Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 17 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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iiiiiinnniiiiniiiniiiiiiiiimiitiiiiii'iiiiiiiiiiimiuniimniiiiiiinr | Erscheint wöchentlZch am Freitag. Bezugspreis pro Viertel- : l sabr- 2n Frankfurt a.M. Mk.4.S0 stei ins Haus. Lei der Post :! abonniert Mk.4.80,stei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Äei : i Zusendung durch Streifband firOeutschland unv österreich-Llngam :! Mk.2^5,filr aNe übrigen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer t5pfg. : luiülini»iiniiiii*ui**"'r,****‘****‘*‘**‘*****‘*‘****‘****,*"*,*‘**‘******'i Redattion und Expedition: Frankfurt a.M.,Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Satz Geis o»iiiinn>i>ii>»»ini»>»nni>n»ni>»ii»»iii»ii»n»»»»»i»i»is : Insertionsprels für die sechsgespaltene petitzeile 50 ptz., für j : die Reklamezeile Mt. 1.50. Lei Wiederholungen entsprechender : : Rabatt./ Platz- und Datum-Vorschrifi ohne Verbindlichkeit./ j \ Annonren-Ännahme bei der<tzped.und in aAnnoncen-Bureaus. i : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Nr.4864. : 17. Jahrgang. Freitag, deu 2. IZur 5679 (2. Mai ISIS) Rr. 17. Der Zionismus und die deutschen Inden. . Ei n e'E ntgegnung. Der natiMaljüdische Gedanke, wie er im politischen Zionismus seine Verkörperung findet, hat ich im .Laufe der letzten Jahre auch in Deutschänd immer^ breitere Bahn gebrochen. Innerhalb der Jüdenhert: Die großen Fragen, mit denen der Zionismus vyr zwanzig Jahren zum ersten Mal an die jüdische -Gesamtheit herantrat, bewegen und beherrschen in steigendem Maße das jüdische .Leben - in Deutschland. Nach außen": Die deutsche Leffentlichkeit, die deutsche PMtik und ihre Vertreter haben sich während der verflossenen Jahre des Krieges mit der zionistischen Idee auseinandergesetzt und sie allgemein bejaht. Wie weit dieser Durchsetzungs- und Durchdringungsprozeß heute bereits vorgeschritten ist, erkennt man am besten lln«einzelnen Symptomen und Tatsachen aus der letzten Zeit. Ein solches Symptom sehen wir zum Beispiel darin, wenn die „Frankfurter Zeitung" vor einigen Tagen den Zeitpunkt schon für gekommen.hielt,'ihre sonst gewiß über alle Fragen der Tagespolitik sehr gut unterrichteten Leser auch mit dem nationaljüdischen Problem bekannt zu'machen und über ihre Stellungnahme zu der nationalen Bewegung, die die jüdische Gesamtheit erfaßt hat, auszuklären, (fkfje „Frkft. Ztg.", Rr. 311, vom 26. Apxil) — nachdem das Blatt allerdings schon früher dann und wann einem kurzen, oft tendenziös gewendeten Bericht über zionistische Ereignisse in sichtlicher Verlegenheit und mir . mit innerem Widerstreben seine Spalten geöffnet hatte. ' Wie dem sei, die „frankfurter Zeitung" hat endlich den güten Willen gefunden, die zionistische Idee mit dem notwendigen sachlichen Ernst einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen, sie auf ihre Berechtigung, auf ihr Wesen und ihre Möglichkeiten hin zu prüfen. Das sei gleich am Anfang festgehalten, ebenso wie zuzugeben ist, daß das Blatt durchaus objektivitätsbeflissen und in ruhiger Form seine Gedankengänge und Auffassungen zu dem'.— ihm leider Ungewohnten — Thema auskinandersetzt. Das will aber nicht heißen: daß es das' Problem in seiner ganzen Tiefe und Größe erfaßt, daß es das Sein und Wesen des Zionismus Ipolperkannt hat; daß demnach sein Urteil ein gesuchtes, treffendes und darum gültiges ist. Die If,Frankfurter Zeitung" kann, wie die ganze Art limd die Grundvoraussetzung ihrer Darlegungen lehren, sich durchaus noch nicht von dem Banne alter, Ikonservierter Begriffe und Auffassungen freimachen. iDie -Grundarischauungen, die den Ausgangspunkt Izu den Gedankengängen jenes Aufsatzes bilden, ge- MjM>W'sHp-.der., Befangenheit an, daß sie not- I wendigerweise den freien, weiten Blick hemmen und Itcrstellen müssen. ' I ' Die „Frankfurter Zeitung" verfällt einem alten iJrrtum, wenn sie mit dem Argument operiert, daß IderZionismus Erwägungen und Uebxrlegungen Ißumänitärer Art entsprungen sei. Sie verkennt die ^inotorischeKraft des Zionisnnrs, den ewigen Funken .in ihm, d>eti die Jahrtausende alte, nie ert des jüdischen Volden. Ursprung, das Weil Kx die Kflge/ das.MwWt, das Daruur. Es entgeht ihrem Blick die Tatsache, daß die Abnormität des jüdischen Diaspora-Daseins die Quelle der jüdischen Not, der jüdischen Schwachheit und des Judenhasses ist. Sie übersieht, daß die politische Ausdrucksform der in unseren Tagen zu ' neuem Leben erwachten Zionsidee, der Zionismus, - mag er auch wie jede neugestaltende Bewegung eine Reihe von Stadien der Entwicklung durchlaufen haben und noch durchlaufen, sein Hauptziel darin und in nichts anderem sieht: durch die Verwirklichung des Baseler Programms der jüüischen Diaspora den spezifischen Charakter der Zerstreuung, das Exzentrische, Gleichgewichtslose, zu nehmen und ihr die Balance, einen zentralen Kern, zu geben. Der Zionismus will so die tiefe Tragik und den '' in sich ruhenden ewigen Widerspruch der Diaspora ausheben, wobei er sich allerdings nicht verhehlt, daß die restlose Verwirklichung dieses Zieles nie ganz gelingen kann. So geschaut, gewinnt der jüdische Nationalismus ein anderes Gesicht, als es die „Frankfurter Zeitung" sieht. So geschaut, verliert das nationale Wollen und Streben der jüdischen Gesamtheit die Züge der kleinlichen Absperrungssucht nationalistischer Selbstüberhebung, des Dranges nach rein politischem Ausleben. Und es ergibt "sich hieraus die bedeutsame Tatsache: daß der Zionismus die Existensberechtigung der Diaspora anerkennt, daß er sie sogar — innerhalb bestimmter Grenzen — bejaht. Aufs Gebiet der praktischen Politik^ übertragen — und hier kommen wir auf die Ausführungen der „Frankfurter Zeitung" bezüglich der deutschen Judenheit und ihrer Stellung zum Zionismus zu sprechen —, besagt die nationaljüdische Auffassung von dem Problem der Diaspora: daß z. B. der deutsche Jude, der sich heute als vollberechtigter Staatsbürger in dem Lande seiner Geburt fühlt, -«mit, der Zlblegung seines Bekenntnisses zum jüdischen .Volksgedanken nichts von seinem Recht verloren hat, die gleiche politische Behandlung und Achtung zu verlangen, wie seither, — im staatlichen Leben Deutschlands tätig zu sein und die ihm gebührende Rolle zu. spielen. Denn der neue, im freiheitlichen Geiste umgebaute deutsche Staat — wir erinnern z. B, an § 40 des deutschen VerfassungsentwurfH betr. der nationalen Minderheiten — ist bereit, fremden.Volksteilen das Recht auf freie nationale Entwicklung zu geben, ohne ihre staatsbürgerlichen Rechte irgendwie zu verkümmern, —' und das neue Deutschland wird sich in Zukunft aus einzelnen Volksgliedern zusammensetzen, denen das Recht auf autonome Entscheidung und Bestimmung zusteht. Es ist dies für jeden demokratisch gerichteten Menschen eine Selbstverständlichkeit, die schon fast den Klang des Banalen angenommen Muß man darum nicht ein wenig staunen, daß die „Frkft. Ztg.", die sich poch von jeher zu den Ideen von Freiheillichkeit und Fortschritt bekannt hat, bei der Erörterung der' jüd. Frage .mit einem Male das Abc ihres politischen Programms vergessen zn haben scheint? Wie wäre dieser sonderbare Umstand anders zu ^erklären, wenn ein Blatt, das den Gedanken des Selbstbestimmungsrechts entschieden verficht, bei den Juden ein jähes Kalt macht und hier feine UebeiMigungen ins gerade Gegenteil verkehrt. Liegt denn nicht eine seltene Unlogik und Inkonsequenz darin, daß die „Frankfurter Zeitung" den Dünen in Schleswig,- den Polen in den östlichen Provinzen und — den Wenden in der Lausitz mit der selbstverständlichsten Miene der Welt das Recht auf Erhaltung und Entfaltung ihrer Eigenart zübilligt, ohne ihr Staatsbürgerrecht auch nur in leisesten Zweifel zu ziehen? Die „Frankfurter Zeitung" mag über diesen Widerspruch mit sich selbst ins Reine kommen. Sie möge allenfalls wissen, daß es nicht angeht, irgend ein Glied der jüdischen Gesamtheit, sei es. auch ein „westjüdisches", in politischnationaler. Hinsicht schlechter als irgend eine kleine Nationalität zn stellen. Wir wiederholen: Die innere Entscheidung, der deutschen Juden für die nationaljüdische Idee, den Zionismus, darf in keinem Zusammenhang mit ihrer polüischen und ^staatsbürgerlichen Stellung stehen. Ihr Recht, am öffentlichen Leben ihres Geburtslandes teilzunehmen, kann und darf, durch ihre jüdische Gesinnung nicht berührt und beeinträchttgt werden. Ihr geistiges Sein und Leben, ihre Anschauungen und Ueberzeugungen werden, ge- , wiß auch weiter von J>«t Einflüssen der Umwelt mitgeformt werden, aber den Grundzug jüdischer Eigenart und jüdischen Wesens tragen. Die Umwelt und ihre Kultur werden in ihrer Seele- , sich in spezifisch jüdischer Beleuchtung spiegeln; und ihre innere Einstellung wird in der Richtung nach Palästina deutlich weisen. Es ist nach dem Gesagten weüer kein Wunder, wenn das Irrige ihrer Grundidee die „Frkft. Ztg." zu unbegründeten Annahmen verleftet. (Bon " dem wenig glücklichen Anhängsel am Schluß des Aufsatzes, in dem mit einem kühnen Schwung über das große geistige Wiedergeburtsproblem des Zionismus hinweggesetzt wird, ganz zu schweigen.) Es hat den Anschein, als ob die große inhallliche Wandlung jüdischer Anschauungen in dem großen. Geschehen dieses Krieges an der Redaktion der ,,Frkft. Ztg." ohne tiefere Wirkung vorübergegangen ist. Man darf nicht die geistige Revolutionierung vor dem Uebergreifen auf das Gebiet jüdischer Fragen ängstlich behüten. Es ist nicht k(ug und kein Zeichen innerer Stärke. Der deutsche Jude aber, der das Erlebnis dieses Krieges in sich trägt und in dem jüdische Gefühle wieder lebendiger aufzusteigen beginnen, dieser deutsche Jude — und soll er nicht der Typus der Mehrheit sein? — wird, wenn er seine Befürchtungen als grundlos erkennt, die nationale jüdische^dee bekennen. bj. Zur Lage der Judeu in der Mraiue. Minister Dr. Nazarnk hielt in der Ukrainischen Nationalversammlung eine Rede über die Judenftage. Die Juden seien ein wichtiges Element und verdienten das volle Vertrauen des ukrainischen Volkes. Sie stehen sämtlich auf dem Bo-, den der Selbständigkeit der Ukraine, und man habe daher das größte Interesse, die Entwicklung der ukrainischen Judenheit nicht zu stören. Der Minister kam sodann auf den Pogrorp in Prosknrow zu sprechen, dessen furchtbate Wahrheit er bestätigte. Er sagte: „Wenn es «W