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Neue jüdische Presse · 1919-04-04 · Heft 14 (4.4.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 14 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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jmrnmnfTmrmmTimTiTfmnmnnmiTmTnnmnimTimiTinTfTr : Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel- : : jabr: In Frankfurt a.M. Mk.ck.SO ftei ins Haus. Bei der Post : : abonniert Mk.i.S0,stei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Bei : : Zusendung durch Streifband surOeutschland unv jösterreich-llngarn : : Mk.2.25,für alle übrigen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer T5pfg. : , Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis ■iimmmmiiniimiiimmminmmmiimnnimnimiiiiiiHiiiinj I Infertionspreis für die sechsgefpältene petiizeile 50 pfg., für; : die Reklamezeike 3Jlf.3.50. Bei Wiederholungen entsprechender.: : Rabatt. / Platz- und Oaium.Vorschrift ohne Verbindlichkeit. / \ ■ Annoncen-Annahme bei derExped.und in a.Annoncen-Bureaus. j : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Nr. 4864. : ■V 47. Jahrgang. Freitag, de« 4. Nissan 5679 (4. April 1919) Nr. 14. Am Scheidewege. Das ^erlangen des deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens nach Oeffnung der Offizierslausbahn als Beweis feiner'wirklichen Gleichberechtigung ist gerade in dem' Augenblick gegenstandslos geworden, da sich seine Verwirklichung entscheiden sollte. Wohl hatten im Kriege etwa zweitausend Juden den Offiziersgrad' erreicht, — doch der Offizier des Krieges ist kein Berufsoffizier, und der Krieg als Ausnahmezustand mußte auch für diesen mit einer chinessichen Mauer umgebenen, auserwählten Stand Ausnahmen '-'schössen. Erst nach Beendigung des Krieges hätte es sich erweisen miijsen, ob dasvon Zehntausenden jüdischen Kriegern vergossene Blut stark genug war, den Juden die Gleichberechtigung auch! sin Ojsiziersberufe zu geben.; Der Krieg ist vorüber, — und der deutsche Jude hat sein Ziel erreicht und doch nicht erreicht. Ueber Nacht vollzog sich eine Umwertung aller bisherigen Werte. Die Bevorzugung gewisser Kreise in der Leitung des Staatswesens ist Mer Nacht zunichte geworden. Das Volk herrscht nun — und nicht mehr gewisse auserwählte Kreise über dem Volke. Auch! gilt der Religjonsvermerk auf dem Geburtsschein, der früher die Laufbahn im öffentlichen Leben erleichterte oder erschwerte, als abgeschasft. Die Gleichberechtigung als Staatsbürger braucht also nicht mehr erkämpft zu werden. Es wird gut sein, sichüber die voraussichtlichen Folgen dieser bedeutsamen Veränderung auf die deutsche Judenheit Klarheit zu verschaffen. r Bor allen Dingen ist d e r-Beweggrund für den Allstritt aus dem Judentum geschwunden, der als verächtlich galt: nämlich her Austritt in der Absicht, sich- oder seinen Kindern damit den Zutritt zu den herrschenden Schichten zu'erkaufen- Gibt es doch! keine herrschenden Schichten mehr! Des weiteren kommt hinzu, daß in Zukunft vom Staate, aus auf dem Gebiete der Religion jegliche Einwirkung ausgeschaltet werden wird. Ein Teil der indifserenten Masse der deutschen Jlidenheit ist nun der jüdischen Religion gegenüber so vollkommen gleichgültig, daß er, der bisher seine Kinder nur deshalb zum jüdischen Religionsunterricht sandte, weil es der Staat forderte, von seinem neuen Rechte Gebrauch machen und seine Müder ohne jüdischen Religionsunterricht aufwachsen lassen wird. Wurde bisher schön mit Recht über den geringen, er- zieherischen Wert von nur zwei sogenannten Religionsstünden die. Woche geklagt, so wird, sobald der Religionsunterricht freiwilligen Charakter erhält, dieses Mindestmaß noch heruntergedrückt werden. ,Und dann: die Anteilnahme des einzelnen an den öffentlichen Angekgenheiten wird künftighin bedeutend reger als unter den früheren Verhältnissen sein. Wird dabei nicht auch ,noch der Funke jüdischen Interesses zurückgedrängt werden und verglimmen, der zur Zeit der noch zu ersehnenden Gleichberechtigung mit der anderen Bevölkerung brennen blieb? So manche Intelligenz ist früher nur dadurch der Betätigung innerhalb der jüdischen Interessensphäre zugeführt worden, 'weil sie im öffentlichen Leben Überall Widerstände fand. ' Schwierige Aufgaben — wir haben sie hier nur in einigen Strichen angedeutet — sind an die deutsche Fuden- Mt. herängetreten und harren ihrer' klaren Lösung, wenn sich die deutsche Judenheit,. soweit sie ihr Verhältnis zum Jlchentmn und zur Judenheit nur konfessionell aussaht, nicht selber aufgeben will. Hxute ist der kritische Augenblick eingetreten, in dem der rein konfessionellen Auffassung des Judentums unter üent Druck des'Geisteslebens der Zeit für den größten Teil ihrer Anhänger -erhaltende Kraft nichit mehr inne« tvöhnL Nur in der Wedervereinigung mit der nationalen Auffassung ist ihr'Rettung aus den Wirrnissen der Zeit möglich Gerade um der Mischen Religion willen muß heute der jüdische Bolksgedanke von denen aufgegri'ffen tMden, die von /ihm mmicherlei Gefährdung für das religiöse/Äben 7 erwarten. Wir selbst haben von jeher in dem Wdischen7, Dolksgedanken eine Bereicherung und Förderung aüch M religiösen 'Lebens gesehen,' denn erst seit seinem Schvinden setzt auch die'Verarmung des. religiösen Lebens bei-uns -ein. Wxt selbst, zugegeben, die Andersdenkenden hättenrech, ^so-kann Kochs kttn Zweifel darMer bestehen, daß^heüte dev Mische^Äolksgedankech große Teile jerhält, die v sonst dem Judentum -verloren gehenswürden. . Mit einem ^religiösen oder garantirtzligiösennationalenJ^rden kann sich das religiöse Judentum noch zu Rechte setzen, — mit einem völlig Indifferenten, mit einem in Mischehe Lebenden oder gär mit einem öus dem Judentum Ausgetretenen aber nicht mehr. ' Gleichgültigkeit allen jüdischen. Problemen gegenüber, Mischehen und schließlich vollständige Loslösung vom Judentum müssen die Folgen der gewaltigen Weltumkehrung sein, wenn wir Juden uns nicht bewußt werden, daß nicht nur durch Religion, sondern auch durch Geschichte und Geschick ein gemeinsames Band die Juden der ganzen Welt umschlingt. Genügend Beispiele aus dem vorigen Jahrhundert belegen dies. Italien war vor hundert Jahren nocheine Stätte blühender jüdischer Wissenschaft, und die wirkliche Durchführung der Gleichberechtigung der Juden als Staatsbürger hatte den Erfolg, daß das jüdische Leben erstarb. Dänemark, in dem es heute kaum noch eingeborene Juden gibt, die nicht in Mischehe leben, und Frankreich, in dein gleichfalls ohne den Zuzug aus Rußland das Judentum schon beinahe ansgestorben wäre, zeigen die gleiche Entwicklung, die nun auch! die deutsche Judenheit 'durchmachen wird, nachdem es für sie einen Kampf um die Gleichberechtigung als Staatsbürger nicht mehr gibt. Nur, wenn die deutsche Judenheit den Faden der jüdischen Geschichte, den die Emanzipation zerriß, wieder anknüpst, wird iie diesem Lose entgehen! Die „Times" «brr de« Wiederaufbau von Jerusalem. Ein Aussatz der „Times" beschäftigt sich mit dem Wiederaufbau Jerusalems, des Zentrums der drei großen Weltreligiouen, das als Stätte der Traditionen dieser drei Religionen erhalten und erneuert werden müsse. In dein Aussatz heißtes: „Es war notwendig, das Werk des Wiederaufbaus der heiligen Stadt in gewisse Abteilungen zu gliedern, nämlich: a) Wiederherstellung von Werkstätten und Handindustrien; b) Erhaltung des eigentlichen Jerusalem; c.) Anlage der neuen Stadt im Nordel: bezw. eine systematische Ausgestaltung dieser neuen Stadt; ,1) Reform der Stadtverwaltung und Schaffung einer Organisation hierzu; e) Festsetzung von Bauvorschriften und Bestiinmungen über die Erhaltung palästinensischer Altertümer, archäologischer Werte und Ausgrabungen, und Erziehung der Bürgerschaft zum Verständnis dieser Bestimmungen, kurz: die.Einführung einer Art von Bürgerkunde; f) Schaffung einer Körperschaft beratender Natur, die von alten religiösen und nationalistischen Vorurteilen ftei sein Muß, zur Wahrung der Interessen der heiligen Stadt." Dieser Arbeitsplan ist von General Sir Arthur M 0 n e y, . dem obersten Verwaltungsbeamten in Palästina, und General St 0 rrs, dem Gouverneur von Jerusalem, aufgestellt worden. Der Aussatz führt dann weiter aus: „Unter allen Unternehmungen zum Wiederaufbau Jerusalems ist vielleicht die interessanteste und wichtigste das Pro-Jerusalem-Komitee, das von General S t 0 r r s geschaffen wurde. Der Gouverneur hat den Vorsitz. Die Verhandlungen werden in französischer Sprache geführt. Ihm steht der Großmusti, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, der griechische Patriarch, der armenische Bischof, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde und der bekannte französische Orientalist Pere Abel zur Seite. Auch führende Italiener und amerikanische und englische Sachverständige find -vertreten. Das Komitee hat folgende Arbeiten in Aussicht genommen: 1) Die Freilegung der alten Stadt von Salomos bis auf Suleiman des Großen Zeiten, die Erhaltung der Stadtmauer und der alten Bauten; ifj die Errichtung einer neuen Stadt außerhalb dieses Terrains, für die rin besonderer Stadtplan ausgearbeitet .wird; * 3) die Anlage von Parks; 4) die Pflege des Kunsthandwerks, Eröffnung von Suks- und Mazaren, Aufstellung von Webstühlen und Einrichtung von-Handwerksstuben; .5) die Erhaltung besonders der heiligen Stätten des Islam, des Felsen-Doms, der Al Aksah-Moschee «und der übrigen Gebäude aus dem früheren Tempelplatze; 6) die Einrichtung eines Systems technischer Schulen, wenn inöglW eine Entwicklung der Bezalel-Schule. Beabsichtigt ist, die traditionellen Werkstätten zu fördern durch Einrichtung von städtisch unterstützten Lehrwerkstätten, mit einem eigentlichen Lehrlingssystem; 7) die Anlage eines festen Planes für künftige Ausgrabungsarbeiten/' Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Der Verband jüdischer Frauen für Kultu rar beit in Palästina gehört zu den Organisationen, die besonders hart durch den Krieg getroffen und in ihrer Wirksamkeit gestört worden sind. In seiner letzten Versammlung gab Frau Treidel den Jahresbericht, au dem man mit Bedauern feststellen konnte, wie sehr dieser aufblühende Verband in all seinen Bestrebungen durch die schweren Kviegserscheinungen getroffen worden ist. Viele wertvolle Mitarbeiter des Verbands mußten das Land verlassen, das Krankenhaus -in Haifa wurde geschlossen, auch die Mädchenfarm konnte nicht . gehalten werden. Die Spitzenschulen, deren .Erzeugnisse sich in den letzten Jahren bei beständig wachsender Nachfrage, vorzüglich eingeführt haben, mußten zum Teil geschlossen werden. Trotzdem hat sich diese Industrie über Wasser gehalten, was um so mehr anzuerkennen ist, da die jüdischer Arbeiterinnen ohne weitere Vorbildung die arabischen Muster;— auf denen diese Industrie fußt — weiter fortend» wickelt haben. Wie sehr Lust und Liebe, den schwierigen Posten jin Palästina auszusüllen, vorhanden ist. bewiesen auch die Mädchen, die die landwirtschaftlichen Arbeiten übernommen haben und sämtliche Männerarbeiten — mit Ausnahme des Pslügens — durchsührten. Die Liebe zu dem alteingesessenen, neu zu erobernden Boden vermochte es, die so verschiedenartigen Mädchen, die aus den verschiedenartigsten .Sphären stammen, die aus dem Ghetto ebenso wie vom». Universitätsstudium Herkommen, einmütig und einträchtig - bei ihrer schweren Arbeit ausharren zu lassen. Wieviel aber nochin Palästina von den Frauen zu leisten ist, dies beleuchtete Dr. Auer-- b ach in seinen Ausführungen. Er wies darauf hin, daß die ganze Kolonisation durchweg von der Mitwirkung der Frau abhängig sei. Vor allen Dingen bei der Landwirtschaft. Ein Gedeihen des Bauernstandes ohne tätige Mitwirkung der Frau ist nicht möglich. Eine große Aufgabe ' liegt auch vor der Frau, die als Krankenpfleger.il» nach Palästina gehen wird. Sie wird, nicht nur cW Assistentin des Arztes wirken, sondern auch selbständig als GSmeindefchwester die Frauen zu beeinflussen haben, um ihnen, die teilweise auf ganz primitiven Kulturstufen stehen, dm richtigsten sanitären Begriffe beizubringen.. Besonders den Kindern- und Säuglingspflegerinnen liegt ein weiter Wirkungskreis offen., Wenn man bedenkt, daß die Säuglings»! sterblichkeit dementsprechend groß ist, so wird man es verstehen, daß Dr.' Auerbach die ganze Zukunft Palästinas von der Beantwortung der Säuglingsfürsorge abhängig - macht und seine Ansicht darüber in die Worte zusammen- - faßt: „Das Volk wird in Palästina die Oberhand gewinnen/ das die geringste Säuglingssterblichkeit aufweist." Aehnliche Ausgaben wie die Krankenpflegerin wird die Kindergärtnerin zu ersüllen haben. Wir wissen, daß jedes Haus durch die Kinder sein entscheidendes Gepräge bekommt. Den Einfluß, dem die Kinder im europäisch geleiteten Kindergarten erhalten, werden sie den Eltern weitergeben, die reinliche Atmosphäre des Kindergartens werden sie in das Elternhaus tragen und auf diese Weise die Ghettoluft aus den festverschiosseneu Räumen treiben und ein richtiger Kulturfaktor werden. Ein besonderes Problem, allerdings eins das in der ganzen Welt augenblicklich akut ist, wird in Palästina die Stellung des Haus Personals, zur Dienstherr-- schast bilden. Es muß da mit Taktgefühl für einen Ausgleich der sozialen Gegensätze Sorge getragen werden. Mit dem:. Prinzip, daß die Hausgehilfin Gehilfin der Hausfrau int besten Sinne des Wortes ist und das Haus mit seinen Mühsalen und seinen Freuden zu teilen Hätte, würde ein schönes Zusammenarbeiten der verschiedenen Gesellschaftsklassen ermöglicht, und ein Familienleben im altpatriarcha—- kischen..Sinn geschaffen werden. ■. Dr. Auerbach schloß seine Ausführungen mit dem Hiuweis daraus, daß auch bie berusstäiige Frau ihren Haupb-, beruf nie aus den Augen verlieren darf Mesvi- Beruf fti der der? Gattin »nd besonders Mutter^

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