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Neue jüdische Presse · 1919-06-27 · Heft 25 (27.6.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 25 (27.6.1919)
Date
1919-06-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»üiiiiiiifniirtirtnniHiiiiiiiirti/iiiiiinliiinTimiVrriiriiiiiiiiiiiiriiiJ; | Erscheint wöchentlich am Freitag. Äezugspreis pro Äiertel- : : jabr-. In Frankfurt a.M. Mk.1.80 stei ins Haus. Lei der Post; : abonniert Mk.ck.so,stei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr./Sei : : Zusendung durlyvm>svanosurL-euricyianollnv»iierre,cy'Ungarn - : iMk. 2.25, für alle übrigen Länder IÖft.2.50. ©n jetriümmSr 20pfg. t Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Sftiit Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis .i»irirrriiii>iiii»rrri>iii>iNiiiiirUririi>r»iiiiiniiii«ii>>»«iniii»»»w : Insertionspreis für die fechsgespaltene petitzeste70 psg., ftst : die Rellamezeile Mk.L.—. Bei Wiederholungen entsWchMek : Rabatt. / Platz- und Datum-Dorschrist ohne Verbindlichkeit. / : Annoncen-Ännahme bei der ©ped.und in «.Annomen-Sureauck. : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Jkr. 48SM 17. Jahrgang. FreitagMe» 29. 81^nu 5679 (27. Juni ISIS) Rr. 2S. Der vierte Delegiertentag des Verbandes der jüd. Jügendvereine Deutschlands. (15. u. 16. Juni 1919). Ein Stimmungsbild. „Zwei Seelen" waren es, die in den heißen Kämpfen . - Delegiertentages der Jugendpereine zum oft sehr scharfen Ausdruck kamen, und doch — „ein Gedanke", der starke Wille zur/Einigkeit, zur Versöhnung, behielt die Oberhand, und schwebten wir länge „zwischen Furcht und Hoffnung", so konnten wir mit der Genugtuung von einander, scheiden, daß das tiefere Bewußtsein von der Möglichkeit einer einheitlich geschlossenen Judenheit in Deutschland nicht' etwa nur in ^der Heranwachsenden, ..schnell fertigen", nein auch^ in der gereifteren Jugend Wurzel geschlagen, hat und uns zu der Hoffnung auf bessere Zeiten berechtigt. Denn das sei dm Zweiflern vorweg gesagte von der Wichtigkeit und Schtvierigkeit der bevorstehenden Entschlüsse überzeugt, hatten fast alle dkm Verband angeschlossenen Vereine ihre ältesten Mitglieder imch Berlin entsandt, — so bot die Versammlung, rein äußerlich betrachtet, ein eigenartiges Bild: Rabbiner, Lehrer, Rechtsanwälte und Aerzte beherrschten die Beratungen; die Jungen überließen den Äelheren, Erfahreneren willig die Führung. In diesem äußeren Moment liegt aber unseres Erachtens auch der Hauptfüktür für die Bewertung der Beschlüsse des Berbandstages M Hinblick auf die EntlvickluNg der jüdischen Angelegenheiten iN unserem gärenden und brodelnden Vaterland. Den eigentlichen Verhandlungen ging eine einfache, stimmungsvolle Trauerfeier zu Ehren der gefallenen BerbÄndsüiitglieder voraus. Rabbiner Dt. Rieger- Braunschweig wußte in gehobener Sprache den rechtjen Ton für unsere inzwischen abgeklärte Trauer zu finden: .weniger der herbe Schmerz, die Klage um die Toten, ÄS der heilige Wille, in ihren Sputen zu wandeln, ihr mü jugeMicher Begeisterung begonnenes Werk zu vollenden, bildeten die Hauptmomente der durch weihevolle Klänge und Gesänge umrahmten. Gedächtnisrede: . So gerüstet Änd mit tiefer Wehmut darüber erfüllt, daß all ditzse Opfer. den Fall des BatdrkaNdes nicht hindern konnten, galt die erste Entschließung dem festen Willen der jüdischen Jugend Deutschlaiws, an vesti DiederänfbaÄ des zLrtrüiümerten tzeimatländes tätig mitzuhelfen. Der nun folgende „Geschäftsbericht" des Vor- - sitzenden, Dr. Alfred Apfel, war mehr eine Auseinandersetzung mit den Tagesfragen im jüdischen Partei- Eben und gält vor. allem, nachdem der Vorsitzende selbst.eine beantragte Aenderung de» § 1 der Verbandssatzungen („bewußtes Judentum auf dem Boden deutsch-vaterländischer Gesinnung" Äs ZU des Berbändtzs fordernd), fallen . gelassen, der Einfügung 'eines neuen Paragraphen 2, der in den StatÄen die bisher darin fehlenden positibdn AufKlbe» des Verbandes nmurtem War man nun 'chiich ohM 'MiMes Mit den Zielen: Pflege bewußim ' JüoenttlMs, Einfluß äüf die sittliche Führung und auf ] d'iegeistige Fortbildung der Mitglieder, körperliche. Er- . tüchtigüng — einverstanden, so entspann sich doch eiN KttWd, Streit über die »Pflege vaterländischer Gesiuiumg". Nicht als ob auch nur einer diese Forderung -^MüKekhs>«8n^.h8r^g8gM.-sich.die Früchte der während ÄlMigen -riegesygasührten.Umtriebe ein« gmnssen »HerM pvlÄsHrn LebdNj hje-zP fettig ge^ bbÜHl haben, rin fb heiliger Begriff, Me rS die Liebe zum- Vaterland ist, verzerrt und daß die Betonung dieses Gedankens falsch ausgelegt werden kann. Gewiß spielten noch andere Gesichtspunkte, insbesondere die größere oder mindere Neigung zu zionistischen Gedankengängen, in den Stteit der Meinungen, gewiß hielt rin großer Teil oer Delegierten die Forderung der Pflege „deutschväterläftdischer Gesinnung" oder „staatsbürgerlicher Treue" für eine moralische Selbstverständlichkeit, die nicht besonders hervorzuheben sei, .gewiß witterten wieder an-- dere hinter diesem Postulat die Einflüsse des „Zentralverems", trütz alledem — einig mar Man in eben der schon von den Propheten empfohlenen und seitdem in das Wesen des Exiljudentums übergegangenen Treue zur sreudigen Erfüllung der Pflichten gegenüber dem Vaterlande, und so bedurfte es nur der Wahl ches richtigen Wortes, um die hochauf brausenden Wogen des Kampfes zu glätten, uni mit Einmütigkeit sich wieder um das Banner des Verbandes zu scharen: gegen eine verschwindende Minderheit nahm nach fast zehnstündiger Debatte die Versammlung mit freudiger Begeisterung den § 2 an, der in seinen Eingangsworten nunmehr die Fassung erhielt: „Die Berbandsvereine erstreben unter unbedingter Wahrung der Neutralität die Pflege bewußten Judentums/der reinsten Grundsätze des Patriotismus usw." — In der Debatte spielte natürlich auch der z. Z. die jüdische Oesfentlichkeit bewegende Kongreßgssdanke eine wichtige Rolle. Der Verband steht darin etwa auf dem Standpunkte des Centralvereins, fordert allerdings ausdrücklich, daß ausländischen Juden das Wahlrecht in Möglichst weitem Mätze gewährt werde. — Wi: so oft im täglichen Leben, erschien der Berbandsgedanke Nach diesen krisenhaften Stunden am nächsten Morgen neu gestärkt und gefestigt — froh und einig ging Man an die gemeinsame positive Arbeit, die schon in den 'Themen: „Dile FördernNg des rekigiüsen Sinnes in der jüdischen Jugend" und „Mischehe, sexualethische Forderungen, Frühehe und soziale Umschichtung der jüdischen Jugend Deutschlands" ihren starken Ausdruck fand. Weihestimmung lag über der Versammlung während der zu ei wem Vortrag über diese beiden Themen vereinigten, gedankenschweren und formvollendeten Ausführungen unseres verdienten ,Möntesiore"-Borsitzenden, Dr. med. G.ustavLöffler. »Religion ist der Jubel unserer Seele, ihr Heim-, verlangen zu ihrem göttlichen Vater. Jüdisch-religiös sein heißt, sich als einen Enkel jenes ersten größten Gotteskämpfers (Zisroel) fühlen und betätigen . . . Unser Judentum sei Ausgang und MüNduNg alt unseres Fühlens, Denkens und Schaffens . . . Reinheit der Lebensführung ist moralisches Gesetz, sittliches Gebot, soziale Umschichtung die Voraussetzung für Frühehe «Nd -Reform, der Sexualethik" und all dieses die hohen Ziele der jüdischen Jugendvereine zum Segen der Judenheit und des Judentums. .Mit tiefem Interesse urck» warmem Verständnis fiügte man den von .Heiden kommenden Worten des b'eliebten Redners, des Freundes der Jugend, dies'treuen Inden, des eifrigen - Sexuichethikers. Seine Leitsätze fänden den ungeteilten 'Beifall der Versammlung. Ans gleicher Höhe, bewegte sich das schwungvolle Referat des - Rabbiners Dr. L a ftfg e - Essen über die „Bekämpfung des Antisemitismus", der trotz des Mneinsämeu Schützengrabens und trotz gemeinsamer Not uns mehr als je bxdrohb- Keine; bessere. Hilfe Äs Selbsthilfe-' kein kräftigeres Bewußtsein als Selbstbewußt-- sein, Uüe bdsstve W^b äls RüPmg Mr Äbwehi l ' — das' waren die Folgerungen des Redners ans stinen leider nur zu wahren, düsteren Schilderungen der läge. — Und wollten auch während der nun folgende» Revision der Verbandssatzungen, die Kämpfe des erste» Tages wieder aufflackern — die Hitze der Jugend schic» auch in ihren schon ergrauenden Vorkämpfern nicht et^-,:Vj' loschen —, immer wieder trat das einigende Momerch r» den Vordergrund, das am stärksten'in der einstimmige» e "-f, Wiederwahl des seit 10 Jahren an der Spitze des banües stehenden, viel bekämpften und doch allseits' als ungemein tüchtigen Führers unk» Berhandlungsleiters' '-y^f anerkannten -Dr. Alfried Apfel zum Ausdruck Jn dem neugewählten Vorstand sind alle SchattiernvgvL und Richtungen vertreten. In letzter Stunde wurde einmütig noch die folgMdey/.^M Entschließung gegen Fahnenflüchtige des Judentums genommen: - „Die jüdische Jugend Deutschlands gibt aus ihrer» vierten Delegjertentag ihrer tiefsten Empörung Aus- - druck gegen die namentlich in letzter Zeit in schmählicher Weise wieder zunehmenden Taufen, bezw. Austritte dem Judentum . . . Sie. ruft alle Juden und JüdinmÄ. irf auf, in stolzer Liebe der Größe jüdischer Vergangen» -A heit eingedenk zu sein und treu bei den -ewigen Mensche, IR heitsidealen des Judentums in unauslöschlicher Liebe--'H auszuhÄten."- Man mag über die Notwendigkeit von Parkes'' organisationen auch schon für die Heranwachsende Jützenddenken, wie man will, eines ist sicher: eine SSnd» an der JiPend begeht, wer Haß und Streit schon zir ihrem Lebensinhalt machen, wer schon sie das politische und jüdische Leben nur durch die ParteKrklka sehen lassen will. Der neuttÄe Jugendveoein sollte die einigende Plattform für alle Richtungen, zum minde^vä. sür die Jugendpflege im wetteren Sinne sein und bleiben^... // um so der Zerklüftung im Judentum die Möglichkeit: ’ . i weiterer Ausdehnung zu nehmen und dem Einheüs/. gedanken eine Pflegestätte zu begctten. „Nichts keichttr./ Äs einseittg zu sein" sagt Moritz Lazarus — 'wir' /D aber schieden von dem 4. Dclegiertentag mtt dem danken des K'lal Jisroel und dem deutschen DichM- ''' ivort: „Wir wollen sein ein eitrig Volk von Brüdern^ in keiner Not uns trennen und Gefahr!" I. >B. 2. Anmerkung der Redaktion. - ' Die Versammlung hatte den ganzen ersten Tag — iDr.-'AH es waren nur zwei Tage — der Debatte widmen 1«!®,,!.--« ob auch der Verband der Jugendvereine der MarWrmDp-,'- rW des Zentralvereins folgen und deutschvaterländische AD-s Jjggj gaben zu einem besonderen Programmpunkte ausgestÄWd-r-' rH sslle. Hätte die Tagung diese Forderung zu der chriMr macht, dann hätte sich der Verband getrost mit dem vom Zentralverein gegründeten, jegliches, jüdisches DoWkum bs» 2 kämpfenden Organisation „Die Kameraden vereirngeir 8«^ neu. Glücklicherweise hat die Versammlung dies nicht getach., Dagegen scheint uns die Frage noch lange mcht. W»^ klärt, in welchem Rahmen auf neutralem Boden ein sches- Programm ausgeführt werden kann. Jedenfalls Wmt8«C kwir uns nur ein jüdisches Erziehungsprogramm das bewußt auf der Basis des Tradittonsjudentums Wirt werden noch Gelegenheit nehmen, den ge^WkMsW behandeln. -. Fragenkomplex zu Die' Delegierteutagu«s -es Vertz die jüd. JugeAdvereirre Devtsl^ : Bon Albert ffcnftnam. Berlin, -»ci ' Der Verband der jüdischen JugendvereinDDe hielt, am -14 und 16. Junr seine vierte Dekl in Btrlin ab. Die Tagung bewies, da^die.^ .. gewillt ist, di: Neutralität aufju^e^em

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