Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 24 (20.6.1919)
- Date
- 1919-06-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24. Seite 4. , Neue Jüdische Presse. tion an Momenten ausgesprochen banditenhasten Charakters reich ist. Der Bolschewismus ist nicht' das Werk einer jüdischen Clique, obgleich unter-seinen'Führern eine erhebliche Anzahl von Juden vertreten sind." Kurze politische Nachrichten. Londill. „Manchester Guardian" schreibt in einem Ausrufe über den bekannten Palästinapionier Agronom Aronsohn: „Allenby verdankt Aronsohn den letzten endgültigen Sieg, da er es war, der Quellwasser für das engKsche Heer auf der Sinai-Halbinsel entdeckte." Sowno Jnrolge Ernennung des Gelehrten Dr. Max Soloweitfchik, eines Zionisten, zum Minister für jüdische Angelegenheiten sitzen vier Juden in der Regierung Litauens, nämlich überdies noch: Dr. Rach - milewitsch (Handel«, Dr. Deutichländer (jüdilcheS Schulwesen) und Rechtsanwalt R o s e n b a n m (Aeußeres). Aus -er „Agudas Jisroei"-Beweg«ug. »1« »euer Gruppeuperbaud. Der Verein Sinai in Prag hatte auf den 29. Mai eine'Konferenz zwecks Gründung eines Gruppenverbandes der Agudas Jisroel einberusen. Die Tagung faßte folgende Beschlüsse: Es müssen j, überall Vereine gegründet werden, welche alle Konser- > - vativgesinnten der größeren Orte und verstreuten Einzelnen; der Umgebung vereinigen. Gleichzeitig mit der Aufnahme f aller Gesetz es treuen ist alles orthodox geführte Rituale: f. Synagogen, Schulen, Mikwoth, zu registrieren, ferner orthodoxe Rabbiner, Schächter und Thoraschreiber. Eine Vermittlung für sabbatfreie Stellen soll geschaffen werden.; Es sind überall Schiurim, womöglich^ regelmäßige Frauens Vorträge 'abzuhalten. Schochtim der kleinen Orte sind zur j.’- Auffrischung ihrer Kenntnisse in größere Gemeinden zu senden. Die jungen Leute sind für 4—6 Monate in grö-? Here Jeschibot zu schicken. Die Kosten trägt der Sinai. Die Propaganda ist durch Reisen' der Prager bewährten Mitglieder in die Provinz zu unterstützen. Sofort nach energischer Durchführung dieser Maßnahmen soll der Anschluß an die Agudas Jisroel als Gruppenverband vorgenommen werden. Perfouulie» «. Uetue Wttteiluuge». Berlin. Am 4. Juni beging G>h. Justizrat Oscar Cassel seinen siebzigsten Geburtstag. Bon politischen Organisationen gratulierte die deutschdemokr. Fraktion der preuß. Landesversammlung durch eine Abordnung, geführt durch Staatsminister Oeser, Ober», bürgermeister Dominicas und Rektor Kopsch. Die Strckt Berlin war durch Oberbürgermeister Wermuth, Mitglieder des Magistrats und Stadtverordnetenvorsteher Hermann und Dr. Wetzl vertreten. Oberbürgermeister Wermuth verkündete in einer herzlichen Ansprache, in der er die ein Menschenalter währende Tätigkeit des Jubilars .in der Berliner Verwaltung hervorhob, daß Magistrat und Stadtverordnetenversammlung die Errichtung einer Oscar Cassel-Stiftung im Betrage von 25 000 M beschlossen habe, aus der ein oder mehrere aus der Volksschule durch die Hochbegabtenschule gegangenen Schülern, die das juristische Studium ergreifen, während der Studien- und Referendarzeit Stipendien gewährt werden sollen. Diese Auszeichnung ist mit Rücksicht darauf gewählt tvorden, daß Cassel der Urheber der Errichtung der Hochbegabtenschnle und zwecks'threr Errichtung aufs wirkungsvoWe im Abgeordnetenhaus und in der Stadtverordnetenversammlung tätig gewesen ist. H e i m a n n gratulierte ', für die Stadtverordnetenversammlung und die sozialdemokratische Fraktion, Dr. Wehl für die Fraktion der unabhängigen soziackemokratischen Partei, hervorhebend, daß Geheimrat Cassel in der Zeit,'in der die Sozialdemokraten nur eine Minderheit in der Stadtverordnetenversammlung - gebildet hatten, sich für die Erfüllung sozialer Forderungen erfolgreich bemüht hat. _ Für politische Vereinigungen sprachen ferner Bankdirektor Mommsen und Pfarrer Koch. Für jüd. Organisationen sprach Justizrat Makower im Aufträge - des Verbandes der deutschen Juden, dessen Vorsitzender der Jubilar ist und Dr. Nathan im Aufträge des Hilfs- - Vereins der deutschen Juden. Krautfurrer Berichte. Ein Wanvergruppenfeft tm Verein Montefiore. Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Wandergruppe des „Montefiore" ein WandergruppÄlfest in den Räumen und im Garten des Vereins. Martin Marx, det Vorsitzende der Wandergruppe, begrüßte die 'Gäste. Dann sprach Frl. Else F a b e r einen von L- Bodlaender verfaßten Prolog. S. Selig brachte-mit der Begleitung von Frl. Lind zwei Violinsoli zu Gehör. Sodann sang' Frl. Margot Lebrecht die Arie aus „Das Glöckchen des Eremiten" und trug L. Bodlaender eigene Dichtungen, Frl. Hede Salomo n Lieder zur Laute vor. Die sogenannte „Schrammelkapelle", die sich aus Sulzbacher und Marx (Guttaren), Müuz und Kahn (Mandolinen) und Selig (Biokne) zusammensetzte, spielte einen schneckigen Marsch und Wanderlieder. Drei Lieder, von Bodlaender eigens zum Wandergruppenfest gewidmet» wurden von allen Anwesenden gesungen. In der Panse hatten die Gäste Gelegenheit den herrlichen Garten zu besichtigen, in dem auch verschiedene Kunstgenüsse geboten wurden. Die Stimmung wuchs immer mehr und erreichte schließlich ihren Höhepunkt in dem von H e in z David einstudierten und von Hans Adler, Marx, Jda Strauß und Frl. Stoffel gespielten Theaterstück („Durch den Kaufmännischen Verein" von Friedrich Stoltze). _Gesellschaftsspiele im Garten und gut arrangierte Tänze brächten reichste Abwechslung, erhöhten die gute Laune und trugen noch ein Uebriges zu dem reichhaltigen Programm bei. H. B—o. Kleine Notizen. Der „Israelit. Brotverteilungsverein" (Bors.: Emil Isaak) vereinnahmte 1918 Mk. 8797 an Beiträgen und Geschenken (1917: Mk. 6437) und verausgabte für Lebensmittel Mk. 7853 (1917: Mk. 6317). — Der ,Ostjüd. Jugendverein" ist in den „Bund Ostjüd. Vereine" ausgenommen worden. Der „Jüd. Turnverein" veranstaltete vor kurzem ein Schauturnen. Es war ein herzerfreuender Anblick, nach dem Takte der Musik selbst die jüngsten Abc-Schützen ihren Körper in den Dienst straffer Selbstmeisterung unterstellen zu sehen. — Die »Bereinigung ehem. Primaner 1917/18 der Realschule der Jsr. Religionsges." veranstaltete in der Frankfurt-Loge ein großzügig angelegtes Wohltätigkeitsfest. Außer den Liedervorträgen des Opernsängers Hans Erl und des Fräuleins Else Trauner wurden sämtliche Darbietungen von den ehemaligen Primanern beiorgl. Es nn.p > eiayt werden, daß alles — Musikstücke, Theaterstücke, Tänze — auf künstlerischer Höhe stand. — Im Verlag der Buchdruckerei, David Draller, Allerheiligenstraße 40, ist ein recht zweckmäßiger „W a n d - kalender für das Jahr 5680" erschienen. Neuerdings hat der Talmud Thora -Verein noch einige weitere Schiurim eingerichtet, sodaß diese jetzt täglich ' im Hörsaal der Synagoge Börneplatz und Hermesweg stattfinden (siehe auch Frankfurter Veranstaltungen). Frankfurter Veranstaltungen, Ag. Jisr.- Jugendgruppe, Sonntag. 7*A Itfjr vorm-, Schauspielhaus: Ausflug nach Schmitten; Mittwoch, 83A Uhr abends, Seilerstr. 22: Wiederherstellung (Rabb. Dr. Klein, Nürnberg), 8Vs Uhr abends, Tiergarten 8: Beginn des Turnkursus (f. .Herren). — Ostjüd. Jugendverein, 61/» Uhr, Stadthalle: WaL, will der Ostjüd. Jugrndverein? (Jakob Herzberg). — Verein. Mekor Chajim, Samstag, 4%: Mikro (I- Sänger); 83A: Midrasch (Kantor Steinberger. — Verein Tiferes Bachurim, Sonntag» 2 Uhr, Schauspielhaus: Ausflug Saalburg. Verein Montefiore. Samstag, 43A: gemütliche Zusammenkunft; Sonntag, 2Vs, Hessendenkmal: Wanderung Bergen; Montag, 8y<>: Vortrag über Helmut Garringer. Talmud Thora-Verein, Hörsaal Börneplatz- Synagoge, Samstag. 3%: Raschi (Dr. Nobel); Sonntag, nach Schluß des Morgengottesdienstes: Mischnah (Dr. Friedemann), 9 Uhr vorm: Schulchan Aruch (Lipinsky); Montag, 83A abeicks: Josuah (Unna); Dienstag, 8*4 abends: Chauwaus ha' lewowaus (Dr. Braun); Mittwoch nach Schluß des Morgengottesdienstes: Mischna (Dr- Friede, mann); Donnerstag, 7Vabends. Herinesweg 4: Gemoro (Unna)" Literarische Ruudscha«. Ch. N. Bjulik „Nach! dem Pogrom" (aus dem tebräischen von Abraham Schwadron). Wien, R. Löwit erlag. Angesichts der Pogrome in Kischinew und Homel (1903) schrieb B;alik diese zerschmetternden Berse. Zerrisse» von allem, was er sehen mußte, geißelt er in harten Strophen all das Furchtbare, dessen Zeuge er war. Die ersten Gedichte sind als Auftakt für den Hauptteil zu betrachten und nicht nur äußerlich, sondern auch der dichterischen Fiktion nach vor ihm geschrieben. Sie bedeuten die Verzweiflung an Gott, die Wehrlosigkeit der Opfer, deren Blut.pogelfrei ist und in Ewigkeit nicht verwischt werden wird. Hier genügt nicht menschliche Rache, der Ermordeten Blut wird die Tiefen der Erde zerfressen und eine Weltrache nehmen. Da ergeht an den Dichter göttlicher Befehl, durch die Stadt des Mordens zu ziehen. Die Natur ist im Frühling erwacht, aber die Akazienblüten riechen wie Blut. Und nichtssagend wischt der Regen das Blut der Erschlageneu fort. . „Aber morgen kommt Regen, spült alles in's Bächlein daneben, und nicht mehr wird schreien das Blut aus Gasse und Kehricht, denn im unendlichen Abgrund wird sich's verlieren oder ein 'Dorngebüsch! bis zur Sättigung tränken." Es folgt die Selbstankkage Gottes, der sein Unvermögen bekennt und zu dem das Gebet der Geretteten aufsteigt. In den Ställen und fürchterlichen Verstecken zeigt er die Erschlagenen, welche die Heiligung des göttlichen Namens vollbrachten. Aber der göttlichen Weisheit ist der Sinn des Mordens verschlossen, und sie überträgt die göttliche Pein dem Dichter, daß er mit ihr das Volk befreie. Nicht soll eine Klage seinen Schmerz mildern dürfen, als ein „Leib ohne Klage" bleibe er in ewigen Geschlechtern bestehen. Die Berztveiflung und der passive Schmerzensausbruch haben das Volk der Kraft-und Wehrsamkeit beraubt. Mit dem Schiimpf seines Lebens versöhnt, würde es den Dichter nie begreifen. Denn sein Trost, Dichter, müßte ein tiefstes Aufwühlen seines Innersten sein, aber verloren sind diese Menschen - Scherben. Der frühe Morgen wird sie an den Türen der Reichlen finden, wie sie ihr Elend aussch-reicn. Und sie werden mit Stab und Bündelgetröstet werden, Symbolen weiterer Wanderschaft und Erdenpein. Nur des Dichters Aufschrei faßt das ganze Leid zusammen und schleudert es in die Welt. Me Uebersetzung und Herausgabe wurde von Abraham Schwadron besorgt. In einem kurzen Vorwort äußert er sich über die Art seiner Umdichtung und erwähnt die späteren Pogrome. H. W. Oifenbacher Druckluft-Anlage Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene Teppichreinigung mittelst Druclduft. Wocheu-Saleuder. Samstag, 21. Juni (23. Siwan). Sabbat-Anfang in Frankfurt 7 Uhr 55 (Gemeinde), 7 Uhr 50 (Religionsges.). " Sabbat-Ausgang in Frankfurt 9 Uhr 40 (Gemeinde), 9 Uhr 40 (Religionsges.). Wochenabschnitt: Schelach-Lecho. — Die Kundschaster, Speise- und Genußopfer. Der Sabbatentweiher. Parschas Zizzis. Rausch Chaudesch Tamus: Samstag, 28. und Sonntag, 29. Juni. Kraukfurter FaruUieuuachrichteu. Barmizwos. Gabriel Hackenbroch, Rotteckstr. 6, Synagoge Friedb. Anlage. Verlobte. 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