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Neue jüdische Presse · 1919-02-28 · Heft 9 (28.2.1919) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 9 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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V Nr. 9. Neue- Jüdische Presse. ®btt;--fetfweie; feit»? Mbeit und feiiic- Kinder und Enstl wüchsen in' seinem- Geist heran. -Wenn ihn auch'das Schicksal hart -traf,' ihm die Gattin" und 'drei Schwiegersöhne früh entriß, so blieb er doch, im Leid wie im Glückmit dem gleich:» Gottvertrauen seinem Schöpfer ergeben. Und das Unglück verhärtete sein Herz nicht, er wurde-nur noch tiefer empfänglich für das Leid seiner Nebenmeuschen. So war er mit seinem regen Geist, seinem gütigen frommen Wesen und seinem tiefen Familiensinn - ein Träger jener gesunden, von idealer Betätigung durchdrungenen jüdischen Lebensauffassung, deren schönster Lohn darin besteht, daß sie über das Grab hinaus schöpferisch fortwirkt. Am Grabe hielt vor dem sehr zahlreichen Trauer« geleite Rabbiner Dr. Horovitz eine zu Herzen gehende Rede, in der er mit geistvoller Auslegung eines Midraschwortes über „Machasis haschekil" den Lebensgang de» Entschlafenen schilderte. Israelitisches HandwerkSmeifterhei«. . Ter Borstand der Jsr. Gemeinde hat in liebenswürdiger Weise dem Verein selbständiger isr. Handwerker und Gewerbetreibender in dem früheren Rothschildhaus Ecke Fahrgasse und Bärnestraße zwei Räumlichkeiten zur Verfügung gesstllt. Diese Räume sollen in erster Linie den Vereinsversammlungen, Dorstandssitzungen usw. dienen. , . Auch soll ein Zimmer als Schreibstube und Sprichzimmer eingerichtet werden, woselbst jeden Tag zwei Stunden vorgesehen sind zur Erledigung der Geschäfte. Die Ausstattung liegt in den Händen der Mitglieder selbst, da doch-alte Berufe im Verein vertreten sind. Der im Jahre 1909 gegründete Verein selbständiger isr. Handwerker und Gewerbetreibender zählt heute nahezu 200 Mitglieder. ' BortrSge. JiN Verein Montefiore beleuchtete Tr. I. Heinemann in einem Vortrage „Politische Tagcsfragen und jüdische Lebensanschauu n g e n" die ethischen Grundlagen der Parteiprogramme Mn den ewigen Idealen des Judentums. -Ausführlicher Bericht über denMbend, her sich tzu einer Ehrung Dr. Heinemanns, .veranlaßt durch seine demnächstine Uebersiedlnng nach Breslau, gestaltete, folgt in nächster Nummer. betxifft.auchnicht dstSelbsterniedrigung.;Berufs-, SchndeSi» und Nükionalehrf üerMteilt da^ Jlldentnm -als seinem denlvkratischen Geistes widersprechend. * „AguLaS Jisroel"-Jugen»gruppe Der Raschi-Schiur (Leop. -Oppenheimer) findet bis auf weiteres Sonntag vorm, von 8—9 Uhr statt. Der Newiim-Kurs für Damen und Herren (S. Unna) ist uunmehr auf Mittwoch abend 8l/i Uhr festgesetzt. Die bisher am Freitag abend veranstalteten Sidra- Vorträge fallen der vorgerückten -Zeit wegen aus. Das Lern-Zimmer bleibt einstweilen (auch Freitag abend) bis 10 Uhr abends geöffnet. Die vom Feld zurückgekehrten Mitglieder werden um Mitteilung ihrer mmmehrigeu genauen Adresse gebeten. »irektor Dr. Adler »«schiede«. Soeben — nach Schluß der Redaktion — erhalten Wik' die Nachricht, daß Geh. Studienrat Dr. Adler, Direktor der Realschule der Jsr. Gemeinde „Philanthropin", Ehrenvorsitzender des Verbandes der jüdischen Lehrervereineim Deutschen Reich, verschieden ist. 3« de» »tadtverordnetenwahlen Bei den nächsten Sonntag stattfiudenden .Wahlen steht auf der demokratischen Liste Gehrk e an neunter Gtelle Sanitätsrat Dr. Hanauer, .der durch sein stets bewiesenes lebendiges jüdisches Interesse, ^cin würdiger Nachfolger Josef Fromm's s. .Aim ^-tadtparlamcnt. wie dieser ein Vertreter der Jüdenhieit unserer Stadt genannt werden kann. Dr. Hanauer hat m der Werwaltuno der Jsr. Gemeinde, im Vorstand des Vereins für jüd. Geschichte und Literatur, des Centralvereins isr. Gemeindemitglieder usw. seit . Jahren aufs regste mitgearbeitet und auch durch eine Reihe publizistischer Arbeiten sein Verständnis für jüdische Fragen gezeigt. Es besteht deshalb derlebhafte Wunsch, daß er auch diesmal wiedergewählt werde. Die letzten Borträge im „Verein Tiseres Bachnrim" über „Die neuesten bereits iin Talmud erwähnten Erfindungen — Referent Jakob S. Posen— und "über „Leben und Wirken von Prof. A. Berliner" — Referent P. Wert h e i m — zeigten wieder einmal, wie gxoß das Interesse der jüd. Jugend sowohl für Borträge, die mit denDTalmud zusammenhängen, als auch für solche init Lebensbeschreibungen großer jüd.. Geister ist. Der erste Referent konnte über die Erfindungen, die bereits in der Thauto und Talmud erwähnt werden (u. a.- wird schon etwas bemerkt von Bazillen, Grämophou, Fernrohr, Flugzeugen, Bomben und sogar die Heilkraft des Radiums und die schädlich wirkenden ultravioletten Strahlen waren schon bekannt) interessante Neuigkeiten bieten. Dem zweiten Referate schloß Stadtbibliothekar Dr. Fr ei mann persönliche. Erinnerungen und Charqkterzuge Prof. Berliners an, die das Bild des großen Mannes noch vorvollkommneten. , Tr. Gust. Löffler sprach im „Ostjüd. Jugend verein" über „Einkehr und Umrehr" und legte hierbei hauptsächlich Wert auf das erzieherische Moment. - ,, Prof. Dr. Schüler behandelte im „Verein Me- Tko r C h aj i m" die- Begriffe „Ehre und Ehrfurcht in-ibrer iüdiickien'Eiaenart an einer Külle von Zitate» in-ihrer jüdischen Eigenart an einer Fülle von Zitaten .(ans dem jüdischen Schrifttum.. Das Judentum betrachtet -den-Menschen als Ebenbild Gottes, die Beschämung eines Mitmenschen ist eine Versündigung an dem Ebenbilde Gottes.. Deshalb will das Judentum, was die eigene Ehre I Offenbacher Druckluft-Anlage Offenbach a. M. Telefon 123. Unübertroffene Tepplchreinlgnng mittelst Druckluft. Wochen-Salertder. Samstag, 1. März (29. Adar rischauu). Sabbat-Anfang in Frankfurt 5 (Uhr 35 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt 6 Uhr 55. Min.,--ist Berlin 6 Uhr 25 Min. Wochenabschnitt: Wajäkhcl. — Weiteres über die Errichtung , der Stiftshütte. Parschas Schekolim. Rausch Chaudesch: Söimtag und Montag. Wvcheugottesdienst in Frankfurt. Morgens 6Vr Uhr in den meisten Synagogen, Hauptsynagoge 71/? Uhr, Königsstinerstraße 7Vs Uhr. Abends 5Vs Uhr Friedberger Anlage, Königsstinerstr. 7 Uhr, Hauptsynagoge 4 Uhr-, Börneplatz 5>h Uhr. BereinSsAalender. Zentraloerein isr. Gemeindemitglieder. Samstag, 8Ve Uhr, Bleichstr. 70: Wahlen des Vorstandes, Verschiedenes. Dl« Kolonisation des j ndischenüational' fbnds beruht aut der Selbstbesteuerung. Jüdischer Turnverein! Sonntag, den 18. März findet in den Sälen j der FranJCfort-Ioge die =Pupim-Feiep ~ statt; Abwechslungsreiches Programm Cabarett. Ball. Gäste können durch. Mitglied, eingeffilut werden. Eintritt: Uk. 5. Anfragen: Frl. B. May, Hananetlandafce. 50. Talmud Thora-Verein. Sonntag, 8 Utzr».Börneplatz: Das Buch Hiob (Rabb. Dr. Nobel). Verein Me kor CHai im. Samstag, 4 Uhr, Langestraßc 18: Mikro (Schachnowitz). , Mädchenklub. Sonntag.?Ve Uhr, Langeftr. 30: Tie Revolution und die Juden (Marg. Susmann)., M i s r a ch i - I u g e u d g r u p p e. Donnerstag, 8 Uhr, Unterlindau 21: 1. Wahl der Delegierten zum Palästina^ delegstrtentag; 2. Besprechung misrachistisch - politisch« Tagesfragen; 3. Besprechung de» Arbeistprogramms. - Verein Tiferes Bachnrim. Soimtag» SVeUhr, Kaffee Kursaal: Lessings Nathan der Weise und wir (Joseph Klibansky). Verein für jüd. Geschichte u. Literatur. Montag, 8 Uhr, Frankfurt-Loge: Nietzsche und das Judentum (Prof. Dr. Goldstein-Darmstadt). . Verein Montefiore. Frettag. 8 Uhr Gemütliche Beisammensein. Sonntag, 4 Uhr: Dritter Bortrag Prof. Tr. Goldstein. Mittwoch, 8V* Uhr: Lichtbildervortrag. Prof. Tr. Hülsen. . . Ur»«kftzrter KtmritteimachriWe«. AuSwärttse FomUremlachrichlEU. .Verstorben: Kultusbemnter Rosenblatt, 711.. Biel (Schweiz). — Moritz Nordmann, Zürich. — Stadtverordneter Isaak Schiff. 60 I., Gladenbach. Eingesandt. - Jüdische LasdarSeiter gesucht. Für die Gärtnereieine» bekannten Zionisten in Ungarn (40 Joch) mit Bewässerungsanlage bulgarischer Art! Verlobte: Hans Heimann, Zeil 21, mit Paula ' Kahn. Simmershausen. — Theo Meyer mit Martha Eisenkraemer, Mrkenseld. — Bella Feldmann, Körner-. wiese 1. mit Willy Landauer, Köuigstr. 13. — "Adele Rothschild, Schwanenstraße 13, mit Hermann Böhm. Mannheim. Verstorben: Martha Goldschmidt, 24-I., Sandweg 16. — Leopold Strauß, 41 I.. Rechneigraoenstr. 12. l— Isidor Neuhaus, 58 I. — .Julie Gans, geb. Müller, 71 I. — Wert Guggenhenn, 81 I., Hermannstraßc 10. — Zahnarzt Dr. Carl Frank, >48 I.. Reuterveg 47 — Elise Dreyfuß, geb. Leopold, 70 I.» Alt- - königstraße 15 — Isidor Simon, §4 I.. Bettinastr. 50. i — Johanna Lorch, 74 I., Mainstr. 15. — Nestor ' -Hirsch, 77 I., Kömgstcinerstr. 22. — Fanny Men- > uitann. .geh. Schloß, 83 I., Friedb. Amage 31. .— Roiel Marx, qeb. Peichert, 30 I. Bei Tag fand sie keine Zeit, ihren Träumen nachznhängen, denn Aron mußte, wenn auch die Gefahr vorüber war und die Wunde sich zu. schließen begann, immer noch besonders gepflegt werden, so'daß die Küche, die Pflege der Kinder, die Versorgung des Viehes, kurz der ganze Haushalt ihr allein oblag. Am 14. .und 15. des Monats Schwat häufte sich die Arbeit besonders) denn der 15. Schwat,. das landwirtschaftliche Neujahr, das Neujahr der Bäume, wie es der Talmudnennt, das zu -den Zeiten des Tempels für das vorzugsweise ackerbautreibende Volk Israels von großer Bedeutung war) wird heute zwar nur durch eine kleine Milderung. der täglichen Gebete gefeiert, aber in den :. Schülsn gilt es immer noch als frohes Kinderfest. In den letzten Jahren hatte Aron schon am 14. Schwas Dutzende von Kuchenblechen zusammengetrage», diesmal' mußte Riest das besorgen, weil die andern . Kinder noch zu klein waren, sie mußte aus dem Laden des Herrn Lichstnstrin, der .sie immer zu diesem Zwecke ' herlieh, fünf Dutzend näre'Tassen herbeischafsen und sie 'im Mühlbach, einem Tauchbad unterziehen, mußte abends den Teig anrühren, morgens früh nnt drei Uhr aufstehen zuni-'Kneten des Teiges und: zum Abteilen. und Backen .der Brötchen. Es mutzten viel mehr, als für die Schuljugend nötig waren, gebacken werden, weil auch die Ge- - nteindemitglieber für sich-«m-Abgabe dieser Brötchen baten, chtznn Mischbrote vom Bäcker aßen sie aus religiösen Bedenken düs ganze-Jahr nicht. * Rieke hatte diesmal alles allein zu besorgen und bra^ü. etz gut fertig, obgleich sie es erst einmal, in ihrem Heben, sechs Monate dorher, am 15. des Monats. Ab, ^'-der-- als Erinnerung än Das 'alte palästinensische Erntefest in . gleich«. Listise gestiert Nnrrde,. vor - sich gesehen -hattet " -- Das. Schulfest - wickelstsich ungestört ab, nach b« Bewirtung, in gewohnter Weist gaben -hie ' Kinder, sich ■ ■ ‘ 'S.-- deyr Spiele hin, sangen und waren lustig. Mich die Erwachsenen waren guter Laune, denn zum Abend erwartete sie wie in jedem Jahre, an diesem Tage ein großes Kränzchen mit noch besserer Bewirtung als in den in regelmäßiger Reihenfolge wechselnden Mttwochs- und Samstagskränzchen. Diesmal hatte Frau Esther zum großen Kränzchen laden lassen und man wußte, daß es dort hoch h«gehen würde. Tic ganze Gemeinde war also, trotzdem man allenthalben werktätig seinen Geschäften nachging, in stiertäglicher Stimnmng. Tie Damen richteten noch hier und da an ihrem Putz für die Wendtoilette; manche Männer, deren Zeit es erlaubte, feierten schon nachmittags, indem sie sich zn stiner Partie Tarok oder Klabrias zusammensttzten; die Kinder fuhren noch in ihren begonnenen Lotto- und Glock- und Hammerspielen uni Nüsse auch nachmittags fort. Da wandelst plötzlich ein kleines Ereignis die Stimmung der ganzen Gemeinde von stlller Freude und heiterer Erwartung in 'Aufregung und Bestürzung, daß sie von einem zum andern liefen und mit bleichen Gesichtern flüsterten nnh beratschlagten. ' Welch' drohendes Unheil! Was konnte-, daraus für. alle Unangenehmes erwachsen! Wie unangenehm konnte es vor allem für den Herrn Lehrer werden! Je mehr Einzelheistn bräunt wurden, desto mehr schwirrten sie durcheinander und überboten sich an Aengstlichkert und "an unheilvollen Perspektiven in dst Zukunft. ' Jakob Lichtenstein war außer sich. Die großen Vorbereitungen, die seine Frau für das große Kränzchen getroffen, waren umsonst, es würde gewiß keiner. kommen, — und das hatte man alles „diesem hergelaufenen Frauenzimmer zu verdanken, das sich nicht entblödet hatst, den heiligen ' Jom Kippur zu entweihen.". Es war die Zeit, wo die Bauern auf ihren Schlitten das Gabholz heimführten, das dst Bürger jedes Jahrmcs denk Stadtwalde erhielten. Mittags, kam ein Bau« aus dem Walde zurück (und brachte ein Bündel Kleüwc' ans grau« Leinwand mit, dst er in einem hohlen Bawu versteckt gefunden hatte. Es waren die Kleider des Zuchthäuslers, der vor drei, Monaten am Kolnidreabend. aus dem Landesznchthäus entflohen war. r; Daß durch diesen Fund dst Spur des Flüchtlings anfgedeckt wurde, das wäre nicht schlimm gewesen. Der Fremde ging dst Gemeinde nichts an, nick er war inzwischen sicher längst in nngreifbare Ferne entkommen. Mer in dem Bündel hatte sich ein an den Herrn Lehrer gerichteter Brief gefunden, und das kannst den Verdacht erwecken, daß dieser oder dst Gemeinde üherhaupt an dem Gelingen der Flucht beteiligt gewesen sei. Der Richter, dem das Bündel übergeben worden war, hatte in der Tat sofort durch den Stadtdiener den Lehrer auf das Gericht bestellen lassen, und es waren nun schon zuan Stunden vergangen, daß der Lehrer ans der Lmtssiule im Verhör stand, und alle zitterten, ob sich daraus; nicht Unannehmlichkeistn für bie ganze Gemeinde entwickln konnten. Ms der Lehrer getteulich den Hergang in der Kolnidrenacht berichtet hatst, mutzte d« Amtsdien« auch den Synagogendiener Mendel und Rieke zur Vernehmung herbeiholen. Mendels Aussage deckst sich mit d« des Lehrers, denn jetzt machst er nicht mehr geltend, daßx « für die Aufnahme des Flüchtlings gewesen war» hingegen sprach er viel und mit großer Wichtigkeit betonst tr, wie atemlos er die Treppe, hinuntergelaufen fei untv gn verhindern, daß Rieke dem Flüchtling das Geld gebe, womit sie geklappert habe. Riest machst mtt ihren bekannstn kurzen Antworten einen schlimmen Eindruck. »Wie kamen Sst dazu, dst Flucht eines Znihthäuslers zu begünstigen?^ Wortsetzung folgt. w

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