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Neue jüdische Presse · 1919-05-16 · Heft 19 (16.5.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 19 (16.5.1919)
Date
1919-05-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FrankfurterIswelitisches Familienblatt f Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel«; fafcr: 3n Frankfurt a.M.Mk.ck.SO frei ins Haus. Bei der Post : abonniert Mk.i.Sv,ftei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Bei : Zusendung durchStreifband fiirOeutschland unotbsterreich-Angam ■ Mk.2.2S,für alle übrigen LänderMk.2.S0.Einzelnummer 2vpfg. : Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 mmm Herausgeber : Sach Geis .mjiiniiuinHinu«muiunm>inmiiMtinn«iu«ii«um»iMiwmn. : Insertionspreis für die sechsgespaliene petiizeile70 pfg., für ■ | : die Aeklamezeile 3JÄ.2.—. Lei Wiederholungen entsprechender : : Rabatt. / Platz« und Dakum-Vorschrist ohne Verbindlichkeit. / : - : Annonren-Annahme bet der^ped.und in «.Annoncen-BureauS. : ' : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. ünter Jlr. 4664. j .... 17. Jahrgang. Freitag, Le» 16. Har 5679 (16. Mai ISIS) «r IS. f Die Durchsetzung des ziouist. Gedankens. «Das Recht des jüdischen Volkes auf selbständige Gestaltung seines Lebens ist heute zur Forderung nicht der jüdischen Masse, sondern auch aller der politischen und geistigen Mächte, die um die Herrschaft der Welt ringen, geworden. Am Ende der jahrelangen stSmpfe, die das Bild der Machtverterlung der Völker von^Grund ans änderten, steht dies Recht auf die selbständige Lebensgestaltung des jüdischen Volkes als eine .Forderung da, deren Berechtigung im Kreise der Außen- - «ickt fast eine Selbstverständlichkeit geworden ist, deren Durchführung aber die Kraft des Ideals, die Kraft der Hingabe, die Opserwilligkeit dcs^ jüdischen Volkes auf. die entscheidende Probe stellen wird. Schon seit etwa i Ve Jahren begann die Erkenntnis durchzudringen, daß das Recht des jüdischen Volkes verwirklicht werden müßte. Alle Großmächte erklärten/ Utk- Verlauf weniger Monate das grundsätzliche Aner- ^kenntnis des Rechts des jüdischen Volkes auf Palästina, seines Rechtes, sich dort eine nationale Heimstätte zu gründen, seine eigenen Geschicke dort in seine Hand zu nehmen. Mögen auch bei der damaligen deutschen Neuerung Hemmungen und Rücksichten besonders stark gewesen sein, so konnte sie sich doch dem Geist der Zeit so wenig entziehen, daß sie ihre Unterstützung sowohl für die Bestrebungen der Juden auf Errichtung Wes .Gemeinwesens in Palästina, als auch für ihre' Änderungen Lus kulturelle Autonomie in den Ländern der Massensiedelung in Aussicht stellen mußte. Tie Großmächte der Entente »varen von Rücksichten viel fteier. Ihre Weltverteilungsplane brauchten für Palästina nicht auf die alten Herrschastsrechte der Türkei Rücksicht zu nehmen. Sie-konnten vorbchaltslos jte btc Unterstützung der Forderungen des jüdischen Volkes eintreten. So erkannte die englische Regierung '4li» einer formellen Erklärung des Ministeriums des Aus- -^wärtigen das Recht des jüdischen Volkes auf Erichtung der nationalen Heimstätte PMstinw ü-'und sagte ausdrüAich die größten Anstrengungen zu, das Mische Volk zur Erreichung dieses Ziels zu unterstützen. In Amerika und Frankreich wurde von den führenden Politikern, von Wilson und D Pichon» das Recht der Juden auf nativ-- w »ate Heimstätte ebenscklls ausdrücklich gebilligt und die Zionistische Organisation als Trägerin dieses Rechts, .** Äs politische Vertretung des in seine Heimat zurück-? W tehEden jüdischen Volkes ausd'rüÄich anerkannt. Das Aeiche geschah in Italien.; 0i> war das Programm der Großmächte für die Durchführung dieser Idee das gleiche geworden. Tie 44 Jtäfitg der Welt waren auf das Programm des Zio- . 'i riSmus geeinigt. Tie Idee hatte aber weitere Tragkraft. Sie erfüllte «juch, d«t Geist gerade der Organisationdie die neue' ." form des Völkerlebens herbeizuführen trachtete, die den internationalen Zusammenhalt, die üLue Gemeinschaft - »r Bölker und der Menschen, die^neue Gesellschaftsord-/? »ung zu verwirklichen, trachtete und die auch durch den lmschwung der Geschchnisse in großen Teilen des alten Europas die tatsächliche politische Macht an sich riß.. / Lep Sozialismus , stellte sich offiziäl auf die Säte es? zionistischen Gedankens, des zionistischen Rechts. Ter Gedanke griff über die Reihen der Sozüüdemo-! catke auf führende Männer aller Parteirichtungen fiter, nb es kam zu nationalen Vereinigungen maßgeben--' er Staatsmänner, Politiker und Gelehrten, die ausdrücklich zu dem Zwecke gegründet waren, die Bestrebungen des jüdischen Volkes auf sein eigenes Leben in Palästina zur Durchführung zu bringen. Diese Bereinigungen wurden in mehreren Ländern gegründet. In Deutschland wird besonders das Programm und die in den Namen ihrer Leiter zum Ausdruck kommende Bedeutung der deutschen Bereinigung interessieren. Das in Deutschland gegründete „Deutsche Komitee zur Förderung der jüdischen Palästinasiedelung" erkannte ausdrücklich an, daß „das im Zionismus. verkörperte Streben nach unbehinderter und organischer Entfaltung nationaler jüdischer Kultur und Wirtschaft in der alten Heimat des jüdischen Volkes geeignet sei, aus dem verarmten Palästina ein blühendes Wirtschaftsgebiet zu machen, daß dieses aufblühende Palästina von Deutschland - gefördert,, die deutsche Oeffentlichkeit über die Bedeutung dieser Bestrebungen aufgeklärt werden muffe". Es wurde also das Streben des jüdischen Volkes auf Errichtung seiner nationalen Heimstätte anerkannt, desgleichen die Tatsache, daß dieses Streben seine Verkörperung im Zionismus gefunden hat, daß der Zionismus als Träger dieses Strebens anerkannt werden muß. Von größtem Interesse ist die Mitgliederliste des Ausschusses dieses Komitees. Ihm gehören neben den führenden Politikern, Erzberger, Scheidemann, Noske, Fehrenbach, Gothein, Cohen (Reuß), Männer der Wiffenschcht wie Ballod, Hans Delbrück, Hoetzsch, Sombart, Max Weber an. Gerade hie Männer, die die Leitung des neuen Deutschland übernommen haben, die die Spitze der politischen und parlamentarischen Vertretung bllden, haben das Recht des jüdischen Volkes anerkannt. Diese geistige Welle, deren Leben in Deutschland sich in diesem Programm zeigte, durchzog die politischen und geistigen Schichten der gesamten Welt. Tie Schweizer „Völkerbund-Konftrenz" erkannte im März dieses Jahres ausdrücklich an, daß daß Judentum der Welt ein Volk Hilde, daß das jüdische Volk den andern Völkern gleichberechtigt sei, daß dem jüdischen Volk der Eintritt in den Völkerbund als gleichberechtigtes Mitglied gewährt weiden müsse. Es wurde ausdrücklich anerkannt, daß dem jüdischen Volk das nationale Selbstbestimmungsrecht zuzubilligen sei. Die Zionistische Organisation wurde als Vertreterin des Mischen Volkes auf der Konferenz zugelassen. Die „Internationale Sozialistische Konferenz" in Amsterdam hat im April 1919 ausdrücklich beschlossen, daß der internationale Charakter der Judenfrage und das Selbstbestinrmungsrecht des jüdischen Volkes anzuerkennen sei, daß das Mische Volk das Recht ans Errichtung seiner Heimstätte in Palästina habe, daß es als Mitglied des Völkerbundes zuzulassen sei. Ebenso wie hier die neuen Schichten der internationalen sozialistischen Macht- und Geisteswclt das Mische Volk anerkannten, wurde auch bei den seitherigen Unterhandlungen der „Friedenskonferenz" in Paris stets verfahren. Der Zionismus trat als Vertreter des jüdischen -Volkes auf. Der Zionismus formulierte die Forderungen dieses Volkes. Der Zionismus verlangte, daß der historische Anspruch dieses Volkes auf Palästina, auf' seine nationale Heimstätte in Pa- - lästina anzuerkeunen sei, daß die Errichtung dieser Heimstätte politisch und wirtschaftlich gesichert, daß später die Schaffung eines autonomen Gemeinwesens ermöglicht werden müsse. Schon für die Vorbereitung der Errichtung dieses- - Gemeinwesens wurde verlangt: - die Förderung der jüdischen Einwanderung und geschlossenen Ansiedelung, die alsbaldige Mitwirkung eines Rates bei der Ärwaftung des Landes, der die Judenheit repräsentiert, alsbaldige weitestgehende Förderung der lokalen Selbstverwaltung. Die Konferenz hat bei den Vorverhandlungen den Standpunkt der zionistischen Delegation gebilligt Es ist zu erwarten, daß sie Len Inhalt dieses Programms zur Grundlage der WÄtregelung der Judenftage, des nationalen Rechts der Juden machen wird. Auch die führenden Mitglieder der Konferenz haben in besonderen Besprechungen ihre Zustimmung zu. diesen Änderungen ausgesprochen. Für die englische Regierung erklärte Balfour ausdrücklich, daß die Wiederherstellung einer jüdischen Heimstätte, wie jeder große Plan, eine schwere AuMbe sei, daß aber alle Schwierigkeiten durch die Energie der Mischen Arbeit und durch die Unterstützung Englands, Amerikas und anderer An-- der beseitigt werden würden. Für, Amerika ließ sich Lansing durch die zionistischen Delegierten über die jüdische« nationalen Wünsche "Unterrichten, und erllärte sodann, Wilson' sei mit diesem Standpunkt einverstanden, ec werde für die Verwirklichung dieser Forderungen arbeiten. Schließlich hat auch die deutsche Regierung die Bedeutung der jüdischen Frag^ und das Recht des Zionismus der Vertretung des Mischen Bolkes dadurch anerkannt, daß sie ihrer Frickensdelegation ausdrücklich einen Sachverständigen fiir jüdische Frage» beigab, und daß. sie mit der Vertretung dieser Interessen einen Zionisten, Hermann Struck, beauftragte. . An der Existenz des Mischen Bolkes, an dem Recht des Mischen Bolkes auf seine Heimstätte, an. der Fähigkeit des Mischen Volkes, gleichberechtigtes Mitglied der Bslkerfamilie, des Völkerbundes zu werden, hat die Welt keinen Zweifel mehr. Sache des Judentums selbst ist es, die Voraussetzungen, dieihm geschaffen sind, zu erfüllen, das Vertrauen, dos ihm bei der Neuregelung der Well für die Inbesitznahme seines alten Landes eingeräumt werden wird, zu rechtfertigen, alle Krätze anzuspannen, um der Idee zur. Wirllichkeit zu verhelfen, die Wirllichkeit zum Ideal hinanzuMren- Eine Einwendung erhebt sich und eine. Fraget Tic Einwendung erlangt sich mit dem Worte Lloyd Georges, daß nichts in der Welt sür den menschliche» Geist unmöglich sei, der noch immer die Mittel gefunden habe, ernsten Willen durchzufuhren. Tie Frage ist die, wie es deutsche Juden verantworten können, diese einheitliche Erkmntnis der politischen und geistige» Führer des deutsche» Volles, der Großmächte der Welt, der geistige» Strömungen, die die Zukunft der Welt für sich in Anspruch nehmen, zurückzuweisen und ihre Hilfe an dem große» Werk ihres Volles' für seine Zukunft zu versage». H. El Orthodoxie und Zionismus. Am Montag spracht Rechtsanwalt Dr. Barth-Bersin in einer von der Frankfurter Misrmhigruppe einberufene» öfsentlnhen Versammlung vor einem ca. rsvvköPfigttr Pub---

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