Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1919)
- Date
- 1919-03-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2693126-2693136--10641-2705997- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
jjiKi : >01- ■' ■Ml r'HU ’ - ¥•* r’i: .iiiiinuiiiiiimiiiiiiiiiiHiiiiiiimiiiimiiiiiimimiumiiiiHiiuuH. r Srschelni wöchentlich am Freitag. Lezugspreis pro Viertel. : :jabr: In Frankfurt a.M. Mk.ck.SO ftei ins Haus. Lei der Post : : abonniert Ml. ck.SO,stei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Lei : | Zusendung durch Streifband furDeuischland unv üsterreich-llngam > :Mk. 2.25, für alle übrigen Länder Ml. 2.50. Einzelnummer ckLpfg. : ...MM...MM.,.. Redattiön und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galt) Geis Insertionspreis für die sechsgespaltene Petitzelle50 pfc, für die Reklamezelle Mk. ck^O. Lei Wiederholungen entsprechenver/ Rabatt. >platz- und Oatum-Vorschrist ohne Verbindlichfeit. / : AnnonreN'Annahme bei der Exped.und in LAnnoncen-Äureaus. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Rr.4664. IIIIIN,,,,, . ^..==.. 17. Jahrgang. Freitag, de» 5679 (7. März ISIS) . Kr. IS. Die Züricher Kanserenz. St« weiterer Bericht über den BegrützungSabend. . Der Begrnßungsabend fand im Saale des Konservatoriums. statt. Der Eintritt wurde mir mit auf Namen ausgestellten Karten gestattet. Gegen 8Vs Uhr wurden die Türen geschlossen, und Rabb. Dr. Lewenstein ergriff das .Wort. Redner war innerlich gehoben und ergriffen, diese hohe Versammlung, die „Großen Israels" - als erster zu . begrüßen. Er wies,<tuf den welthistorischen Moment hin und forderte die Anwesenden auf, sich zu erheben und den. hohen Gästen» die trotz der großen Reiseschwierigkeiteil es ermöglichten, zu kommen,, Scholaum zuznrusen. Ter ganze Saal erhob sich und rief dreimal Scholaum. <. Die Redner (besonders Dr. Kohn, Basel und Prof. ^Margulies, Florenz) betonten die Einheit des ganzen jüd. i Volkes.- „Wir smd ein Volk,"' sagte Dr. Kohn, und alle /betonten die Wichtigkeit der Tauroh, des überlieferten //Judentums für das jüdische Volk und für die - ganze /Menschheit. '.'C Zur Sache selbst, was eigentlich die Mgudoh mit dieser Tagung will, sprachen Dr. Nathan Birnbaum und //'Jakob Rosenheim. .Dr. Birnbaum sprach erst -zu-den Delegierten in „Jargon". Er warf ihnen vor, daß sie bis jetzt'nichts taten, zu weich waren, auf alles, was die „andern" taten, pur den Kopf geschüttelt haben, doch jetzt) wo es sich um Sein oder Nichtsein handelt, / sie-sind gekommen, weil sie fühlten, sie müßten kommen. - ^Sodann wandte er sich in Hochdeutsch zum Publikum. /Er vergliche das' jüdische Volk mit den alten Pyramiden. Wenn einem von den Ziegeln einfallen und . sagen würde: wir wollen uns auflösen, anderswo hingehen und aus uns einen andern modernen Bau machen, wir wollen, keine : Pyramiden mehr bleiben, so — ineinte der Redner — würden die andern Ziegel sagen: Nein! wenn wir bis jetzt -Pyramiden waren, wenn wir viertausend Jahre Pyramiden - sein konnten, so wollen's wir weiter bleiben. Dann wies er' hin auf die Ewigkeitsworte des Judentums, das in ' seiner ganzen Reinheit und Größe erhalten werden muß. ''Wir wollen nicht noch ein London oder Paris aus uns machen, wir wollen Juden, Träger des Judentums, bleiben. R/osenheim sprach wie immer; er erhob sich über die Köpfe hinweg. Der Krieg war ein Kampf der Organisa- ,• turnen, die Organisation an sich zu reißen. Der Kampf — nicht gegen die Person, sondern gegen den Geist — darf auch jetzt nicht -gescheut werden. - O. I. Bedanke« beim BegrützungSabend. - Glänzende Lichtesfülle, glänzende Menschenaugen, glänzende Worte, — allüberall Stimmung, festliche Gehobenheit, frohe Erwartung,, daß aus dem Schoß der Stunde das..erlösende Wort erstehe, das herausführe die dem Sinaiworte noch.treue Judenheit aus den Wirrnissen der Gegenwart. - . ' Und doch kann ich! mich nicht wie die andern der unbefangenen Aufnahme der Gaben dieser Stunden hingeben, denn hinter all' der Helle sehen meine Augen Schatten imd hinter den Worten hört mein Ohr manch' einen -lsnterton, der.mein kritisches Empfinden berührt. .).///,.',MM»nfwe«z der jüdisch-orthodoxen Verbände" — ein stolzes Wort! In Wirklichkeit sind aber die Teilnehmer ander Konferenz ohne Mandat der Mitglieder der Organisationen, die sie vertreten. Es ist mir nicht bekannt, daß der-Konferenz in den orthodoxen Verbänden .Wahlbewegnugen und Wahlakte vorangingen, und daß den Mitgliedern der orthodoxen Verbände Zweck und Ziel der Tagung unterbreitet'worden wäre. Das. demokratische Prinzip, ist ganz ausgeschaltet worden. , ,Wohl sind die Erschienenen zum. Teil Leiter größerer ' oder kleinerer orthodoxer Organisationen, — kann sie dies Der berechtigen, für diese Organisationen bei einer solch bedeutungsvollen Tagung zu sprechen, wemr die Mitglieder nicht 'gehört worden sind? / Zeigt sich nicht bei Veranstaltung, Zusammensetzung uüd Leitung oer Konferenz der beherrschem>e Einfluß von Männern, die innerhalb der traditionell gesinnten Judenheiteine ganz schärf umschriebene Stellung, einnehmen? . Wäs bchwecken/sie mit, dieser nach außen stark wirken sollenden Veranstaltung, die sicherlich mehrere hunderttlül- - send Mark/Unkosten verschlingt? . ' Jch)tvarle auf /Jacob Rosenheim, den Führer, ans Fävob Rosenheim, den geisügen Bäter auchdieser Weltko'nserenz) Und- JaöoL?Rvsenhenn>! spricht: Mmpf-für! das jüdische' Volk äls Nation deS^G/otteSgesetzes!^ In - diesem. Sinne Formulierung der Forderungen der orthodoxen Judenheit für die Friedenskonferenz! i Eine Sonderaktion hinsichtlich Palästinas für die Friedenskonferenz? Doch warten wir den Verlauf der Verhandlungen ab. — ' Ploni. 2. VersammlüugStag. Die Verhandlungen des Sonntags waren der Palästina-Arbeit gewidmet. Dazu referierte ausfiihrlich M. M. Löb-Berlin, der zunächst die drei Faktoren bespricht, die nötig sind, um das Land zu kolonisieren: den Boden, die Einwanderer und das Kapital. Man muß sich mit den anderen Organisationen über den Boden verständigen. Das altjüdische Bodenrecht muß wieder beachtet werden. Die Spekulation mit dem Boden maß ausgeschlossen sein. Die jüdischen Arbeiter müssen so bezahlt .werden, daß 'sie ihr, Auskommen finden. Es müssen Schulen gegründet werden zur Heranbildung tüchtiger Arbeiter und Arbeiterinnen, Bauern .und Bäuerinnen. Auch für. die Industrie muß Kapital bereit gestellt, werden. Das Ergebnis dieses Referates bildete eine. Resolution, die fordert: 1. Die thoratreuen Kreise müssen in einem sich bilden-, den 'Zentraleinwanderungsamt nebst allen Zweiganstalten, hinreichend vertreten sein. 2. In Palästina muß eine frühzeitig einsetzende Grundnnd Bodeilgesetzgebung Mißbrauch des Bodenbesitzers ausschließen. Deshalb: Verhinderung jeder Latifundienbildung/ Einführung einer Verschuldungsgrenze. Begünstigung von amortisablen Hypotheken in Verbindung Mit Lebensversicherung, Anerbenrecht, gesetzlichen Genossenschaften. 3. Für die Bewirtschaftung und Vertretung von Produkten ist die Genossenschaftsform zu bevorzugen. 4. Landwirtschaftliche Ausbildung durch: Fachschulen, Lehrfarmen, nsw. 1 . : ' ' ' ' 5. Bildung ■ eines Studienausschusses, bestehend aus Landwirten, Kanfleuten, Industriellen, Merzten und Volks- Wirtschaftlern zur Prüfung der Ansiedlnngsverhältnisse in Palästina. ■ .1 Die weiteren Redner äußerten sich hauptsächlich über die Gründung einer Palüstinabank, so Hollän- ..d e r - Kopenhagen, Gr ü n b an m-Nürnberg, Dr. Lieber- Prag, Zahnarzt Ehrmann -Frankfurt a- M., Rlosen Heim-Frankfurt a. M., Jacob svhn-Zürich. Dabei .wurde von verschiedenen Seiten immer wieder betont, daß es nötig sei,, mit den Zionisten in der Palästina-Arbeit Hand in Hand zu gehen (so wie, Max Cohen-Köln, Oberrabbiner Fuchs - Großwardein u. v. a.). Eine Schlußresolution verlangt, daß. der Aufbau des/ jüdischen Lqndes mir auf Grundlage des jüdischen Gesetzes geschehe, und daß ,eine Kommission von Gedaulei Thauro die Anwendung dieses Prinzipes in einem5 Entwurf ausarbeit«/, der die Bestimmungen über Eherecht, Sabbat, Schmitt» und Schulverfassung berücksichtigte. In dieser Debatte hatte sich! Rabbiner Dr. Breuer-'Aschaffenburg nicht enthalten können, die Zionisten durch den Ausspruch: „Mögen wie einstunter Esra alle Mamserim nun auch alle diese Elemente fort von uns ziehen, — und wie Esra mit den Mamserim werden wir auch mit den Zionisten fertig werden" zu beleidigen, worauf ihm der Vorsitzende das Wort entzog. 3. Versammluugötag. Am Montag.stand die Frage der.,Organisation der thvratrenen Judenheit" auf der Tagesordnung, wozu Jacob Rosenheim-Frankfurt a. M. das einleitende Referat hielt. Die'Tatsache, daß die Inden ein Volk sind, führte der Referent aus; ist erst recht deutlich in dev Kriegszeit ausgetreten und doch nicht im rein nationalen Sinne will er diesen Begriff gefaßt wissen, sondern im jüdischen Sinne, als Gottesvolk. So, wie unser Gott unvergleichlich!ist, so-auch unser Kolk. Der Rabbinische Rat ist/der Träger' des Geistes, des Willens der Agudas . Jisroel. Er muß ander Spitze des Verbandes stehen. Doch aus den Volksk^isen müssen mene Gedanken zuströmen, die von der obersten Spitze verarbeitet werden. Das Statut' der Agudas Jisroel "sieht eine Dezentralisation in ajlen Ländern vor. Die Schwierigkesien sind verschiedener Art. Ungeheuere Geldmittel sind nötig für die Organisation und doch ist das geistige Leben der heutigen Zeit ein gewaltiges und opferfreudige Menschen gibt es genug, 'ffla /geistige und alle andere Fragen müssen >im Programm der Atzudas Jisroel ausgenommen werden. Die Agudas Jisroel hak nur jüdische Politik in den letz/en Jahren batrie-'. ben. Der Referent wünscht inanbetracht der jetzigen Ver- ‘ hältnisse, daß die» Leitnng in ein.neutrales Zant»' ' verlegt werde. Diese muß die Kenisio gedaulo vorbereitem. Die nächste Arbeit soll sein: Die Konstituierung des räbbi-inisckeu Rates und die Bildung von Ortsgruppen in allenf Ländern. Ueberall müssen alle Richtungen des thvratrenen ‘ Judentums zu Worte kommen können. Das jüdische Volk ist >, nun auf die Bühne der Weltpolitik getreten, daher müssen, wir auch unsere Forderungen stellen und vor allem das " jüdische Gottesbekenntnis der Welt zurnsen. - Hieraus spricht Rabb. Designi-Verona. Er nennt, -; die Konferenz die bedeutendste, die es je gegeben hat. Dp? .' italienischen Rabbiner sind alle orthodox, die Schüler von.. . Professor Margulies-Florenz. Wenn es auch schien, daß dm. J?-- Rabbiner nicht einig sind, so werde doch, auch in Italisch--. - . eine Agudas Jisroel zustande kommen. Er bemerkt firr/ sDi... persönlich, daß er den reinen Nationalismus für gefährM', ' lich» halte, aber er ist für die Zusammenarbeit mit &eWc? c Zionisten und für gegenseitige Annäherung namentlich in-.' den Forderungen, die von jüdischer Seite an den'Friedens-:/ kongreß gestellt werden sollen. ' .V. Dr. Jonas Simon »Heidelberg spricht über . her» /1 Verhältnisse bet Ost- und Westjuden. Zn diesem -Thema V* äußern sich nach.M. W 'Löb, Rabb. Dr. Breuer Raß^.'! Horowitz (Galizien), Rabb. Rottenberg -Schevenmo-^-' gen, der die Verlegung der Leitung nach Holland vorschlägt,-//.' Rabb. Dr. Klein-Nürnberg, der die Wirtschaftsfragerr-.H-7 mehr -betont wissen will. Rabb. Sacerdot e-Rom schilderte die großen Mühech." die notwendig waren und sind, um das totg.glanbte jir--- dische Sein in Italien wieder zu beleben. Man soll na-> / mentlich für das Erziehnngswesen die Hauptsache«i in der Agudas Jisroel leisten, . Wolf Jarobso.hn-Hamburg verlangt eine genaue -/ Prüfung der Grundlagen der Agudas Jisroel. - // 4. Versammlnugütag.; Am Dienstag wurde zum Beginne der Sitzung , eine»-^ .' Kommission gewählt, die die Wahl jener Delegierten vorzunehmen hatte, die mit den Zionisten wegen der 'Fordv-rjrangen am Friedenskongreß zu beraten hat. / Darauf hielt Rabb. Dr. Kohn-Ansbach ein.'siw-^ §' gehendes, wissenschaftlich > gehaltenes Referat über.. - djent. Begriff Nation und Nationalität. Er frug: Was ein^-'uns?'-. Die Verpflichtung zur Thora. Die Erhaltung der Thpxcrwar die Ursache der Erhaltung der Nation. Ter ZionisrDs-'/ . hat folgerichtig 'gedacht, als er Palästina verlaugte^eim.^ A Land fiü die Nation. Die Zeit verlangt eine solche? rung. National sind wir alle, aber nicht, alle nationavstifihj.' .(E Er kommt dann auf die Berhältnifle in P o l e n zu -sprechen und verteidigt den Standpunkt der deutschen Orthodoxie- /' in der polnischen Frage. " Die weiteren Beratungen betreffen die Rechts steh-./ lung der Inden in der Diaspora. Rahb. H-ocr^ ./ Witz berichtete über die Verhältnisse der Inden in Gabi--.- /' zien und in der Ukraine; H. Eisemann über-dse,-- Zustände in Litauen, wobei er für die Juden dieses«vH Landes absolute Autonomie in Kultus, Schule und-Spräche-' .•£’ verlangt. ' > . '// Rabb. Dr. St euer - Frankfurt a. M. der sich'mcn-- mehr von der Konferenz verabschiedet, mahnt eindring? ' sich znm Thorastudium und zum Zusammenschluß^ ,:J. S, - -/ Posen-Franksirrt a. M. nimmt noch die Gelegenheit;-? wahr, um gegen Rechtsanwalt Dr. Breuer zu protestieren).. der die Orthodoxen der Großgemeinde Frankfurt angegrif-' -/ fen hatte. Postn, der in machtvollen, friedfertigen Worten; zur Einigkeit mahnte, fand stürmischen Beifall bei., den - Konferenz-Teilnehmern. . . ' * < In der Abendsitzung wurde die Emigration^.-!/,' fragebehandelt.>Das Referat hieltDr. R. Dirnba.nnL-.!. Es werden vor der eintretenden Diskussion einzeln^''' Mitteilungen über die Kmnmissionssitzungen gemacht., . , Holländer-Kopenhagen berichtet, daß die, Propa--?/. gända für die Bankgründnng bernts eingeleitet sek. ^/ Dr. Lange-Frankfurt a. M. referierte über die Jiz-x . gendorganisation, deren Leitung in Frankfürt ist!-/ Cs soll eine internationale ZLugendorgLnisch.---// t i o n gegründet werden, die helfen fmk, Landarbeiter zu. ex-' * ziehen. Unbemittelte znm Besuche der Jeschiwoth zn nnt^>.HH stützensie wM tüchtige' Lehrer heranbilden, eine JüMMH ‘ zeitschrift herausgeben, einen Pressedienst einriiKen/- ' Stellung nehmen soll zu allen weltbewegenden Frägech.-Me>'-5:. Jugendorganisation will auch kräftig für .diä^-Mahbat-