein, mögen sie rechtlich genannt werden 'wie sie wollen. Für Palästina dürfen wir mehr erwarten. Die gei-!iige Arbeit, die seit Jahrzehnten auf die Gestaltung der neuen Rechtsgrundlage des jüdischen Volks in Palästina ^'verwendet'worden ist; ist nicht umsonst gewesen Tie anßerordenÜiche - Kraft, die die Juden der Welt bei der Förderung der Kulturentwicklung aller Völker gezeigt haben, die sie mit der stärksten Blüte von Geist und Wirtschaft. allerNationenverbindet, wird auch das neue Gemeinwesen trägen. Es; ist^ unmöglichdaß man die Siedler des neueri Gemeinwesens behandeln >vird wie Einwohner der Kolonialländer. Ihre Interesse^ werden für die Gestaltung der Staatsgrundlagen niaßgcbend sein müssen. Ihr Wille wird so stark sein, ivird jo selbständigen, bewußten, lauten Ausdruck finden, wird so viel Widerhall in der ganzen Welt wachrufen, daß er sich durchsetzen muß. Ihr Geist muß der Geist sein, der das Gemeinwesen lenkt. Die überlegene geistige Kraft, das höhere, krilturelle Anrecht unseres Volks auf Palästina sind so stark, daß sie mächtiger sind als die rein zahlenmäßigen Verhältnisse, daß diese Minderheit von Juden heute schon das Recht verlangt, vor dem Gewissen der Welt, laut und -mit der Zustimmung der fortschrittlichen Führer aller Völker, daß das Land nach ihren Interessen, nach ihren Aiisfassungen vom Staat und von der Gesellschaft, nach ihrem Knltnrideal eingerichtet werden soll. Diese Minderheit reißt schon heute über die Köpfe der Mehrheit hinweg d,c Führung an sich. Sie ivird zur Mehrheit werden. Dort wird kein Kolonialland sein, vielmehr die vom Selbstbestimmungsrecht der neuen Siedler getragene Gemeinschaft. Schon zi> Beginn der Siedlung zeigt sich die Durchsetzung der maßgebenden Verwaltungsstellen mit jüdischen Persönlichkeiten. Schon zu Beginn ist die jüdische Sprache, das Hebräische, gleichberechtigt neben das Englische und Arabische getreten. Schon zu Beginn ist festgelegt worden, -daß der/Leitsatz des neuen Gemeinwesens sein muß, die Aufgaben der jüdischen nationalen Siedlung durchzuführen, dem jüdischen Volk die nationale -Heimstätte zu bieten. Daß dieser Leitsaff' in das Gewissen der Welt gedrungen ist, daß er sich zum politischen Programm der herrschenden Völker unseres Erdballs verdichten konnte, daß er zur festen völkerrechtlichen Grundlage für die Entscheidung über das Schicksal des-Landes geworden ist, verbürgt, daß die Entwicklung sich deni Willen der jüdischen Gemeinschaft anschmiegen wird. Die politischen Aussichten für das Gemeinwesen beruhen also aus sicherer Grundlage. Der Erfolg der Siedlung unterliegt keinen Bedenken, soweit die äußeren Umstände, die Gesinnung und der Wille der Volkeren Betracht kommen. Tie Entscheidung ruht deshalb beim jüdischen Volke. Au uns liegt es, -den Erfolg' nunmehr auch zu verloirklichen. An uns liegt es, Siedler zu stellen, die nach Körper und Geist geeignet Isind, die Pioniere des neuen Gemeinwesens zu iverden, die die außerordentlichen Mühen und - Gefahren der Vorbereitung des Landes willig aus sich nehmen und ihre Beharrlichkeit mit der schärfsten Anspannung der Erreichung auch schwieriger Ziele widme» werden, deren Geist von so einheitlichem Volkswillen getragen ist,' daß das jüdische Volk als ein fester Block erscheinen wird, dessen Wucht die Hinder- -nisse der Siedlung unwiderstehlich zur Seite drängt. Seit je sind wir in viele Länder zerstreut, in Gruppen und Parteien zerrissen, im Innern selbst von dem alten Widerspruch des jüdischen Menschen zerfurcht. Wir niüsjen all dies Trennende für die Aufgaben der Siedluikg. vernichten. Wir müssen unter einheitlicher Leitung, in einheitlichem Wesen, in der stärksten Geschlossenheit dein Plan folgen, der uns alle einheitlich führen soll. Wer sich absondert, wer die einheitliche Willensbildung zersplittert, der lähmt den Schwung im entscheidenden Punkt. Er zerreißt die Geschlossenheit, die allein über so viele Widersprüche .uttb Widerstände hinwegführen kann. Es ist kein Zweifel, daß die Leitung der Bewegung, die Sammlung der Auswanderer, ihre.Ueberführung und Verteilung, die Vertretung der jüdiHen Interessen gegenüber den Völkern, gegenüber dem Mandatarstaat und gegenüber den Organisationen, die überall in der Welt an dem Aufbau Palästinas Mitwirken wollen, in der Hand der zionistischen Organisation zusammengefaßt Iverden muß Wir haben in unserer Nummer vom 16. Mai ausgeführt, daß der Zionismus überall in der Welt als die Bewegung anerkannt ist, die das Streben des jüdischen Volks nach seiner nationalen Heimstätte, nach der Erneuerung nationaler jüdischer Kultur und Wirtschaft in der alten Heimat verwirklicht. An die Stelle dieser Organisation, neben sie, kann sich keine andere stellen. Verwirrung und Hinderung würden die Folgen sein. Es wäre deshalb im höchsten Maße bedauerlich, wenn. Teile des jüdischen Volks, deren lebendiges Interesse an der Entwicklung der jüdischen Siedlung ebenso stark ist wie das der in der zionistischen Organisation zußimmengeschlossenen, wenn die jüdische Orthodoxie sich absondern und versuchen wollte, aus Sonderwegcn sich der.Durchsetzung der nationalen Pläne zu nähern. Gerade jetzt gilt es, die Stoßkraft der nationalen Bewegung durch die schärfste Disziplin zu unterstützen und sich deni nationalen Gedanken in der Form zu unterwerfen, in der er unter den heutigen politischen Verhältnissen zum Erfolg gelangt ist. Nach der Einrichtung der Siedlung wird es jeder Bewegung freistehen, zu versuchen, den Geist der Siedlung in die Bahnen zu lenken, die sie als die dem Wesen dcS Judentums entsprechenden ansieht. Die Arbeiten zur Vorbereitung und Durchführung verlangen Aufgabe der Einzelpläne, Entsagung und llnterordnung. > H. E. RentraMSt. Anschließend an die Tagung des VerbanSes der jüdischen Jugendvereine, halten wir eS für zweckmäßig, in unserem Blatte den Begriff „Neutralität" zu behandeln. Wir beginnen daher heute mit den nachstehenden Ausführungen: An.und für sich ist jede Plattform,' die uns Juden als eine Einheit zusammcnfaßt, begrüßenswert, denn sie bedeutet eine Wehr gegen die an' unserem Hesamtheitskörper zehrenden Auflösungstendcnzen. Aus diesem Grunde stehen wir auch Bestrebungen, die.Jugend aus den verschiedenen jüdischen Lagern auf ein allen gemeinsames jüdisches Programm! zu einen, im Prinzip wohlwollend gegenüber. — Tie Frage ist nur dis, ob sich ein solches Programm aufstellen läßt. Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands glaubt das Problem gelöst zu haben, indem er von den ihm angeschlossenen Vereinen verlangt, daß sie „keine bestimmte politische oder religiöse Richtung verfolgen", vielmehr „unter unbedingter Wahrung der Neutralität die Pflege bewußten Judentums, der reinsten Grundsätze, des Patriotismus imd Einfluß auf die sittliche Führung und aus die geistige Fortbildung ihrer Mitglieder durch die Vermittlung jüdischer und deutscher. Kulturwerte" erstreben. Mit dieser grundlegenden Bestimmung Hai der Verband jene Form der Neutralität ausgeschlossen. Sie allen geistigjüdischen Strömungen innerhalb seines Rahmens in wohlwollender Neutralität freie Entwicklung wid ein gegenseitiges Auseinändersetzen gewähren würde. Er hall es für richtiger, wenn die herangewachsene Jugenp. noch nicht an dem jüdischen Parteileben teilnimmt, sonderst durch Vertiefen in die Gedankenwelt des Judentums und durch erzieherische Beeinflussung erst fähig gemacht wiry, später mit Verständnis und unter Bildung eines eigenen Urteils den Fragen des jüdischen Lebens gegenüber^ zustehen. -

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