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Neue jüdische Presse · 1919-03-28 · Heft 13 (28.3.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 13 (28.3.1919)
Date
1919-03-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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■wimiBiiiiiiiiiiinimmtninmiwi'niiimnmn»Tiiiiiiiiiiiiini«ni? : Erscheint wöchentlich am Frettag. Bezugspreis pro Viertel'? sabr: In Frankfurt a.M. Ml.ck.SO stei ins Haus. Lei der Post : abonniert Mk.ck.Sv,ftei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Sei : Zusendung durch Streifband furDeüischland unv jösterreich-llngam Mk.2L5,fllr alle übrigen Länder Ml. 2.50. Einzelnummer 15pfg. ,»»».»»,.v»»»»»,.... Redattion und Expedition:. Frankfurt a. M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2S03 Herausgeber: Galy Geis Insertionspreis für die fechrtzejpaltene Petitzeile SOpfg., für die Reklamezeile Ml. 4.50. Lek Wiederholungen entsprechender' -Rabatt. / Platz- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichljpt. / Annomen-Annahme bei der Wred.und in a.Annoncen-Aureaus. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Rr. 4S64. 17. Jahrgang. Frettag, ven 86. Adar schein! 6679 (28. März 1919! Rr. IS. Die Lage in Pole«. iS»« Hak«ist. »ie «»»e«etn« L«>« — Hie Herrschaft Ser Rati»»«l- Seouikratt«. — Die »ahle« zu« ..Sei«.'! — Das ver- ' tzältuis r» de» J»dr«. . Mit dem Ausbruch der deutschen Revolution, die das Militärregtment in den Ländern des Ostens jäh über! den Haufen .warf», beginnt für den polnischen -Staat eine Zeit'schier ungehemmten politischen Aufstiegs. Polen sah .die Schranken, die ihm den Weg zur Verwirklichung seines imperialistischien Träume sperrten, auf -der einen Seite vAlig, auf der anderen mehr und'mehr fallen. Und hier setzte das aggressive Vorgehen der Polen gegen ihre 9J# baxstaaten ein mit dem Ziel: Die Grenzlinien des neuen Staates möglichst weit auseinanderzurücken. ' Die Gewaltigen in Paris, die über die Welt und ihre künftigen Geschicke Entscheidungen fällen, waren ja von jeher dem polnischen Volk und seinen politischen Sehnsüchten hold, gewogen; was Wunder darum, daß die S leger dem neuen Staate die Erfüllung seiner Wünsche sogleichdurchzuführen sich anschicken, daß, sie ihm langersehnte Ländergebiete ungesäumt in den Schoß zu werfen herftt sind! So scheint die durch die Jahrhunderte, des Unterjochtseins und der Bedrückung hochgehaltene, unentloegt, fanatisch! verfochtene Idee eines Großpolens och morza do morza (vom Meer zum Meer) — mehr und mehr die Atopischen Hüllen., abstreifen und in das Reich der 'Wirklichkeiten treten zu wollen. Damit hat jene politische Richtung in Polen gesiegt, deren" hervorragendes Merkmal und deren scharfes Kennzeichen die „ostwestliche Orientierung*' war und ist, die Richtung, die vonjeher sich zu Rußland und zu den Westmächten politisch hingezygen suhlte und demgemäß die bewußte Gegnerschaft zum Deutschtum predigte; alles, um die, imperialistischen Pläne, die in jedes Polen Herzen nun einmal spuken, in die Tat umsehen zu können. Führende Köpfe der polnischen Nationaldemokratie — eben die schärfste Verkörperung des großpolnischen Gedankens mit allen seinen Konseqnenzen —, die infolge der Besetzung ihres Landes im Laufe des zweiten Kriegsjahres ins Ausland gewandert waren, versammelten sich in Paris und wußten iir eifriger, zäher politischer Arbeit die deutschfeindliche Welt fiir sich, für ihre Ideale einzunehmen, zu getvinnen; wußten, feste Zusagen der Entente-Staatsmänner sür die Zukunft. zu erlangen und wissech nun, ihren Forderungen unter Berufung ans die ' ihnen gegebenen Versprechungen den notwendigen Nachdruck und di« Betonung zu verleihen. Heute, da ihre Politik eine so glänzende Rechtfertigung erfahren hat, erscheinen die Nationaldemokraten, deren Ideen schon seit langem , tief in das polnische Volk eingedrungen sind, der gesamten Nation als Retter -und Helfer,: die allein — 'anders als die früheren -Holnische» „Aktivisten"» diemit den Mittelmächten zusammengingen '-reine lpMsichtige, zum ersehnten Ziele sicher führende Politik getrieben haben, denen somit die heutige günstige Lage .zum. großen Teile zu verdanken ist- Darum lag es durchaus .'im? Lauf der natürlichen Entwicklung, daß die polliisthe'Nationaldemokratie -einjge Monate nach dem großen zentraleurvpäisch'en Niederbruch die Regierungsgrwoat im. inchen-S.taai selbst übernahm: ' Erst der. Ausgang der W a h len z u m P o l n i s ch e n SeejM. (Reichstag) hat aüf die Stärke und Machtstellung derMäÜönaldemokratie im Lande ein'Helle» Licht geworfen!', denu'ei: hat eine unbedingte Mehrheit der um das nationaldemokratische Prinzip tzescharten Elemente ergeben. Und dies «bedeutet:" daß der neue polnische Staat im Zeichen chauvinistischer Rückständigleit, politischer Reaktion, innerer Unfreiheit-ersteht. Denn die Nationaldemokraten ^-die Be^ich^ng Demokraten ist wahrhaftig nichts mehr als: rin. sthlechter Witz — mit ihrem klerikalen wie antisemjtischen Anhang bauen ihr. ganzes politisches System aUf dem Gnuchsätz > des „saortssimo" SAoismo, der Gewalt, hes nationalen Utilitarismus auf. Und dles^nächiaußenwienächinneii!?Der Weg!zur politischen mrd wirtschaftlichen Allerugeltu'ng-führtüber die Vertretunguiw Zerreibung alles FreMven im Inner« des Staates,1> .h.der nationalenjNin- "Wn.- Tieser brutäl« Gedanwngang auf dem bas inner- . Wx'--P««gr<unm ^TÄLtionaldemokrateil. fußt;. ist 'M!HiisEmän?mÄ den HnflKmn' ds^lWafs« "den Mxenden Judenhaß in Polen herausgebildet hat. Die blutigen Judenverfolgungen und Pogrome in den letzten Monaten stellen eine.Entladung der antisemitischen Wut, die Frucht der nationaldemokratischen Arbeit dar. Die Mehrheit des polnischen Volkes ist leider von diesem Geist der' Unversöhnlichkeit gegenüber allem Fremdnationalem, allem Jüdischen beherrscht, in Bann gehalten. Zwischen den P. P. S. (poln. Reichssozialisten), die die erste provisorische Regierung seit den Novemberereignissc» gebildet haben (P i l s u d s k i-M r a a c z e w s k i), bis zu de« NarodotvY (Nat.-Dem.), die den neue« Ministerpräsidenten Paderewski (einen berühmten Pianisten), gestellt haben, ist hinsichjtlich des Antisemitismus nur ein Unterschied der Taktik, eine verschiedenartige Färbung festzustellen- Und alle diese politischen Parteien mit Ausnahme der, polnischen Radikalfozialisten und Maximalisten haben fiir die Rechte der polnischen Judenheit kein Verständnis, Haben für ihre Forderungen bisher nur taube Ohren gehabt. Und doch sollte den jetzigen polnischen Machthabern manches, was sich in den letzten Jahren ereignet hat, die Augen Mer die Sinnlosigkeit der Machtpolitik, nach innen geöffnet haben. Die erwähnten Wahlen zur Nationalver- - sammlung haben erneut bewiesen: trotz aller Drohungen und Pogrome bekennt sich! das jüdische Volk in.Polen zum nationalen Programm auf das entschiedenste. Neun Juden sind — nach! den uns seither zugekommenen Nachrichten — in den Sijm gewählt worden: 5 Zionisten, 2 jBolksparteilbr» 2 ^Orthodoxe —i und die assimilatorische Richtung .hat eine vernichtende Niederlage erlitten. Das Ergebnis schließt eine scharfe Slbsagck an die Schwachmütigkeit und die Konzessionssucht gewisser jüdischer Kreise in.sich. Und bei den Wahlen zu den Stadträten trägt wiederum das Nationaljudentum den Sieg über die Polen mosaischer Konfession davon. (In Warschau figurieren unter 27 gewählten Juden nur einige Assimilanten.) Alles, weil die Erfüllung ihrer nationalen Forderungen eine blutige Lebensnotwendigkeit für die polnische Judenheit ist. DämUrert den Polen -noch! immer nicht die Erkenntnis, daß die polnischen Juden nicht ruhen Und' rasten können, bis ihnen ihr nationales Recht wird? — Ta genügt es nicht, wenn Pilsuds.ki, der jetzige Diktator, die Mitschuld der polnischen Presse an der Züchtung des furchtbaren Judenhasses zögernd eingesteht, um freilich im gleichen Atemzuge die Hauptlast den Juden wegen ihrer.politischen Haltung aufzubürden! Da genügt es nicht — obgleich es immerhin einen Fortschritt darstellt —, wenn Paderewski von einer Wandlung der polnischen Nationaldemokratie, ihres Führers Dmowski, eines der größten Judenhasser der Gegenwart, inbezug auf die Frage der jüdischen (bürgerlichen!) Gleichberechtigung berichtet, dem Problem der nationalen Autonomie' aber mit den Worten: „3&ir geben euch dieselben Rechte, wie sie die Polen in Amerika besitzen," schlauaus dem Wege geht.! Nein, Herr Paderewski: das Nationalitätenproblem, das sich immer mehr zuspitzt, verlangt ganze Lösung. Und je Mehr der Umfang des polnisch!en Staates anschwillt, desto gebieterischer wird sich die Forderung mehr her wirklichen, vollen Lösung der Nationalitätenfrage erheben und wird bis zu ihrer Erfüllung nicht verstummen! Wir wissen: das «Schicksal der polnischen Judenheit liegt. nickst mehr allein in den Händen der polnischen Machthaber. Die Böllerkonferenz in Paris,-auf die unser Blick gelenkt ist, wird daS nationale Programm, das ihr die Tagung der jüdischen Nationalräte des Ostens, die am IS. März in PariS beginnen sollte, vorlegen wird, gründlich prüfen und — so hassen wir — nach den Prinzipien des Rechts entscheiden- Wir fühlen uns stark -im «Bewußtsein dieses unseres Rechts. Werden sich nun aber auch die Poler^reiflich' überlegen, ob sie ihren Staat aus den Fundamenten des Rechts gründen wollen oder aufdem schwachenzcrbröckelnden Unterbau der rechtsfeindlichen. Gewalt? Jüdische Schulfrage«. " Wien, 20. März. In einer össentlirhen Sitzung des Jüdischen Ratioüralrates,. in der — nebenbei bemerkt — beschlossen wurde, hie Wahlen zum Jud. Nationalrat And. zwar seitens aller mehr als 20 Jahre alten Juden und Jüdinnen inmrhchb. Deutsch-Oesterreichs schnellstens in die Wege zu leiten,, wurd» eingehend über dos zu bildend» Unter-« v. richtsamt beraten. Prof. Dr. Geiger, der Bericht- -- - erstatter, stellte als Aufgaben des Amtes folgende Forderungen auf: I. Schaffung der öffentlichen und aus öffentlichen Mitteln zu erhaltenden national-jüdischen Schule, in der die jüdischen Fächer (hebräische Sprache und Literatur, . jüdische Geschichte) in möglichst weitem Ausmaß gelehrt werden. . " ". , Zu den dringendsten Vorarbeiten gehören: -- .7 « ’ 1. Sammlung des statistischen Materials. 2. Ausarbeitung der Lehrpläne.;' ' 3. Heranbildung tüchtiger Lehrer. - 4. Abfassung von Lehrbüchern. . 5. Propaganda für das jüdische Schulwerk. - v II. Reform und Ausgestaltung der vorhandenen jüdischen . Schulen. » - "... III. Veranstaltung von volkstümlichen-.Borträgen: und- Kursen über hebräische Sprache und Literatur» jüdische . Geschichte, Palästinakunde, jüdische Religion, jüdisches Recht, ’ 1 jüdische Kunst. . v- , IV. Förderung von Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft und Jugenderziehung. . V. Einrichtung von Vol8- und Jugendbibliotheke». ■ Schaffung eines Zentralkataloges alleein öffentlichemBib- - liotheken vorhandenen jüdischen Bücher. ' < - - - . > In der gleichen Sitzung hielt der als Gast, anwesende . Dr. B r au de». .Direktor des Jüd. Gymnasiums in Lodz. (Polen), einen Bortrag über seine Erfahrungen«?; . In seiner Schule, die in der Knabenabteilung von 631 . Schüler», in der.Mädchenabteilung von 300 Schülerinnen besucht wird, ist die Unterrichtssprache für die allgemeiner« * Fächer polnisch und für die jüdischen" hebräisch. Die jähr- ' lichjen Kosten betragen rund eine halbe-Million Mark And ' werden durch das Schulgeld gedeckt, das je nach der Klasse. 500—760 M. beträgt. In Polen find während der setzten"'-"' : zwei Jahre" elf Gymnasien nach Lodzer Borblld ge-.. gründet worden, und alle diese Schuten-sind'aus d em- Schulgeld finauziell gesichert. Der Schultyphat sich« bewährt. -Die Schüler der obersten Klasse strrachen . vollständig frei hebräisch, sind in der jüdischen Literatqr ) bewandert, kennen die Bibel und die jüdische Geschuhte v und wissen etwas vom Talmud.?; Tr. Brande Betonte, daß die jüdischen Schuten» die . in Oesterreich gegründet werden sollen, Muste^fchuleu, - , sein müssen. Seine Schule gebe jährlich'viele TäuseÄck. £ aus für die Beschaffung von Lehrmitteln; sie habe die^" modernsten Schulbehelfe, so ein physikalisches Kabinett, ‘ Lichtbilder usw. Schwierigkeiten bilden der MangM a>?- Lehrbüchern und die ungenügende 'AstzahE " von Lehrkräften. .Mir reißen einander die besseren' ..^ Lehrer sozusagen 'aus der Hand, es ist geradezu ein Kett'eg-^,^ Handel in dieser Beziehung eingerissem Wan zqM besseren hebräischen Lehrer in Lodz 10 Jk .die Stunde^ das ist aber liur ein besserer Bolksjchullehree; ein LehreH> der oberen Klassen mit akademischer Bildung bekommt ,2ij?k » bis 25 Jk die Stunde. Wir stehen vor der Mündung -ein'eS.^ Lehrerseminars, die Konzession habe ich schon voriges!Jah: gehabt, auch das erforderliche Geld sowie Lokalitäten jinl vorhanden. Wir haben in Lodz ein 'besonderes Amt zu Herstellung von Lehrbüchern, haben hierzu eiiAN eigenen' Fonds. Dr. Simechoni schreibt gegenwärtig ein Buch über jüdische Geschichte. Ten Unterricht in vielen Fächern? sen wir nach! Skripten vornehmen; es werden oie^BortpäK'4 sj» lithographisch vervielfältigt und unter die Schüler verteilt." v:* Dr. Brande schloß seine Ausführungen: der Wien Bolksschülllasse fernen die Kinder durch Gespräche die -ZlrU. < fangsgründe der hebräischen Sprache, dann kann man.^n i8ey zweiten Klasse schon mit Auszügen aus der Bibel begmnmi. ' x In der zweiten Gymnasialllasse sprechen mnsere SHÄpr - "I. schm , ganz gut hebräisch. - Bezüglich" der vom Referenten -\'i| erwähnten Reform des R'eligionsunt.errWjtes bemerke ich, daß Sie da nach meiner. Meinung einrn^ehler-A begehen würben, wenn Sie sich auf irgendwelche Reformen? des Bestehenden einlassen. In den östrrreichischeii^Schuleiu ..,.? hat man^ jetzt zwei Stunden wöchentlich ReligionsüAerricht-» -. Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen,, e werden aus diesen zwei S.tunden m a ch e n. k ö N u e n. Für' die .Schulen in Polen 'sindaks?° Minimum sür den jüdischen Unterricht sechs Stund engste' > gesetzt, und wir haben allen Behörden erllärt, doHWliv unter sechs Stunden keinen Finger rühren. Undmuch-Hie?? Müssen unbedingt auf die em Standpunkt verhichrsp unlx er- - llSren. daß Sie sonst lieber die gaiq^.Gesch«tzt».stE^»>N'--.-ck^. :: . ■ •!

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