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Neue jüdische Presse · 1919-04-11 · Heft 15 (11.4.1919) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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■M -IlV. *l). sceae . ^juBtinje Preye. Seite 5. lilntterstr. 88. LnLu>g 7vdr. :: Tel.: L. 5516. Stets evstUass. Mraktious-?rogra«me Interesse und Hingabe die weit verzweigten und wichtigen Skufgabei, erfüllen wird. '' . , , Kra«ks«rter Berichte. ■ Jubelfeier des Lr. Het»««aä»sche» Lyzeums. Sonntag vormittag war eine, festlich, gestimmte Genieinde versammelt, um die fünfzigjährige Jubelfeier des Dr. Heinemannsche» Lyzeums zu feiern. Unter den Gästen bemerkten wir Stadtschulrat Dr. Lungen als Vertreter der Stadt, Julius Goldschmidt als Vertreter des Vorstandes der Jsr. Gemeinde und Rabbiner.Dr. H »r och itz. ' - In, seiner Begrüßungsansprache gedachte Dr. H e i n e - mann mit Wehmut des vor einigen Tagen verschiedenen Seniors der Schule, Hermann Schwab s. 3L; noch auf?den beide» letzten Elternabenden hatte er, der in der Schule das Wort Gottes lehrte, für die Ideale des Judentums 'fein Wort erhoben, indem er die heilige Pflicht des Ge» meinschaftsbewußtseins und die Reinheit der Hände als Symbol der Reinheit der -Persönlichst behandelte. / Sodann verlas Lehrer I. B. L e v y die noch von Herrn Schwab für die' Jubelfeier vorbereitete Rede über die Geschichte der^Schule. Die Schul? wurde 1869 von dem bekannten Schulmann Israel Japhet und feiner Tochter ^Dorothea, die bereits 1872, dreißigjährig starb, gegründet, k 1872-^-1898 Jfeitetc sie Dr. Heinemann s. A., von da ab I bis 1917 dessen Witwe und seitdem der Sohn Dr. Jsak Heinemannt-der nunmehr einem Rufe an dach, Rabbiner- .semmar im Breslau gefolgt ist und in Rabbiner Dr. ^Winter-Homburg einen Nachfolger erhalten wird. . Dann folgten Gesang und Rezitationen der Schüle- - rinnen. Ter Bortrag der Schlußszene aus Stefan Zweigs ' „Jeremias" >var eine beinerkenswerte Leistung. . ' Dr. Heinemann sprach nunmehr zum letzten Male ßzu' seinen Schülerinnen, und wie er zu ihnen sprach, l'das zeigte sein hervorragendes pädagogisches Geschick und Meine Meisterschaft 'auf der Zlrena des jüdischen und. des ^deutschen Geisteslebens. Frl. Luise Sch am e s überreichte dein geliebten Lehi rer ein Andenken an seine Schülerinnen. Zum Schluß bestieg Rabbiner Dr. Winter, der scheue Direktor, die Tribüne, um darzulegen, wie er die (Traditionen der Schule fortzusetzen hoffe. Mädchenklub. Der Mädchenklub veranstaltete verspätet, aber deshalb Iiricht welliger - froh gestimmt eine Purimfeier. Das von Marl Darmstädter verfaßte „Purimspie^ würde von «Mitgliedern aufgeführt und machte viel Freude. Frl. E. URapp tanzte als Ungarin einen Tschartms (ancien rögime!) |tmb einen Schleiertanz nach einein der bekanntlich von Schliemann aufgefundenen Tanzbilder aus Susa. Mit Vharoden» Preisverteilung und Verteilung von Gebäck an Me Klubmitglieder schloß der gemütliche Abend. PersouaNe«. Dr. I. Weil, Rückertstr. jJa? ein durch seine Liebe Isür Mizwaus und fürs Lernen ausgezeichnetes Mitglied der tUr. Religionsgesellschaft, erhielt anläßlich seines siebzig- Ipen Geburtstages von Rabbiner Dr. Bremer die Chotiverwürde. Nchttze». Während der Omer-Zeit veranstaltet die Agnd. Ii'sr.-Ingendgruppe täglich' eine halbe Stund« vor Nacht „T ehillim-Bortrag". Zahnarzt Ehrmann, H. Fränkenk'hal, Redakteur Schachnowitz.und S. Unna haben die Borträge übernommen. _ Die jüd. Inge ndvereine veranstalten am Donnerstag, 24. April, abends 8 Uhr,, in der Frankfurt-Loge, einen gemeinsamen Vortragsabend über das Thema „Jüd. Jugend und Sittlichkeit". Redner: Dr. Löffler, Fritz Goitein und Berta Pappenheim. Der Berein^Edle Tat fordert zum Beitritt aus. Der Verein Veranstalter bei Sterbefällen im Hause Minjan und gewährt Sch,iw»/ und Sterbegeld. Außerdem veranstaltet der Derein an den hohen Feiertagen Gottesdienst. (Näheres siehe' Inserat.) , Die Jüd. Bibliothek und Lesehalle ist geöffnet: Montag bis Donnerstag 3—8 Uhr, Freitag 3—7 Uhr, Samstag und Sonntag IO1/»'—^1, 3—7 Uhr. .... , Der halächische Bortrag Rabbiners Dr. Nobel findet Schabbos Haggodaul nachmittags AVs Uhr in der Synagoge Börneplatz statt. Die Erneuerung des Eruwei-Chazeraus findet in der Synagoge Börneplatz am ersten Abend Pessach zwischen Minchoh und Maariw statt. Rabbiner Dr. H o r o v i tz, der Direktor der I s r. R e - ligionsschulen Hermesweg und Unterlindau, nimmt Anmeldungen für das Sommerhalbjahr entgegen. Näheres siehe Inseratin der heutigen Nummer. Auch auf die Kurse für Erwachsene sei hingewiesen. Der halächttsche Vortrag Rabb. Dr. Breuer findet S ch a b b o s 26. April im Anschluß an Mincha statt. Die ausführliche Wiedergabe des Vortrages Dr. Rüppins „Die Zukunft Palästinas" erfolgt in nächster Nummer. ' Frankfurter Veranstaltungen. Verein Me kor Chajim. Samstag, 12. April, 4 Uhr: Mikro und Hagodoh (Gustav Kaufmann). 1. Tyg Pessach: abends 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal Friedb. Anlage: Hagodoh (Rabb. M. Goldstein) p Donnerstag abend: Ve Stunde vor Nacht: En Jakauf (Red. Schachnowitz); Samstag, 19. April, 4 Uhr: Schir häschirim (Zahnarzt Ehrmann); 7. Tag Pessach abends 1 Stunde vor Nacht im Hörsaal Friedb. Anlage: Haftoroh zum 8. -Tchge Pessach .(Dr. Willy Hofmann). Jüd. Bibliothek und Lesehalle, Donnerstag, 6 Uhr, Frankfurt-Loge: Generalversammlung. Verein Tiferes Bachurim, Sonntag, 8Vs Uhr, Kaffee Kursaal, Friedb. Anlage: Neuere Erzählungsliteratur über Palästina (Grete Kraemer). _29. : - - ScMfergwae 3». Modernes Theater VorfBhnmg stets neuer and hervorragender Filme Ag.ud. Jisr.-Jugend- und Mädchengr. Samstag vorm, nach Gottesdienst: Dauraus Horischaunim (Direttor Dr. Lange), 41 Vs: Mifchua (Hirschberg), 2>^r Gemoroh (Lichtigfeld), 3Vr: Hilchaus Pessach Dr. ^M. Lange), 3Vs: (für Damen) Tauro (Hirschberg), 4Vs: Mincha. 6%: Haggäda-Bortrag*) (Dr. W. Hofmann). Sonntag, üorm. 8 Uhr: .Tauro mit Rafchi (Leop. Oppenheimer). Mittwoch, nachm. 7 Uhr: Bortrag über „Tehillim"*) (Herm. Frankenthal). . Donnerstag,?V»: „TehiUim" und -anschließend Maariv- Bismanau. > ‘ - Samstag, 19. April (wie oben). Montag, 21. April, 7 Uhr: ,Krias-Jam-Sus" (Leopold Schwab).*) c unter UlteloMilaB der ge wann- Diebstantsgefahr. Uchen Walter/hauss Mannheimer Berichte. Uebe.r „Die Aufgaben der Ostjuden in Deutschland" sprach Dr. Robinson-Berlin in jiddischer Sprache vor einem ca. 300köpfigen ostjüd. Publiküm. Leine Ausführungen gipstlten in der Forderung einer Organisa- . trän der Ostjuden in Deutschland zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen und politischen Interessen. — In der Debatte zeigte sich Einigkeit darüber, daß auch in Mannheim eine einheitliche Organisation der Ostjuden geschaffen werden müsse, vor allen Dingen eine Vereinheitlichung und Zusammenlegung der Minjonim. Jiddisches Schauturnen. Zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden, um dem Schauturnen beizuwohnen, - das der Jüd. Turn- und Sportverein Mannheim '(Vorsitzender Dr. Katzenstein) im großen Saat der August Lamey-Loge veranstaltete. Dieser Verein, der sich die körperliche und geistige Ausbildung artbewußter -Juden und Jüdinnen widmet, wurde'während der schwierigsten Kriegsverhältnisfe gegründtt und hat so große Anziehungsttaft äusgeübt, daß er selbst während der „Fliege- Zeiten seinen Betrieb aufrechterhalten konnte, weil seine Garde getreulich zu 'den Veranstaltungen erschien. Jetzt galt es, zu zeigen, was man turnerisch gelernt hat, und- Neuairmeldungen waren das Ergebnis dieser Schau. Für den künstlerischen Teil waren Schauspieler Max Grünberg für Rezitation sowie Rudolf und Franz Hirschler gewonnen worden, die-Dioliu- und Klavierstücke vortrugen. Lebhafter Beifall dankte ihnen. In den heitpren Teil.leiteten Vorträge zur Zupfgeige von Willi Hirsch ünd Kläre Levi Mer. Dann wurde getanzt, bis die Polizeistunde ein Ende bereitete. Der Antisemitismus und seine Heber-' Windung. Im gutbesuchten Bortragssaal der Kunsthalle sprach am Samstag abend Dr. Kurt Blume nfeld- Berlin auf..Einladung der Zion. Ortsgruppe über ,/Qer AntisemitismM Und seine Ueberwindung". Er legte dar, daß-die Juden im Laufe des 19. Jahrhunderts» also seit ihrer Emanzipation, den Antisemitismus allgemein als eine auf bestimmten Gründen beruhende vorübergehende Erscheinung hielten. Gestützt -wurde diese Ansicht durch die Tatsache der Emanzipationsgewährung in der schweigenden oder auch ausgesprochenen Voraussetzung, daß sie sich als Ein- *) Für Damen und Herren. k „Alles, was mein ist, steht Euch zu Diensten/ gab Prostet zur Antwort. Sofort wurde im Hofe ein Feuer angezündet, wurden Mische und Bänke herbeigebracht, und die Räuber aßen Irnd tranken. Indes hatte Amster Löbl Regenstreif schon sin bas Dorf gesendet, und es währte nicht lange, so Hamen, bie jüdischen Musikanten um zu spielen, und die I hübschen Weibcr und Mädchen aus dem Dorfe, um mit Iden-Räube.rn zu tanzen. Als die letzteren bei Morgen- I grauen Winkowze verließen, gab der Prostek dem Wa- Ittschtv einen Beutet mit Geld, aber dieser wies 4hn zurück. Mön beiden Seiten rief man „bleicht gesund!" und „viele ^tzahre!", dann sprengten die Räuber' davon, den "ergen zu. .Ein Hagelwetter vernichjtete fast im ganzen Kreise die Lrnte, gerade an cher Grenze des Gebietes von Winkowze nachte es halt, so daß Amster Löbl Regenstreif die Scheu- Mn gefüllt hatte, während ringsum die Hungersnot drohte. Mas vwar eine schwere Zeit für den Prostek, denn wie Mltc.'.er allen helfen? Aber schließlich half er doch. »Er ließ hinter seinem Hause riesige Backöfen erbauen und Ms^Älem was er nur hatte, aus Weizen, Korn, Gerste, täis, Erdäpseln Und Haser Brot backen und verteiltecs I'en alle/denen bs daran fehlte, und als cs ihm selbst an Frucht..zü'fehlen begann, da fuhr er hin und her und crtelte bei den Gutsbesitzern, bei den reichen Juden und Im den benachbarten Städten für die Hungrigen und so Mttete .er seine Gegend von dem Allcrärgsten, bis endlich hilfe/ban Seiten der Regierung kam. Sv bescheiden Äbia, Regenstreis's Frau, war, harte Ise doch manchmal einen Wunsch, und ihr heißester Wunsch Mrr/ .elneü hübschen Wage» u»d ein padr hübsche Pferde '■ besitzen, dennr bisher hatte, sie sich mit einem leichteren auernwagen und Ackergäulen begnügen müssen. Der rofick- - schien aber taub gegen; solche - Wünsche: da geschah es, daß im Winter ein Priester mit einem Knaben vorüberkam, der ihnHu einem Sterbenden geholt hatte »»ängstlich wimmerte das Glöckchen, und der alte Kaplan schAtt bar-' Haupt, mit dem Leib Herrn,lim Schneegestöber vorwärts. Da eilte der.Prostek herbei und bat den Priester unter seinen! Dachie Schutz zu suchen. In zwei Minuten waren die Pferde an den gedeckten Schotten gespannt und Amster Löbl Regenstreif führte selbst den alten Kaplan zu dem, Sterbenden und zurück. Er kehrte mit) erfrorenen Ohren, aber in bester Laune zurück. „Jetzt kann Du haben den Wagen," sprach, er zu seiner Frau, „habe ich doch dafür Maßer gegeben mit meinen armen Öhren." Und in demselben Mnter war es, daß Amster Löbl Regenstreif abends in seinem Hof-ein armes Bauernmädchen ertappte, das ein paar Maiskolben gestohlen hätte. Sie entfloh' über den Zaun und lief barfuß, durch den Schnee davon. „Nikola," rief ihr der Prostek nach, ,/vas läufst Du so? Ich laufe Dir nicht nach/' Das Mädchen blieb stehen, sie schämt« sich und warf den Mais weg. »Ich schenke Dir den Mais," rief Amster Löbl Regcnskrcif, „und schenke Dir noch was dazu. Komm nur zurück!" Sic hob die Kolben wieder auf und ging bis zu dem Zaun. „Ich werde nicht nrehr stehlen,"' sagte sie, »gewiß.nicht." ,/Wozn solltest Du stehlen?" antwortete der Prostek, „gcb? ich nicht Jedem, .was er nötig hat? Du hast Hunger, sollst Du zu essen haben. Du ftierst, sollst Du gekleidet'werden. Komm rein!" , Das.Mädchen stieg über den Zaun und stand furchtsam vor'dem Juden, dieser klopfte ihr freundlich auf die Wange und ging dann hin und her, das nötige zu holen. Er gab ihr einen Laib Brot, einen Sack mit Bohnen, ein« Flasche Branntwein und gab ihr auch ein paar Stieftl und einen Schafspetz dazu. Die Leute im Hause lachten und sogar seine Frau lachte, und mit Recht denn eine Diebin so zu behandeln, das war nur ein Prostek imstande. Amster Löbl Regenstreif hatte sechs Töchter, sie waren, alle hübsch, nicht einmal Mielsche war häßlich, obwohl, man ihr noch, immer ein wenig die Blattern ansah, aber keine war mit Jüdel, der zweiten, zu vergleichen. Diese war schön wie die Braut des hohen Liedes und llug wie die Königin von Saba. Die Mädchen gingen 'alle nicht, viel besser als die Bäuerinnen gökleidet umher, dafür' ließ sie aber der Prostek in allem unterrichten, was es nur gab. Sie hatten eine gute Erziehung im Hause undaußerdem lernten sie Sprachen und Klavier. Einmal-Esnarschaerten Soldaten durch und bei Amster Löbl Regenstrei wurde ein Hauptmann nnt zehn Mann einquarttert. Unter den letzteren war der Feldwebel, ein bildhübscher junger Mann, dem der weiße Rock mit den roten Ausschlägen uni» der runde schwarze Bart sehrgut ließen. Die schöne Jüdel ging uiit' einem Kruge zum Brunnen, Wasser für den Tisch zu holen. Gleich war der Feldwebel zur Stelle und pumpte ihr den Krug voll. Ein zweites Mal traf er sie abermals im Garten, wo sie Bohnen klaubte, und war schnell bereit, ihr zu tzstfon» und als ihre Schürze voll war und sie sich erhob, um iw die Küche zu gehen, nahin er sie bei der Hand und hielt fie zurück. „Jüdel," begann er, „hat Ihr Vater Sie schon versprochen einem Mann?" Sie wurde rot und schüttelte den Kopf. (Schluß folgt.);• l-iaSRe. ‘NStW* ¥

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