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Neue jüdische Presse · 1919-03-14 · Heft 11 (14.3.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 11 (14.3.1919)
Date
1919-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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11111111111111111111111113 C : Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel- ■ jabr: In Frankfurt a.M. Mk.l.SO frei ins HauS. Bel der Post : abonniert Mk.7l.S0, stei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Bel : Zusendung durch Streifband furOeuffchland unv österreich-llngam : Mk. 2.25, für aNe übn'gen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer 45pfg. : ...................... ................^i Redaktion und Expediiion: Frankfurt a. M, Langestraße T Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Saly Geis .IIIIIIIIIIII»III»I»>I»»»»»»»»»I»>»»IN«»N»»»N»N>»UUI» : Insertkonspreis für die sechsgespaltene petitzeile SOpfg., für : die Reklamezeile Mk. 4.50. Bei Wiederholungen entsprechender: : Rabatt. / Platz- und Datum-Dorschrist ohne Derbindlichkeit. /, j | Annoncen-Annahme bei der Exped.und in «.Annoncen-Bureaus. : : Konto bei dem Postscheckamt m Frankfurt a.M. unter Rr. 4864. : 17. Jahrgang Freitag» Len 12. Adar scheint 5679 (14. März 1919) Rr. 11. Die Ergebuiffe der Züricher Konferenz. - Un^er Berichterstatter hat in, einem ausführlichen Bericht all das wiederzugeben versucht, was die Reben und Debatten der fünftägigen Züricher Konferenz brachten, — und es ist.nunmehr unsere Aufgabe, Bedeutung und Ergebnisse dieser von der Leitung der Agudas Jisroel-Organifation unter dem Namen „Weltkonferenz der jüdisch-orthodoxen Verbände" veranstalteten Tagung festzustellen. Vorerst fei mit einigen Worten auf die Legitimität der Versammlung eingegangen. Wir nähmen bereits von einigen Gegenkundgebungen: Kenntnis, nämlich von dem Proteste einer Anzahl holländischer orthodoxer Rabbiner und von dem Proteste Dr. Ascher's-Neuchatel. Inzwischen sind weitere Gegenäußerungen bei .uns eingelaufen. Der Warschauer Verein >,Schlome Emune Jisroel" beschwert sich, daß die Züricher Agudoleitung die Namen feiner zwei Delegierten, die er auf Ein-, lädung zur Konferenz gewählt hatte,. als ihr nicht genehm strich Räbb. Schapira, der Präsident der etwa täusend glaubenstreue Ostjuden umfassenden Wiener. Vereinigung Jischuw Erez Jisroel, protestiert im Namen dieser Organisation, „daß eine Gruppe selbst nominierter orthodoxer Juden sich , in Zürich als Weltkongreß der Orthodoxie ausrufen läßt". Tie „Allg. Jüd. Ztg." in Budapest wendet sich gegen die Reise führender orthodoxer Persönlichkeiten Ungarns nach Zürich, nachdem ihnen niemand einen Auftrag dazu erteilte und nachdem die orthodoxe Landeskanzlei den Vertretern der orthodoxen Gemeinden die Berufung von Vertretern zur Züricher Konferenz , verheimlichte; die Gemeinde , Nagyvarad habe iroch rechtzeitig von diesem «Vorgehen Kenntnis erhalten und darauf sofort ihren Oberrabbiner Friedmann nach Zürich entsandt. All' diese Beschwerden möge die Leitung der Agudas Jisroel auch noch nach der Konferenz prüfen und im Interesse der von ihr vertretenen Sache vor der.Qessentlichkeit beantworten.^. . 'Wir 'selbst möchten aber auf die Frage der Legitimität der Konferenz nicht eingehen und zwar,^aus folgenden Gründen: Tatsächlich waren die : Richtungen der traditionstreuen Judenheit auf der Tagung vertreten, wenn auch die den Initiatoren genehme Richtung weitaus bevorzugt war. Des, ferneren erschwerten die ungewöhnlich großen Verkehrsschwierigkeiten eine Einberufung der Tagung nach denwkratischen Grundsätzen unleugbar im wesentlichen Mäße. Man muß anerkennen, daß die Konferenzin fünftägiger ernster Beratung nicht nur eine Fülle von Problemen aufzeigte, sondern sich auch ehrlich bemühte, .'Wege zu ihrer Losung, zu finden. Im Osten, dem Zentrum der traditionstreuen Judenheit; hat' der Krieg vernichtend auf das jüdische Leben gewirkt, und die Versammlung war sich klar chaWer,. daß es großer ideeller und materieller Krastanstrengung braucht, um wieder ausbauend zu 'wirken: Die Gründung eines großen Z'entralsonds :M>'Wch^^<4ttck^.Ti?l!muh'ThoraA^ soll hier die materiellen Voraussetzungen für eine Reorganisation^ schaffen. i Die' größte Aufmerksamkeit' der Tagung galt der zÄünftigemPalästlnätätigkeit, da. die FriedenskonferettA' ein ' imtmiömeä jü8isih«S. f öentetritoefeit in Palästina in irgend einer Form.beschließen dürfte und -damit Palästina in absehbarer Zeit .zu dem Lande einer großen jüdischen Siedlung sich entwickeln dürste. Es wurde die Verwirklichung großzügiger Pläne in die Wege geleitet, besonders die Gründung einer Bank und einer Jakob Rosen- Heim-Kolonie. Eine Arbeitsgemeinschaft aller für die praktische Palästinaarbeit tätigen träditionstreuen Organisationen soll die Summe des Erreichbaren auf das .Höchstmaß steigern. Nachdem es nun einmal in der traditionstreuen Judenheit die verschiedenartigsten Strömungen gibt, kann man es nur aufs innigste begrüßen, wenn eine Vereinigung der gesamten traditionstreuen Judenheit. w allen diesen Strömungen ein gemeinsames Programm zur Ausführung zu bringen sucht. Bedenken erstehen erst, wenn über dieses, allen gemeinsame Programur hinaus gegriffen wird. Ist dies nun hier geschehen? Jakob Rosenheim, der Führer der Agudo, will die gesamte gesetzestreue Judenheit der Welt als .eine selbständige Einheit zusammengefaßt wissen und erklärt es als einen Fehltritt, wenn man aus den Reihen der gesetzestreuen Judenheit sich jüdischen Organisationen anschließt, die nicht aus dem Thorajudentum fußen, denn im Anschluß an solche Organisationen .entstehe eine Trübung der reinen Idee des Thorajudentums. Von diesem Standpunkt aus verurteilt er die Gemcindeorthodoxie und den Misrachi. Er nimmt die Angehörigen beider wohl in die Agudo als den Weltverband der traditionstreven Judenheit auf, betrachtet es aber als eine Aufgabe der Agudo, Gemeindeorthooxie und Misrachi als Abirrungen zu bekämpfen. Das ergibt doch sowohl für Gemeindeorthodoxe als auch für Misrachisten in der Agudo einen unbedingt Aenderung erheischenden Zustand. Was sie als-eine eminent jüdische Aufgabe ansehen: nämlich das Wirken als bewußt traditionstreue Juden in der großen Gesamtjudenheit, wird hier als eine jüdische Pflichtverletzung angesehen, und. er wird einer derartigen Verbindung mit der - Gesamtjudenheit zielbewußt entgegengearbeitet. Nicht der einzelne traditionstreue Jude, sondern nur die traditionelle Judenheit als abgeschlossener Gesamtkörper dürfe die Gelegenheit ergreifen, die Verbindung mit der Gesamtjudenheit bei Wahrung ihrer Prinzipien zu dokumentieren. Diese Methode; die zahlreichen Teilnehmern der Züricher Konferenz sicherlich nicht bewußt wurde, führt trotz aller schönen Worte in der Praxis zu einer Zweiteilung der. Judenheit, zu einer Negierung des jüdischen Volksgedankens. Jakob Rosenheim rechnet Nicht mit der Möglichkeit, daß die Verhandlungen der Kommission der Züricher Konferenz' mft den Zionisten über die Palästinaforderuugen auf der Friedenskonferenz. sich zerschlagen könnten, — doch da die Möglichkeit immerhin- Vorhänden ist, so ist sie in .Erwägung zu ziehen.' Unter Umständen bringen also Ägudo und Zionistische Organisation getrennt ihre zionistischen Förderungen vor der nichtjüdischen Welt vor.*) Gemeindeorthodoxe wie Misrachi müssen dies älk ein Verbrechen an der jüdischer Volkseinheit *) DaI wäre Umsomehr zu'bedauern, da doch der Züricher Konferenz - eine legitime Berechtigung zu foühenr Schritte nicht zuerkannt werden kann. betrachten; wenn sie nicht erreichen, was ihr ' jüdischer Standpunkt erstrebt, dann kämpfen sie innerhalb dieser Volkseinheit dafür und gefährden sie nicht. Rosenheim kennt nur die Thoranation; .nicht aber die jüdische Nation schlechthin. Ihm ist die Thoranation Grundlage, .dem Gemeindeorthodoxen und dein Misrachisten ist sie Zielt In ihrem Bestreben der konsequenten Durchführung einer Sonderorganisation ist die Züricher Konferenz so weit gegangen, ein eigenes Gesundheitsamt für Palästina zu beschließen, trotzdem dir Zionistische Organisation schon längst ein derartr- . ges Amt in Palästina errichtet bat und ein Gesundheitsamt doch wahrlich nicht ideale j jüdische Interessen, sondern rein menschliche Interessen betrifft. Man sieht, wohin der Weg der Leitung der Agudo führt. Wir können diesen Weg nicht mitgeheu, aus so tiefem Herzen heraus wir auch eine, brüderliche Zusammenarbeit mrt allen traditionKtreucn Gesinnungsgenossen jeder Schattierung wünschen. Gemäß unserem Standpunkt werden wir uns deshalb nicht von der Agudo trennen, im Gegenteil: wir werden es zu'erwirken suchen, daß ein zukünftiger Kongreß der Agudo. .eingerufen auf demokratischer Grundlage, ein Programm annimmr, das die Denkweise aller Strömungen innerhalb der traditionstreuen Judenheit respektiert uni>.f» wirklich eine Organisation schafft, in der jedertradition-treue Jude mit Lust und Kraft Mitarbeiten -' kann. Die zionistischen Vorschläge von der Friedenskonferenz einstimmig angenommen.; Wie das Jüdische Preßbüro Stockholm telegraphisch mitteilt, sandte Lord Balfour der zionistischen Delegation in Baris seine Gratulation mit der Mitteilung, daß die zionistischen Vorschläge einstimmhr a n g e n o m m e n. worden seien. Dieser Beschluß der Friedenskonferenz beziehtsich auf die Forderungen, die von der zionistischen DelegÄtion unter Führung von Weizmann und Sokol»w der Friedenskonserenz vorgelegt wurden, lieber den Inhalt dieser Forderungen^ die also nunmehr zum Beschluß, erhoben worden sind, unterrichtet das nachfolgende Tele» gramm des Stockholmer Jüdischen Preßbüros: Am 1. März, fand die Fortsetzuung der Verhandlungen mit der zionistischen Delegation bei der Friedens-, konferenz.statt. Weizmann sprach englisch, Sokdlow französisch und Usfischkin heMisch. Die Times bemerkt dazu.: „Seit Jahrtausenden wurde die hebräische Sprache auf der Friedenskonferenz zum ersten Male wieder, gehört." In einem Interview in der Times erklärte Weizmann, daß er mit dem Verlauf der Verhandlungen zufrieden sei und vertrauensvoll der Annahme der zioni. stischen Forderungen entgegensehe. In politischen Kreist» in Paris herrscht einstimmig die gleiche Meinung. Das von den Zionisten der Friedenskonferenz über-*, reichte Memorandum umfaßt 14 Seiten, hat eine blauweiße Titelseite und ist vom 3. Februar datiert. ES ist unterzeichnet von Rothschild, Sokolow und- Weizm ann namens den Zionistischen Organisation» von Ro so w namens der Zionistischen Organisation» von. Rußland, von Mack. Wise,' Friedenwabd,Miß Feld, Robinson, de Haas für die-Zionistische

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